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7

#

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9

V3;i«e<^AÄi-,<

11

DIE

NOßDFRIESISCHE SPRACHE

NACH DER MORINGER MUNDART.

13

DIE

NORDFRlESISCHE SPRACHE

NACH DER MORINGER MUNDART ,

ZUR VERGLEICHUNG MIT DEN VERWANDTEN SPRACHEN

UND MUNDARTEN.

VON

BENDE BENDSEN,

PRlVATLEHRER IN ARRÖESKJÖBlNG.

HERAUSGEGEBEN VON

Dr. M. DE V RIE S,

PROFESSOR der NlEDERLÄNDlSCHEN SPRACHE , LlTERATUR UND GESCHlCHTE AN DER
UNIVERSITÄT ZU LElDEN, MlTGLlED DER KÖNlGLlCH-NlEDERLÄNDlSCHEN


ACADEMIE DER Wissenschaften , u. s. w.

LEIDEN ,

E. J. BRILL.
1860.


. •

14

Diejenigen, denen die Gelegenheit geboten ist, vor der gänzlichen
Vernichtung friesischer Sprache und Sitte, die letzten Ueberreste der-
selben zu sammeln, sollten, so viel an ihnen ist, dazu beitragen,
diese der Vergessenheit und dem baldigen Untergange zu entreissen.


Dr. J. F. Minssen, in Ehrentraut's
Archiv, I. 276.


Nim , roune , nomm'le Frysce liuwe ,
It Frysce , dat uws hert hjir biedt ;


In aef wy rize , sinke , driuwe ,

Leaf bliuw' uws Frysce teal in lied I

Dr. E. Halbertsma, Leed in Wille , S. 2.

• ,

• ■

.

15

HERR.N

H. J. KOENEN,

JUR. UTR. DR. ' MITGLIED DER KÖNIGLICH-NlEDERLäNDlSCHEN ACADEMIE DER WISSENSCHAFTEN
UND SECRETÄR DER PHILOLOGISCHEN ABTHEILUNG , IN AMSTERDAM.


Endlich , hochverehrter Freund , wird mir die Freude zu
Theil, Ihnen die nordfriesische Sprachlehre zu übersenden, deren
Erscheinung Sie, trotz ihres langen Zögerns, doch stets mit un-
geschmälertem Interesse entgegengesehen haben. Nun an dem
so lang und so eifrig verfolgten Ziele angelangt, finde ich den
■ angenehmsten Lohn für alle auf dieses Werk verwandte Mühe
und Sorgfalt darin, dass es mir vergönnt ist, Ihnen durch diese
Zueignung öffentlich den Dank zu bezeugen, auf den Sie mit so
vollem Rechte Anspruch zu machen haben. Ohne Ihre kräftige
Unterstützung wäre dieses Sprachwerk wohl nie an's Licht ge-
treten- War doch der achtungswürdige Verfasser bis in sein
hohes Alter hinein vergeblich bemüht gewesen, die Früchte sei-
ner fleissigen Studien irgendwo unterzubringen und zum Druck
befördert zu sehen ; ja er hatte sich bereits dem trostlosen Ge-
danken ergeben, für seine Stammgenossen und für die Wissen-
schaft umsonst gearbeitet zu haben , als mir das Glüek beschieden
wurde , in Ihnen einen Retter für seine Arbeit zu finden. Ihre
rege Theilnahme an allem, was ernstes Streben auf dem Gebiete
des Wissens fördern kann, Ihre Vorliebe für die germanische


16

VI

Sprachforschung und Ihre Sympathie für das friesische Volks-
thum , reichten die Mittel zur Beseitigung aller im Wege stehen-
den Hindernisse, und setzten mich in Stand, nicht nur den sehn-
lichsten Wunsch des Verfassers zu erfüllen , sondern auch zu ver-
hüten, was allerdings zu befürchten stand, dass nämlich die
nordfriesische Mundart, bei ihrer allmähligen Auflösung, am
Ende gänzlich erlöschen möchte, ohne eine bleibende Erinne-
rung zu hinterlassen und ohne zu der vergleichenden Sprachkunde
ihren schuldigen Beitrag geliefert zu haben.


Aber nicht nur für den Dienst, den sie mit echter Liberalität
der Wissenschaft erwiesen, sondern auch für das mir geschenk-
te verehrende Zutrauen, habe ich Ihnen meinen Dank abzu-
statten, indem Sie auf meine blosse mündliche Empfchlung hin
sogleich zur Hülfe bereit waren. Jemehr ich dieses unbedingte
Wohlwollen seinem ganzen Umfange nach zu schätzen weiss ,
desto lebhafter schwebt mir die doppelte Pflicht vor Augen, die
ich jetzt gegen Sie zu erfüllen habe , nämlich einerseits Ihnen den
näheren Beweis zu liefern, dass es wirklich eine gute Sache war,
für welche ich Sie um Ihre Mitwirkung ersuchte, und anderer-
seits von denjenigen, was bei der Herausgabe des von Ihnen in
Schutz genommenen Werkes von mir geleistet worden, Reehen-
schaft zu geben.


Sie erinnern sich, wie Herr Bendsen, nach vielen fruchtlosen
Versuchen, seine Sprachlehre der Oeffentlichkeit zu übergeben,
sich im Jahre 1852 an mich wandte, in der Meinung, seine Hand-
schrift könne mir bei der Ausarbeitung des Niederländischen Wör-
terbuches nicht übel zu Statten kommen. Er hatte dazu Veran-
lassung gefunden in der von Rask aufgestellten Ansicht , dass sich
die friesische Sprache zum Holländischen beinahe ebenso verhal-
te, wie das Isländische zum Dänischen, das Angelsächsische zum
Englischen und das Lateinische zum Italiänischen. Freilich ist
diese Ansicht eine unbegründete Voraussetzung des berühmten
Sprachforschers, welcher bei näherer Kenntniss unserer Mutter-
Sprache wohl niemand beipflichten wird, da das Holländische
zwar mit dem Friesischen nahe verwandt und besonders in der
Volkssprache nicht von friesischem Einflusse frei geblieben, aber
doch keineswegs als eine von der altfriesischen Sprache herstam-


17

VII

mende Tochter Zu betrachten ist. Der Nutzen, der aus einem nord-
friesischen Sprachwerke für das Niederländische Wörterbuch etwa
zu ziehen wäre, könnte also nur ein entfernter sein. Aber auch
ohne diese irrige Annahme, worauf der Verfasser sein Anerbicten
stützte, konnte ich doch nicht umhin, sein Verlangen zu Herzen
zu nehmen, da ich nicht nur eine warme Sympathie bege für
den edlen treuherzigen friesischen Stamm , sondern auch die Wich-
tigkeit der vorliegenden Arbeit für die vergleichende Sprachwis-
senschaft erkannte, zumal da die Bendsensche Handschrift in
der gelehrten Welt nicht unbckannt und der Wunsch nach ihrer
Veröffentlichung mehrmals von den bedeutendsten Männern aus-
gesprochen war.


Es ist in der That zu bedauern, dass eine Arbeit, die sich
von jcher so viel geneigter Gönner zu erfreuen hatte, bis jetzt
ungedruckt und unbenutzt bleiben musste. Schon i. J. 1825,
als der Verfasser kurz zuvor eine Abhandlung über die nordfrie-
sische Sprache, die (wie er mir schrieb) von weit geringerem
Umfange war' als das jetzt erscheinende Buch, an die Königl.
dänische Gesellschaft der Wissenschaften in Kopenhagen einge-
sandt hatte, äusserte sich Prof Rask folgendermaassen über die-
selbe: »Herr B. Bendsen in Arröeskjöbing hat mit vielem Fleisse
und grosser Genauigkeit eine ausführliche Sprachlehre über diese
Sprachförm gesammelt, und mehrere annehmbare Erzählungen
und dergl. übersetzt, wonach sich nicht allein eine Sprachlehre
und ein Lesebuch, sondern zugleich auch ein sehr vollständiges
Wörterbuch ausarbeiten liesse'' (Frisisk Sprogläre, S. 25). Bald
darauf, i. J. 1828, hat auch Prof Michelsen, in seiner histörischen
Skizze über Nordfriesland, die Aufmerksamkeit der Sprachförscher
fuf die Bendsensche Arbeit gelenkt, und deren hauptsächlichen
Inhalt kurz angegeben. Er nennt dieselbe ein »schr wichtiges
und vortreffliches Werk," und erklärt: »Sollte der hochgechrten
Gesellschaft der Wissenschaften die Herausgabe dieser Arbeit
gefallen, so würde ihr nicht Dank genug dafür zu wissen sein"
(Nordfriesland im Mittelalter, S. 17). Und wiederum (S. 287):
> Sicherlich wird jeder Freund nordfriesischer Geschichte und ger-
manischer Sprachkunde die baldige Herausgabe des preiswürdigen
Werkes gar sehr wünschen". In gleichem Sinne drückten i. J.


18

VIII

1837 die beiden Herausgeber von Outzen's Glossarium der friesi-
schen Sprache, die Professoren Engelstoft und Molbech, ihre Hoff-
nung aus, » dass jetzt auch dieses vorzügliche und werth volle Hülfs-
mittel zur Kenntniss einer noch lebenden friesischen Mundart
dem Drucke übergeben werden möchte" (Vorwort, S. XVI). End-
lich hat der ehrwürdige Altmeister der deutschen Sprachwissen-
schaft, Jacob Grimm, der die Handschrift längere Zeit unter sich
hatte, den Verfasser schriftlich mit dem Zeugnisse beehrt, er
habe »eine bedeutende Kenntniss der nordfriesischen Mundart,
geschöpft aus lebendiger Uebung und sorgsamer Betrachtung'' , in
seinem Werke dargelegt, wesshalb es sehr zu wünschen wäre,
dass es »vollständig bekannt gemacht würde''.


Die Erfüllung dieses von so vielen und so ausgezeichneten Ge-
lehrten gehegten Wunsches hatte jedoch leider mit manchen , lange
Zeit unüberwindlichen, Schwierigkeiten zu kämpfen. Bereits i.
J. 1834 hatte Grimm sich der Sache angenommen und auch im nie-
derländischen Friesland dabei Theilnahme gefunden. Später ist
von neuen Bemühungen zu demselben Zwecke wiederholt die
Rede gewesen , und besonders haben mehrere damalige Professo-
ren der Kieler Universität, unter denen ich zu meiner Freude die
verehrten Namen der Herren Dahlmann, Falek, Müllenhoff, Nitzsch
und Ratjen nennen darf, sich sehr dafür verwendet. Aber die
Ungunst der Umstände vereitelte jedesmal die eifrigsten Bestre-
bungen, und die Hoffnung des fleissigen Verfassers, seine Arbeit
möchte einmal der Wissensehaft zu gute kommen, blieb sehmerz-
lich getäuscht.


Gewiss würde unsere Kenntniss der friesischen Sprache für
immer lückenhaft geblieben sein, wenn wir in Bezug auf ihre nörd-
liche Mundart einer genaueren Darstellung fortwährend hätten
entbehren müssen. Der alte friesische Stamm, der sich einmal
am Ufer der Nordsee von Jütland bis nach Flandern erstreck-
te und sich in mehrere Zweige theille, deren jeder seinen
eigenthümlichen Dialekt hatte, ist im Verlaufe der Zeit der-
maassen eingeengt worden , dass er jetzt nur noch in drei Zwei-
gen besteht, deren Mundarten die einzigen noch lebenden Ueber-
reste einer in jeder Hinsicht so merkwürdigen Sprache bilden. Es
sollten doch wenigstens diese Ueberbleibsel mit möglichster Sorg-


19

IX

falt zusammengetragen und aufbewahrt werden, um damit die
Lederherstellung eines treuen Gesammtbilds der friesischen Spra-
ehe möglich zu machen. Für die Ehre des friesischen Volkes
ist dieses wohl als eine unerlässliche Pflicht zu betrachten, denn
in der Sprache eines Volkes sind die wesentlichsten Merkmale
seiner Nationalität ausgeprägt.


In Hinsicht auf die friesische Mundart hier zu Lande ist
wirklich schon vieles, mitunter auch tüchtiges geschehen. Das
Westfriesische (um mich hier des in Deutschland üblichen Aus-
drucks zu bedienen, welcher Namen aber bei uns nicht zulässig
ist, da er von jcher in einer andern Bedeutung gegolten hat)
wurde nicht nur zur Zeit des Gysbert Japiks und des Althuysen
fleissig angebaut, sondern es hat sich auch namentlieb in den
letzt verflossenen Jahren eines so glücklieben Gedeihens zu erfreuen
gehabt, dass es jetzt schon eine ziemlich umfangreiche Volkslite-
ratur aufzuweisen hat, zu welcher besonders die Gebrüder E. und
J. H. Halbertsma treffliche Beiträge geliefert haben. Letzterer
hat sich vor Kurzem ' durch den Prinzen Louis Lucien Bonaparte
dazu veranlasst, um die heimische Sprache ein neues Verdienst
erworben, indem er sie mit einer schätzbaren Uebersetzung des
Evangelium Matthäi bereicherte (London, 1858), und wir haben
von seiner geübten Hand ein umfassendes Wörterbuch zu erwar-
ten, das den hohen Werth dieser Mundart für die Sprachkunde
deutlich an's Liebt stellen wird. Jeder Freund der friesischen
Sprache wird gewiss die Erscheinung dieses sehnlichst erwünsch-
ten Werkes freudig begrüssen ' und wenn auch sonst die Erzeug-
nisse der biesigen Friesen mehr einen literarischen als sprachwis-
sensehaftlichen Charakter an sich tragen, so wird doch das Wör-
terbuch zeigen, dass ihnen auch daran gelegen ist, den strenge-
ren Anforderungen der Wissenschaft Genüge zu leisten : eine
Aufgabe, welche den niederländischen Friesen, als dem eigent-
lichen Kern ihres Stammes, wohl am allermeisten obliegt.


Es ist hier nicht am Orte, von den bisher in Friesland erschie-
nenen Nationalschriften eine bibliographische Notiz zu geben ' zumal
da das Wiehtigste schon von Mone in seiner Literatur der fri-
sischen Sprache (Uebersicht der niederl. Volks- Literatur , S. 369—395) ,
von Hettema in De Jager 's Taalkundig Magazijn, II. 223-274,


b

20

und von Ottema (Friesche Volks-Almanak , 1844, S. 79—124) ver-
zeichnet, und neulich von Herrn Nij boff im Haag ein reichhaltiger,
aueb die neuesten Leistungen umfassender Catalog (Essai d'une
bibliographie de la littêrature Frisonne) besorgt worden ist. Da
indessen die in friesischer Mundart abgefassten Schriften (vielleicht
schon darum , weil sie meistentheils von geringerem Umfange
sind) nur spärlich zur Kenntniss der deutschen und dänischen
Sprachforseher gelangen , denen sie doch nicht unwillkommen
sein dürften, so meinte ich hier im Vorbeigehen auf dieselben
hinweisen und namentlich auf das genannte Essai aufmerksam
machen zu müssen.


Was den zweiten Dialekt, das Ostfriesische, betrifft, das noch
in den Saterländischen Fennen und Morästen und auf der Insel
Wangerog fortlebt, auch dieses ist durch die Arbeit mehrerer
Forscher zugänglich gemacht und hat der Wissenschaft schätzens-
werthe Dienste geleistet. Ohne die früher von Hoche und später
von Hettema und Posthumus in ihren Reisen durch das Saterland
gelieferten sprachlichen Mittheilungen zu erwähnen , die ja ein ge-
borner Ostfriese, Herr Dr. Minssen aus Jever, als »durchaus ohne
Werth.' bezeichnet hat, ist hier vor Allem das Friesische Archiv
von Herrn Hofrath Ehrentraut hervorzuheben, eine Sammlung,
welche die Kenntniss der ostfriesischen Sprache vielfach gefärdert,
und besonders durch die trefflichen Bemerkungen des Herausge-
bers über die Mundart der Wangeroger, nebst denen von Dr.
Minssen über das Saterländische ' uns mit merkwürdigen Beiträ-
gen zur friesischen Sprache überhaupt beschenkt hat. Möchten
nur die zwei bisher erschienenen Bände dieses lehrreichen Archivs
nicht länger auf ihre Nachfolger warten lassen.


Was ist aber bis auf diesen Tag für den dritten Dialekt ge-
leistet worden , für das Nordfriesische an der Schleswigschen
Westküste und auf den anliegenden Inseln, Silt, Föhr, Amrum,
und dem etwas entfernteren Helgoland ? Unstreitig nur sehr wenig,
In jedem Falle reicht es nicht hin, sieb von dieser Mundart eine
befriedigende Vorstellung zu machen. Damit sich das Bedürfniss
einer näheren Bearbeitung ganz klar herausstelle, wird es wohl
nicht unschicklich. sein ' das bisher Gelieferte hier in einem Ueber-
blick zusammenzufassen, für dessen Vollständigkeit ich mich aber


21

XI

nur in so weit verbürgen kann, als die betreffenden Leistun-
gen hier in der Ferne zu meiner Kenntniss gelangt sind.


Die mir — wenn auch nur theilweise aus eigener Ansicht —
bekannten Sprachproben verschiedener nordfriesischer Mundarten
sind folgende:


1. Eine Inschrift im Nordstrandinger Dialekt auf einem zu
Büsum vorbandenen kupfernen Taufbecken aus dem 15ten oder
14ten Jahrhundert, abgedruckt von Dahlmann in den Kieler BL
B. V. H. 2. S. 212.


2. Ein Morgen- und Abendgesang in demselben Dialekt, im
J. 1661 von Heimreich gedichtet und seiner Nordfresischen Chra-
nick vorausgeschickt. Wiederholt in der neuen Ausgabe von
Falck, I. 27 — 30, in Radlofs Mustersaal aller teutschen Mundar-
ten, II. 311 — 314, und in der unten N0. 16 erwähnten Samm-
lung, S. 192—195.


3. Zwei Lieder in der Moringer Mundart, »eines vom Pastor
P. Petreus zu Deetzbüll, auf den Geburtstag König Christians VI,
d. 30. Nov. 1732; das andere von einem Unbekannten, auf König
Friedrich V bei seiner Durchreise d. 21. Jun. 1748 ; beide für
sich gedruckt" (Outzen, S. XXVIII).


4. Ein Hochzeitsgedicht von A. Bendixen im J. 1749, in der
Wiedingharder Mundart, mit westfriesischer Uebersetzung, mit-
getheilt von J. H. Halbertsma, Hulde aan Gysbert Japiks , II.
258—263-


5. Einige Proben, als Psalmen, Lieder u. s. w. , von der Wie-
dingharder und Helgolander Mundart, in Camerer's Nachrichten
von Schleswig und Holstein, I. 48, 181— 186' 227- 232, II. 111—119.
Das Vater Unser daraus in Adelung's Mithridates, II. 243; das-
selbe nach der Amrumer Mundart. Ebendas. 244.


6. Ein kleines Gespräch, abgedruckt in den Schlesw. Provinzial.
Berichten, 1790, S. 227, erwähnt Adelung, ebendas.


7. Zerstreute kleinere Stücke in den Fragmenten aus dem Tage-
buche eines Fremden (Kopenhagen, 1800).


8. Der kleine Catechismus Lutheri im Föhringer und Nord-
strandinger Dialekt, handschriftlich auf der Königl. Bibliothek
in Kopenhagen (Falck , S. XXXI). Wohl derselbe wie die von


22

III

Outzen S. XXX erwähnte Uebersetzung des Herrn P. J. Peters
zu Wrixum auf Föhr.


d. »Der Geizhals auf der Lnsel Silt" , ein Schauspiel in vier
Aufzügen, im Silter Dialekt, von J. P. Hansen (Flensburg, 1809).
Von demselben aueb eine Sammlung Silter Lieder. Der in 1828
von Michelsen (a. W. S. 17) ausgesprochene Wunsch, dass Han-
sen.s echt nationale Silter Comödie und beliebte Lieder von
neuem abgedruckt werden möchten , ward erfüllt durch die Er-
scheinung von: »J. P. Hansen, Nahrung für Leselust in nordfrie-
sischer Sprache" , enthaltend 1. Der Geizhals oder der Silter Pe-
iritag , 2te Ausg- jt. Der glückliche Steuermann. Ein Enkel des
Geizhalses. 3. Lieder und andere Kleinigkeiten, zur schuldlosen
gesellschaftlichen Unterhaltung , 2te verm. Ausg. (Sonderburg,
1833 , 8. XVI und 284 S.).


Von den Liedern findet man einige Proben bei Firmenich,
Germaniens Völkerstimmen ' l. 1 — 7. Die vier ersten der von
Firmenich angeführten Lieder, auf die vier Jahreszeiten, in's
Westfriesische übersetzt, in Iduna, HI. 51, 108, 141 und 183.


10. In demselben Dialekt eine Sammlung von Silter Sagen
und. Erzählungen ' unter dem Titel: Uald' Söld'ring Tialen fan
C. P. Hansen üp Söld (Mögeltönder, 1858).


11. Nordfriesische Sprachproben aus drei verschiedenen Mund-
arten, in C. F. Allen.s Geschichte der dänischen Sprache im Her-
zogthum Schleswig oder Südjütland (Schleswig, 1857), II. 738 — 741.


12. Ein Märchen in der Amrumer Mundart, eine Ballade und
ein Hochzeitslied in dem Föhringer Dialekt (die beiden letzteren
erwähnt von Outzen , S. XXIX); mit Uebersetzung und Erläute-
rungen mitgetheilt von Herrn L. F. Mechlenburg auf der Insel
Amrum , in Ehrentraut's Archiv , II. 323 — 342.


13. >>Auch eine friesische Stimme an den König", ein Lied in
der Amrumer Mundart, bei Firmenich, III. 1 f.


14. Sechs Lieder von H. F. Heikens, nebst zwei Gesprächen,
in der Mundart der Insel Helgoland, bei Firmenich, I. 7 — 15,
der (S. 11) mehrere handschriftliche Gedichte des genannten
Volksdichters erwähnt.


15. Drei nordfriesische Lieder und 238 Sprichwörter, in Lap-
penkorb von Gabe Schneider aus Westfrisland , mit Zuthaten aus


23

XIII

Nordfrisland, bearbeitet und herausgegeben von K. J. Clement (Leip-
zig, 1847), S. 332 f. und 294—316. Die Lieder und ein Aus-
zug von 115 Sprichwörtern wiederholt hei Firmenich, III. 2 — 8.


16. »Frieske, Hilgelaonner en Noardfrieske Rymkes, sammle trog
De Haan Hettema'' (Dockum, 1841), enthält (S. 183—200) zehn
nordfriesische Lieder, deren drei in Helgolander Mundart; gröss-
tentheils dieselben, deren oben No. 2, 9 und 14 erwähnt wor-
den. Von drei dieser Lieder findet sich eine westfriesische Ueber-
Setzung in Iduna, II. 172 — 176.


17. Einige Helgolander Redensarten, mitgetheilt von De Haan
Hettema in De Vrije Fries , I. 356.


18. Subseriptions-Einladung vom J. 1857 zu einem Werke in
der nordfriesischen Sprache. betitelt: De freiske Siémstîn (der
Friesen Spiegel) , in welchem Herr M. Nissen , Lehrer zu Gam-
mendorf, eine Anzahl »Gedichte, poetische Erzählungen, Sagen,
Gespräche, Sprichwörter , und einen sehr umfangreichen Glossar"
in den festländischen Dialekten Nordfrieslands mitzutheilen beab-
sichtigte. Als Proben sind drei kleine Lieder vorgelegt. Leider
scheint die Subscription dem Buche keine genügende Theilnahme
gesichert zu haben; bis jetzt wenigstens ist nichts davon er-
schienen.


19. Handschriftlich erwähnt bei Outzen, S. XXIX f.: Ein
Paar Lieder von Herrn Jansen in Niebüll , im J. 1814 geschrie-
ben, und ein geistliches Lied von Pastor Quedens auf Wester-
land-Föhr.


In lexicalischer und grammatischer Hinsicht besitzen wir fol-
gendes:


1. Das öfters genannte Glossarium der friesischen Sprache von
N. Outzen, i. J. 1837 von Engelstoft und Molbech in Kopenhagen
herausgegeben; ein wichtiger Beitrag zur Kenntniss der nord-
friesischen Mundart, der aber von dem reichen Sprachstoffe nur
einen Theil enthält, und in der Behandlung bekanntlich vieles
zu wünschen übrig lässt. Herr Bendsen hat mir eine bedeutende
Sammlung von Zusätzen und Berichtigungen zu Outzen's Glossar


24

mitgetheilt, welche einem künftigen nordfriesischen Lexicogra-
phen ein sehr brauchbares Material abgeben könnten.


2. Ein Verzeichniss nordfriesischer Wörter im Staatsbürg. Magazin ,
1826, V. 739, und in Chr. Paulsen's Samlede Skrifter, I. 213,
erwähnt Allen, a. W. II. 733 f.


3. P. A. Oelrichs, Kleines Wörterbuch lur Erlernung der Helgó-
lander Sprache für Deutsche, Engländer und Holländer. Nebst
einem Anhang, enthaltend einfache Dialoge aus dem Leben in deut-
scher und Helgolander Sprache, 1846. 16.


4. »Bemerkungen über den Ursprung und Charakter der frie-
sischen Sprache. Finden sich in dem Schleswig-Holst. Magazin,
Num. XII. S. 276, und in den Schleswig-Holst. Anzeigen vom Jahr
1758, S. 557" (Falck, S. XXXl). .


5. E. J. Lyngby, 0m Nordfrisisk i Bökking og Hvidding Herreder
(Kopenhagen und Leipzig, 1858). Eine kurze, aber werth volle
grammatische Skizze der Böckingharder und Wiedingharder Mund-
arten in den Kirchspielen Niebüll und Klangsbüll im Amte Tondern.


6. J. F. Minssen , Vergleichende Darstellung der Laut- und Flexi-
onsverhältnisse der noch lebenden neufriesischen Mundarten und ihres
Verhältnisses zum Altfriesischen , in Ehrentraut's Archiv, I. 165 —
276. Der Verfasser hat in dieser Abhandlung auch das Nordfrie-
sische berücksichtigt.


7. K.J.Clement, Eigenthümliche Elemente der frisischen Sprache ,
mit besonderer Rücksicht auf das Nordfriesische , in Herrig's Ar-
chiv für das Studiüm der neüeren Sprachen und Literaturen, IX.
179—187, X. 136—147, 269—287, XlI. 7181.


8. K. F. H. Strass, Flüchtige Andeutungen über die friesische
Sprache auf den Inseln Föhr und Helgoland, im Neuen Jahrbuch der
Berlinischen Gesellschaft für Deutsche Sprache und Alterthumskunde,
VIII. 355358.


Wer sich übrigens in Bezug auf Nordfriesland ' über das Land ,
das Volk und seine Geschichte Raths erholen will, der wird in
den obengenannten Werken Michelsen's und Falck's und den
von letzterem (in der Vorrede und S. XXX — XXXVIII] angeführ-
ten Schriften völlige Befriedigung finden. Das Sprachverhältniss
der Nordfriesen, dem Dänischen und Deutschen gegenüber, ist


25

Xv

in der jüngsten Zeit, infolge der politischen Unruhen, vielfach
besprochen worden. Ausser Kohl's Nationalität und Sprache im
Schleswigschen ' erwähne ich nur das Werk von C. F. Allen, Ueber
Sprache und Volksthümlichkeit im Herzogthum Schleswig oder Süd-
jütland, nebst dessen schon genannter Geschichte der dänischen
Sprache (besonders II. 726 f. , wie auch die Sprachkarte) ; und
das Buch seines Gegners, K. J. Clement ' über die Nordgermanische
Welt, nebst dessen Abhandlung über Das wahre Verhältniss der
süderjütschen Nationalität und Sprache zur deutschen und frisischen
im Herzogthum Schleswig (Hamburg, 1849). Ich begnüge mich
die Schriften dieser beiden Gelehrten ganz einfach anzuführen,
ohne an dem Streit zwischen den » Deutsch thümlern und Dänen-
fressern.' und den dänischen »rasenden Enthusiasten" — wie
sich die Herren gegenseitig betiteln — irgend einen Antheil
zu nehmen.


Aus dem hier gegebenen Ueberblick wird wohl jedem erhellen.
wie es bis jetzt mit unserer Kenntniss der nordfriesischen Mund-
art, zumal in Bezug auf ihren grammatischen Bau. kümmer-
lich beschaffen war' und wie sehr die obengenannten Sprachfor-
scher Recht hatten, als sie die Herausgabe der Bendsenschen
Arbeit mit ihren Wünschen und ihrer thätigen Theilnahme zu för-
dern suehten.


In dieser Lage der Dinge glaubte ich etwas nützliches leisten
zu können ' wenn ich mich der Sache annähme und nach meinen
besten Kräften mich beslrebte, sie zu einem guten Ende zuführen.
Um aber nichts Üebereiltes zu thun ' wandte ich mich an J. Grimm ,
dessen Urtheil mir damals noch nicht bekannt war' und erbat mir
seinen sehätzbaren Rath. Ich hatte die Freude , eine Antwort zu
bekommen, welche, wenn sie auch die Mängel des Buches nicht
verhehlte, mich doch jedenfalls anregte, die Veröffentlichung des-
selben wo möglich zu bewirken. Die Friesische Gesellschaft in
Leeuwarden, bei der ich mich zuerst für die Uebernahme des
Druckes verwendete, war leider durch Umstände verhindert den
Antrag in's Werk zu setzen (s. den Bericht ihrer Verhandlungen
i. J. 1853, S. 6 f.). Da kam ich zu Ihnen, verehrtester Freund,
mit dem Vorschlag, sich in den Besitz der Handschrift zu stellen,
und Sie erfüllten meinen Wunsch mit einer Bereitwilligkeit, die


26

XVI

ich meinerseits nicht besser zu beantworten wusste , als durch den
Entschluss, die Herausgabe selbst zu übernchmen und ihr meine
Mussestunden in Liebe zu widmen.


Jetzt, da ich glücklich im Hafen angelangt bin, werfe ich einen
Blick zurück auf die lange und ermüdende Fahrt.


Wiewohl ich mir anfangs einen buchstäblich getreuen Ab-
druck der Handschrift vorgenommen hatte, sah ich doch bald
ein, dass es nicht möglich sei, diesen Grundsatz überall festzu-
halten. Bei aller Gründlichkeit und Genauigkeit, mit welcher
der Verfasser die nordfriesische Sprache in allen ihren Bestand-
theilen dargelegt hatte, schien doch manches in der Einrichtung
des Buches, um eine klare und zusammenhangende Darstellung
zu erzielen, eine Ueberarbeitung nothwendig zu machen, wo es
ohne Schaden für den Hauptgegenstand der Behandlung geschehen
könnte. Was die Herausgeber des Outzenschen Glossars in ihrem
Vorworte bemerken, sie haben »die Weitläuftigkeit und den etwas
breiten Wortreichthum , so wie andere schwächere Seiten dieses
linguistischen Beitrags, nicht übersehen", dürfte auch wohl hier
gelten. Namentlich war nicht zu verkennen, dass die durch
mehrere Einsehaltungen etwas gestörte Anordnung nicht wohl un-
verändert bleiben könne. Ich glaubte desshalb keinen Anstand
nehmen zu müssen, diesen und ähnlichen Schwächen einigermaas-
sen abzuhelfen, und habe mich daher bemüht, durch die erfor-
derlichen Umstellungen die Aufeinanderfolge und den Zusam-
menhang der einzelnen Theile in eine bessere Ordnung zu brin-
gen, die unnöthigen Wiederholungen zu streichen und sonstige
kleinere Mängel zu beseitigen. Einige hie und da eingeflochtenen
etymologischen Bemerkungen, die einem älteren Standpunkte an-
gehörten , so wie eine vergleichende Zusammenstellung nordfrie-
sischer Wörter mit ähnlichen aus den verwandten Sprachen, wel-
ehe nach dem übrigen Inhalt des Buches kaum etwas neues ent-
hielt, sind ausgelassen worden. Dagegen wurden die vielleicht
im Uebermaass angehäuften Beispiele unverkürzt beibehalten ,
da sie jedenfalls, wenn auch nur des reichhaltigen lexicalischen
Stoifes wegen, ihren Werth haben.


Der aufmerksame Leser wird vielleicht in den hundert ersten
Seiten des Buches , und zwar am meisten im ersten Capitel, eine


27

XVII

geringere Sorgfalt der Bearbeitung als in den späteren Theilen
entdecken. Die Erklärung ist ganz einfach diese ' dass ich damals
meine Veränderungen bei der Correktur der Druckbogen ein-
rückte, und daher mir nur eine beschränkte Freiheit nehmen
konnte. Später aber entschloss ich mich, die Handschrift vorher
zorecht zu machen, und hatte also eine bessere Gelegenheit, die
beabsichtigte Revision durchzuführen.


Ich brauche wohl nicht zu fürchten, dass ich durch die vorge-
nommene Umarbeitung, welche jedenfalls sich nur aufdas Aeussere
bezicht, dem Rechte des gechrten Verfassers Eintrag gethan
habe. Hatte er mir doch selbst die Besorgung und Herausgabe
seines Sprachwerkes mit unbedingtem Vertrauen überlassen , und
nichts anderes gewünscht ' als dass seine Arbeit in möglichst sau-
berer Gestalt an's Licht trete. Damit aber die Einmischung ei-
nes Fremden nicht etwa die Zuverlässigkeit des behandelten Stoffes
verdächtig zu machen scheine, so muss ich erklären, dass ich
mir in den Mittheilungen des Verfassers über seine Landessprache ,
dem Wesen nach, auch nicht die geringste Aenderung erlaubt
habe. Alles ist, wie es in der Handschrift vorlag, nur in etwas
besserer Ordnung und mit einigen Abkürzungen , buchstäblich ab-
gedruckt worden, auch wenn es mir mitunter einigem Zweifel zu
unterliegen schien.


Hätte ich mich nicht bei der Durchsicht einer fremden Arbeit
in enge Gränzen beschränken müssen, so wäre mir wohl leicht
die Lust erwacht, etwas weiter zu gehen. Die Behandlung der
Zeitwörter z. B. — um nur dieses Eine zu nennen — wäre mir
bei einer andern Eintheilung für die Vergleichung mit den ver.
wandten Sprachen bequemer ersehienen, und die regelmässigen
und unregelmässigen Zeitwörter hätten sich vielleicht in schwache
und starke umgebildet. Aber so weit zu gehen , wäre eine Eigen-
mächtigkeit gewesen , welche ich mir nicht zu Schulden kommen
lassen durfte; und es war eine doppelte Vorsicht nöthig, da ja
ein bewährter Kenner der friesischen Sprache, Herr Ehrentraut,
öffentlich gestanden hat, »dass es nicht möglich sei, das Zeitwort
in seiner jetzigen Beschaffenheit in den Classen der historischen
Grammatik unterzubringen" (Archiv, l. 283).


Neben der eigentlichen Grammatik enthielt die Handschrift eine

e

28

XVIII

Anzahl verschiedener Beiträge, als Wörterreihen, Redensarten,
Sprichwörter, Eigennamen und Sprachproben. Ich habe diese
zerstreuten Mittheilungen in schicklicher Ordnung zusammenge-
stellt und daraus den Anhang gebildet (S. 405 — 472), dessen
Inhalt für die nähere Kenntniss der Sprache wohl nicht unerheb-
lich sein dürfte.


Schliesslich war ich bemüht, eine neue und mehr in's Ein-
zelne gehende Inhaltsanzeige auszuarbeiten, welche hoffentlich
den Gebrauch des Buches nicht wenig erleichtern wird.


Noch ein Wort über die vom Verfassers befolgte Rechtschrei-
bung. Es wird jedem auffallen, dass diese ziemlich abweicht
von den in andern nordfriesischen Denkmälern angewandten
Schreibarten, welche wiederum einander sehr ungleich sind. Im
Interesse einer genauen Beobachtung und Vergleichung der
Sprachelemente verschiedener Dialekte, darf man die Hoffnung
aussprechen, dass doch einmal die friesischen Sprachforscher sich
über die Annahme einer gleichförmigen Orthographie verständigen
möchten, damit, wenn auch nicht die Sprache in ihrem ganzen
Umfange, doch wenigstens jede der drei Hauptmundarten für
sich einen feststehenden Typus bekomme. Das Friesisehe in den
Niederlanden hat in dieser Hinsicht einen bedeutenden, das Auf-
blühen der heimischen Volksliteratur kräftig fördernden Fort-
schritt gemacht, obgleich auch hier noch zwei Systeme einander
gegenüberstehen, deren eines sich an die niederländische Recht-
schreibung anschmiegt, das andere sich streng auf das Altfrie-
sische zu stützen sucht. Was aber das Nordfriesische betrifft ,
da wählt sich jeder seine eigene Schreibung ' und so kreuzen sich
dort alle möglichen Schriftformen in der buntesten Mischung der-
gestalt, dass man oft Mühe hat sich glauben zu machen, man
habe mit der nämlichen oder doch mit einer ganz nahe stehenden
Mundart zu thun. In wie ferne das Verfahren des Herrn Bendsen
dazu geeignet ist, die Aufgabe zu lösen, darf ein Fremder wohl
am wenigsten entscheiden. Am Schlusse seiner Vorrede spricht
er sich über dasselbe aus' und er hat mir in mehreren Briefeu,
bei einer näheren Erörterung seiner Ansichten, die von ihm ge-
wählte Rechtschreibung als das Resultat besonnener Ueberlegung
dargethan. Ich habe mich daher befleissigt, sie bei dem Abdruck


29

XIX

mit gewissenhafter Treue zu befolgen, und eben darum die et-
waigen Abweichungen in der Handschrift, in so weit sie als blosse
Schreibfehler zu betrachten waren, nach der unzweideutigen Ab-
sicht des Verfassers berichtigt. Die Ungleichmässigkeiten aber,
durch die Schwankung zwischen zwei verschiedenen Schreibungen
desselben Lautes veranlasst, habe ich nur selten zu heben gesucht.
So wird man z. B. bald Brauhser und gauhse finden, bald Brau-
ser und gause; das eine mal Nüjdd, rüjdd, Stäujll, das andere
Mal Nüjd, rüjd, Stäujl; oder kiemmen und kiemen, hähw und häw,
Hühs und Hüss, Dörnsh und Dörensh, Esh und Eesh, trong und
trung, u. s. w.; oder man wird auf Zusammensetzungen von Um-
stands- und Verhältnisswörtern stossen, die bald zu Einem Worte
verbunden, bald von einander getrennt erscheinen. In diesen
und ähnlichen gleichgültigen Fällen konnte ich wohl nichts anders
thun, als die Handschrift möglichst getreu wiedergeben, ohne
eine strenge Consequenz zu erstreben , die ja der Verfasser selbst
nicht bezweckte (s. seine Vorrede, S. xxvi).


Bei den Amtspflichten und sonstigen wissenschaftlichen Arbei-
ten, welche meine Zeit fortwährend in Anspruch nahmen, konnte
ich die Herausgabe dieses Werkes nur unter vielen Störungen
und Unterbrechungen in sechsjähriger Frist vollenden. Dass die-
ses, trotz aller angewandten Sorgfalt, die Gleichförmigkeit der
Behandlung im Einzelnen einigermaassen beeinträchtigen musste,
spricht wohl von selbst. Hoffentlich wird aber der geeignete Leser
die vielfachen Schwierigkeiten einer derartigen Aufgabe billig beur-
theilen, und den Verstössen, welche bei der Besorgung einer fremden
Arbeit kaum zu vermeiden waren, seine gütige Nachsicht nicht
versagen.


Es bleibt mir noch eine angenchme Pflicht zu erfüllen übrig,
die öffentliche Anerkennung der trefllichen Hülfe, mit welcher
mein lieber Freund, Dr. C. A. Sicherer, Lchrer der hochdeutschen
Sprache und Literatur am bicsigen Gymnasium ' mir in rastloser
Thätigkeit zur Seite gestanden hat. Nicht nur bei der Correktur
der Druckbogen hat er die eben nicht erquickliche Arbeit freudig
mit mir getheilt, sondern namentlich aueb auf die Reinheit der
bochdeutschen Sprache ein wachsames Auge gehalten. Für den
treuen Beistand sei ihm mein innigster Dank dargebracht.


30

XX

Dem geehrten Verfasser wird es ohne Zweifel zur Freude gerei-
chen , die endliche Veröffentlichung eines Buches zu erleben , das
ihm so viele Mühe und Sorge gemacht hat. Für mich ist es eiu
schmeichelhafter Gedanke, dass es mir beschieden war, die Früchte
seiner Arbeit der Wissenschaft zu gute kommen zu lassen , und
seinem Namen die gebührende Erkenntlichkeit seiner Spraehge-
nossen zu sichern.


So gehe denn dieses mit Treue gehegte Buch in die Welt
hinaus. Es gehe zu den Friesen im Norden und Osten und
Westen, und bringe ihnen den Gruss eines Fremden, der sich aber
doch — seinem Namen und seiner Abkunft nach — zu ihrem Stamme
bckennt. Es gehe und sage ihnen, dass die Holländer, gegen die
sie in früheren Jahrhunderten in blutigen Kämpfen ihre Freiheit
vertheidigten ' jetzt in brüderlicher Gesinnung ihnen und ihrer
Sprache entgegenkommen, und keinen andern Kampf mit ihnen
wollen ' als den edlen Wetteifer in Förderung der Wissenschaft.


Leiden, im Januar 1860. M. DE VRIES.

31

VORREDE DES VERFASSERS.

Was Prof. Rask von der altf riesischen Sprache sagt, gilt noch
mehr von der nordfriesischen:


»Die angelsächsische Sprache ist zwar etwas reicher an Beu-
gungen' die friesische dagegen an Zusammenziehungen, welche
beinahe wie Abänderungen ausschen, und die, in Verbindung mit
der Aussprache und den Formen der Wörter, so wie mit einer
Menge besonderer Ausdrücke, ihre Eigen thümlichkeit und Selbst-
ständigkeit bestimmen. Diese eigene Sprachform verbreitet Licht
über den Bau der verwandten Sprachen, und ihr Wörterschatz
ist eine bisher durchaus unbenutzte Quelle zur Wortableitung in
den andern gothischen Sprachen.'' (Vorrede zu Frisisk Sprog-
läre, S. 1).


Wie gross das alte Nordfriesland gewesen sei, darüber fehlen
uns bestimmte Nachrichten. Heimreich sagt in seiner nordfriesi-
schen Chronik: »Dass aber die Fresen ein gar altes Volk scien,
ist leicht zu beweisen, da sie schon den ältesten griechischen
und lateinischen Geographen und Geschichtschreibern bekannt
waren. So haben unter andern die griechischen Geschichtschrei-
ber Ephorus und Clitarehus, nach Strabo, 300 Jahre vor Christo
über die Fresen geschrieben; Plinius im Jahre 17, Cornelius Taci-
tus 100 und Ptolemäus 139 nach Christi Geburt." Der ältesten
Sage nach ist die Insel Helgoland mit dem übrigen Nordfriesland
landfest gewesen, die jetzt über sieben Meilen von der Küste ent-
fernt liegt, und auf Föhr hört man noch häufig erzählen, dass
der Erbauer der drei Kirchen und Thürme zu St. Johannis oder


32

in Nieblum auf Föhr, der Helgolander und der Pelwormer alten
Kirche, diese drei Oerter auf einem weissen Pferde beritten habe,
während alle drei Thürme gleichzeitig im Bau beriffen waren.
Ueber hundert Gemeinden mögen von den Fluthen verschlungen
sein, deren Namen man noch zum Theil auf ältern Karten findet.
Aus Ditmarschen, Eiderstedt, und von den Inseln Nordstrand
und Pelworm ist die friesische Sprache durch die plattdeutsche
verdrängt, so wie zum Theil in dem Dorfe Stadum auf der Vor-
geest durch die dänische, wo vor 40 Jahren noch durchgängig
friesisch gesprochen wurde. Nur in 38 grössern und kleinen
Kirchspielen der Aemter Tondern, Bredstedt und Husum, welche
den westlichen Küstensaum nebst einem Theile der Vorgeest
einnehmen , so wie auf einigen Inseln und Halligen der Westsee ,
wird sie, in verschiedenen Mundarten, noch jetzt vom Volke ge-
sprochen. Die Einwohnerzahl dieser 38 Gemeinden, mit Einschluss
der Insel Helgoland, wird nur wenig über die 30,000 steigen.
Das Herzogthum Schleswig beträgt nämlich 165 Quadratmeilen ,
mit 350,000 Einwohnern, als: 170,000 Deutschen, 150,000 Dänen
und 30,000 Friesen. Siehe Jörgensen Jomton's Struensee (Kopen-
hagen , 1852), S. XXVIII der Einleitung.


Es geht natürlich mit dieser, wie mit jeder Volkssprache, die
sich nicht zur Schriftsprache erhoben hat. Ueberall findet man
Abweichungen, Veränderungen in der Aussprache, in Ausdrücken,
Redensarten und Wendungen , selbst in den benachbarten Gemein-
den. Am reinsten und geläufigsten möchte indessen die nord-
friesische Sprache auf dem festen Lande, gegenwärtig wohl in
dem sogenannten Risummoor, den Gemeinden Risum, Lindholm,
Niebüll, Deezbüll, so wie in den benachbarten Kirchspielen Dage-
büll, Fahretoft, Stedesand und Enge sein. Auf den sogenannten
Halligen, Hooge, Langenäss, Nordmarsch, Gröde und Oland , so
wie in dem Flecken Wijk auf der Insel Föhr, spricht man, mit
sehr unbedeutenden Abweichungen, dieselbe Sprache wie auf
dem festen Lande der genannten Oerter. Dagegen weicht die
Sprache der übrigen Föhringer, so wie auf den Inseln Sylt und
Amrum, so bedeutend von der Festlands-Sprache ab, dass die Kü-
stenbewohner sich oft nur mühsam mit ihnen verständigen können.
Die Sprache dieser Insler ist vielleicht alterthümlicher, aber


33

XXIII

dabei höckerig und wortarm , die der Festländer wortreicher und
fliessender; diese mehr ausgebildet, jene der Insler mehr ver-
nachlässigt.


In den vorerwähnten Gemeinden des festen Landes, so wie in
den benachbarten, sie umschliessenden Kögen, findet nun durch-
gängig die grösste Uebereinstimmung Statt, wenn man kleine un-
bedeutende Abweichungen ausnimmt, z. B. báll, bald, und bāll;
ersteres in Risum, dieses in Lindholm. Merkwürdig ist es indes-
sen, dass man in Niebüll und Deezbüll, die Risum und Lindholm
gerade gegenüber liegen, und kaum eine Viertelmeile davon ent-
fernt sind, keinen Dualis gebraucht , der doch der Sprache ganz
eigenthümlich zu sein scheint. Wo die Ostermoringer ihre Zwei-
heit: wát,ját, unk, unken, junk, junken gebrauchen, da setzen
die Westermoringer die Mehrheit des persönlichen und des zu-
eignenden Fürwortes: we, jám, ühs, ühsen und járinge, auch
wenn sie nur von zweien sprechen.


Da nun diese, gewiss uralte, Sprache mit jeder Generation von
allen Seiten durch die dänische und plattdeutsche immer mehr
beschränkt wird, und ihrem allmähligen Aussterben entgegen-
geht, so habe ich mich der, wahrlich nicht leichten, Mühe unter-
zogen, sie durch gegenwärtige Arbeit von ihrem gänzlichen Un-
tergange bei der Mit- und Nachwelt zu retten.


Für die Rechtschreibung konnte, bei der Bearbeitung dieses
Werkes, keine andre Regel angenommen werden , als die Aussprache
eines bestimmten Bezirkes, in welchem die wenigsten Abweichun-
gen vorkommen. Ich habe daher die Mundart meines eigenen
Geburtsortes (Risum) gewählt , welche ich nicht deswegen für die
reinste halte, weil sie meine Muttersprache ist, sondern weil sie
mit den obengenannten, welche allgemein für die besten gebalten
werden, am meisten übereinstimmt. Auch neigt sich hier die
Sprache weder zum Deutschen nöch zum Dänischen, und gestattet
keine fremdartige Einmischung, ohne dadurch in's Lächerliche
zu fallen. Dies gilt bis zu dem Grade , dass selbst der ernsteste
Friese sich — bei allem Zwange , den er sich anthun mag —
des Lächelns nicht enthalten kann, wenn irgend ein Däne oder
Deutscher die friesische Sprache radebricht, wie es fast alle
thun, die nicht geborne Friesen sind. Ich habe Dänen und Nie-


34

XXIV

derdeutsche gekannt, die sich zehn, zwanzig, ja fünfzig Jahre
und darüber unter den Friesen aufgehalten und die Sprache
beständig gesprochen hatten, welche dieselbe dennoch so jäm-
merlich verstümmelten, dass es zum Erbarmen war. Dies gilt
mehr oder weniger von allen Auswärtigen , die sich unter den
Friesen niedergelassen haben. Ich kenne hiervon, unter allen,
nur zwei Ausnahmen, nämlich eine alte Frau in Maasbüll, Namens
Catharina Paisen, und einen Mann aus Klixbüll, Namens Niss,
der weiland dem Lehnsvogt Nissen in Nordrisum diente. Jene war
aus Braderup, und als achtjähriges Kind nach Maasbüll gekom-
men, dieser hatte sich bloss längere Zeit unter den Friesen auf-
gehalten; beide waren Dänen. Uebrigens können die Dänen nie
so recht hinter die richtige Aussprache kommen. Sie gebrauchen
häufig ein verkehrtes Geschlechtswort, oft den Dualis gar nicht;,
und misehen verstümmelte dänische Wörter mit ein. Dass aber
fast kein einziger unter den Friesen wohnender Fremder ihre
Sprache je richtig sprechen lernt ' hat seinen Grund in dieser
selbst. Sie erfordert nämlich erstens ein geläufiges Organ, das
von Kindheit an geübt werden muss; zweitens, hat sie eine Menge
eigen thümlicher Ausdrücke, Bildungen und Wendungen, die den
verwandten Sprachen fremd sind: das unregelmässige Zeitwort
weicht in seinen verschiedenen Zeitformen mehr ab, als im
Deutschen, Dänischen und Englischen; die Zusammenziehungen
sind häufiger und verwickelter, und die Wortfügung, welche
am meisten mit der niederdeutschen übereinstimmt, hat mit
der dänischen sehr wenig gemein. Wer daher behauptet ' die
nordfriesische Sprache sei aus der dänischen und plattdeutschen
zusammengestoppelt ' der verräth nur dadurch seine Unkunde '
und fällt ein Urtheil, das in nichts begründet ist. Will man
hier die Wörterähnlichkeit der verwandten Spraehen vorwenden,
so lisse sich mit eben so vielem Rechte behaupten , die deutsche
Sprache sei dänisch oder die dänische deutsch: denn es wäre
nicht schwer darzuthun, dass wenigstens der dritte Theil der
Wörter beider Sprachen gleiches Ursprungs sei. Die nord friesische
Sprache ist ' trotz ihrer abweichenden Mundarten , eben so rein
und selbstständig, als irgend eine andere ihr verwandte, wie z. B.
die deutsche oder dänische, in welchen es weit mehr verschie-


35

XXV

dene Mundarten giebt, der englischen gar nicht einmal zu ge-
denken.


Wer sich nur das erste Capitel über die Aussprache der Buch-
staben im Friesischen erst recht zu eigen macht, der wird dann
auch mit der Sprache selbst leichter fertig, und ohne dieses
möchte ihm leicht alle fernere Mühe verleidet werden. Die Aus-
sprache der Buchstaben ist nach den Grundsätzen der Lautme-
thode von Krug und Stephani bearbeitet, und, im Ganzen ge-
nommen, richtig und sicher. Schon im Jahre 1817, wo ich däni-
sche Kinder nach der Lautmethode im Deutschen unterrichtete,
entstand dieses Capitel. Um vollkommen sicher zu sein, sehrieb
ich nämlich friesische Wörter und Sätze, deren Sinn sie durchaus
nicht verstanden , in allen nur möglichen ' auf die Aussprache
Bezug habenden Verbindungen und Zusammenstellungen an die


w

Wandtafel, und liess sie von den geübteren Schülern lesen, nach-
dem ieb sie zuvor mit der Aussprache der einzelnen Laute
und deren Zeichen bekannt gemacht hatte, und erst dann, wenn
diese auch die schwersten Wörter und Sätze so lasen und aus-
sprachen, wie der geborne Friese seine Muttersprache spricht,
hielt ich mich von der Richtigkeit meines Verfahrens überzeugt,
und wo es haperte, änderte ich ab, bis es richtig ward¹).


Ohne Tonzeichen war es indessen nicht möglich die Sprache zu
bearbeiten und schriftlich darzustellen, was überall sehr leicht
nachzuweisen und eben so leicht einzusehen ist. Wie sollte man
z. B. fāllen, fallen, und fállen , 1. fillen, schinden, 2. einem nach-
laufen, wie ein Füllen der Stute ; stāllen ' 1. stallen , pissen , von
Pferden, 2. auf den Stall setzen, einstallen, und stállen, 1. stillen,
2. stellen; lácken, lecken, einen Leck haben, tācken, lacken, mit


1 In einem seiner Briefe schrieb mir Hr. B. noch folgendes
über die von ihm gewählte Rechtschreibung: »Einem Schullehrer
auf einer benachbarten Insel, auch einem gebörnen Friesen, den
ich seit meinen Kinderjahren nicht gesprochen hatte, schrieb ich
einen friesischen Brief nach meiner Orthögraphie, die er augen-
blicklich begriff, und nach welcher er mir auch den Brief so be-
antwortete, als ich, wie ich wähnte, ihn nur selbst hätte schrei-
ben können. Dies spricht doch dafür, dass mein Verfahren im
Wesentlichen richtig sei".


(Anm. d. Herausg.)

d

36

XXVI

Lack versiegeln, und tāken, lachen, ohne Tonzeichen von einander
unterseheiden? Und so verhält es sich in tausend ähnlichen Fäl-
len. Was nun das Weitere in der gewählten Rechtschreibung be-
trifft , so habe ich überall die Endeonsönanten da verdöppelt , wo
das in der Mehrheit gebrauchte Wort denselben doppelt hören
lässt, als: dāt Läujnn, Läujnne, das Land, die Länder; de


A A

Enn, Enne, der Abend, die Abende; de Dick, Dicke, der
Deich, die Deiche, u. s. w. Bisweilen trifft man den Vocal ver-
doppelt, als: dāt Reef, der Fuchs; bisweilen mit dem Dehnungs-
zeichen, als: dāt Rêf, was überall als völlig einslautend gilt.
Einzelne Abweichungen in der Rechtschreibung habe ich nicht
immer vermeiden können ; doch sind sie nirgends von der Art '
dass die richtige Aussprache im Wesentlichen darunter litte. So
ist es z. B. für die Aussprache ziemlich gleichgültig, ob man Täte,
Thäte oder Tähte — Vater, in der Anrede — schreibt, da jedes
dieser Wörter doch immer so lauten wird, wie das deutsche thäte,
von thun. Zu vielen derjenigen Wörter, die im Dänischen und
Sehwedischen sk, im Deutschen sch, und im Englischen sh zum
Anlaut haben, findet man im Nordfriesischen eine Menge analoger,
wo aber nur das englische sh, als dem friesischen Laute zunächst
stchend, ohne Anstoss für's Auge gebraucht werden kann, weil
weder sk noch sch hier ganz passen, indem sie beide zu scharf
sind. Der friesische Anlaut ist hier eigentlich sg , wo g als sanf-
ter Gaumenhaueh ausgesprochen wird, wie am Ende der deut-
schen Wörter Teig und Zweig. Beispiele : dän. Skade , Schade ,
fries. de Shāse; dän. Skam, engl shame, fries. dāt Shōm, u. s. w.
Das s am Ende einer Silbe oder eines Wortes, so wie das ss in
der Mitte der Wörter, müssen beide äusserst weich und sanft
ausgesprochen werden, wie das z der Holländer. Wo es thunlich
war' habe ieb die richtige Aussprache dieses Lautes durch ein
vorgeschohenes h zu erzwingen gesucht, als: Wàhs, die Wittwe;
wihssen, weisen; de Splàhs, die Spalte; wo der Vocal geschärft
und der weiche Laut des ss doppelt gehört wird.


37

GRAMMATIK

39

ERSTES CAPITEL.

VON DER AUSSPRACHE DER BUCHSTABEN.

r%yv\J

a. Vocale.

§. 1. 1. A, a, aa. Dieser Buchstabe wird im Nordfriesischen
auf fünf verschiedene Arten ausgesprochen. Das doppelte aa
klingt ganz wie das aa im Niederdeutschen , z. B. in den Wör-
tern: de Aader, die Ader; Faader, Vater; de Baar, der Bär,
und wie das dänische aa und das schwedische d, z. B. in Aal ,
der Aal; Skaal, Schale (Gefäss); et Baal, der Scheiterhaufe; pd,
auf; Sprak , Sprache , u. s. w. Beispiele : aane ' ohne ; kaanen , können ;
Aabel , ein weiblicher Name ; faar , vor und für ; jö Kaar , der
Karren; gaar adv. gar; baar, bar; raar, rar; kaaren, karren; jö
Snaar, die Schnur (Schwiegertochter); jö Haawel, die Klunker-
milch; jö Baawel, die Simse, Binse; dāt Aawent, die Schnür-
brust; spaawelt, gelb und weiss gesprenkelt; jö Kaard, die
Karte; kaarden, karten, Karten spielen; braasen, braten; jö
Braahs , der Braten , u. s. w.


d. Ā, ā. Wie das gedehnte ah in den deutschen Wörtern :
ahnen, bahnen mahnen, der Wahn, Hahn n. s. w., als: jö Ārt,
die Erbse; dāt Pārt, der Part, Antheil; jö Āl, die Grossmutter;
Ānert, die Ente; māl, toll, aufgebracht, niederdeutsch: maü;
kāl, kahl; nāgel, nackt, daher noch im Deutschen nagelnackt,
im Friesischen splinternagel; prālen, 1. prahlen, 2. laut rufen,
schreien; mālen, malen (mit Farben); betālen, nd. betaalen,
dän. at betale; sāgen, sagen; sāgnen, vermissen, dän. at savne,
nd. saaknen ; dāt Gāgen , der Nutzen , dän. Gavn ; gāgnen .
Nutzen gewähren; dá Āgne, die Spreu, dän. 'Avne; fāren, fahren
(nnr zu Wasser): de Tjāre, der Theer; jö Snār, die Schlinge-


40

2

5. Wird a mit demselben , unter 2. bezeichneten , Laute ganz
kurz ausgesprochen oder abgestossen , ohne geschärft zu werden ,
wozu sich aus den verwandten Sprachen keine Beispiele entneh-
men lassen. Wir müssen dieses durch die Verdoppelung des Con-
sonanten bezeichnen, als: Ātte, Gross vater; jöKātt, die Katze, nd.
und dän.Kat; fātt, fett; dātFātpl. Fāhse, die Schüssel; hchātt,
er heisst; strādden, altd. greten, grätschen; klādden, kladden,
klittern ; jö Klādd , die Kladde ; dāt Jādder , das Euter , nd. dāt
Jüdder; fāllen, f allen; gāllen, weinen; stāllen, stallen; de Stāll,
der Stall ; jö Sāll , der Sattel ; jö Fāll , die Falle ; de Gālle , die
Galle; de Hāllig, der Hallig (Holm, kleine Insel); fāllig, ordent-
lieb, weidlich; ālles, alles, u. s. w.


4. 'A, à. Hat den Laut und Ton des dänischen, gedehnten
hallklingenden a , wie in den dänischen Wörtern : en Sal , der
Saal; at gale, krähen; gal, toll; at male, mahlen; at prale, prah-
len; at tale, reden u. s. w. — Beispiele: de Hjàl oder Hjàrl, ge-
hechelter Flachs; swàlen, heuen, Heu machen; spàlen, spielen;
tásen , foppen, prellen; tàsig , gricklich; flàsen, ausplaudern; bà-
sen, birsehen; láhsen, gelitten; dāt Ràser, ein ein- bis zweijährig
ges Rind; de Páse, der Ochsenziemer, dän. en Pees; dá Làhse,
die Gliedmassen.


5. A , a. Ganz wie das geschärfte a im Deutschen und Däni-
schen, in: das, nass, blass, Fass, Napf, fallen, fassen, Katze,
Schatz , Latz , u. s. w. , als : náll, stössig ' von Rindern ; sháll, schmut-
zig, vom Rind- und Wollen vieh, das dünn mistet; stáll, stille; áp,
auf; áppe, auf; wállen, wollen; de Wálle , der Wille; de Bák-
ker, der Bäcker, 2. die Meerschwalbe; slákken, lecken mit der
Zunge; mácken, küssen; trácken, ziehen, dän, at träkke, nd.
trecken, daher: jö Trackpótt, der Zichtopf, d.i, der Theetopf.


§. 2. Ae, ä, äh. Wird überall so ausgesprochen, wie das ge-
dehnte äh im Deutschen in den Wörtern: die Aehre, die Fähre,
die Mähre, die Thräne, Mähne, mähen, nähen, säen, u. s. w. , als:
dāt Aehl, die Mistjauche, altdeutsch: der Addel; jö Shäl, 1. die
Schale, als Gefäss, 2. der Unterschied zwischen dem Gebotenen
und Geforderten beim Kaufen und Verkaufen; dāt Mähl, das
Mehl; jö Fägel, der Fehler; de Hägel, 1. der Hagel, 2. die Fer-.
se; jö Hägel, die Hechel; shälen, diiferiren, nd. schälen; lä-
wern, liefern; bäwern, beben; stràwen, 1. streben, 2, sich strei-


41

ten; ähmen, offen; de Fräthe, gemein für Mund, Maul, die
Fresse; Thäte, Vater; Wis, spät, ud. laat; blähsen, flammen v.
Irans. , z. B. gerupfte Gänse mit Stroh , dän. at blusse ; davon jö
Blähs, dän. et Bluss; däsig , nd, dösig. — Das geschärfte ä,
wie in: äffen, täppisch, läppisch, u. s. w,, kommt im Nordfriesi-
schen uicht vor.


§.3. E , e, Ee, ee. Behält überall den unveränderten Laut
seines Namens ' und wird entweder gedehnt , oder bei unverän-
dertem Laute kurz abgestossen. Gedehnt klingt dieser Laut wie
in den deutschen Wörtern : die Ehe , Seele , drehen , schen , wehen ,
flehen, als: jö Feel, fêlen, die Feile, feilen; jöTreel, trelen, die
Rollscheibe rollen, dän. en Trilde, at trilde; jö Meel, die
Meile, dän. und nd. en Miil; de Teele, die Diele, nd. de Dähl,
altdän. en Tillie; stêlen, stehlen; de Grême, die Halfter, dän. en
Grime, woher auch wahrscheinlich das englische gróom' der
Stallknecht, stammen mag; jö Sleem , die Stimme; dāt Reess
dän. en Röst, auch die Stimme, wie sie besonders jedem Ein
zelnen eigen ist ; dāt Neest , das Nest ; nêsteln , nisten ; jö Feest
die Faust; dāt Feest, das Fest; neesh, zart, von der Haut ge
braucht; meek, zahm, kirre; mecklick, gemächlich, bequem. Bei
unverändertem Laute kurz abgestossen in : êlling , heut Abend
Mêllen, die Mühle; de Mêller , der Müller; jö Ellen, die Elle
têllen, zählen, nd. tellen, dän. at tälle; fêllen, 1. füllen, 2. ge
fallen sein; sêllew, selber, dän. selv; êdder , früh; dāt Edder
der Eiter; sêtten , setzen; tênn, dünn; wenn, blau; de Enn, der
Abend; am Ennem, des Abends; jö Fênn, die Fenne in der
Marsch; de Sênne, die Sünde; jö Pênn, ein kleiner hölzerner
Wirbel zum Vordrehen an Stallthüren und Luken.


§.4. I,i,ih, ie. Gedehnt, wie in: ihm, ihn, ihr, mir,
dir, Thier , Stier, die , wie , nie , n. s. w. , als : Iwer, ein männlicher
Eigenname, 2. der Eifer; ihne, allein, dän. ene; dá Biene, die
Beine; da Stiene, die Steine; ihr, eher, früher; dāt Bier, das
Bier; biese, beide; lie-en, miethen, heuern dän- at leie; lienen,
leihen ud- lênen; tienen, dienen, dän. at tjene; ken, ziehen;
de Tiener, der Diener die-en, heisse Speisen vertragen können;
mich übel zum Erbrechen ; de Sie-e, der und die See; hie-en, 1. stei-
gen, anschwellen vom Wasser, 2. v. trans. erhöhen; fniesen,
Biesen; friesen, frieren, u.s.w.


_

42

Geschärft, in: Ick, ich; de Dick, der Deich, nd. de Dick; die-
ken, deichen; dāt Stick, der Griffel; jö Wick, die Wick, dän.
(en Viig, die Meeresbucht; rick, reich; dāt Lick, die Leiche, nd.
dat Lick, dän. et Liig; dāt Sicken, der Seufzer; sicknen, seuf-
zen; dāt Bill, das Bild; de Biller, ein armer Wicht; will, wild;
grillen, 1. drillen, 2. foppen; dātIss, das Eis, nd. und dän. Iis; dāt
Griss, dän. en Griis, das Ferkel; witt, weiss; bitten, beissen;
slitten , 1. schleissen , 2. aus der Tasche verlieren , 5. Einen gut
zu nehmen , zu behandeln wissen , um gut mit ihm umgehen und
fortkommen zu können. He wijt ham gäujd to slitten, er weiss
Ihn zu nehmen.


§.5. 0, 0, 00, oh. Hat drei verschiedene Laute: erst den
gedehnten seines Namens, wie in: ohne, der Lohn, schonen,
wohnen, als: Ohme, der Odem; de Thole, der Grasbusch; de
Trohl, der Zauberer, dän. en Trold; de Nōme, der Name; de
Mohne, die Mähne, dän. en Manke, engl. the mane; hohl, hohl,
engl, hollow; de Kōme, 1. ein Poltergeist; 2. die Nase, aber nur
scherzweise; de Hōme, 1. der Hamen, die Reuse, 2. die Schei-
de der Gräser , aus welcher die Aehre hervorkommt ; soren , sie-
chen kränkeln; sōgen, einkochen, v. intrans.; deKrōge, der Gra-
pen; de Loge, die Lohe, Flamme; de Snówe, die Schnuppe am
Lichte; de Rowe, der Schurf einer vernarbenden Wunde; nōg ,
1. genug, 2, gar, adj.


Zweitens mit unverändertem Laute , aber kurz , als : bōnnen ,
bannen, fluchen; wōnnen, Getreide in der Schwingwanne reinigen,
dän. at dröfte (schwingen) ; de Mōnn, der Mann ; jö Kōnn , die Kanne ;
Pōnn, die Pfanne; jö Fōmmen, das Mädchen; de Dōmm, der
Damm; de Rōmm, der Widder, Schafbock; de Ōmmer, der Eimer;
de Bōlle , die Beule; de Knōlle, 1.der Knöchel, 2. der Pfeifenkopf;
Shōmm, 1. die Schaam, 2. die Schande ; de Klōmp, 1. die Klampe;
2. der Schober, aber ein grosser viereckiger am Hause, wenn man
im Hause kein Gelass für Heu und Korn mehr hat; lōmm, lahm;
tōmm , zahm , u. s. w.


Drittens geschärft, wie in: sollen, wollen, oft, hoffen, offen,
U-s. w. , als: de Trolling , ein Brot; oller, nie, niemals; de Kolle,
1. die Kälte, 2. das Fieber; grott, gross, nd. grōt; gróttem,
laut; jö Pott, Topf.


§.6. Oe, ö, öh. 1. Gedehnt, wie in den Wörtern: Oel, die

43

Höhle , höhnen , u. 8. w. , als : dāt 0ehle , das Oel ; de Thöle , das
Maul; gōhl, gelb; njöl, plump; föhl, 1. faul, träge, 2. faul z. B.
von Eiern, 3. boshaft, niedrig gesinnt; shōlen, Schutz vor
Wind und Hegen suchen, dän« at skjule, 2. wie ein Dieb einher-
schleichen; jöKöhl, 1. die Grube , 2. das Grab, nd. de Kuhl, dän.
en Kule ; hölen , heulen , nd. hulen , dän. at hyle (spn hüle) ; jö
Möhr, die Mauer; pölen, zupfen, auszupfen, dän. at pille; lören,
lauern, nd. luren, dän. at Iure; dāt Böhr, das Bauer, nd. und
dän- Buur; drög, trocken, nd. drög; drögen, trocknen; swomen,
sehweimen, in Ohnmacht fallen, nd. swiemen, dän. at svime;
daher nun de Swöme, die Ohnmacht; de Söme, die Summe; de
Glöme, die Gluth, u. s. w.


Zweitens geschärft, wie in: Söller, öfter, öffentlich, als: stöwen,
stieben; döwen, tunken; snöwen, 1. schnauben; 2. schnupfen, z.B.
Taback; shöwen, schieben; wen, klauben; jö Klöft, die Schnur-
re, Posse; klöftig, 1. drollig, 2. gescheidt, geschickt, erfinderisch;
löften, gehoben.


Drittens wie das ö im Niederdeutschen in: de Döhr, de Göhr,
hr u. s. w. als: de Jögel, der Eiszapfen ; isländ. lökul ; de Tögel,
der Zügel, nd. Tögel ; de Fögel, der Vogel ; de Bögel, der Bügel, nd.
Bögel ; jö Döged, die Tugend ; jö Jöged, die Jugend , das Jugendalter;
Köwel, der Weiberrock , von den Hüften bis zu den Füssen rei-
chend ; jö Döhr , die Thür , nd. Döhr , dän. Dör ; döhr, durch, hindurch.


§.7. U,u,uh. 1. Gedehnt, wie in: Uhr, Spur, thun, Schuh,
Ruhe, die Musse, die Busse u. s. w., als: jö Swuhn, der Schwan;
Buhn, die Bohne; uhsen, schöpfen, dän. at öse; dá Kluse, die
Kleider; de Uhrs, der Frühling; jö Suhrd, die Schwarte; de Ur-
jder, der Enterich, Erpel; suhrt, dän. sort, schwarz; luhnen, loh-
BGB; de Gulig, der Galgen; dāt Tulig, der Talg; dāt Hulem,
Langstroh zum Decken der Häuser und Deiche, als nomen collecti-
vum, dän. Halm.


2. Bei unverändertem Laute kurz abgestossen , wozu es in den
verwandten Sprachen an Beispielen fehlt, als: fueh', bange; de
Uch, die Wand; de Such', der Zober, Zuber; de Kuch' oder Kug',
-der Koog ; duhggen , thun ; fuhggen ' empfangen , empfahen , dän.
at faae; huch, hoch; de Hupp, der Haufe; de Kupp, der Kauf;
lupen, laufen , nd. lōpen ; huppen, häufen , häufeln ; stupp, hart an ;
4le Rup , dän. et Reeb, nd, Reep.


44

3. Kurz und geschärft, wie in: Mutter, Butter, Kutter, uns,
und, als: twuntig, zwanzig; dá Tunte, die Finnen im Fleische
der Schweine; jö Mudder, die Mutter; dāt Mudder, der Schlamm,
Moder, dän. Mudder; munter; unk, uns beiden, uns beide ; junk,
euch beide, euch beiden; junk, adj. dunkel; drunken, 1. getrun-
ken , 2. trunken ; jö Rung , die Runge am Wagen ; jö Spung , 1 . die
Spange, 2. das Kirchhofthor; jö Hull, die Mütze (Hülle); de Bulle,
der Zuchtstier; dumm; stumm;Rull, die Rolle; unner, nd.
unner; de Tunner, der Donner.


§. 8. Ue, ü, üh. Gedehnt und geschärft, wie im Deutschen.
Beispiele: de Dühs, der Tod; de Sühs, der Brunnen, nd. de Soot;
dāt Klühs, das Tuch; hühs, heiser; lühs, los; snühss, flink, nett;
ühs, unser; de Hühs, die Heimath, u. s. w. Geschärft: ütte, bütte,
aussen, draussen; dāt Rütt, die Raute, Scheibe; jö Rüttên, die Raute
in der Karte, Schellen; de Rütter , der Reuter; de Sütter, 1. der
-Schuster , 2. die Schleihe (Cobitis Tinca) , latein. Sutor. Gedehnt
in Düe, ein Mannsname; büen, arbeiten; jö Büing, die Saatzeit
im Frühling; brüen, zum besten haben, necken, nd. brüen.


h. Doppellaute.

§. 9. Diese sind: aai, äi, ài, ái, äi, ōi, au, du, aaj, aj , äj,

V, üj, oj, äuj, 4l.

Aai, aai. Das breitgedehnte aa (§. 1.) wird hier mit i ver-
bunden ausgesprochen, als: Faaie, Vater; Klaai, Nieolas verkürzt;
maai, ziemlich, erträglich; laai, faul, dän. loi; Baai, Verkleine-
rungswort für Ingeburg; dāt Baai, der Boi ' ein Zeug; straaien,
gemächlich gehen ; glaaien, schlüpfen, entwischen; üttglaaien, aus-
glühen; raaieln, taumeln; waaiten, winken; jö Waait, die Winke;
Flaait, die Flöte, flöten: flaaiten; spaaiten, spritzen; jö Spaait,
die Spritze , u. s. w.


Āi , āi. Das gedehnte a in ahnen , bahnen u. s. w. wird mit i ver-
bunden ausgesprochen, als: dāt Āi, das Ei; dat Wāi, der Wat-
tich, die Molken; de Klāi , der Klei, Thon; Pāie ' Pai , Manns-
name ; de Kāie , der Schlüssel , engl. the key ; lāiden , blitzen ,
nd. làiden; de Lāid, der Blitz; de Wāien, der Wagen; dāt Äi-
kenr, das Eichen, Riechbüchse; Fāike und Pāike, Anrede anklei-


45

ne Jungen; pāiken, rappeln, wie ein kleiner Knabe; slāien, ge-
schlagen ; twāien , gewaschen ; rāieln , einreihen , einen Faden ;
de Māi , der Mai ; dāt Māijücket' , die Weidenruthe ; glāi , froh ,
dän. glad (1. glàhs).


'Al, ài. Das hellklingende, langgezogene àh der Dänen mit i
verbunden, als: ài, nicht; àien, einem die Backen streicheln; jö
Bài, die Beere; dàien, gedeihen; wàien, 1. wehen, 2. trauen, ein
Brautpaar, dän. at vie (trauen); fràien, freien; kràien, krähen,
nd. kreien; sàien, at süe, nähen; spàien, speien; gràien, wach-
sen, dän. at groe; hàien, Milderungswort für lügen; lài, lau;
äujn 'e Làie , dän- i Lä , im Schutz vor dem Winde ; nài , neu ; de
Brài, der Brei; dāt Strài, das Stroh; dāt Stài, der Koben , dän«
en Sti; twàie, altd. zwiro, d. i. zweimal, engl. twiee; tràie, drei-
mal , engl. thriee , u. s. w.


Ai, ái. Das geschärfte á in: dass, nass, Fass, lassen, wird mit
i verbunden ausgesprochen, als: láinken, leicht einherhüpfen ;
dráinken, trinken; sáinken, sinken; kráinken, kränken; háinken,
hinken; sláinken, schlucken; iváinken, winken; dāt Aingel, der
Engel; jö Ráingel, der Henkeltopf mit zwei Henkeln; deHáinger,
der Henker; de Fáinger, der Finger; ráingeln, klirren; de Spáin-
ke, die Leitersprosse; dá Ráinke, die Ränke. .


§. J0. Aêi, äi in: da Aeile, die Aale; dá Wäile, die Weiher;
ilen, im Wasser platschen, dän. atpöle; käilen, kühlen; fäilen,
fühlen; späilen, spühlen; dá Täis, die Zähne; Gäis, Gänse, dän-
Gjäs, engl. geese; näist, nächst, dän. näst, engl. next; de Näi-
ber, der Nachbar, nd. Naaber; jö Häi, 1. die Lust, 2. Erinne-
rung, 5. Gemüth, u.s. w. 1 — ; deWäi, der Weg, dän. en Vei; da


1 Diess Wort »jö Häi" ist das dänische Hu, und das altdeut-
sche Hug, Hauch , Geist , welches noch in dem Worte Hugenot-
ten, » Hug-genoten j' Geistesgenossen, übrig ist. Im Dänischen
hat man folgende Wörter und Redensarten aus demselben ge-
bildet: »Med velberaadt Hu," mit reiflicher Ueberlegung; »Väre
mod i Hu", verstimmt, verdriesslich sein; »Glad i Hu," frohes
Gemüthes ; » At komme ihu ", eingedenk sein, sich erinnern ; » Hu-
kommelse" , das Gedächtniss ; » at huske", im Gedächtniss behalten.
Im Nordfriesischen : » Dāt kámt me äujn häi", kommt mir in den
Sinn; >>Ick häw'r nijn Häiäjt,'' ich habe keine Lust dazu. — Daher
stammen ferner die nd. Wörter: hägen, de Häg, und högen — so
wie die friesischen Wörter: högen, Höhg , und hàien, so wie
hagen und behagen, behaglich, im Deutschen. Hägen, erfreuen,


46

8

Mäile , die Mahle , dän. Maal ; de Türem , der Dann , dän, Tarm ;
deAeirem, der Arm; fäir, stark ,dän. för (1. föhr); dātHäier, das
Haar; wäir, wahr; jö Shäier, die Schere; äim, wund, zart,
schmerzhaft, dän. öm; släipen, schlafen, nd. slaapen; näi, nahe;
de Näigde, die Nähe, nd. Negd; wäigen, wippen; dat Häigen,
das Stuhlkissen; äien, eigen; läig, niedrig; dat Läiged, die Nie-
derung.


Oi, ōi, Behält die Aussprache seines Namens, als: ten, auf-
thatten; shōien, die Pferde beschlagen (schuhen), dän. at skoe;
Bōie, ein männlicher Eigenname; jö KH, die Koie; forsmōien,
verschmähen , dän. et forsmaae; krōien, nach etwas Gesunkenem
mit dem Suchhaken fischen , dän. at kröie ; smōien , aufstreifen ,
dän. at opsmöie ; rōien , rudern , ein Boot u. s. w. , dän. at roe ;
swōien , at sweie , swàie.


§. 11. Au, au, wie im Deutschen, als: dáAune, nom. coll., die
Buttermilch ; auwer , über; trauen , einem — ; jö Glauw, der Spaten ;
Grauf, der Graben ;lauwen ad j. windstill, kalm; lauwen,v. Irans.,
Heu oder Garben aufladen ; de Auwen , der Ofen , dän. en Ovn ;
auf, ab, dän. af; de Maude, die Mode; de Grause, 1. die Gruse,
Saft der Pflanzen , 2. Jahreswuchs ; de Edgrauise ' das Nachgrass
zum Abweiden, dän. en Gröde; jöPraus, Dreilingslicht, Lauflicht,
Rennkerze , dän. en Praas ; jö Stauwen ' dän. en Stavn , der
Stafen, der Warf, auf weichem ein Haus steht oder gestanden
hat ; jö Raus , die Rose , u. s. w.


Äu, äu, wie im Deutschen, als: de Taus, der Zahn, engl.
tooth; dātMäus, das Muss, als Pflaumenmuss; dāt Bäus, Ait
Erdhütte aus Rasen; jö Gäus, die Gans, nd. de Gōs, dän. en
Gaas, engl. goose; ick läus, ich las.


§. 12. Aaj: Aajt, Agatha. Āj, āj: de Brājt, die Breite; de
Wājt, die Nässe, dän. en Väde, Vädske. Aej, äj: dāt Äjth (ge«
dehnt), der Essig, dän. Adike, nd. Atig, engl. eisel. --- Ge-
schärft in: äjtt, zu, an, bei, engl. at; deBäjtlinge, von en Bájtte,
das Bischen, Umzugsgut, Fahrniss (dän. Flyttegods, Lösöre);
dáFäjtt, die Füsse , engl. feet , nd. deFöth; wäitt, nass, engl. wet,


behagen; de Häg, das Behagen; högen im nd. behalten, erin-
nern' im Friesischen: erfreuen; jö Höhg, das Wohlgefallen , Beha-


Sn; hàien, im Sinne behalten, vêrbergen, verheimlichen, mildernd
r lügen;


^

47

dän- vaad; swäjtt, süss, engl. sweet; de Räjdd, der Rath, dän.
et Raad; räjdden, 1. errathen, 2. zurathen, abrathen, 3. über
etwas befehlen , gebieten , 4. entohnigt sein können ; de Räjd-
delse, das Räthsel; dāt Stäjll, das Eisen, engl. steel (Stahl); de
Afl , der Aal , engl. eel ; jö Shäjll , die Schuld , Ursache ; dāt Mäjl,
das Mahl, dän. Maal; de Wäjl, der Weiher, der Wehl; jö Mäjdd,
die Math; mäjdden, mähen; jö Bräjdd, die Braut; bräjdden,
brüten, engl. the bride, to brood, to breed; fäjdden, ernähren,
füttern, dän. at föde, engl. to feed; jöFäihs, Weide, Unterhalt,
dän. en Föde, engl. the feed.


§. 43. Ij, ij: dāt Ijll, das Feuer, dän. Ild; dāt Ijllinge, die
Feuerung; dat Ijd, der Torf; he Mjtt, er biss; de Strijtt, ein
Gang in der Kirche , das engl. street (Strasse) ; bijlken , laut nach-
rufen, einem; dāt Fijl, das Rad, engl. wheel; dāt Dijl, 1. das
Ding, 2. der Theil; dāt Gijl, das Geld; jö Hijll, die Heide, die
Fessel am Fusse der Pferde; hijllen, die Fessel anlegen; de
Wijtte, der Weizen, engl. wheat, dän. Hwede, nd. Wêten; nijd-
lick, kümmeriich, beengt, wörtlich: nöthlich, von Noth; dá
Snijdde, die Grieben; hijt, heiss, nd. hitt, dän. hed (1. hêhs)
engl. hot; de Stijt,, der Stoss; de Stijn, der Stein, dän. u. nd.
Steen, engl. stone; Mjnnen, 1.mit den Händen auffangen; 2. sich
ereignen, begeben; hijnn, schlecht; wijnnen, wenden.


Aj, scharf: de Hájt, die Hitze; lájtt, nd. lüjtt, engl. little; en
Bájtte, ein Bisschen; de Bájt, das Jucken, u. s. w.


Üj, mj: üjll, alt; üjllings, altlings, weiland; jö Ujlling , die
Mulde; de jlle, die Falte, dän. en Folde, engl. fold; de Küjl,
der Kohl, dän. Kaal; hüjllen, halten, engl. to hold; düjdd, todt,
dän. död , engl. dead ; dāt Brüjd, das Brot , dän. Bröd , engl. bread ;
Nüjd , die Noth , dän. Nöd , engl. need ; dāt Nüjtt , das Rind ,
dän. et Nöd , engl. neat ; de Süjdde , der Torfsode ; rüjd , roth ,
dän. röd, engl. red; rüjtten, muhen; dāt Büjtt, das Boot; dāt
Lüjdd, Loth, u. s. w-


§. 44- Oj, öj, als: Dōjtte, Töchterchen; jtte, Schweinehen;
pōjtte, pōjtte! zum Anlocken der Ferkel und Schweine; de Hōjtte,
die Endscheibe des Brotes; de Rōjnte, Mannsjacke; de Pōjnte, ein
sweizölliges Würfelhölzchen , mit dem die Kinder in den Weih-
nachten um Pfeffernüsse spielen , auf den vier Seiten mit den


48

10

lateinischen Buchstaben A. M. N. S. bezeichnet , d. i. A: alles , M :
mein eigen , oder der Einsatz , N : nichts , S : setz zu ! — de
Dōjnte , das Döhnchen ¹.


Äuj, äuj: dāt Bläujd, das Blut, dän. Blod, nd. Blot, engl
blood; de Häujd, der Hut, nd. Hōt, engl. hat, dän. Hat; gäujd,
gut, engl. good; dāt Mäujd, der Muth, dän. und nd, Hod, engl
mood; jö Fläujd, die Fluth, dän. Flod, nd. Floth, engl. flood;
fläujdden, fluthen; dāt Gäujll, das Gold, dän., nd.und engl. gold;
gäujlleri, golden, dän. gylden, nd. und engl. golden; käujl,
kalt, nd. kold, u. s. w. ; dāt Schäujl, die Schule, dän. en Skole,
nd. Schōl, engl. school; dāt Bäujl, die Hütte; de Stäujl, der
Stuhl, dän. und nd. de Stōl, engl. stool; dāt Mäujl, das Mill,
Millerde, lockere, schwarze Gartenerde, dän. Muld, engl. mould;
äujn, in, an, hinein; jö Mäusjnn, ein offener Kasten zu Holz
und Torf, dän. et Món, aber in anderer Bedeutung; jö Shäjnn,
die Schandthat; jö Häujnn, die Hand; dāt Läujnn, das Land;
dāt Säujnn, der Sand; jö Bräujnn, die Feuersbrunst; dāt Päujnn,
das Pfand; dāt Säujtt, der Russ, dän. Sōd, nd. Sott, engl. soot;
Räujtt, die Wurzel, dän. en Rōd, engl. a root; jö Läuitt, die
Ofenkrücke; jö Kläujtt, eine Bootstange mit einer Klaue; läujd-
den, laichen von Fischen, rammeln von Hunden, Katzen, Hasen,
u. s. w. , daher : jö Läujdd , das Laichen und Rammeln , und dāt
Läujdd , der Laich der Fische ; de Fäujt , der Fuss , nd. Fōt ,
dän. Fōd , engl. foot 2.


§. 15. Das i steht ausserdem nach folgenden Consonanten:
B, F, G, H, K, L, M, N, S, St und W; also: bj, fj; gj,
hi , kj , lj,mj, nj , sj , stj und uij. Beispiele : dāt Bjāst , die


1 Wo das j (Iott) in Verbindung mit Vocalen vorkommt,
bewirkt es, bei einer richtigen Aussprache, dass sich der
darauf unmittelbar folgende Consonant demselben auf eine ganz
eigenthümliche Weise anschliesst , wie z. B. in Mājnte , Mantje ,
Männchen, u. s. w. Alle Wörter dieser Art werden, mit Aus-
nahme des einzigen Wortes Aejth oder Ajth, Essig, geschwind
und scharf ausgesprochen. Dänische Kinder , nach der Lautme-
thode im Lesen unterrichtet, sprachen diese Wörter, ohne sie
zu verstehen , ganz so aus , wie der geborne Nordfriese.


3 Das geschärfte o' mit j verbunden , giebt denselben Laut in
Pöjtter, von Pott, 1. der Topf, nd. Pot, dän. en Potte, 2. en
Pöt , als Maass , d. i. eine halbe Kanne , engl. pot.


49

11

Neumilch nach dem Kalben, Biestmilch, oberdeutsch: die Bienst,
Briest und Brieschmilch; bjáwsen, bellen, klaffen, von Hun-
den, dän. at tjäffe; dāt Bjàrn, das Kind, dän. et Barn, von
bêren, tragen, nd. hören, dän. bäre, also: das (im Mutterleibe)
Getragene; fjauer, vier, engl. four; fjarten, furzen, dän. at Qärte,
engl. to fart; dāt Gjàrs, das Gras, dän. Gräs, engl. grass; gjàr-
Mn, grasen und grasen, dän. at grässe, engl. to grass; de Hjárl,
gehechelter Flachs; jö Bjàrn, die Ecke, nd. Hörn, dän. etHjörne;
hjàrnen, Kranke besuchen; dāt Hjàrt, das Harz; de Kjàrl, der
Kerl, dän. en Karl; jö Kjarl, der Kern; he kjàrd, er fuhr;
kjarnen, körnen v. trans., z. B. die Gerste, dän. at kjörne; dāt
Ljāgt, das Licht, altdeutsch Leoht, engl. light; ljaagen, lügen;
deMjógs, derMist, dän. Mög; deMjarn, der Morgen; njarne, mor-
gen; de Mjarsh, die Marsch; tjāsen, säumen, zaudern; njöhl,
schwerfällig, plump; de Sjàme, der Schemen, daher: sjámmern,
schimmern; jö Sjàrn, die Karne, Butterfass, engl. churn und
kern; sjarnen, karnen, buttern, engl. to kern, to churn, dän. en
Kjärne, at kjärne; sjuch! Scheuch wort für die Vögel; sjungen,
singen; de Sjunger, Sänger; tjāsen, salbadern; Tjāre, Theer; dāt
Tjauling , der Garnknaul; tjáweln, sich zanken; de Tjaaler, der
Keller; dat Tjög', 1. das Zeug; 2. der Zeug, 5. Vieh, dän. Töi;
daher: tjögen, sich anschaffen, nd. dat Tüg, tügen; de Tjáwse,
der Kiefer , Kinnbacken , dän. Kjäwe , engl. jaw ; stjāwen , albern
einhertreten ; jö Sfjāpmudder , die Stiefmutter , engl. stepmother ;
Stjāpfiddêr , Stiefvater ; de Sfjàrt , der Sterz , Schwanz , dän- en
Stjert, nd. de Steert; stjárten, stürzen; stjöen, schaukeln; jö
Stjöi, die Schaukel; de Wjàrt, der Wirth, dän. en Värt; de
Wjàrd, 1. die Wahrheit, 2. der Werth; we wjarn, wir waren;
wjarpeln, worfeln; de Wjarlse, der Wirbel am Spannstrick, oder
Tüdder. — Das w steht nach S und T ; also : sw und tw , als :
swār, schwer; swāren, antworten, dän. at svàre; swawen, schwe-
ben; twánne, zwei, dän. tvende; twárr, quer, dän. tver, tvers;
dāt Twich, der Zweig, nd. datTwieg, engl. twig; dāt Twört, der
Lichtdocht; de Twāst, der Quast; twitten, schnitzen; twiweln,
zweifeln , nd. twieweln , dän. at tvivle.


§.16- Sh, sl, smi, sn, sp und st kommen mit einander ver-
bunden vor , als : shöwen , schieben ; släipen , schlafen , engl. to


2 *

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12

sleep ; smāgen , schmecken , dän. at smage ; spàlen , spielen ; stêlen ,
stehlen, dän. at stjäle, engl. tosteal; sweren, schwören, engl. to
swear; snäjtten, schnäuzen; spillen, verschütten, dän. at spilde,
engl. to spill; sträwen, 1. streben, 2. mit Worten streiten.


Das weiche s, ss und ss (sogenannte sz) als : da Làhse , die Glied-
massen ; wihssen , weisen , dän. at vise , nd. wiesen ; swihssen , sengen '
dän. at svie ; lihssen, leiden, dän. at lide , nd. lieden ; sihssen, zischen;
Sihssen, die Seide; sihssen, seiden, von Seide; de Dihsse, ge-
trockneter Kuhfladen zum Brennen; de Spihsse, die Speise; de
Wihsse, 1. die Weise, 2. die Wiese; jö Bläihs, die Blase; jö
Bàihs, die Reise; räisen, reisen; kläisen, mit den Nägeln krat-
zen; de Säiss, der Käs, engl. cheese; säisenv. traus. , käsen, Käse
machen; da Suhse, die Brunnen; da Kluhse, die Kleider; Kesen,
lösen; miesen, meiden; fniesen, niesen; riesen, sich erheben,
aufstehen , dän. at reise sig ; gniesen, das Maul verzerren ; grihs-
sen, grausen; tiesen, auszupfen, z. B. Wolle oder Haare, dän.
at täse; biese, beide; de Riese , der Riese; dāt Ráhser, einjähri-
ges Kalb; de Brauser, der Bruder, engl. brother, nd. und dän.
Broder.


Scharf wird s ausgesprochen in: dāt Hüss, das Haus, engl.
house, nd. und dän. Huus; jöTrüss, die Kröte; jöMüss, die Haus;
de Müss, der Mund; dāt Grüss, der Gries, Kies, Grand, dän.
Gruus; dāt Krüss, 1. der Krug, 2. das Kreuz, engl. eross, nd.
Krüz p dän. Kors ; jö Luss , die Laus , engl. louse , nd. und dän.
Luus; dāt Láss, das Glied, Gelenk; de Smáss, der Schmid, engl.
smith, dän. Smed; de Máss, die Messe in der Kirche.


§. 17. Wie das deutsche ss (sz) in den Wörtern: süss, stiess,
Fuss , grüssen , klingt es in : de Süss ' der Brunnen ' nd. de Soot ;
(de Düss, der Tod, engl. death, dän. Död; lüss, los; hüss, heiser,
dän. hähs , nd. heesch ; dāt Klüss , das Tuch , dän. Klud , engl.
ploth; dāt Leess ' das Fuder, dän. et Läss; dāt Gleess, das Glas;
dāt Sweess, der Schwaden, beim Mähen; tāss, ziemlich gesund;
dāt Bleess, das Blatt; dāt Reess, die jedem eigenthümliche Stim-
me, dän. en Röst; dāt Āhs, das Aas, nd. Aas, dän. Aadsel;
pāssen, passen, 1. von Kleidern, u. s. w. , 2. im Kartenspiele;
snüss, flink, nett, gescheidt; — wie s in aus' Maus, u. s. w.'
als: dāt Bäus, die Erdhütte aus Rasen; de Täus, engl. tooth,


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13

der Zahn; jö Gäus, die Gans, engl. goose, nd. Gōs, dän. Gaas;
dāt As, das As, Daus; ick läus, ich las1.


Wenn s vor der Endsilbe er steht, hat es immer die weiche Aus-
sprache; als: Brauser, Bruder; Bäuser, Ruder; Njāser , Zauderer;
Tjāser, Schwätser, u. s. w.2.


Uebergänge der Grund- und Doppellaute in andere.

§.18. Das geschärfte , kurz abgestossene á geht in das geschärfte,
langgezogene a über ' als : dāt es , das Glied ; da Làhse , die
Gliedmassen; de Smáss, der Schmied; jö Smàhs, die Schmiede,
Werkstatt; dá Smáhse, pl. von Smass und von Smàhs.


A', a in ê oder ee, als: jö Kráft, da Kreefte, die Kraft; de
Sáft, pl Seefte, der Saft; sátten , sitzen; sêttên, setzen.


1 Das nordfriesiche Bäus ist die kleinste Wohnung, eine
Erdhütte aus Rasen mit einem Stroh- oder Binsenlager und
einer Rasenbank ' die auch fehlen kann ; darnach folgt : dāt
Bäujl , eine kleine Hütte , deren Wände aus Rasen , rohen Stei-
nen , Lehm u. s. w. bestehen , und mit Stroh , Binsen , Schilf
oder Heide gedeckt sind. Solche Hütten haben die Anfänge der
Börfer gebildet , und viele Dörfer haben noch dieses Wort in ver-
schiedenen Abänderungen als Endsilbe unter folgenden Endungen
der verschiedenen Districte im Friesischen , Dänischen und Deut-
schen , als bäujl , büll , bölle , balle , büttel , so wie das Substanti-
vum Bōl oder Bóhl, ein Bauernhof mit einer Hufe Landes von
60 bis 80 Tonnen oder Morgen , wornach dann der Besitzer nicht
Bufner, sondern Bōlsmann genannt wird.


2. Das dänische aa wird immer so ausgesprochen, wie das
friesische Doppel-aa. Das d am Ende eines Wortes nach einem
Vocal spricht der gebildete Däne immer als sanften Säusellaut
aus, wie in Gud, Gott, engl. God, fries. Gād, wie wir etwa Guhs
lesen würden, und so in allen ähnlichen Fällen, als in: Baad
(Baahs) das Boot; et Bud (Buhs) der Bote, u. s. w. Das v der
Dänen ist das w der Deutschen, und ihr y das deutsche ü.
Uebrigens richte ich mich hier bei einzelnen Wörtern nicht im-
mer nach der dänischen Rechtschreibung, sondern nach der Aus-
sprache , wie z. B. hähs , welches gedehnt ist und häs geschrie-
ben wird. Spricht man dieses häs scharf aus, so bezeichnet es
einen Kornschober. Der dänische Endlaut oder Auslaut. des d
nach einem Vocale ist mit dem isländischen und englischen th
so wie mit der weichen Aussprache des s und ss im Friesischen
sehr nahe verwandt , wodurch denn , bei einer richtigen Belau-
tung der Wörter in den verschiedenen Sprachen und Mundarten ,
ihre Aehnlichkeit deutlicher ins Ohr fällt.


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14

. Ā, ā , in ie , ö und á , als : dāt Krāmm , de Kriemmer , deir
Kram, Krämer; hagen, behagen; jö Höged, das Behagen, dän.
at behage; bāgen , de Bákker, backen, der Bäcker.


Aa, aa, wird in ö verwandelt, als: daagen,Döged, taugen,
altd. tugan, daher: die Tugend; in ä, als: ljaagen,Lägen ,
lügen, die Lüge; in das geschärfte ó, als: ljógst, du lügst; in
das gedehnte ō, als: jö Naahs, die Nase, jö Nōstring , das Na-
senloch 9 die Nüster, u. s. w.


E, ê oder ee in ä, wie in: spregen, sprechen, de Spräike, die
Sprache; brêgen, brechen, bräik, brach; dāt Feck, da Fäge, das
Fach; dāt Glees, da Gläse; in ā: brêgen, dat Brāk; in aa, dāt
Glees, de Glaaser, das Glas, der Glaser; in à, als: beeren, bjàrd,
heben, einnehmen; teeren, tjàrd, zehren, zehrte; weren, wjàrd,


wehren , wehrte , u. s. w.

*

E oder ee in á, als: sêgt, dāt Ságt, seicht, die Seichte, Nie-
derung; wegen, 1. wiegen v. intr. , 2. wägen v. trans. ,Wágt,
1. die Wage, 2, Gewicht, engl. to weigh, weight, dän. at veie,
en Vägt.


I,i in à, als: grippen, de Gràwe, greifen, der Griff, als Hand-
habe; slidden, de Slàse, glitschen, der Schlitten, nd. de Slähd,
dän. en Släde, engl, sledge; smitten, de Smàhs, schmeissen, der
Schmiss.


IJ in ie, als : dāt Bijn, pl. Biene , das Bein ; de Stijn, pl. Stiene ,
der Stein ; de Prijn , pl. Priene , die Pfrieme.


0 , 0 in ā, aa und 0, als: de Mōnn, pl. dá Mānn, der Mann,
die Männer; dāt Blōk, da Blaage, der Block, die Blöcke; kōgen,
de Kögen , kochen, die Küche; nōg, genug; nögen, genügsam.


Ö, 0 in i, als: jö Kff, pl. dá Kê, die Kuh, die Kühe; das
gedehnte öh in das geschärfte, als: jö Köhl, die Grube; kölken,
ein Knabenspiel , wo sie Knikker (Schüsser , Schnellkügelchen)
oder runde Marmelsteine in eine kleine Grube werfen, fries. de
Löper V. löpern.


17, ti in ü und ā, als: sjungen, sung, singen, sang; lupen,
laufen; Lāpehe, 1. Käselaab, Rinnsal, 2. das Durchlaufen der
Pferde, dän. löbsk.


(7 in ie , als : sluhggen , de Sliek , schlagen, der Schlag.

U ino, als: jung , de Jōnge, jung, der Junge; und ō ináj, als:

U

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15

löng, de Lajngde; in ā geht auch n über, als: worm, de Wārmt
óder Wārmde , warm , u. s. w.


Das scharfe ü' geht in das gedehnte ö (öh) über , als : de Tünn ,
pl. da Töninge, der Garten; dāt Shrünn, -da Shröninge, die Truhe,
Lade.


Al in e, als: jö Bräjdd, de Brêdgome, Braut und Bräutigam,
nd. de Brud, de Brüdigam, dän. en Brud, en Brudgom, engl. a
bride, hridegroom; de Räjdd, de Rêdmon, der Rath, Rathsmann.


Au in tf , als: de Shauch, der Schuh, pl. da Shuhr.

Äti in ät, als: jö Gäus, pl. Gäis, Gänse; Täüs,pl. Täis, Zähne;
in 3, wie Gōsefiāsh, Gänsefleisch.


Äuj in au, wie: dāt Shäujl, da Shaule, die Schule; de Stäujl,
da Staule, der Stuhl; inō, als: jö Häujnn, deHōnstōk, die Hand,
der Handstock am Dreschflegel; jö Hōnkliess, der Handschuh;
äuj in äj, als: de Fäujtt, da Fäjtt, der Fuss, engl. foot, pl. fêet,
nd. Foot , pl. Föht oder Föth.


Ie in ö undo, als: biën, de Bögel, biegen, der Bügel; tiën, de
Tögel, ziehen, der Zügel; bi-en, de Boge, biegen, der Bogen.


Ie inu, als: liewen, de Luwe, glauben, der Glaube, engl. to
believe.


IJe, ü. veLu und ō; als: de Süss, pl. da Süse, der Brunnen; dāt
Klüss, da Kluhse, das Tuch, die Kleider; düwwen, dāt Dōf, tun-
ken, die Tunke; snüwwen, dāt Snōf, schnauben, der Schnupfen.


IJj .m ij, als: jö Nüjd, nijdlick, die Noth, nöthlich, d. i. be-
schränkt, eingeengt; in ā, als: üjll, dāt Āller , alt, das Alter;
und ij in áj, als: hijtt, de Hájtt, heiss, die Hitze, nd. hitt, dän.
hed , engl. hot ; in āj , als : brijdd , de Brājt , breit , die Breite ,
engl. broad, the breadth, dän. breed, en Brede.


Die übrigen Verwandlungen deir Vocale, deren es natürlich
noch mehr giebt, werden bei der 'Wortbildung und dem unregel-
mässigen Zeitworte vorkommen,


Uebergänge der Consónanten in andere.

§. 19. Win f, als: grewen, dāt Greef, graben, das Grab;
jêwen, dāt Jêft, geben, die Gabe, beim Füttern des Viehes;


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16

döwen, dāt Dōf, tunken, die Tunke , dän. at dyppe, engl. to dip;
shöwwen, dāt Shōf, ein Brett zum Vorschieben; jö Döww , de
Dóffer, die Taube, der Tauber, Tauberich, engl. a dove; shöw-
wen, dāt Shöff, die Schublade ; driwwen, jöDráft, treiben, 1. die
Trift, 2. der Trieb, dän. at drive, en Drift, engl. to drive, a
drift; shriwwen,Shráft, schreiben, die Schrift; snowwen,
1. schnauben, 2. schnupfen; dāt Snōf, der Schnupfen; stöw,
wen, stieben, dātStōf der Staub; grêwen, graben, jö Grauf,
der Graben , u. s. w.


Umgekehrt wird f wieder in w verwandelt , als : jö Grauf , pl.
da Grauwe; dāt Shöff, pl. da Shōwwinge; dāt Kniff, da Kniw-
winge, das Messer, der Kneif, dän. en Kniv, engl. knife; jö
Wöfff wōwwen, das Weib, weiben, sich gatten; dāt Steef, da
Stêwe oder Stäwe, die Fassdaube, engl staff, pl. staves, dän. en
v; iāt Reef, 1. der Fuchs, 2. Sandbank im Meere, das Riff,
pl. Räwe, dän. en Räv; de Thief, da Thiewe, der Dieb, engl. t
thief, u. s. w.


D und t gehen über in das weiche s, als: dāt Bād, da Bāse,
das Bad, dän. et Bád, engl. bath; fäjdden, ernähren, dän. at
föde; jö Fäihs, engl. to feed, food; dāt Fāt, pl. da Fahse, das
Fass, die Schüssel, nd. Fat, dän. et Fad; engl. a fat, Tat; dāt
th, da Fähse, der Bottich, engl. vat; jö Kātt, de Kāser, die
Katze, der Kater, nd.de Katt, de Kaater, dän. en Kát, engl. cat;
bitten, de Bàhs, beissen, der Biss, nd. bieten, dän. at bide, engl.
to bite, a hite; splitten, de Splàhs, spleissen, nd. splieten, dän.
at splide, engl. to split; slidden, de Slàhse, engl. to slide; gijt-
ten,Gaahs, giessen, die Gosse, dän. at gyde, en Gyde; dāt
Spát, pl. da Spàhse, 1. der Spiess, 2. der Spaten voll Erde behn
Graben,. so tief als das Blatt geht, engl. spit.


Ss und ss (sz) gehen in das weiche hs über, als: dāt Lass,
das Glied, da Làhse, die Gliedmassen; de Smás, pl. da Smàhr
se, der Schmied; de Süss, da Suse, der Brunnen, nd. de
Soot; dāt Klüss, das Tuch, da Kluse oder Kluhse, die Kleider,
engl. eloth , pl. eloths und elothes ; lüss , los , pl. luhse ; snüss ,
snuhs , nett , flink , u. s. w.


Gh und k in g , und g wieder in k, als : dāt Tiech , pl. da
Tiege , die Oberschenkel , Lenden , engl. thigh ; huch , pl. huge ,


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17

hoch; dāt Huget, die Anhöhe; fuch, fuge, bange; de Uch, die
Wand; röch, röge, rauch, zottig; de Such, der Zuber , u, s. w.;
dāt Feek, da Fäge, das Fach; sluhggen, de Slickf schlagen, der
Schlag I nd. slaan, engl. to slay.


§. 20, Die Mundarten der nordfriesischen Zunge sind , wenigstens
auf dem festen Lande , den Halligen und in der Wijk auf Föhr ,
nirgends so abweichend ; dass die Friesen sich nicht recht gut
mit einander unterhalten können. Aber. anf Helgoland, Amrum,
Westerlandföhr und Sijlt weichen die Mundarten so sehr von der
Sprache der Westküstler ab, dass die gegenseitige Verständi-
gung, oft schwer fällt. Um einen gegefähren Begriff von den ab-
weichenden Dialecten der nordfriesischen Bewohner der schleswig-
schen Westküste in den Aemtern Tondern , Bredstedt und Husum
zu geben, mögen hier einige vergleichendê. Zusammenstellungen
derselben .dienen, Zuerst steht das friesische Wort nach der morin-
gw Mondart und das deutsche zuletzt, als: . . .


dāt Haad, Haud, Hāwed, dän« Hoved, engl. head,das Haupt;
Wräll, Wráll, Wārl, Wörl, engl world, dän. Verden , die Welt-


Häujnn, Häun, Haun, altfr. Hon, Hōnd, dän. Haand, engl.
band , die Hand. .


de Däi, Däg, Deg, pl. Dege, engl. day, dän. Dag, der Tag.

swäjtt, swäit, engl. sweet, süss.
. wäjtt, wäll , engl. wet , dän vaad , nass.


dāt Bjàrn, Bern, dän, et Barn, das Kind«

datSwjàrd, Swêrd, dän« etSvärd, engl. a sword, das Schwert.

de Sirijtt, Striete engl. a street, ein Gang in der Kirche,
(Strasse).


dāt Bläüjddi Blaud, nd. und dän. Hōd, engl. blood, das Blut.

gäujd, gäud, gaud, nd- gut, goot. dän. god, engl.good, gut-

de Sträujnn, Sträun, altfr- Strōn, engl. strand, der Strand-

§.21. Nicht minder wichtig für die Wortbildung ist die Verglei-
chung der Lautübergänge in die verwandten Sprachen , wêzuhier
einige Beispiele folgen mögen.


A entspricht, mit seiner fünffach verschiedenen Aussprache ,
meistens. dem a im. Deutschen , Dänischen, Angelsächsischen und
Englischen,, als: magen, machen, nd. máaken, dän. at mage;
angels. macian, engl. tomake, und so kh vielen ähnlichen Fällenw


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18

- Ae, ä entspricht meistens dem i in den verwandten Sprachen
wo dieser. Laut sich dem ä nähert, wie in Leben, geben, schwe-
ben, u. s. w., als: sträwen, 1. streben, 2. sich über etwas strei-
ten, dän. atsträbe, engl. to strive; ähsen, essen' nd. äten, dän.
at äde, engl. toeat Eben so «, als; dāt st, d. und engl. Nest;
Fênn, die Fenne, engl. a fen; sitten, nd. setten, dän. at
sätte , engl to set, u. s. w. Das gedehnte ie oder ih entspricht
dem deutschen ei und ttf, dem nd. ee' und dem dänischen e,
als: da Biene , die Beine, nd. und dän. Been, das engl. bone;
da Stiene, diê Steine, nd. und dän. Steen, engl. stone; ālliem,
allein, nd. alken, dän. alene, engl. alone; tienen, dienen, nd.
dênen, dän. at tjene; biese, beide, dän. begge, baade, engl
both; ndenen, meinen,. nd. meinen, dän. at mene, engl. to mean.
Dasselbe gilt zum Theil auch von dem geschärften i, das aber
dem nd- is und dem dänischen i doch öfter entspricht , als: dflt
Rick, das Reich, nd. Riek. dän. et Rige; rick, reich, nd. riek,
dän. rüg (rig),engl. rich; dāt Lick, nd. dat Liek,, dän. et Liig,
die Leiche ; de Dick, nd. Diek , der Deich , dän. et Dige , engl. a
dike.


O,0, entspricht, nach seiner dreifachen Aussprache, dem ge-
dehnten oh ,und dem geschärften a im Deutschen, und Dänischen,
als: de Loge, die Lohe, dän. en Luë; hohl, dän. huul, nd.
hell; de Mōnn, der Mann, engl. a man, dän. en mand; jö Kōnn,
die Kanne, nd. Kann, dän. en Kande, engl. a can; bōnnen, ban-
nen ' fluchen , dän. at bande , engl. to bannish ; de Gōnner, nd. '
de Ganner, der Ganser, Gänserich, engl, the gander, dän- en
Gasse ' von Gaas.


. Oe, ö, entspricht au' uu, eu, o, u. s. w.; als: jö Möhr, die
Mauer, nd. und dän. Muur; dāt Böhr, das Bauer, nd. und
dän. Buur; lören, lauern, nd. luren, dän. at Iure, engl. to lurk,
to lurch; hölen, heulen, nd. hulen, dän. at hyle, engl. to howl;
stōfwwen, stieben, stäuben, nd. stöwen, dän. at atöve ;drögen,
trocknen, nd. drögen, engl. to dry, dän- at törre.


U, u, mitspricht dem ārá, i, ō, au und u,, als; jö Swuhn, Atr
Schwan, hd- Swōn, Swaan, dän. enSvàne, engl. aswan ; dat
Tulig, der Talg, nd- Tallig, dän. Talg:, Tälg,lle, engl. tallow;
de Gulig, der Galgen, dän. en Galge; engl. gallows; dāt Hulem,


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19

Halmstroh zum Decken , engl. halm ; üuhggen, schlagen , dän. at
slaae, nd, slaan, engl. to slay; de Kuch, der Koog, dän« Kog;
de Such, der Zuber; jö Buhn, die Bohne, nd. de Bohn, dän. en
Bönne, engl. a bean; hd fluch, tr flog, dän. ihan flöi; de Kup,
der Kauf, nd. de Koop, dän. et Kjöb; btpen, laufen, nd. lōpen,
din- at löbe, engl. to leap; de Lup, der Laufend. de Loop,
dän- et Löh, engl. a leap; de Bnp, der Haufe, nd. de Hupên,
dän- en Hob, engl. a heap; hupen, häufen, engl to heap; jö
Mudder, die Mutter, nd. Moder, dän« Moder, engl. mother; de
Kunst , die Kunst. Eben to : munter , dumm , stumm , jö Null , die
in allen drei Sprachen eins sind; unk, uns beiden; iunnern, don-
nern, engl. to thunder; drunken, trunken, engl. drunk, drun-
keii; slunken, 1. particip. von sláinken, schlingen, Terschlingen,
schlucken , 2. schmächtig , mit eingefallenem Bauche , engl.
slimgutted, dän. slunken, in der zweiten Bedeutung; jö Hull,
die Mütse (Hülle); hunnert, huhdert, nd« hunnert, din. hund-
rede, engl. hundred; unner, unter, nd. unner, dän. under, engl-
under-


üe, ü, üj entspricht oft dem deutschen o und dem dänischen
ö, als: de Düss, der Tod, dän. en Död, nd. deDood, engl, death;
de Süss, nd- Soot; früss, fror; dän« fröhs (frös), engl. froze; lüss,
los, dän- lös,. engl« loose; rüjdd, roth, nd. rōd, dän. röd, engl.
red; düjdd, tödt, nd. dōd, dän. död, engl. dead; dāt Brüjd,
das Brot, dän. Bröd, engl bread; jö Nüjd, die Noth, dän. en
Nöd (Nöhs), engl. need; dāt Lüjdd, das Loth, dän. et Lod, auch
die Gewichte an Uhren, engl. lead; de Küjl, der Kohl, dän.
Kaal , engl. eole ; üjll , alt , nd. ohld , altdän. old und ald ,
engl. old; de Süjdde, der Sode, aus Torf oder Rasen, nd. de
Sōd, engl. sod; de Slüjtt, der Wassergraben, altdeutsch der
Schlot, ud. Slōt; dāt Büjtt, das Boot, dän. en Baad, engl. boat.
Geschärft entspricht ü' nicht selten dem deutschen au, als: ütt.
aus, nd. ut,dän. ud, engl out; bütte, nd. buten, das Gegentheil
von banne, binnen, inner, innerhalb, ütte, draussen,. dän. ude;
de Snütte, die Schnauze, nd. de Snut, dän. en Snude, engl.
snont; dat RM, die Raute, Fensterscheibe, nd. Rut, dän. en
Rude; rüttet, gerautet, gewürfelt, von Geweben; deKlütt, Flick-
lappen , dän. en Klud , .engl. clout.


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20

Aai, aai, entspricht keinem Laute der verwandten Sprachernr
vorzugsweise, als: laai, lass, faul. dän. loi, de Laaibānk, diê
Lotterbank , dän. Loibänk ; glaaien , schlüpfen , entwischen ; straaien ,
gemächlich einhergehen; waaiten, winken; spaaiten, spritzen;
Flaait, die Flöte, nd. de Fläut, dän. en Flöite, engl. flute;
flaaiten , 1- flöten , 2. pfeifen mit dem Munde ; maai , so ziem-
lich; Faaie, Vater, in der Anrede; Klaai, Nieolas; Baai, 1. In-
geburg, 2. der Boi, ein Zeug; raaieln, taumeln, engl. to reel;
swaaien , dän. at svaie , schwenken.


Āi, āi, entspricht theil weise dem deutschen ā und ei, als:
de Wāien, der Wagen, nd. Waagen, dän. Vogn, engl. Wag-
gon; dat üfi, das Ei, dän. et Äg, engl. egg; lāiden, nd. làiden,
blitzen, engl. to lighten, de Lāid, der Blitz; dāt Wāi, der
Wattich, die Molken, dän. Valle, engl. whey;de Klāi, der
Klei, nd. Klei, dän. Klik, engl. clay; rāieln, einen Faden eo-
reihen, dän. at rie; jö Flāiel, der Flegel, zum Dreschen, engl
a flail.. i .


'Ai, àt, entspricht oft dem deutschen ei, dem plattdeutschen
und dänischen ie, als: Mi, bei, nd« und dän. bi, engl. by; de
Brāi, der Brei, nd. Brie; frāien, frcien, nd. frien, dän. at frie;
frāien, heirathssüchtig , nd. friens; dàien, gedeihen, nd. dàien
(dän. at trives, engl. to thrive); shràien, schreien, nd. schrien,
dän. at skrige, engl. to shriek; spàien, speien, nd. spien, dän. at
spy; kràien, krähen, nd. kreien, engl. to erow; sàien, nähen,
dän. at sye, engl. to sew; wàien, 1. wehen, dän. at vaie, nd.
waien, engl. to wave; S. trauen , ein Brautpaar, dfin. at vië, das
deutscher weihen,


Ai, aj, entspricht dem geschärften i, e, und ä im Deutschen,
als: de Hajtt, die Hitze, nd. de Hit, dän. en Hede, engl. the
heat; dráinken, trinken, nd. drinken, engl. to drink; sáinken,
sinken, dän. at synke, engl. to sink; wainken, winken, dän. at
vinke, engl. to wink; slainken, schlingen, schlucken; de Fainger,
der Finger, nd. dän. und engl. ebenso; de Hainger, der Henker;
Ifráinken, kränken, dän. at kränke; de Swaingel, 1. der Schwen-
gel, 2. Schlegel am Dreschflegel; dāt Aingel, der Engel,: dän.
und nd. ebenso, engl. angel; deSnájtter, der Schnitzer d. i. Tisch-
ler, dän. en Snedker (Snitker); dá Rainke, die Ränke, dän. Rän-


59

21

ker; de Gájnger, der Gänger, dän. en Ganger und en Gänger;
lájtt, klein, nd. lüjtt, dän. lille, engl. little; klaingern, klingen,
dän. klingre; de Laingde, die Länge, nd. de Längd, dän. en
Längde und en Länge, engl. the length u. s. w.


Aei, Äi, di, entspricht dem deutschen ü, M, a, 0, und d,
als: ipäilen, spülen, nd. spölen, dän. at spöle; dāt Späiling , das
Spülicht, dän. Spöl (Spöhl); käilen, kühlen, nd. kölen, dän. at
kjöle , to eool ; räiren , rühren , nd. rören , dän. at röre ; fäilen ,
fühlen, nd. fölen, dän. at föle, engl. to feel; fäiren, führen,
nd. fören, at före, u. s. w. 1, Da s, die Gänse, nd. Göhs,
dän, Gjäs, engl. geese; da Täis, die Zähne, engl. teeth; d6 Täi-


rem, der Darm, dän. en Tarm; de Airem, der Arm ■ ;

wäir, Wahr, nd. waar; itai, nahe, nd. nêg, engl. nigh, (near),
dän- när; dāt Shäip, das Schaf, nd. Schaap; de Släip, der
Schlaf, nd. Slaap, engl. sleep; släipen, schlafen, nd. slaapen, to
sleep; de Bäirig, der Berg, nd. de Barg, dän. et Bjerg; äirig,
arg, nd. ebenso, dän. arrig; dāt Bäist, die Bestie, das Rind,
nd. dát Beest, dän. et Bäst (Bähst); bäistig, nd. beestig; de DU,
der Tag, nd. de Dag, dän. ebenso, engl. day; ick däi, ich that j
nd. ick dähd, engl. I did; dāt Häier, das Haar, nd. ebenso,
engl. hair; läi, lag, engl. lay; jö Shäier, die Schere, nd. Scheer;
Stäir, der Stern, engl. the star.


Au, au, weicht sehr ab, als: jö Grauf, nd. de Groof, dän.
en Gröft, (die Gruft) der Graben; aúwer, über, nd. öwer,
dän. und engl. over; auf, ab, nd. und dän. af ' engl. of , off; de
Maude, die Mode, nd. de Hood, dän. en Möde, engl. mode; jö


uhs, die Rose ; deAuwen, der Ofen , nd. en Aaben, dän.

en Ovn , engl. the oven ; de Brauter, der Bruder , nd. und dän.

t Um unnöthige Wiederholungen zu vermeiden, will ich hier
bemerken , dass die Zeitwörter mit at dänisch , die mit to eng-
lisch sind , wodurch also die bisherigen Andeutungen » dän." und
>> engl.'' bei dieser Wörterklasse wegfallen können, und zweitens,
dass drei Striche , wie im Folgenden nach 3 Arm ," » Rose " u. a.
anzeigen sollen, dass diese Wörter in den übrigen verwandten
Sprachen, im Deutschen, Niederdeutschen oder Plattdeutschen,
Dänischen , Englischen , Friesischen , Altfriesischen und Nordfrie-
sischen ebenso lauten.


60

22

Broder, engl. brother; jöAuhs, die Oese; da Staule, die Stühle ;
da Shäule, die Schulen; äu ist eben so abweichend.


Aeuj, äuj, entspricht dem deutschen u am meisten» als: de
Häujdd, der Hut, nd, de Hood, dän. und engl. hat; gäujd,
gut, dän. gōd, engl. good; dāt Bläujdd, das Blut, nd, und
dän. Blod, engl. Uood; jö Räujtt, die Wurzel, altdeutsch: tt,
daher: ausrotten, dän. en Rod, engl- a root; dāt Mäujd, der
Müth, nd. de Mod, Mōt, dän, Mod, das engl. mood; jö Fläujdd,
die Fluth , nd- de Floot , dän, Flōd (1. Flohs) , engl. flood ; dāt
Säujtt, der Russ, nd. Sott, engl. soot; de Stäujl, der Stuhl, dän.
und nd. Stol, engl. stool; dāt Shäujl, die Schule, nd. de School,
dän. en Skole, engl. a school; jö Bräujnn, die Feuersbrunst; dāt
Bäujl (s. die Anmerkung 1. zu §. 17); de Fäujt, der Fuss)
nd. Foot , dän. Fod , engl. foot.


Ij , ij (das erste i ist der Vocal, das zweite derConsonant); sie
entsprechen dem deutschen ei, als: dāt Bijn, das Bein, nd. und
dän. Been, engl. a bone; de Stijn, der. Stein, nd. und dän.
Steen, engl, stone; lijdden, leiten, verleiten, at lede, to lead;
brijdd, breit, nd. und dän. bred, engl. broad; de Wijtte, der
Weizen, nd. de Wêten, dän. Hvede, engl. wheat; brijdden, aus-
breiten, dän. at brede, z. B. bred Dugen, brijd ,e Bōrdauk, lege
das Tischtuch auf. In den Wörtern Ijd, der Torf, Ijll, Feuer
und Ijllinge , die Feuerung , lies : ihjdd , ihjll , ihjillinge. Das frie-
sische Ijll klingt ganz wie das dänische Ild, Feuer, und ist
auch dasselbe Wort. Gijll, Geld; bijtt, nd. beet, dän. bed, engl.
bit 1 stijlten , stossen , nd. stöten , at stöde.


Ōi, öi, weicht sehr ab, als: tōien, thauen, nd. dauen, at töe,
to thaw; snoien, winden, drehen , at snoe; shōien, schuhen, die
Pferde, at skoe, to shoe a horse; smöien, 1. aufstülpen, at
smöie op; 2. schmähen, in forsmōien, at forsmäde; — āi! pfui;
rōien, rudern, at roe, to row.


e. Die Consonanten.

§.22. B, b, entspricht dem 5 der verwandten Sprachen , beson-
ders zu Anfang eines Wortes , als : de Bānk , die Bank , dän. Bänk ,


61

23

engl. bank; dāt Bläujdd, das Blut; bläjdden,. bluten. nd. blöden,
at blöde, to bleed; bräjdden, brüten, nd. bröden, to breed;
brünn, braun, nd. und dän. bruun, engl. brown; de Buhmm,
der Baum, nd. de Bohm, dän. en Bóm, engl. the beam, an-
gelsächsisch : Bêam ; dāt Bauck , das Buch , nd. dat Bōk , dän.
enBog, engl. book, angels. Boe; jö Brägen, altdeutsch: der Brä-
gen, nd. de Brägen, engl. the brains; jö Bräjdd, die Braut,
engl. bride , angels. Bk>yd ; dāt Bjarn , dän« et Barn , angels.
Bearn; de Brauser , der Bruder, nd. und dän. Broder, engl. bro-
ther , angels. Brother ; brānnen , brennen , at brände ; angels.
bärnan, to burn; bitten, beissen, nd. bieten, at bide, to bide,
angels. Utan; bāgen, backen, at hage, to ke, angels. bacan;
brehsen, fleehten, angels. bredan, to braid; belücken, einsperren,
angels. belucan , u. s. w.


In der Mitte eines Wortes wird das deutsche ( im Friesisehen
am häufigsten durch w vertreten, als: bleiben, bliwwen; reiben,
riwwen; schreiben, shriwwen; treiben, driwwen; leben, làwen;
lieben , liewen ; schnieben , snōwwen ; stieben , stōwwen; klauben ,
klōwwen ; schieben , shōwwen ; kleben , klàwen ; klieben , kliewen ;
graben, grêwen; gehen, jêwen; schweben, swawen; streben, strä-


wen, u.s. w-

' §. 23. D, d, zu Anfange eines Wortes wie in den verwandten
Sprachen, als; de Däi, nd- und dän. en Big, angels. Däg, engl.
day; jö Dōgter, nd. Dögter, dän- Datter, angels. Dohter, engl.
daughter; dājn, nd. dohn, angels. don, to do, done; duf,
nd.doof, dän- döw, engl. deaf; de Dühs, nd.de Dōd, din. Död,
engl. death; dāt Dijl, 1. der Theil 2. das Ding, nd- und din.
en Deel, engl. deal; de Druhm, nd- de Drohm, din- en Dröm,
engl. adream; drainken, nd- drinken, to drink; jd Döww, nd. de
Duw, din- en Doe, engl. a dove; disp, nd- deep, din. dyb,
engl. deep; de Drōpp, en Drüpp, dän- en Draahe, engl. a drop;
düjd, nd- dod, din- död, engl. dead; jö Daahs, nd. de Daad,
dän.enDaad (l.Daahs), engl. deed; de Däuwel, nd- Düwel, din.
Djävel , engl. devil , u- a. w- Die diesen entsprechenden hoch-
deutschen Wörter haben alle T statt D zum Anfangsbuchstaben.
Steht d verdoppelt in der Mitte eines Wortes, so hahen die
verwandten Sprachen keine ihm entspreehenden Laute , äls ; Ud-


62

24

den, liegen; bádden, bitten; lêdden, legen; lijdden, leiten; bijd —
den, bieten; glidden, gleiten; strādden, greten, grätschen; gnud
den , sich schütteln , vor Ungeziefer oder Jucken ; budden , sich
balzen , wie die Hühner im Staube , u. s. w.


§.24. Auch die Anfangsbuchstaben F, G, H, K, L, M, N, P,
R, T, W, entsprechen den gleichen Lauten in Wörtern aus den
verwandten Sprachen , als : dāt Feest , das Fest , nd. und dän.
Fest, engl, feast; jö Feest, die Faust, nd. Fust, engl, the fist;
de Flägs, der Flachs, nd. Flass, angels. Fleax, engl. flax; fier,
fern, dän. fjern, angels. feor, engl. far; de Fögel, der Vogel,
nd. Vaagel, dän. Fugl, engl. fowl; de Fidder, der Vater (als er-
zeuger), nd. de Faader, dän. en Fàder, angels. Fäder , engl.
father; jö Fläujdd , die Fluth , nd. de Floth, dän. Flod (1. Flohs),
angels. Flod, engl, flood; frêsen, fressen, nd. fräten, to fret,
angels. fretan; fāllen, fallen, at falde, to fall, angels. feallan;
fliën, fliegen, angels. flèon, to fly. So aueh mit den übrigen
der angeführten Buchstaben, als: grōten, nd. gröten, angels. gre-
tan, to greet; de Glàme, engl. the gleam; hêlpen, helfen , nd.
helpen, angels. helpan, to help; jö Hêlp, nd. de Hülp, engl.
help; kānnen , kennen, atkjende, token; läjtten, lassen, nd. laa-
ten, at lade, to let, angels. lätan; de Maune, der Mond, nd. de
Maand, dän. en Maane, angels. se Mona, engl. the moon; de
Nêke, der Nacken, nd. de Nack, engl. the neck; de Nome,
der Name, nd. de Naam, dän. et Navn, engl. the name; jö
Plōnt, die Pflanze, nd. de Plant, dän. en Plante, engl. a
plant; rick, reich, nd. riek, dän. riig, engl. rich; de Rinn, der
Regen , angels. Rén , engl. rain , u. s. w.


, . §. 25. Es ist schon früher bemerkt worden , dass das weiche s,
mitdem englischen und isländischen th, so wie mit dem dänischen
d am Ende eines Wortes nach einem Vocale nahe verwandt ist,
und dass es (nach Rask), verdoppelt, wie das z der Holländer
ausgesprochen wird. Alle diese Buchstaben bezeichnen sämmtlich
ganz sanfte Säusellaute. Die dänischen Wörter dieser Art wer-
den beinahe so ausgesprochen , als wenn sie hs zum Endlaut hät-
ten, als: en Baad, et Bad, Gud, Död -- ein Boot, ein Bad,
Gott, Tod -— werden Baahs, Báhs, Guhs und Döhs ausgespro-
chen ; so nun auch in folgenden friesischen , als : làhsen , gelit-


63

25

ten; aühssen, 1. sausen. 2. Süden; grihssen, grausen; lihssen,
leiden; jö Nàhs, die Nuss; de Splàhs, die Spleisse; jö Räihs, die
Reise; jö Slöhs, die Schleuse, dän. en Sluse, engl. sluiee; jö
Rauhs, die Rose; jö Dauhs, die Dose; dāt Wahser, das Wasser;
sihssen, zischen; wihssen, weisen; jö Daahs, die That; jö
Braahs, der Braten; jö Shiehs, die Scheide; de Sláhse, der
Schlitten; de Hiehs, die Heide, (Land); de Bohse, der Bothe;
de Hiese, der Heide; de Báhs, der Biss; jö Gaahs, die Gosse;
dāt Lähser, das Leder; de Smáhs, der Schmiss, u. s. w,


§. 26. Die hier angedeuteten Lautübergänge der verwandten Spra-
chen in einander mögen als Fingerzeig dienen , um überall ähnliche
Vergleichungen anstellen zu können, wo diese sieb dem geneig-
ten Leser darbieten. Wenn auch in der Rechtschreibung einige
Abweichungen und Unregelmässigkeiteu Torkommen, so stehen
doch wenigstens die Tonzeichen überall richtig, was die Aus-
sprache leichter und sicherer macht. Oft granzen aber einzelne
Grundlaute so nahe an einander , dass es schwer fällt , zu ent-
scheiden, welcher Laut der richtigere sei, z. B. in Mudder oder
Mōdder , Mutter, nd. Moder; tunnern oder tōnnern, donnern,u. s. w.
In ähnlichen Fällen können auch einzelne Unregelmässigkeiten
bei der Verdoppelung der Endeonsonanten Torkommen, wie z. B.
bei wát oder wátt. Wát ist nämlich, 1. was, 2. etwas, 5. wir
zwei oder wir beide, als erste Person im Dualis, wo ját oder
jatt die zweite bezeichnet. Die angenommene Regel erlaubt nur
da die Verdoppelung der Endmitlauter , wo die Verlängerung des
Wortes sie doppelt hören lässt, wie in: grott, gross, de grotte
Mōnn,grotte Mānn oder Mōnne; oder wo sie in der Mehr-
heitdoppelt vorkommen, wie in: jöTrüss,Trüsse, die Kröte;
Aü Bill ,Bille , das Bild , u. s. w. Dāt Fāt , die Schüssel ,
nd- und engl. Fat, dän. Fad, klingt ganz wie fātt, fett, engt
fat ; Jenes hat aber im Pluralis : dá Fahse , dieses im männlichen
Geschlecht und in der Mehrheit: fātte, als: de fātte Rämm,
faite mme , engl the fat ram , der fette Widder. Das h
braucht nicht inmier als Zwangsdehnungszeichen zu stehen , wo
das s sich der vorangehenden Sylbe von selbst als weicher,
sanfter Säusellautanschliesst, wie in: räisen, reisen, kläisen, mit
den Nägeln kratzen ; aber : jö Räihs 'Kläihs , weil diese Wör-


4

64

26

ter weit gedehnter ausgesprochen werden, und so in allen ähn-
lichen Fällen, Auch können die Laute des ü und ö oder üh
und öh leicht mit einander verwechselt werden, wie z. B. in
sühssen oder söhssen , sausen ; brühssen oder bröhssen , brausen ,
wo das ü geschärft , aber das ss ganz weich ist. Die verwandten
Sprachen haben hier u und au, aber keine Beispiele, dass ein
Vocal vor einem h je geschärft wird. In den Wörtern flösig , nd.
flödig, leicht, schwach, brösig , nd. brösig, widerspänstig , hat
das ö die plattdeutsche Aussprache, wie in dösig, Möhl, nölen,
u. s. w. *.


f%f%t%m

ZWEITES CAPITEL.

CLASSENEINTHEILUNG DER WORTER.

§. 27. 1. Das Hauptwort, (Nāmurd, Nennwort), ist der Name
eines Gegenstandes, als: de Āpel, der Apfel; de Buhmm, der


1 Bald tritt die Wörterähnlichkeit der hier mit einander ver-
glichenen Sprachen mehr in der Schreibung , bald mehr in der,
m jeder der verschiedenen Zungen eigenthümlichen , Aussprache
der Wörter, und bald in beiden zugleich deutlicher hervor, was
alles sorgfältig zu berücksichtigen ist. Nehmen wir z. B. 'das
fries. Wort Däi, Däy, und das engl. day, so ist Schreibung ,
und Aussprache fast eins ; eben so mit dem Worte Thief, das in
beiden Sprachen gleich lautet. Das friesische Thig , Thieg oder
Tteg , und das engl. thigh ' würden , nach deutscher Aussprache «
ganz glciehlautend sein , aber hier spricht der Engländer : thei
oder dhei. Dāt Knif, der Kneif, dän. Kniv (1. Kniew) , engl.
knife, sind ähnliche Beispiele. Hier würde das englische Wört
ganz mit dem deutschen in der Aussprache zusammenfallen nnd
beides Kneif lauten , wenn der Engländer sein k mitausspräche.
In den Wörtern: de Fäujtt ' pl. räjtt, engl. foot, pl. feet, nd.
Foot, pl. Föth, liegt die Verwandtsehaft näher, als im Hoch-
deutschen und Dänischen: derFuss, die Füsse, en Fōd, Födder,
obgleich auch in den letztern die Aehnlichkeit nicht zu verken-
nen ist.


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27

Baum; jö Stäir, der Stern; de Dühs., der Tod; dāt Lif, der

Unterleib, 2. das Leben; dāt Läwent , 1. das Leben, 2. der
Lebenswandel ; dāt Aller, das Alter; de Grause, 1. die Gruse,
2. Wachsthum der Pflanzen , dän. en Gröde ; de Luwe , der
Glaube ; dāt Feest , das Fest , u. s. w.


2. Das Geschlechtswort bestimmt das sprachliche Geschlecht
der Haupt- und Bestimmungswörter, und heisst: dé, der, jö,
die, dāt, das; im pl. Já, die; unbestimmt: an und en oder
'n d. i. ein , eine. i


3. Das Bestimmungswort, (Baiurd, adjectivum), giebt die Merk-
male der Dinge an, als: grott, gross; lájtt, klein; rüjdd, roth;
üjll, alt; huch, hoch; läig, niedrig; lähs, spät; ripp, reif; stiff,
steif, u. s. w.


4. Das Zahlwort, (Tāllurd, numerale), giebt entweder eine be-
stimmte oder eine allgemeine Zahl gleichartiger Dinge an , oder es
bestimmt die Ordnung und Aufeinanderfolge derselben, als: fjauer
Dêge, vier Tage; sêgs Wàge, sechs Wochen; twuntig Shāllinge,
zwanzig Schillinge, u. s.w., oder: faale Fäujlk, viel Volks; man-
ning Hünne, viele Hunde; arken Manshe, jeder Mensch; ālle
Manshene, alle Menschen; oder: de jarste, der erste; da lähsere,
der zweite; de trêdde, der dritte; de fierde, der vierte; de lêste,
der letzte.


5. Das Fürwort, (Stähsurd, pronomen), steht statt eines Haupt-
wortes oder vertritt dessen Stelle, als: de Mönn as sierem krōnk,
he wórt wäjl stäirwe; der Mann ist sehr krank, er wird wohl
sterben. Solche Wörter sind ferner: Ick, ich; dö, du; he, er;
jö, sie; dāt, es; hát, es; we, wir; watt, wir zwei; jatt, ihr zwei;
jám, ihr; já, sie, So auch: niemmen, niemand; hüm, wer, je-
mand; sönän, sōnijn, ein solcher, eine solche; sōn, soecken, soek,
solcher; desêlwe jösêllew, dātsêllwe , derselbe, u. s. w., pl. da-


6. Das Zeitwort , (Tiddurd, verbum) , zeigt entweder ein Han-
deln oder ein Geschehen oder ein Bestehen an, als: mäjdden,
mähen; küjllen, halten; jéwen, geben; biën, biegen; sláipen,
schlafen;büen, arbeiten; ladden, liegen, wāsjsen, gràien, wachsen;
bestäujnnen, bestehen, kijnnen, 1. auffangen, mit den Händen,
2. sich ereignen, begeben, zutragen; wêsen, sein: z. B. de


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Hünn hölet , der Hund heult; dāt rinnt, es regnet; ick gung ,
ieb gehe , u. s. w.


7. Das Umstandswort , (Amstandsurd , adverbium) , giebt einen
Umstand an, z.B. man Brauser hêt hirr lungenswähn, mein Bruder
ist längst hier gewesen; he hêt hirr näjlke, kaurtlick, dilling,
antênne, anjürsne, mārling , faar en làiet, noch ài wähn, er ist
hier neulich , kürzlich , heute , gestern Abend , gestern , heute
Morgen, vor einer Weile, noch nicht gewesen. So auch hirr,.
hier; dirr, da; jánner , dort; aw ,e jannerêgge , jenseits, u. s. w.


8. DasVerhältnisswort,(Faarurd, praepositio) , bestimmt das Ver-
hältniss der Gegenstände zu einander, als: äujn'e Dörnsh, in
der Stube; aw't Haad, auf dem Haupte; faar me, êfter, unner,
auwer, bài, enädre me, vor mir, nach, unter, über, bei, hinter
mir. 'Aw'e jannerêgge de Struhmm, jenseit des Stromes; to me,
zu mir; fon dê, von dir; am, um; áp, auf; auf, ab; êfter, nach,
dän. êfter, engl. after, und das altdeutsche after, wie in after-
reden , Afterkorn , u. s. w.


9. Das Bindewort , (Binnurd , eonjunctio) , giebt das Verhältniss
der Sätze zu einander an, und verbindet sie zugleich, als: Wann
dö ài má wäth, so kaast ,t läjtte, aurs dann iähst ock nint to sie-
en; Wenn du nicht mitwillst, so kannst du es lassen, aber dann
bckommst du auch nichts zu sehen. Die Wörtchen: wann, sō,
aurs verbinden hier die Sätze mit einander. Solche Wörter sind
auch folgende, als: an, und; ālsö, also; sögaar, sogar; di al-
lieneaurs ock, nicht allein — , sondern auch; wihsser ick, un-
tig dö, weder ich, noch du; äujntwihsser -, untig, entweder —
oder; dirr faar , daher, u. s. w.


I0. Der Empfindungslaut, (Interjectio) , drückt eine Empfindung
oder eine Gemüthsbewegung und dergl. aus, als: oh! ohá! m!
hallep Gōd! hilf Gott! Gōd bewāre! fui! hurràh! hallo! Dāt
de Hajnger! Dass dich der Henker! Däuwel ock! den Teufel
4uch ¹ l


*r "* ' ' ■

1 Als Ausrufungen , Verwünschungen und Flüche werden auch
folgende Ausdrücke gebraucht, als: Dāt de Kukuk; dāt de
Raawen (mir nicht erklärlich); dāt de Wünnen! oder de Fiwün-


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29

DRITTES CAPITEL.

DAS HAUPTWORT.

■ 1- Arten desselben.

§. 28. Das Hauptwort ist entweder ein Gattungsname (nomen
appellativum) , ein Stoffname (nomen materiale) , ein Mengename
(nomen collectivum), oder ein Eigenname (nomen proprium). Diess
gilt jedoch nur Ton solchen Hauptwörtern , die wirkliche Dinge
oder sinnfällige Gegenstände bezeichnen.


Bei den Gattungsnamen, deren Anzahl die grösste ist , nehmen
wir anf die Gestalt oder Form, auf die Arten , Geschlechter und
Gattungen der Dinge Rücksicht, als: de Mōnn, der Mann; Wöff,
da9 Weib; de Trōg, der Trog;jö Püpp, die Pfeife; de Hünn, der
Hund; de Buhmm, der Baum; jö Lhk, die Eiche; jö Bäjk, die
Buche , n. s. w-


Bei den Stoffnamen sehen wir bloss auf den Stoff oder die Be-
standtheile der Dinge, als: de Klāi, der Klei, Thon; dāt Gäujll,
das Göld; dāt Spêk, der Speck; dāt Flāsh, das Fleisch; jö Böser p
die Butter; dāt Hōlt, das Holz, dāt Wāhser, das Wasser; dāt
Hjàrt, das Harz; dāt Páck, das Pech; de Tjāre, der Theer; dāt
Blie, das Blei, u. s. w.


Der Mengenname fasst eine Anzahl gleichartiger Dinge zusam-
men, als; dm Fäujlk, das Volk, die Leute; dá shene, die Ge-
schwister; dāt Kaurn, das Korn, Getreide; dātKrüdd, das Schiess,


nen , dass dich die fünf Wunden (Christi nämlich) brennen oder
achmerzen mögen. Dāt de Däuwel , de Däuner ' de Däuker , de
Bäutaher! (lauter Benennungen des Teufels); dāt de Bácker! der
Schinder, sonst: de cker! de Krānked, de Sêgt, u. s. w. die
Pest, die Seuche befallen möge; Gōd straaf me! God fordamm
me! sömōd, bei Gott, wenn man etwas bekräftigt. Versichernd:
mijn, allerdings; jáwäjl, jawohl; faarwäir, fürwahr; wjàrlick,
wahrlich; bài wod! bei Gott, s. sömōd! já, sögêd ock! Ja,
du solltest wohl! oder: ei, warum nicht gar! u. s. w.


68

30

pulver-Kraut, noch in: Kraut und Loth, dän. Krudt; dāt Gjàrs,
das Gras; dāt Brüjdkrüdd, der Kümmel; dät Strài, das Stroh;
dāt Fōdder, das Heu; dá Āgene, die Spreu, dän. Avne.


Durch die Eigennamen unterscheidet man einzelne Gegenstände
derselben Art oder Gattung noch besonders von einander. Tage,
Monate, Länder, Erdtheile, Wohnörter, Wälder, Berge , Gewässer,
Gestirne, einzelne Sterne, Götter und Göttinnen, auch Thiere
z. B. Hunde u. s. w. haben Eigennamen, als: de Sàndäi, der Sonn-
tag, de April,Türkài, Europa, Holläujnn, Holland, dāt Sālt-
hêf, das Salzmeer, Blocksbäirig ,Saawenstäir, das Siebenge-
stirn, de Sirius, 0din, Freiā, Moloch, Karo, u. s. w.


2. Bildung des Hauptwortes.

§. 29. Die Hauptwörter sind theils Stanm- oder Wurzelwörter
(Ürwörter, primitiva), theils abgeleitete oder aus andern gebildete
(derivata), und theils zusammengesetzte (eomposita). Von der er-
sten Art sind z. B folgende: jö Pott, der Topf; de Grünn, der Grund;
dāt. Hüss, das Haus; jö Kö, die Kuh, u. s. w. Sie sind meistens
einsilbig. Abgeleitete sind z. B. folgende, als: de Mêller, vonjö
Mêllen, der Müller, von Mühle, oder Möller ton dem nd. de Möhl;
lle Fásher, der Fischer, von Fásh, Fisch; grott, de Grottense,
gros, die Grösse; liewen, de Luwe, glauben, der Glaube; de Släip,
der Schlaf, von släipen, schlafen; de Hugde, deHuge unddātHuget
die Höhe , von hug , hoch. Zusammengesetzte sind : jö Ruhmme-
shiess, der Rahmlöffel ; Buhmmull, Baumwolle; dātLaummeflāsh ,
das Lammfleisch ; Wöffesōmling , Weiberversammlung bei einer
Gebährenden; Dāisljāgt, Tageslicht; Düwwehüss, Taubenhaus;
Mäisterstock, Meisterstück.


§. 30. Von einsilbigen Hauptwörtern ohne bestimmte Endun-
gen und Nachsilben, unter denen die meisten Stammwörter sein
mögen,, wollen wir zuerst einige der vorzüglichsten anführen-
Es sind folgende, als:


Aagt, die Achte, 8. dāt Āi, das Ei.

Āgt, die Acht, Achtung, Ob- jö AM, Grossmutter.
acht. jö Āgs, die Axt.


69

31

Āmt, das Amt.
rt, die Art.
H, die Erbse.
Āss, das Aas.
['ss, das Daus.
Ihl, die Mistjauche.
Ik, der Iltis.
hs, die Oese.
jk, die Stute.
'l, der Aal.
iis, das Aas.
Āk, das Thor.
Ār, die Narbe.
lan, 1. die Bahn, 2. Rain-
pen.


lar, der Bär.
Bād,das Bad.
ānk, die Bank.
ii, die Beere.


igg, der Bau, das Gebäude.
tāhs , nd. Baas , dän. en
hs.


Baurd, das Brett.
äjk , 1. die Buche , 2. die
uche.


Bäujl, die Hütte.
Bāus, die Erdhütte.
Bauk, das Buch.
Bêdd, das Bett,
Bêdd, das Beet, Gartenbeet.
t, die Biene, dän. en Bi.
Bijnn, 1. der Band, 2. das
md.


Bijn, das Bein, der Unter-
henkel.
Bill, das Bild.
Bier, das Bier.


dāt Bitt , die Wuhne im Eise.

dāt Bát, die Pfeifenspitze.

de Bàhs , 1. der Biss , 2. die

Schneide.
Birk, tlie Birke.
dāt Birk, der Birkdistrict.
Blêch, das Laken, dän. et


Làgen, und: en Blee.
Blähs, dän. Blus.
Bläihs, die Blase.
dät Blāk, die Dinte.
de Blájnk, der Schimmer; dän.


et Glimt.
dāt Bleess, das Blatt,
dāt Blōck, der Block.
Bucht, 1. die Bucht, 2. die


Oberhand, der Sieg.
de Bōll, der Bolzen, dän. Bolt.
Buss, die Büchse, dän. Bösse.
dāt Bōr, der Bohrer, dän. et Bor.
dāt Brāk, dieNoth, der Mangel.
de Brài, der Brei, die Grütze.
Brājdd, die Braut.
dāt Bräif, der Brief.
de Brück, der Brauch.
dāt Brüjd, das Brot.
dāt Brátt, die Tafel.
jo Bráll, die Brille.
jöBrámhs, 1. die Bremse, Stech-


fliege. 2. die Bremse zum Brem-
sen der Pferde.
de Brōdd, 1. der Stift, 2. der


Stachel, dän. en Braad.
Bró, die Brücke, dän. en Bro.
dāt Bjàrd, der Bart
dat Bjárn , das Kind , dän. et


Barn.

70

32

«

Bjàrst, die Borste. jö Döhr, nd.und dän- en Dör,
de Bück , der Bauch , nd. de engl. door.


Buk, dän. Bug. de Dörensh, die Stube.

dāt Bünn , das Bund , das Bündel. de Dāmm, der Damm.

de Buhmm, der Baum- jö Dráft, 1. der Trieb, 2. die
de Büsh, die Büchse, als Be- Trift, 3. die Auffahrt nachdem


hälter. Hause, 4. der Nachdruck-

Burst, die Brust, jö Druhg, 1. die Traube, 2, die
de Bush, der Buseh, derStrauss. Milchseihe.


dāt Büjtt , das Boot. de Drōpp , der Tropfen-

Buhn , die Bohne, de Dráll , der Drillich,

de Bunk, der Haufe, dän. en de Dunst, der Dunst-

Bunke. dāt Diert, das Thier, nd. dat
dāt Böhr, das Bauer, nd. und Beert, dän. et dyr.


dän. Buur. dāt Eesh , die Asche.

de Daard , das Frühstück , dän. jö Eesh , die Esche.

Da vre. de Eesh, die Schachtel, dän.en
de Dāmp, der Dampf. Äske.


de Dauk , das Tuch. de Enn , der Abend.

de Däi, der Tag, engl. day. jö Êlms, das Ahnosen, engl. alms.

de Dásh , das Schälchen- jö Faan , die Fahne.

Dauhs, die Dose. dāt Fáck, die Ficke.

de Dié, der Teig, dän. Dei. de Fāll, der Fall, engl fall.

Diek, das Grübchen. jö Fāll, die Falle.

dāt Dijl, 1. das Ding, 2. der dat Fāt, die Schüssel, dän, et

Theil. Fad.

dāt Ding in Hilligding , das heili- jö oder dāt Dōck, die Puppe,

ge Ding, die Rose, der Roth- die Docke.

lauf. jö Faur, die Fuhre.

de Dick , der Deich , nd. de Diek ,Faurk , die Gabel , engl, a fork,

engl. dike , dän. et Dige. dän. Fork.

dāt Dohf, die Tunke, dünner jöFähr, 1. die Fähre, 2. der

Teig , engl. dough. Aufzug , 3. die Schaar.

de Dring , der Knabe, dän. en dāt Fäjll, das Feld, engl. field,

. Dreng. jö Fäil , das Gefühl.

jöDöw', die Taube, nd.de Duw, jö Fäihs, der Unterhalt,

engl. a dove, dän. en Duë, Föde, engl. food.

71

53

dāt Fäujlk , das Volk , ie Leute ,

. engl. folk , folks.

ieFäujtt, derFuss, nd.de Poot,

dän- en Fod, engl. foot,
dāt Feet , der Bottich.
tax Fik , das Fach.
jö Feest, die Faiut
dāt Feest das Fest.
Feel, die Feile; dän. nnd nd.


de Fiil, engl. file.
Fieg, die Feige, dän. Figen,


engl a fig.
de Fijnd, der Feind.
dāt Fijl, das Rad, engl a wheel.
de Fihss, dêr Fiat
de Fjàrt, der Furz, dän- en


Fjärt, engl. a fart,
jö Flāg,derRegenschauer, engl.


a shower.
de (dāt) Flägs,der Flachs, nd.


Flass, engl. flax.
dāt Flāsh, das Fleisch, das dän-


Fleck für Speck.
Fläujdd, die Fluth-
Flaait , die Flöte , nd. de Fläut,
dän. en Flöite, engl. flute.
i jö Flieg , die Fliege , nd. deFleeg,
I engl. a fly.


j jö Flugt, 1. der Flug, S. die
i; Flucht.


; jöFlönk, der Flügel, nd. Flunk,
jil Flünk.


de Fm , der Fachs (Pferd).

Fotts in Shittfotts , gemeines

Schimpfwort-
de Fott, in Hünnsfott, der Hunds-


fott.
dāt Fjàrsh, der Vers.
Frāgt, die Fraoht-
Frài , die Heirath-
de Frást, die Firste des Daehes.
Frist, — t.
de Frōat , der Frost.
Frōah , der Frosch.
de Frünn . der Freund.
dāt Fritt , der Frittbohrer , dän,


Vrit.
jö Frugt , die Frucht.
de Fünst , der Fund,
de Fláck, der Fleek , Leder am


Absatz.
Finn, 1. die Finne, 3. die


Flosse.
jö Flint, die Flinte,
dāt Flōr, der Flor.
dāt Flōtt, das Floss.
Fäir, die Föhre, Fichte, dän.


Fyrr.
dat Fáll, 1. das Fell, 9. das


Füllen.
de Faurm, die Förm.
de Gālt, der Borg, dän. en Gált.
de Gāst , der Gast.
Gāst, die Geest.
dāt Gäujd, das Gut.
dāt Gäujll, das GM,


it; 1 Ein Strich in diesem Verzeichniss soll dasselbe anzeigen, was
bisher durch drei Striche angedeutet worden. Siêhê 6. 91 , Anm- 1,


/

72

54

Gäus, die Gans, nd. de Goos,

dän. Gaas, engl. goose.
dāt Gêck, der Geck , dän. en Gjäk.
de Geedd, der Hecht, dän. en


Gjede. .
dāt Gijl, das Geld.
de Gitts , der Geiz.
jöGläjd, die Gluth, dän. en Glöd;


auch eine glühende KohIe.
Glauw , der Spaten.
dāt Gleess, dasGlas, nd. engl.


und dän. ebenso.
dāt Glüpp, der Ketscher, dän.


en Gliv.
dāt Graum , das Eingeweide der


Fische und Vögel
de Graad, der Grad. .
Gräidd, der Rasen, auch Ra-
. senacken


de Grünn , der Grund.
dāt Griss, dän, en Griis, das


Ferkel.
de Gripp , der Griff mit der Hand,
de Grähp, der Griff, die Hand-
habe.
dāt Grōt, rohe Grütze, nd, Grütt,


dän. Gröd.
de Göth , der Guss an dmer Kan-
. ne , u. s. w.
dāt Grüss, 1. der Grans, Gries,


Grand ' 2. der Schutt I dän. und

nd. Graus.
de Graup, die Mistrinne im Stal-


te, engl. the groop.
de Groll , der Groll.
deGōng,der Gang-
deGōdd,derGott.


dāt Gjàrs, das Gras.

Gigt, die Gicht.

dāt Greef, das Grab, nd. G

dän. Grav , engl. the grav
Grêft,dän. Gröft, der Wa


graben um den Warf.
de Gäihs, der Dünger,


Gjöske.
de Graaw , der Graf.
dāt Gips, — .
dāt Head. das Haupt,
de Haaw, das Gotteshaus.
de Hāls, der Hals.
Hānn, die Henne.
de Haup, der Keif, Tonnenb


engl. hoop-
dāt Hárt, das Herz, nd. E


engl. beart-
de Hauck , der Hauk , engl. h


das Zäpfchen im Halse , 2

Hisseblock. -
Haur, dieHure.
Haurd, derKirchhof, von Hi
Häujnn, die Hand.
de Häujdd , der Hut.
HU, der Math, der S


die Erinnerung.
dāt Häi, die Lust zu etwa
Hähg , das Heck vor i


Fenne.
de Haurn, das, Horn.
dāt Haurn, als nomen matei
de Hálm, der Helm.
de Háw , der Hieb.
de Hájnst, der Hengst,


Hingst, überhaupt ein Pf

als Gattungsname.

73

de Hált, der Held, dän. Helt. jö Hull, die Mütze, das deut-

Háks , die Heze., sche Hülle.

Hing , dle Thürangel. dāt Hōlt, das Holz.

dāt Hiehs, die Heide, das Hei- de Hünn, der Hund-

dekrant, engl. heath, - jöHüdd, die Haut, nd. unddän.

Hiehs, die Heide, das Heide- Hut, Hud. ,

feld, dän. en Hede.. jö Hánn, das dünne Bäutchen,

dāt Hierd , die Harde , dän. et : dän. en Hinde.

Herred- jöHöw, die Hoffnung, dän«. et

Hijll, die Helde,dän. en Hil- Haab, engl. hope.

de; die Fussfessel der Pferde, dāt Häier, das Haar, engl. hair.

u. s. w. ) de Hōf, der Hof um Senne und

de Hljàrl, gehechelter Flachs. . Mond, dän. en Hov-
Hjàrn, 1, die Ecke, 2. der de Hauf, der Huf.


Winkel, nd. Hörn, dän. Hjör- de Hill. der Holunder, dän.Hyld.

ne- . de Hillebuhmm.

dāt Hjàrn, wollens Garn, 3. jöJāgt, 1. die Jagd, J. die Jacht.

Hühnergeier in Hännehjàrn. dāt Jàrd, die Erde, als Stoff-
dāt Hjàrt, das Harz. . name..


dāt Heef, das Haff, Meer, dän. dāt Jêft, die Gabe, beim Füttern

et Hav. des Viehes.

dāt Heeft, das Heft, Schale am de Ihss, der Eid, dän.en Eed,

Messer. 2. Scheitel

Heesp, der Haspel » diü en dāt: Ijd, der Torf.

Häspe. dāt Ihr , das Jahr , engl. year.

Hohs, der Strumpf, dän- en .dāt Ijll, das Feuer, dän. IId. :

Hose, das .deutsche Hose- dāt Iss. das Eis, ttd. und dän.

dāt Hōll, das Gesäss. Iis, engl. iee.

dāt mört, dto Hirsch, engl a jö Lhk, die Eiche, nd. Eek,

hart, dän. Hjort. . dän- en Eeg.

de Hüpp, der Haufe, dän. en dāt Jōrn, ein Eisen, din. et Jern.

Höb, engl. heap. de Ml, dän. Juul, die Weih-

ht Hüss, das Haus, dän. und nachten.

nd. Huus, engl. house. dat Jāck, die Jacke.

de Hühs, das Heim, die Hei- dāt Jóck, das Jöch, engl. yoke.

math, dän. et Hjem, engl. jö Jahl, das Rohrkolbenblatt,

home. (Typha).

5 *

74

36

dāt Klápp, eine Art Kreuzbinde jö Klāmm , die Klemme , eigentl.

alter Weiber. und uneigentl-

dāt Klāpp, 1. der Hosênlatz, jöKlōck, 1.Glocke, 9. Uhr, engl

2. eine Schütte Stroh. a olook, dän. eii Klocke.

Kaar, der Karren, das dän. de Klömp, 1.die Klampe, 2, der

Karre, und das engl. a car Schober ,dän Häs.

ubd cart. deKlump, 1.Kloss, 2.derKlum-

Kaard , die Karte , dito, et pen.

Kort , (Kaart) , engl. card und de Klāi , der Klei , Thön , engl.

Chart. clay , dän. Klik.

Käpp , die Kappe , dän Kappe , Baai , Nieolai.

engl. cap. de Klütt, der Flicklappen, das

Kātt , die Katze , dän. und nd. dän. Klud und das engl. eloth.

Kát, engl. cat jö Klajnk, die Klinke, dän. en

de fāll, die Kante, der Rand, Klink,

die Seite. dāt Klie, die Kleie, dän. Klii.

Käil, l- die Keule, % die jö Kling, die Klinge.

Kühle. de Kjàr (, der i Kerl; dän. en

de Kaumm, der Kamm, nd. und Karl.

dän. en' Kam engl. comb. jöKjàrl, der Keim, d- ein

dāt Kaurn 9 das Korn, nd, und Krümmchen.

. dän; Kōrn, engl. eorn. dāt Klühs, das Tuch, vergleiche

de Kálk, der Kalk. - Klud, eloth.

dāt Kánn, das Kinn engl« chin, de Knähp, 1, der Kniff, S. Taille.

das dän. Kind (die Backe). dāt Kniff, der Kneif, das Mes-

Kárst,1. Kiste, 2. dir Sarg. ser.

dieKähr, dieKühr, die Wahl, jö Kniep, die Schnalle

Freiheit zu wählerin jö Klátsh, 1. die Klatsche an

jöKier, wieKähr. der Peitschenschnur, 3. der

de Keel, der Kiel. din. en Kjöl, Seime.

engl. a keel. , de Knóst, dän. Knast.

jöKiek, dän. Udkik , die Gucke. jö Kōst, 1. die Kost, 2. die Höch-

de Klāng, der Klang. zeit.

Klādd, die Kladde. de Knōpp, der Knopf, dän. en

de Klādd , der Klecks. Knáp.

Kláww, die Klaue, engl. a de Knágt, der Knecht.

elaw, dän. Klō. de Knall, der Knall.

75

37

eine Bootstange zum
I Schieben der Boote,
oben mit einer Krük-


ke, unten mit einer
Klaue versehen.


l, die Quelle.

i, die Kraft-

k , die Krücke. .

ick, die Kracke, elendes

I; dän. Krik.

ns, der Kranz.

m, 1. der Kram, 2. Kram-

i.

h, der Krieg.

tt, die Kreide.

pp, der Krepp, ein Zeug.

k, die Kruke, der Krug.

Ss, der Kreia, dän. en

5 (l.Krês).

U. das Gethier, dän. et

3|i, der Körper, dän- en

, 2. der Kropf der Vö-

Sk der Kropf der Pferde,

Krankheit.

tes, 1. der Krug, 2. das

I.

ck, der Dachwinkel,

M, 1. das Kraut, i. Schiess-

r, noch in: Kraut und

, dän. Krudt,

mim, die Krampe.

b, die Krippe.

» , die Krone, engl. erown.

g , der Krug , als Schenke.

. die Grube , nd. Kul , dän

ule.

Kff, die Kuh, nd. u, dän. ep

. Ko, engl a eow-

de Kunst, die Kunst.

de Kupp, der Kauf, nd- de Kōp,

dän. etKjöb.
Kōnn, die Kanne, nd. de Kann,


dän- en Kande, engl a can.
de Küjl, der Kohl, dän. Kaal,


engl eole-
Kāg , der Kuchen , dän. en


Kage, engl cake.
de Klöts, der Klotz, dän. en Klods.
dātKopp,diminutivum: dātKop-


ken, die Tasse-
Kumm, die Kumme.
Küst, die Küste-
dātt Kitt, der Kitt.
Lmsh, die Lerche.
de Lāid, der Blitz.
Lās, die Last,
Lást, der Leisten-
Lá, die Sense, dän- en Lee,
Law, der Löwe.
dāt Lāg, 1- die Schicht, 2. das


Gelag, dän. et Lag,
dāt Lāck, der Lack,
jö Lánn, die Linde,;
Lāhs, die Scheune.
dāt háss , das Glied,
dāt Làdd, 1- der Deckel, 2, der


hölzerne Teller.
de Lácks, der Lachs.
dāt Lāmp, die Lampe.
Lānk, die Kette , dän. en


Länke.
dāt Laih, die Latte.
dāt Laumm, das Lamm.


76

38

dātLáujnn, das Land. jö Lierk, ein kleiner Strandläu-

Läujtt, die Ofenkrücke. fer (Charadrius minor).

Läjt, das Geschrei. jö Lits, die Litze, dän. en Lids.

dflt Lees, dasFuder dän. et Läs. jö List, die List , — .

dāt Lick, die Leiche, nd. Liek, dāt Lück, die Luke, dän. en

dän. Lüg. Luge.

dāt Liek, ein Spiel ttiit Schnell- dāt Láck, das Glück

kügelchen. ' jö Löhr, I ;.

Lte, die Miethe, dän. enLeie. jöLörr, j . ^v

dāt Liem', der Lehm. jö Lunt, die Lünte.

dāt Limm, der Leim, dän. Litm. de Láink, der Sprung.

Liep, der Kibitz, das engli.Māgt, die Macht, dän« Magt.

' sche lap in lapwing. dāt Mālt , das Malz , engl. und

Leen, die Leine, engl. a line, dän. Malt.

dän. Line. . jö Mált, die Milz.

dāt Ljāgt, das Licht. jö Mágg, die Mücke.

dāt Loos, das loos, dän. ed Lod. de Máck, der Kuss.

dāt Loch,1. das Loch, i. der jö Māsh, 2. die Masche, S. die

Kerker. Made.

Lüss, die Laus. jö Mōtt, die Matte,, engl a

Luft, die Luft. , mat.

jöLust, die tust. l jd Màhr, die Mähre dän.en Mär,

dāt Lüjn, der Lohn. engl. amare.

dd Lünn,derHain, dän. en Lund. dāt Mäujt, die Begegnung,dän.

Luhk, Zwiebel, dän. et Lög, et Möde, engl. 'meet.

der Lauch. dät Mäujdd, der Muth,nd. Moth,

dāt Linn, der Bund, als: Ho- dän. Mod, engl. mood.

senbund, dän. et Lim dāt Mäjl, dks Mahl, dän. Kaal,

dāt Liff, 1. der Unterleub, S. das , Maaltid. ; "

' Leben , nd. und dän. Liv, engl de Máll, die Mitte. :

life. dāt Mäujl ' das Mill , die Millerde ,

Ló, die Tenne, dän. en Lō. dän. Muld, engl. mould.

de Lüpp, der Lauf. dāt Mäus, das Muss. als Pflaa.

Lōft, der Boden, dän. et Lóft, menmuss, dän. Gröd, engl pap.

engl. lof t. jö Mäujnn , der Torf — oder Hob-

Her, 1. die Lehre, 2. Kennt- kasten u.s. w., dän. et Moo.

nisse. de Māst, der Mast, — -

'

77

39

dāt Mähl, das Mehl, dän. Heel,

nd. Mehl.
Meel, die Meile, nd. und dän,


en Miil , engl. a mile.
jäMäjdd, die Math, engl. meadow.
de Maurd , der Mord , dän. et


Mord, engl. murder.
de Mjàrn, der Morgen.
de mógs, der Mist, Dänger.
dātMjógs, dar Kolli. ,
Miek, die Mutterscheide , nd.


de Mieg.

de Máss, die Messe in der Kir-
che, engl; mass, dfin. Messe.


dāt Māsh, der Meisch, dän. Mask,
engl. mash.


de Móst, der Most. — engl. must.

de Muck, der Muck, Mucks.

jö Münt, die Münze. '

Mámm, Mutter, in der Anrede
von Kindern,


Meem, Mem, dasselbe.

Mátt, Mette, eái weiblicher Ei-
genname.


dāt Moos, das Moos, dän; und jö Naas, die Nase, nd. Nähs,

engl. moss.
de Mōnn, der Mann, dän. eu
Mand, engl. a man. Monns,
Manns für etwas sein.
Muss , weiblicher Kopfputz
mit Spitzen unter dar Kreuz-
binde (Shiedauk) an den Schlä-
fen.
jö Muff , der Muff , engl. muff.


dän. en Muffe.
Mōhr , die Miauer , nd. und


dän. -en Muur, Mühr.
de Müss,der Münd.
Müss, die Maus, nd, und dän.


Muss, engl. e mouse.
tat MM, das Ziel, dän. Maal.
Mäjtt, das Maass.
dāt Mārk, Merkmal, dän. et


rke, engl. mark-
Mārk, die Mark (16 f.).
de Mársh , der Marsch , engi


march,dän. Marsk.
Mjàrsh , die Marsch , engt
marsh-


dän. Näse, engl. nose.
Nàhs, 1.die Nuss, 2.dieNiss,


1. nd. de IHM, dän. en Nöd',

engl. nut. 2. nd. Näd, dän,

Nidd, engl. ait.
Nāgt, die Nacht.
dat Nāps, der Napf.
de Narr, der Narr, — .
dāt Nàis, die Neuigkeit, dän-


neget Nyt, engl. news.
Nêll, die Nadel, engl; needle.
dāt Neest, das Nest, nd- und


engl. nest.
dāt Neet, 1. das Nêts, nd. engl.


und dän. Net. 9. der Harn,

altdeutsch der Netz.
Nill, die Nessel, nd. vnd engl.


Nettel.
t, der Funke, dän- en Grast.
Nōpp, der Fleh.
Nüjd, die Noch., dän- en Nöd,


engl need.
dātNüjtt, das Rind, dän- et Nöd',


engl. neat.

78

40

NM, der Tränktrog. jö Plōnt, die Pflanze, dän- nl

Null, die Null, et Nul. und engl. Plant.

de Üdd, die Messerspitze, Land- jö Plöhm, die Pflaume, nd. und j

spitze, dän. enO'd, Oddê. engl. plum.

de Ohm, der Oheim, Onkel. jö Plāt, die Platte, engl.a plate,

de Pābst, der Pabst. dän. Pladê.

dāt Pāck, 1. der Päck, S. das Pack- de Post, die Post , — .

dāt Pār, 1. das Paar, 2. eimge. jö Pōnn , die Pfanne , engl. a

dāt Pāss, der Pass. pan, dän. Pande,

de Páls, der Pelz, dän. Palts. jö Pott, nd. und engl. Pot, dän.

dat Páss, dfr Harn. en Pot, als Maass, en Potte,

dāt Päjl, der Pfuhl , dän- en Pöl als Gefäss.

(l. Pöhl). jö Püpp , die Pfeife , engl. a pipe,

Päujnn, da9 Pfand, dän. Pant, nd. Piep.

. engl. pawn. jö Pietsh, die Peitsche, dän. en

dāt Päujnn, Pfandgut. Pidsk.

Párl, die Pêrle, engl. pearl. de Práck, 1. der Stich, 2. der

de Peel, der Pfeil, dän. und nd. Tüpfel.

en Piil. jö Prauhs, die Rennkerze, dän.

Pênn , ein hölzerner Wirbel en Praas.

an Luken zum Vordrehen, dän, jö Podd , der Käfer.

. en Vreil, daher das englische de Prijnn, die Pfrieme, dän. an

to pen , einschliessen , fries : Preen.

pênnen.Präiw, die Probe.

de Pick , die Pieke , . dän. Pig , de Prāwst, der Probst, dän. Provst.

engl. a pike. de Prins, der Prinz, — .

de Plāck , der Fleck. jö Prāmm, der Prahm, dän. Pram.

dāt Plāss, der Platz, nd. und de Priss, der Preis, nd. und

dän. Plads , engl. plaee. dän. en Priis, engl. prize, price.

de Plaan, der Plan, — . jö Priehs, die Priese.

Plágt , die Pflicht , dän. de Puls, der Puls, — ,

Pligt. dāt Pünn, das Pfund, nd. und

Plêg, die Pflege. dän, Pund, engl. pound.

de Plöck, der Pflock, dän- Plög, jö Pümp, die Pumpe, nd. und

engl. plug. engl. Pump, dän. Pumpe.

(de Plaug, der Pflug, nd. Plōg, de Pung, 1. der Beutel, 2. der

dän. Plov, engl. plough. Hodensack, dän. Pung.

79

41

dāt Pult , das Pult.

de Puff, der Puff.

Prung, der Tausch, dän. Prang.

Puts, der Putz, SUat, 2. der

Streich, Possen.
Pōrn, nd. Pörn, die Garnele,


engl. pràwn, shrimp.
dāt Rá, die Reihe, Zeile, dän.


en Rad.
dāt Ráck, 1. das Schüsselbrett,


2. die Hühnerlatte.
de Räjdd, der Rath, dän. Raad.
Räihd, das Rohr, als Pflanze,


engl. reed.
Bauhs , die Rose , Blume.
Räujtt, altd. Rott , dän. en


Rod, engl. root.
de Rást , der Rest.
de Ràhw, der Riss.
Räuk , der Rabe , das engl.


rook , die Saatkrähe.
de Rānt, der Rand.
Räihs, die Reise.
Rább, die Rippe , Ribbe.
jo Rāsp, die Raspel, dän, und


engl. a Rasp.
de Rāng, der Rang, engl a rank.
Ränk, die Ranke.
Bau, 1 die Ruhe , dän.
JW, J Roe-
Rást, die Rast , dän. Rist ,


engl. rest
dāt Reef, dan. en Räv, der


Fuchs, Reineke.
Beew, dän. en Rive, der Re-


chen, engl. a rake.
dāt Reess, dän. en Röst,


de Rêgg, der Rücken, dän. en
Rijgg, engl. ridge.


de Riek, der Rauch, dän. Rög,
nd. Rōk , engl. reek.


dāt Rick , nd. dat Riek , das
Reich.


dāt Riss , die Ruthe , das Reis ,
dän. et Riis.


de Ripp, der Reif,' gefrorner
Thau , dän. Riim, engl. rime —
hoare.


de Rimm, der Reim, nd- und
dän. Riim, engl. rhyme, rime.


dāt Riess, von riesen, sich auf-
richten, 2. das Riess.


de Rinn, der Regen, nd. dän.
Regn, engl. rain.


Rinn, die Rinde, engl. rind.

de Bidd, der Ritt, dän. et Rid.,
engl. a ride.


de Rōck, der Spinnrocken.

de Róck, der Rock-

dāt Rógt, das Recht.

de Rógt, das Gericht Essen.

de Römm, der Widder, engl a
ram.


ost, der Rost, beim Brauen.

de Ring, der Ring.

Rōsh, die Binse, engl. arush-

t, die Ratze, nd. en Rott,
dän. en Rotte, engl a rat.


Röhw , die Rübe, nd. de Röhw,
engl. a rape.


dāt Rütt, die Raute , Fenster-
scheibe, nd. de Rut, dän. Rude-


dāt Röhn, Rinnsal, engl. ran-
net, rennet.


6

80

42

dāt Rümm, 1. Raum, 2. Zimmer,
nd. Ruum, dän. Rum', engl.


. room.

dāt Rudd, die Spur, engl. riit.

de Ruk, der Heuschober, engl.
rick.


dāt Ruf, die Garnsträhne.

Ruhw, die Mühlenruthe, Flü-
gel der Windmühle.


de mp, 1. der Rumpf, 2. Brust-
tuch , engl. rump.


Rull, 1. die Rolle, 2. die Spin-
del, engl. a roll.


de Rüst , der Rust.

Rást, der Rost, dän. en Rist.

Rung, die Wagenrunge.

dāt Rüss, das Gerölle.

de Rüss, der Rausch, dän. en
Ruus. '


dāt Rüjtt, eine Krankheit der
Kühe,


Rāg, dän. en Rage, engl. a
rake.


Saal, die Sohle, dän. und
nd. enSaal engl. a sole.


de Saal , der Sahl , dän. en Sal.

Sāll, der Sattel.

de Saft, der Saft:

Säjk, die Suche.

dfit Säjdd, 1.die Saat, 2.Same,
5. Rapsaat , dän. Säd '. engl.
seed.


dāt Sālt. das Salz.

Sähw, Binsenmark. .

dāt Sähw, das Sieh, engl. a sieve.

dāt Säujtt, der Russ, nd. Sott,
dän. Sōd, engl. soot.


dāt Ságt, 1. das Zielkor

Gewehr, 2. Seichte, Niedi
Ságt, (Sigt), die Sense


Erbsenmähen.
de Säirk, das Mannshemd


Särk (Weiberhemd).
de Smōck , das Weiberl


engl. smook.
de Sánn, die Sonne, en;


sun.
dāt Sann, der Sinn, dän.


engl. sense.
de Sàhn , der Söhn , nd.


dän. Sön, engl. son.
Sàhn ' die Sehne.
de Säihs, der Käs, engl. e
Sāhg ' die Säge, nd.


dän. Sav, engl. a saw.
de Seeck, der Sack, dän


engl. sack.
Sêgt, die Sucht.
jö.Siek, die Wange, engl.
dāt Sierp ' der Syrup.
Sidd, die Seite, nd.


engl. side.
Siel, die Seele, nd.


u. Själ, engl. soul.
de Sill, der Kessel.
dāt Sill, das Siehl.
Sierk, kleinere Wune


der Grind, dän. Saar.
dāt Step , die Seife , nd.


engl. Soap.
dāt Shann ' altd. das Schi


schinden, Schindmähre,

der, Schindanger, dän.

engl. skin.

81

43

b

de Shātt , der Schatz , dän. en
Skát.


Shātt, die Schatzung, Abgabe,
dän. Skát.


de Shālk, der Schalk , dän.
Skalk, nd. Schalk.


dāt Shāp, nd. Scháp, dän. et
Skab, derSchrank.


dāt Skáp, das Schiff, nd. Schipp ,
engl. ship, dän. et Skib.


de Shálm , der Schelm , nd. und
dän. Skjälm.


Shaahs, 1. der Riegel, dän.
en Skaade, 2. die Elster, dän.
en Skàde, 3. ein Bund Lang-
strob , 4. das Leichenlager auf
Langhalm vor dem Einsargen.


Shähl, 1. die Schale, dän. ep
Skaal, 2. Differenz beim Bie-
ten und Fordern , ad. de
Sehäl.


Shās , 1. die Scharte, 2. die
Schnarre, Klapper.


dāt Shäujl, die Schale.

Shál, die Schale, Schelfe,
dän. en Skál, engl. shell.


Shàw, die Schäbe, dän, Skjäve ,
engl chaff,


Shäujnn, die Schandthat.

de Shauch, der Schuh.

Shäjll , die Schuld , Ursache ,
dän. Skijld.


Shüll, die Geldschuld.

Sheew, die Scheibe, 1. dän.

en Skive, 2. der Tisch.
de Shähr, der Schnitt, Schnitt-
wunde.


Shépp, das Schiff, dän. Skjäp-

pe, nd. Schipp.
Spirr, der aufgehende Keim,


dän. en Spire.
dāt Shäip , das Schaf , nd.


Schaap.
Shiess, der Löffel, dän. en Sked.
de Shiess, in Aufshiess, Abschied.
dāt Shjàrn , 1. der Schmutz '


Kehricht, 2. ein Bösewicht,

dän. et Skarn.
de Shinn, der Schein, nd. de


Schiin, dän. Skin, engl. shine.
dāt Shild, 1.das Schild, dän. et


Skilt, 2. der Schild, dän. et

Skjald, engl. shield.
dāt Shjàrd, die Scherbe, dän.


et Skaar, engl. shard.
dāt Shōrn, 1. der Schemel, 2.


der Bläueltisch.
dāt Shōr, die jähe Tiefe eines


Sees , jähes Ufer , engl. a shore.
de Shōt, 1. der Schuss, 2. der


Schoss z. B. einer Weide, engl.

shoot, shot.
dāt Shott, das Schutzbrett.
dāt Shórt , die Schürze , dän.


Skjört (Weiberrock).
Shiehs, die Scheide, dän. en


Skede , engl. sheath.
dāt Shōmm, 1. die Schande, 2.


die Schaam , dän. en Skam ,

engl. shame.
Shöhl, Schutz vor Regen und


Wind , dän. et Skjul.
de Shirm , der Schirm , dän. en


Skjerm.

/

82

44

de Shitt, der Schiss, dän. en

Skid.
dāt Shōf, 1. ein kleines Brett


zum Vorschieben, engl. shove,

2. Garbe.
dāt Shrön', dän. et Skriin , die


Lade , Truhe , der Schrein ,

engl. shrine.
Shráft, 1.Handschrift, 2. die


heilige Schrift, dän. Skrift.
Shróck , die Tasche.
Shruw , die Schrauhe , nd.


Schruw, engl. a serew, dän.

en skrue:
de Shrài, der Schrei.
Shrāw, die Scharre, dän. en


Skrahe, engl. a seraper.
dāt Shürw , die Räude , der


Schurf, dän. Skurv.
dāt Shöhr, 1.der Schauer, An-


fall , 2. die Weile.
dāt Shrübb, die Krätze.
de Slāch, 1. der Schlag, Art,


Gattung , 2. der Schlag als

Krankheit.
de Slick, 1.ein Schlag, 2. die


Art, Gattung.
dāt Slúbb, der Koth,
de Slájnk , der Schluck.
Slájnk, der Schlund.
Sling, 1. die Schleuder, 2.


Höhlung im Wagengeleise,

engl. sling, dän. en Slijnge.
Shlōhs, die Schleuse, dän.


eir Sluse , nd. Schlühs , engl.

sluiee.
de Sliep, der Zipfel.


de Slüjtt , der Wassergraben ,
nd. Schlōt.


dāt Schüff, die Schuhlade, dän.
en Skuffe.


dāt Sümm, der Schleim, nd.
und dän. Sliim, engl. slime.


de Slump, 1. der Schlump, Zu-
fall, 2. eine Menge.


Sláw, die Schleppe, dän. et Släb.

dāt Shuf, siehe unten.

dāt Slōt, das Schloss in beiden
Bedeutungen, dän. 1. en Laas,
2. et Slöt, nd. Schlott.


Slāgt, die Schlacht.

dāt Smähr, das Schmeer.

de Smausf der Schmaus.

de Smáss, der Schmied.

Smàhs, die Schmiede, dän.
en Smedie.


de Smàhs, der Schmiss, dän.
et Smid.


Smünn, eine Art wilder En-
ten, die Schmenne.


de Smühsse, die Esse.

Sliew , der Aermel , engl.
sleeve.


de Snápps, der Schnaps.

de Shüjtt, der Schoss, nd. de
Schoot , dän. Skjöd.


dāt Snauck, siehe unten.

dāt Snîehs, das Stieg, dän. en
Snees.


Sur, die Schnur.

Snaar , die Schnur, die
Schwiegertochter.


de Snie, der Schnee, dän. Snee,
engl. snow.


83

45

C »w

de Snàhs , der Schnitt, Pfiff,

et Sned, snit.
Snágg' die Schnecke.
dāt Snáws, 1. der Schmutz, 2.


nutzlose Sachen , dän- Snávs.
de Snápp, der Zipfel, dän. en


Snip.
Snurr , die Schnurre , (ein


Spielzeug).
dāt Snōf, der Schnupfen, dän.


Snue.
Söhg , die Sau , nd. Söhg ,


dän. en Soe , engl. a sow.
ieSōng, der Sang, Gesang, dän.


en Sang, engl. a song.
de Sōmp , der Sumpf , dän.


Sump.
dāt Sohss, die Suppe.
de Spōt, der Fleck.
dāt Spōt, der Spott.
Spaait, die Spritze.
de Spaait, der Spritzfleck.
de Spring, der Sprung, dän.


und engl. spring.
dāt Spát, 1. ein Spatenvoll, 2.


der Spiess.
dāt Spáll, das Spiel.
Spōr, der Spor, Sporn, dän.


en Spore, engl. spur,
dāt Spōr , die Spur , dän- et


Spór-
dāt Speek, der Speck-
Spānn, die Spanne, engl. a


Span.
dāt Spānn, das Gespann.
dāt Spài, 1 Gespieenes.
Spàiling, j dän- Spij.


Späir , der Sparren , engl.

spar, dän, en sparre.
de Spaun, der Spaan, dän. en


Spaan, das engl. spoon, (Löffel).
Spaul, die Spuhle, dän. en


Spole, engl. spool.
dāt Spütt, der Speichel-
Stjörr, Steuer, Ordnung, von
stjörren, steuern, dän. Stijr.
de Spārk, dän. et Spérk, ein


Stoss mit dem Fusse.
Sjāll, die Regel, Ordnung.
Sjàrn , das Butterfass , nd.


Karn, engl. churn.
Sjörk, die Kirche, nd. Kark,


dän. Kirke, engl. church.
dāt Sjöhn, 1. das Gesicht, 2.


die Erscheinung , dän. Sijn.
dāt Sjöhnk , das Licht zum


Brennen und Leuchten.
de Splàhs, die Spleisse.
Splinn, 1 der Splitter,
de Splinn, j dän. en Splint ,


engl. splint.
dāt Stāhk, das Stacket.
de Stāll, der Stall, dän. Stald,


engl. stall.
de Stamm, der Stamm, engl.


stem.
de Stjött, die Semmel.
de Staät, der Staat, 1.alsVolks-


verein, engl. state, dän- stat,

2. die Pracht , der Prunk ,

dän. stàds-
Stāmp, die Stampfe.
de Stār, der Staar, als Angen-


krankheit.

84

46

Sprijn, der Staar, als Vogel,
dän. en Stäre, engl. a stare.


Strādd, die Grätsche, engl.
a stride.


dāt Stài, der Koben, dän. en
Stie, engl.stij.


dāt Stäjll, das; Eisen, als Stoff-

name, das engl. steel.
de Stähg, der Stich, dän. et


Stik , engl. stitch.
Stäir, der Stern , engl. a star.
Staurk, der Storch, engl. und


dän. Stork.
Steem, die Stimme, dän. en


Stemme.
dāt Steef, die Fassdaube, pl.


Stäwe, engl. a staff, pl. sta-

ves, dän. en stàwe.
de Stijtt, 1.der Stoss, 2. Saum-


besatz an Kleidern.
de Stier, der Stier.
de Stierm, der Geruch.
dāt Stick , der Griifel.
Sting , die Granne.
Stig, Aer Steig. ,
Steeg, ein schmaler Weg.
de Stijn, 1. der Stein, 2. der


ode.
de Stōck, der Stock.
dāt Stóck, das Stück.
dāt Stōpp, dle Gelte.
dāt Stōf, der Staub.
de Stup,die Meste, Theermeste,


2. der Stauf, in Krúddstup,

Blumenstauf.
Stünn, die Stunde, das dän.


Stund (Weile).

de Stjàrt, der Sterz, Schwanz,

dän. Stjärt.
Stähs, die Stadt.
dāt Stähs, die Stätte, Stelle,


der Ort.
de Stràg, der Strich, dän. en


Streg.
Straahs, die Gurgel,
de Sträujn, der Strand.
de Strijt, ein Gang in der Kirche,


das engl. street.
de String ,1.der Strang, S. die


Saite, engl. string, dän, Streng.
dāt Strài, das Stroh, dän.Straa,


engl. straw,
de Struhmm, der Strom , dän.


Stöm, engl. stream.
de Strück, der Strunk.
de Stridd, der iitreit, dän. Strid.
de Suhmm, 1. die Nath, 2. 4er


Saum , dän. en Söm , engl

seam, nd. Soom.
de Such, der Zober, Zuber.
Suhrd, die Schwarte, engl.


swardl, dän. Svär.
de Süss, derBrunnen nd. de


Soot.
dāt Swāmp, der Schwamm.
Swuhn , der Schwan , nd.


Swoon , dän. Svane , 0ngl. a

swan.
de Släip, der Schlaf ,nd. Slaap,


engl sleep.
Swiep , die Windeln , dän. et


Svöb, engl. swathingclothes
dāt Sweess, der Schwaden, engl.


swath.

85

47

dāt Strunt, der Dreck, alles

was nichts taugt.
dāt Swijt, , der Schweiss , nd.


Sweet, dän. Sved, engl. sweat.
dāt Swār, die Antwort, dän.


Svar.
dāt Swáck, das Zweck, dän- Svik.
dāt Swinn, das Schwein. dän.


und nd. Sviin, engl. swine.
dāt Swiert, Kienruss, dän. Svärte.
de Swierm, der Schwarm, dän.


Svärm , engl. swarm.
de Sluck, der Schluck.
deKluck, der Kluck.
dātSits, dwZits.
de Süpp. der Schluck.
dāt Sjäpp , der dänne Speichel ,


der Sabber.
dāt Ságn, die Sage, dän. et


Ságn.
Sljōi, die Schaukel.
dāt Shümm, Sehaum, nd. Schuum,


dän. skum.
Shu, die Scheu-
Snār, 1.die Schlinge, 2. die


Schleife.
Smeel, das Lächeln, dän. et


Smiil, engl. a sniile.
dātStaal, der Stahl, dän.Staal,


nd- engl. steel.
dat. Snāk, der Schnack, das


Gerede, dän. nnd nd- Snáck-
Snápp, die Schnepfe, dän.


und nd, Sneppe, Snep, engl

a snipe.
jöShrämm, dieSchramme, dän.


en Skramme.

de Shráck , der Schreck ,

dän. und nd. Skräk und

Schreck.
dāt Swijàrd, das Schwert, dän.


et Svärd, engl. sword.
Swier , Säuferei , nd. und dän.


en Sviir.
dāt Spänn, der Spund, dän. et


Spunds.
de Stāp, der- Stapf, ein langer


Scrhitt.
de Straali der Strahl, nd. und


dän- en Straale.
jö Taart. die. Torte, dän. en


Tärte , engl. a tart.
de Tört, der Tort, Schimpf.
dāt Täjk, der Tang, Seegras.
de Täus, ) der Zahn, engl. tooth.
de Täis, jpl. teeth.
dm Táckst, 1. die Taxe; 2. der


Text, engl. tax. .
dāt Táww, das Tau, nd. dän.


et Toug-
w, 1. die Tiffe, 2. Petze,


dän. en Täve, nd. Tiff,
dāt Tált, das Zelt, dän. und-


nd- Telt.
Thäig, dasStrohlseilzumDach-


decken-
Thág, dieSchaflaus, die Zee-
ke, din. en Täge, engl a


tick, a tike,
de Tápp, dän. en Tip.
Tánn, die Tonne, nd, und


engl. tun, dän. Tönde. .
dāt Tánn, das Zinn; nd.


und engl. tin.

86

48

de Tāms, das Haarsieb, dän.

et Tims.
Tāll , nd. und dän- Tál , die


Zahl.
de Taurn, der Dorn, nd. rn,


dän. Tōrn, engl. thorn.
de Thee, der Thee.
Tiem, der Zaum zum Fah-
ren, das engl. team, ein


Zaum Pferde , Gespann , dän.

en Tömme , nd. de Toom.
de Thief, der Dieb, engl. thief,


nd. de Deef , dän. en Tijv.
dāt Thieg, die Lende, der Ober-


schenkel, engl. thigh.
dāt Thing, das Dinggericht,


dän. et Thing.
de Tijnst, der Dienst, nd. de


Deenst , üän. Tjeneste.
dāt Tjōch, 1. das Vieh , pl. 2. das


Zeug, 5. der Zeug; 4. die

Sachen, nd. Tüg, dän- Töi.
de Tugh, die Zunge, nd. de


Tung, dän. en Tunge, engl.

tongue. .
Tung , die Zange, nd. und


dän. en Tang, engl. tongs.
de Tōll, der Zoll, nd. Toll, dän.


Told, engl. toll.
de Tōpp, der Schopf, Büschel,


die obere Spitze, auch dän.

.en Top, engl. top.
de Tütt , der Guss an einer Kan-
ne , ein Däumling und dergl.
de Türk , der Türke.
de Tōrw, die Rasenflagge, der


Heidetorf, dän. Törv, engl. turf.

dātTräjdd, Draht, Zwirn, engl.

thread.
de Träjdd, der Faden, Z wirn-
faden.
de Trumf, der Trumpf, engl


trump.
de Trōg, der Trog, nd- dän. et


Trug, engl. trough.
Trüss, die Kröte.
de Tráns, die Trense.
Treel, die Trile, Trille, dän.


en Trilde.
de Trähs, der Tritt
de Tràhs, pl. Tràhse, Tretthöl-


zer am Webstuhle , u. dergl.
Trāw, 1. der Trab, dän. en


Trav, 2. das Draff, die Stiege

Garben, 20, 40, 60 Stück,

dän. en Trave.
de Throl , der Zauberer , dän.


en Trold.
de Thron, der Thron, dän. und


engl. trone.
de Tünn, der Garten, der Zaun,


nd. Thun.
Thürn , der Thurm , nd. Toorn,


dän. Taarn.
Trêpp, die Treppe, dän- en


Trappe, nd. Trepp.
Tuhn , die Zehe, dän. en


Taa, engl. a toe.
Tur, 1. die Thräne , 2.


der Tropfen, 3. die Tur ,

dän- en Taare, engl. a tear;

pl. tears.
dāt Tur, ein paar Tropfen, dän.


en Taar, engl a drop.

87

49

^^

dāt Tōch, i. das Mal , 2. der
Zug, z.B. Licktōch, Leichen-
zug, dän. et Tog, engl. tug.
dāt Thier, das Thier.
de Twāst, der Quast, oder die


. Quaste,

dāt Twört, der Docht.

dāt Twich, der Zweig, nd- dat
Twieg, engl. twig.


dāt Twjarn, der Zwirn.

Twjàrn, die Querne, Hand-
mühle , dän. Qvärn-


Twêg, die Quene, Färse, dän.
en Qvie.


Twōng , der Zwang , dän-
Tvang.


Twiwl, der Zweifel , nd. und
dän. Tvivl.


Tjāhs, die Schwätzerinn-

de Trāst , der Trost, nd. und
dän. Tröst.


fügt , die Zucht , nd. und
dän. Tugt.


dāt Toot, Getöse, dän. Stöi,
Lärm.


de Trits, der Trotz, dän. Trods.

de hg , der Streich , nd. Thög.

de Tráck, der Zug, dän. et Träk.

Toft, die Toft, ein eingeheg-
tes Stück Land beim Hause,
dän. en Toft.


jö Trits, die Tritze, dän. en
Tridse.


dāt Uhr, das Ohr.

Uhr, die Uhr, in Taschenuhr,

de Uhrs, der Lenz.

de üch, die Wand.

Uk, die Weiche-

dāt Uhg, das Auge, nd. dat Ohg.

de Ulw, \ der Wolf,

de Ulw, J dän. Ulv.

dāt Ull, die Wolle.

dāt Urd, das Wort.

Urt, die Warze,

dāt Wār , die Zieche , dän- et

Vaar.
dāt Wāi , der Wattich , die


Molken.
de Wāll, der Wall, das engl


wall , (Wand).
Wāgt, 1. die Wacht, 9. die


Wache, nd. und dän. Vagt,

engl. watch.
Wágt, 1. die Wage, dän, en


Vägt, 2. das Gewicht, Schwere.
de Wārk, der Schmerz, dän. en


Värk-
dāt Wāms , das Wamms.
Waal, die Wahl.
Wàhs, die Wittwe.
de Wánnst , der Gewinn.
Waag , die Woge , dän. en


Vove , engl. a wave , 2. die

Wage.
Waait, die Winke.
de Waait, der Wink.
de Wáink, der Wink , engl. wink,
Wàhg , die Woche.
dāt Wäirk, das Werk.
de Wjàrt, der Wirth, dän. en


Värt , 2. der Werth.
de Wjàrd, die Wahrheit.
de Winn, 1. der Wind, 2. der


Wein, engl. wind und wine,

88

50

dän. Vind und Viin ,. nd.

Wind und Wiin.
Winn,die Winde, dän. en


Vinde.
de Winn, die Blähung.
Wing , der Flügel,, dän. en


Vinge, engl. a wing.
dāt Wirr, der Eisesndraht, dän.


en Vire , engl. wire.
de. Würm. der Wurm, dän.en


Orm, engl. a worm,
.dāt . Würt , die Würze beim


Brauen, engl. wort.
jöWöff, das Weib,; nd. Wief,
, dän. en viv, engl wife.
de Wäjl, der Weiber-
dātWäjl, das Wobl
Weel, die Erholung, dän. en


Hvile.
Wrāll , die Welt , engl.


World.

de Wrást , der Spann , Rist

dän. en Vrist
dāt Wráck, das Wrack, dän. et


Vràg, engl. wreck.
Wupp, die Aehre, das däd.


Vippe, (Granne).
dāt Wātt ,. die Furth. •
dāt Wat, dän..et Vad.
dāt Wāgs , das Wachs, nd. Wais,


dän. Vox, engl. wax. ..)

de WM, der Weg, engl. way,

dän. Vei. . . .'

Wäihg, die . Wippe.
de Wits, der Witz. .
Währ V die . Wehr , Kraft,


Stärke. . rn. .

de Wäirf, der. Warf .
dāt Weest, der Westen. .
jö Wāgg, die Wiege,
.Wiek, die Wicke.
de VVánsh, der Wunsch, .


\'i

Bemerkungen und Erläutêrungen.

¹ Dat Ahk ist 1. das Scheunenthor ; 2. die längs der einen
Seite eines Deiches gehende Auf- odier Abfahrt ner von der fiieite
eines Wagens. Stammt von dem Worte āgen,langsam fahreu. Jö
Bágg kommt. auch in dem Yf orte Ijnbagg , dän. Enebolig, vor und
bedeutet ein einzeln liegendes Haus, auf einer Heide ' oder im
Walde. De Bāhs, dän. en Bàs, nd.en Baas, stammt von dem
Adjectivum bass, aus dem unser Comparativ » besser"(bässer)
sich gebildet hat, und ist einer, der es andern zuvorthut. Aus
derselben Wurzel sind hervorgegangen: de Bāhse, dän. en nde,
der Nutzen, Vortheil, so wie die Zeitwörter bāhsen, at báade
und das deutsche baten , nützen ' Nutzen bringen. De filäjnk ,
dän. und engl. blink, ist 1. ein Blink mit den Augen ; !2. der
schnelle Schein, dän. et Glimt, engl. a glimps; 5. kommt es zu-
sammengesetzt vor in dem Worte. »Hállewblaink.'' der Zwitter,
Hälberling. Das Wort Brāhk ist das deutsche Brack, wird aber
anders gebraucht , als : dāt hêt nijn Brahk, es hat keine Noth,
hat Nichts auf sich, nichts zu bedeuten; 2. M hm Brahk faar


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faar Brüjd, u. s. w., ich habe Mangel an Geld, Brot, u.s.w.
lōck ist auch ein kurzes Ende vou einem Rasenacker. Dāt
ist Brot als Stoffname ' ein geformtes Brot ist de Trolling ,
dern Orten de Lief, der Laib. De Brōdd , das dän-. Braad ,
I* Stift; der Stachel ist beiden Bienen: de Paürte. Jö Flōnk,
lünk, werden nur die abgeschnittenen Flügel genannt, die
ederwische dienen ' sonst : jö Wing. De Gripp , ein schnel-
iff mit der Hand; de Grähp: he hêt ,t àw e Grähp, er hats
nff , u. s. w. De Gràwe , der Griff als Handhabe «n eineni
, z. B. der Henkel an einem Topfe und dergl. Jö Haait
t nur so Tor, als: Haaw gungen' zur Kirche gehen;
wêsen, sonst auch Sjürk.Haurd, der Kirchhof, ist
sutsche Hürde, indem vor Alters in der Bewaldungszeit die
_öfê mit Hürden eingezäunt waren. Dat Jōrn, (krt. Jern,
irofi, kommt nur als Werkzeug vor, wie in Strickjōrn,
isen, Plaugjōrn, dāt Wirkjōrn, u. s. w. De Klōmp, 1.die
»e , 2. die grossen Heu- und Getreideschober , welche man ,
rangel an Gelass im Hause . neben demselben anfführt. De
I, 1. jede kleine harte Erhöhung, 2. die Schwammdose an
abackspfeife. Jö Läjtt , ist schwer zu ühersetzen, und Wird
braucht : slaug grihslick to Läjtt , wörtlich : » Sie schlug
ch zur Lasse'' d. i. sie erhob ein grosses Geschrei zum Schei-
amit eslassen oder scheinen sollte , als ob ihr die Sache sehr
Tzen ginge ; besonders bei Unglücksfällen. Jö hier ' Lchre ,
\ 'n gauhs Lier , er hat gute Kenntnisse ; 2. he ás noch äujn
, er ist noch in der Lchre. Dāt Mäjl, das Mahl, dän. Maal,
so gebraucht: en MM Mōlke, dän. et Maal Mälk, so viel
, als eine Kuh aufs Mal giebt; en Mäjl Pass, so viel Harn,


an auf einmal lässt; en Mäjl Ähse, dän. et' Maal Mad , eine
n Speise: jö Mäjltidd, die Mahlzeit. JöMäujnn, ein Kasten
Korb für Holz und Torf; der Kasten unter den altmodischen
inden , daher: de tjnneplōck ' das walzenförmige Wickel-
auf welches man den Knaul (dat Tjäuling) wickelt, weil
in dem Kasten aufbewahrt wird. : Jö Mäjdd, die Math oder
, ist mit dem dänischen: en Mà, Mai, dem deutschen ilfatte,
mgl. mead ' meadów verwandt, und bedeutet meistens nie-
, grasreiche Wiesen, die - zur Heuwindung liegen. Jö Nōst,
'ränktrog fürs Vieh , ist eigentlich : der Sarg , und soll aas
Gothischen stammen; genau genommen wird dieser Name
nur von denjenigen Tränktrögen gebraucht, die alle aus
einzigen Steine ausgehauen sind. Jö Priehs ist sowohl eine
Taback , als eine gekaperte. Dat Riess , das Vermögen sich
ichten, z. B. as fōn ,t Riess, die Kuh ist vou den Bei-
kann nicht aufstehen; riesen, sich in die Höhe richten,
: de Riese, der Riese. Dat Rudd, von rudden, hin und zu-
durch einen Zaun oder über einen Wall kriechen, und
ch einen Schlupfweg bahnen, wo keiner sein darf; diese
ing heisst dāt Rudd, in Angeln: dāt oder Rot, das engl.
die unordentliche Flucht. Jö Säik, z. B. dāt Bauck as me to
ich vermisse das Buch , wörtlich : es ist mir zu Such. J9
k, nur die Tasche in einem Klcide. Dāt Shuf, der Schoof,


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52

Schaub, ein Bund Stroh; auch eine Garbe Korn, die jeder Bauer
dem Feldhüter und dem Glöckner als alte Gerechtsame zu geben
hat. Dāt Snauck, eine Kette mit einem Haken, etwas daran in
hängen , wie in Killsnauck , Kesselhaken , dāt Lāmpesnauck , die
Lampenkette. Jö Sögh, die Sau, von sögen, saugen. Jö Stjürr,
die Steuer, von stjürren, steuern, regieren; hüjll Stjürr! dän.
hold Styr. Jö Sjāll, unübersetzbar, die Ordnung, Regel, Aehn-
lichkeit , seines Gleichen. Dirr as nijn Sjāll ma , mijn Sjāll äujn,
dāt sjāllet nint , sieht nach nichts aus. De Stāp , der Stapf, der
lange Schritt; de Stäpe, die Stapfe, der Eintritt vom Fusse. —
Dāt Stāpstāhs, der Stegel; de Tristape, ein grosser, hölzerner
Bock mit drei Füssen , oder hölzerner Dreif uss ; der eiserne Drei-
fuss ist de Trifäujtt oder Tráfäüjtt. Dät Glaumm, der Glumm,
das Trübe im Wasser, daher glaummig , glumm; dāt Graum, siehe
oben, daher gräimen, ausweiden, als Fische und Vögel. Jö Puhss,
die weibliche Schaam; dāt Dünn, die Daunen, Flaumen, nd.
und dän. Duun, Dunen; de Bláss, die Blässe, eines Pferdes; de
Knúpp ist auch die Knospe ; dat Fêlt , der Filz , dän. Filt De
Drall, der Drillich, dän. Dreil; jö Kier, he gongt so to Kiers, er
geht so zu Kehr; tókiersgungen , nd. tokeersgaan; dät Krāt, ein
verkümmertes Ding, verächtlich, von Menschen und Thieren.


Die Nachsilben des Hauptwortes.

§. 31. Diese sind: ài, e, el,em,en,er,ere, erne, ense, ent,
ed, et, ert, ig, inn, ing , ling , ir ke, ken, jen, duhm, sháp,
häid, eise und niss, als: jö Lönshriwwerài , die Landschreiberei ;
de Krōge, der Grapen; de Knêpel, der Knüppel; de Bäisem, der
Besem; jö Mêllen, die Mühle; de Shrüjdder, der Schneider; de
Fāsere, der Gevatter, richtiger: de Fāser; de Wanserne r. Wan-
ser, die Schnell wage, nd. und dän. en Bismer; de Fierense,
die Ferne; dfti Aawent, die Schnürbrust; jö Döged, die Tugend;
dät Huget, die Anhöhe; jö Ānert, die Ente; de Gulig , der GaI-
gen; jö Kinninginn, die Königinn; dat AIkenir, der Erker; dāt
Wánning, das Fenster; de Rêpling , die Blutwurst, wörtlich: der
Reifling; dāt Twêlbortjen, das Sabbertüchlein; dat Hiertugduhm,
das Herzogthum ; dāt Lōnskap , die Landschaft , auch : jö Lönshap ;
Saalighäid, die Seeligkeit; de Táchelse, die Deichsel; dāt Lick-
niss, das Gleichniss.


§. 32. Die meisten Wörter, welche sich auf e endigen, sind
folgende , als : de Äwe, der Affe , nd. de Aap , engl. ape ,
dän. en Abe; de Ātte, Āltäte, der Gross vater; dá Aune, collect.


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53

e Buttermilch; de Bahse, der Nutzen, Vortheil; de Bahre , die
hre, dän. en Baare, engl. barrow, a bier; de Böge, der Bo-
n, engl. a bow, dän. en Buë, nd. de Baag; de Bōlle, die
ule, dän. Byld, engl. a beal, bile, boil; de Bürre, der Bauer;
Burre, die Klette, dän. Burre, engl. bur; de Stàgelburre, die
tel; de Bauckstêwe, der Buchstabe , dan. Bogstav; de Büshe,
i Butterbrot; de Bulle , der Bulle, engl. bull; de Bohse, der
e, nd. de Baad; de Bālle, der Ball, 2. der Ballen, engl. ball;
Dōbbe, der Pfropf; de Dümpede, das Kopfkissen; dāt Drajnke,
Trinken; dāt Ahse, das Essen; de Drāge, der Drache, dän.
Dràge, nd. de Draak, engl. drake; de Driegde, Verschlagsam-
t; de Ebbe, die Ebbe, engl. ebb, dän. Ebbe; de Êgge, Seite,
nte, das dän. Eg' und das engl. edge; de Dihsse, getrockneter
hfladen; Dojtte, Töchterchen in der Anrede; de Borke, die
lade in einem Koffer; de Fālke, der Falke; Fāike, Bübchen;
Fāre, die Gefahr, dän. en Fàre; de Flohse, dän. und engl.
ck; de Fohle, der Fohlen, engl. a foal; de Frāge, die Frage;
Fräude, die Freude; de Fräthe, (verächtlich und gemein) das
nl, die Gosche, Fresse; de Frêse, der Friede, dän. und nd.
d ; dá FIōme , coll. die Flaumen der Schweine , dän. Flom-
r; de Frohse, der Geifer, dän. Fraade, engl. froth; de Füjlle,
Falte, dän. eo Folde, engl. a fold; Frōnne, coll. Gefreundte
rwandte, dän. Fränder; de Faane, (jö Faan), die Fahne, dän.
Fane, das engl. fan; de Flābbe, das Hängemaul, die Fläbbe,
. en Fláb; de Finne, (jö Finn), 1. Flosse, 2. Finne, dän. en
ine, engl. fin; de Frāmde, die Fremde; de Flêkke, die Häk-
n an der Spindel; de Gaawe, die Gabe, dän. en Gàve ; de Glà-
, engl. a gleam, Schimmer; de Gahse, (Gahsing), alles, was
n gut gebrauchen kann; de Gālle, die Galle, dän. Galde, engl.
1; de Gōme, der Gaumen, dän. Gumme, nd. Guhm; de Glöme,
Kohlengluth; de Gnahse, die Gnade; de Gràwe, die Hand-
le; de Grānse, Grānze, dän. Grändse; de Grause, die Gruse,
. en Gröde, engl. growth; de Grême, die Halfter, dän. en
me, daher das engl. groom, (Stallknecht); de Hāge, der Ha-
n , dän. en Hage , engl. a hook, nd. en Haak, Haaken , 2. der
üttkoben, in welchen das Vieh Ton dem Flurhirten eingeschüt-
, d. h. eingepfercht wird; de Hāse, der Hase; de Hāmme, eine


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Reihe Fennen in dem sogenannten Herrenkoge , die durch einen
sie umgebenden Graben von dem übrigen Lande getrennt sind; ein
Wn andern abgefriedigtes Stück Land, der Ham, die Hemme.
De Hêlle, die Hölle, engl. hell; de Hiere, der Herr; de Hirn,
der Heide , engl. a heathen ; de Hōcke , die Garbe , das deutsche
die Hocke, zusammengestellte Garben, fries. de Shoeke; de
Home, der Hamen (Reuse); de HSne, altfries. der Hahn, in Hone-
büjlke, der Hahnenbalken; de Hōnke, der Hahn am Fasse, dän.
en Hanike; de Buge, die Hoge, Name eines Halligs; de Hōjtte,
Endscheibedes Brotes, de Hōjnte — ; de Jāle (jöJahl), der Schilf-
oder Teichkolben; de Jjnne, das Ende; de Jōnge, der Junge, nd.
de Jung; de Jöhrke, die Theurung; de Jöhse, der Jude, dän- en
Jöde, engl. Jew; de Kāie, engl. a key, der Schlüssel; de Käise,
der Malmzahn, nd. de Kuhs; de Kêmpe, der Kämpe; de Kille, der
Keil, dän. en Eile; de Klage, die Klage, dän. en Klàge; de Klāse,
Traube, Büschel, dän. en Klàse, engl. Cluster; de Knaake, der
Knochen, nd. Knaak, dän. Knaag; de Klāwe, dän. en Klove, das
Halsband der Rinder, mit welchem sie an die Wirbel der Stätte
gebunden werden, 2. der Zagel; de Klōnke, die Holper, Erdscholle;
de Klönne, dän. en Klunds, ein dicker Lümmel; de Klobbe, der
Kober; de Knāgge, der Zacken, lnn etwas daran zu hängen, 2.
in einem Rade, dän. en Knág'; de Knōlle, der Fussknöchel, 2. der
Pfeifenkopf; de Knólle, dän. en Knold, ein derber Lümmel; de
Kóhle, 1.die Kehle, 2. der Schliessstift bei alten Vorlegeschlössern,
pd. de Köl, din. en Kül; de Krāge, 1. der Kragen, 3. die Krähe;
de Krāse, dän. en Kràse, der Kropf, bei Vögeln; de. Knōte , der
Kneten , dän. en. Knude, nd. de Knott , engl knot ; de Kille, I-
die Kälte, 2.das Fieber, dän.en Kulde. nd. de Köll, engl. cold;
de Kōme, , ein spottender Hausgeist , (Komos?), 3. im Scherz, die
Mase; de Krōmpe, der Krampf, dän. en Krampe, engl. eramp; de
Króge, der Grapen; de Kurde, dän. enKarte, engl. card, die
Karde oder Kardätsche zum Wollkratzen; de Lāge, de Lange, die
Lage; de Lāpe, der Lappen; de Lappe, die Lippe, Lefze, dän. en
Lippe, en Läbe, nd. und engl. the lip; de ingde, die Länge.
dän.. en Längde, engl. the length; de Lauckke, der Blick, An-
blick eines Menschen, nach den Augen beurtheilt , z.B. he hêt nān
gauhsen Lauckke, er hat keinen guten Blick, von laucken, lugen;


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deLaurte, dän. en Lōrt, engl. a turd; de Liewde, die Liebe,
ni de Leewde; de Lênse, die Lünse, dän. Lunstikke, engl. linch-
pin; de Junke an de Ljāgte, im Dunkeln und im Lichte; de Lōcke,
die Locke, dän., nd. und engl Lock; de Lōge, die Lohe, Flam-
me, dän. en Lue, nd. de Laag; de Lönke, die Hüfte; de Luwe,
der Glaube; de Māge, der Magen, nd. de Maag, dän. Mave; de
Miingde, die Menge, dän. en Mängde; de Maude, die Mode, dän.
und engl. mode, nd. de Mood; de Manne, 1. der Mond, dän. en
llaane, nd. de Maand, engl. moon, 2. der Monat, dän. Maaned,
engl. month. De Maure, 1. das Moor, 2. das sogenannte Riesum-
moor; de se, daa Torfmoor, dän. en Mose, engl. moor, vergl.
das Moor und de Maure; de Möne, die Mähne, dän. en Man,
Manke, engl. mane;' dāt Mōlke, die Milch, dän. und nd. Mälk,
engl. milk; de Dōjnte, nd- datDöntjen, Döhnchen; jö Maak, die
Mache; deMäute, die Mühe; deMājntje, das Männchen; deMánshe,
der Mensch, dän. et Menneske, nd. de Minsch; de Mäjtte, in der
Redensart : Mäjtte kàmen, übel anlaufen, etwas Werthvolles
beschädigen oder zerbrechen. Es bedeutet auch das Maass ' als:
Mäjtte hújllen, Maass halten, dän. at holde Maade; de Näujtte. 1.
die Note , 2. Melodie ; de Nārke , die Enge , von nār, eng, engl. narrow;
de Nêke, der Nacken, engl neck; de Njörke, die Niere; de
Nome, der Name, nd. de Naam, engl name; de Näigde, die Nähe,
nd. de Neegd; de Nocke, der Schlucken, engl. hiecup; de Nüitte,
der Nutzen, u. s. w.; de Ohme, der Odem; de Ōgse, der Ochse,
en Ox, nd. de Oss , dän. en Oxe; de Ōrne, der Eber, dän. en
0'rne; dāt Ohle, das Oel; de Paashe, die Ostern, dän. Paaske; de
Pāike, dän- en Pōg, Pāike, Jüngelehen; de Pāpe, 1. die Weiber-
brust, 2. die Zitle, Brustwarze, 5. die Muttermilch; de Páse, der
Ochsenziemer, dän. en Pees; de Paurte. 1.das Thor, die Pforte,
dän- nd- und engl. Port, 2. der Kerker, 5. der Bienen- und Wes-
penstachel; dePille, l.die Pille, S. das männliche Glied; dePjàrse,
die Presse, dän. en Perse, engl press; de Plōge, die Plage, engl
plague; de Plümne, der Lumpen, nd. de Plünn; de Plāgge, der
Fohlen, dän. en Plag', engl.acolt or foal; de Pōjnte, s. oben, ein
Würfelhölzchen ; de Pose, das Säckchen, dän- en Pose, nd. de
Paas; de le, der Pfahl, dän- en Päl, nd- de Paal, engl a pale,
pile; de Pütte, dän. en Pode, Hestepude, 1. das Kummetkissen,

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66

2. ein Pott Erde beim Deichen ; de Pōcke , die Pocke , Blatter ,u- s. w-
Qü oder Kw fehlt gänzlich im Nordfriesischen und kommt höch-
stens in Quaal, die Qual, und Quālster , der Qualster, vor; dieser
Laut wird durch Tw vertreten. ' De Räme, der Rahmen, dän. en
Ramme, nd. Raam; de Ràme, die Dachschwelle; de Rême, der
Riem, d- i. Treibruder, dän. en Aare, engl. an oar, nd- Reem; de
Riese , der Riese; de Rögge, der Roggen, dän. Rug; de Rōjnte, die
kurze Mannsjacke; de Rōwe, der Schurf auf einer vernarbenden
Wunde» nd« Raaw; de Robbe, der Robbe, Seehund; da Ráinke,
collect. die Ränke, dän- Ränker; deSäge, die Sache, dän. en g,
nd. de Saak; de Sàle, das Kummet; de Sênne, die Sünde, engl.
sin; de Sême, die Seime, die Peitschenschnur ; de Sêlme, der
vordere Bettrand; de Sjàme, der Schemen; de Shāse, derSchade,
dän. Skàde; de Shjàrdlihsse, die Schnittererndte ; de Shāme, die
Schanze, dän- en Skandse, engl. a seonee; de Shàne, die Schiene,
dän. en Skinne; de Siê, 1. die See, ä. der See; de Slānge, die
Schlange, dän. en Slange; de Slàse, der Schlitten, dän. en Släde,
engl. sledge; de Slörre, Nachlässigkeit, Fahrlässigkeit , von Mp-
ren, säumen, nachlässig behandeln; de Slöpe, das lederne Bnist-
geschirr der Pferde; de Sljógte, von sljógt, eben, schlicht; de
Shócke, vergl. Hōcke; de Smāge, der Geschmack, dän. en Smág;
de Snütte, die Schnauze, dän- Snude, nd. Snut, engl. snout; de
Snijdde, die Griebe, die Ueberreste des ausgeschmelzten Schweine-
fetts, dän. Grêver; de Snōwe, die Schnuppe am Lichte, engl. a snuff;
de Smühsse, die Esse; de Sáme, die Summe, Sum — ; de Sollme,
die Kind taufe; de Spāse, der Spaten zum Torfgraben, dän. und
engl. spade, nd. Spaad; de Spihsse, die Speise, dän. en Spise; de
Sprainke, die Sprosse einer Leiter; de Spuke oder Späjcke, die
Speiche, engl. spoke; de Spräjcke, die Sprache, dän. et Sprog, nd.
Spraak; de Spijlle, die Spreize, der Speiler; de Swäme, die Schwei-
me, Ohnmacht, engl. swoon; de Stêlte, die Stelze, dän. en Stylte,
engl. stilt; de Stubbe, 1, der Baumstumpf, Stock, 2. Familien.
Stammsitz; de Stuwe, das Feuerstübchen , Feuerkieke, das engl.
Stove; de Straäte, die Strasse, nd. Straat, dän. Sträde, engl.
Street, strait; dá Stürre, coll. Spitzenfalten als Kopfputz; de Stāpe,
die Stápfe, engl. step; de Stücke, eine Süuche Torf; de Stêh,
der Stiel, nd, de Stähl; de Stunge, die Stange; de Stalle, die StilIe;


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de Shácke, Gestalt, Form, nd. und dän. Schick und Skik, als:
dāt hêt nan Shacke, en gauhsen Shacke, nd. dát het keen Sêhick,
en guden Schick; de Slāgge, die Schlacke, engl. slacks, pl.;
de Shurre, der SchIittschuh, engl. skate, dän. en Sköite ; de
Shrādde, die Schräge; de Stràge, der Streicher z. B. zur Sense,
der Häckselklinge, dän. Stryger,engl. stroker; de Stippe, die Stütze;
de Tāge, das Dach, dän. et Tàg, nd. Dack; de Tāpe, der Zapfen,
tap, — ; de Thäte, der Vater; de Têle, die Diele, altdan. Tillie,
nd. Dähl; de Tjāre, der Theer, dän. Tjare, engl. tar; de Tjáwse,
der Kinnbacken, Kiefer, engl. jaw, chaw; de Tōle, das Maul; de
k, ein Grasbüschel, Binsenbusch, u. s. w.; de Tōme, 1.der Dau-
men, 2. der Zoll, nd. 1. de Duhm, dän. 1- Tommelfinger, 2. en
Tomme, engl. thumb; de Tögte, der Gedanke; de fte oder Tōgte,
in Wāhsertofte , eine Abzugsrinne unter einem Wege, kleines Siel;
Twàge, die Hefen; de Trāne , der Thran, dän. Trán, nd. Traan,
engl. train-oil; de Tünne, die Zinke, dän. en Tinde, engl. tine;
Tràme, pl. der Drum, Lädelfäden am Weberbaum; dá Tōntle,
die Klöppel zum Klöppeln; de Unnerne, das Mittagessen; deWálle,
der Wille, engl. und nd. Will, dän. Villië; de Wāle, 1. die Strieme,
Schwiele, 2. in Tingwāle, dän. Tingvold, in Norwegen: Budstikke,
3. die Wulst; de Wijtte, der Weizen, engl. wheat, dän. Hvede,
nd. Wêten; de Wihsse, 1. die Weise, nd. und dän. en Viis, engl.
wiae, 2. der Weise, nd. und dän. en Viis, 5. die Wiese; de Wàne,
der gute Freund, dän. en Ven'; de Widde, die Weite, dän. en Vide;
de Weeste, der Westen; de Āste, der Osten; de Sühsse, der Sü-
den; de Naurde, der Norden; de Wjàrlse, der Wirtel, Wirbel am
Tüdder oder Spannstrick , damit dieser sich nicht zusammendrehe K


1 De Böshe , das Butterbrot, ist nicht mit Büsh, die Büchse, als
Behältniss, zu verwechseln, wie in Böserbüsh, Spārbüsh, u. s. w.


Dü Ähse ànDrajnke, ist: das Essen und Trinken, als Speise und

Trank; die Handlung des Essens und Trinkens ist: dāt Ähsen án
Drájnken. De Êgge, die Seite, ist nicht die wirkliche Seite eines
Dinges, diese ist: jö Sidd, als:jö rógt, jö lêft Sidd,Siügsidd. Egge
wird so gebraucht: de hirr Egge, de janner Egge aufä Struhmm,
diese , jene Seite, oder: diesseit und jensei t; ferner: Ick bán àw
dán Egge, ich bin auf deiner Seite, halte es mit dir; àw sán
Egge, wofür man auch Kānt, die Kante, gebraucht. De Frünn,
ist von Frünne, Anverwandte, zu unterscheiden, als: dāt ás fmm


8

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58

Volksnamen auf e sind: de Swede, de Preuse, de Russe, de Slaa-
we, (1. der Slave, 2. Sklave); de Jöse (Jude); de Hiese der Heide.


1

Hauptwörter mit der Endung el.
a. Männliche.


§. 35. De Āpel, der Apfel, nd. Appel, engl. apple; dāt Ajngel,
der Engel, engl. an angel; deBajngel, der Bengel; deBäjttel, der
Meissel, nd. Bêtel; de Bāssel, der Kappzaum, dän. et Bidsel; de
Bibel, engl. bihle — ; de Bögel, der Bügel, dän. en Böil, nd. — ;
de Buffel , der Büffel; de Buttel, die Buttel, nd. — , engl. bottle;
de Dáckel, der Deckel; de Däuwel, der Teufel; de Drêmpel, der
Drempel, die Schwelle; de Fibel, die Fihel; de Fögel, der Vogel,
nd. Faagel, dän. Fugl, engl. fowl; de Gäwel. der Giebel, nd. Gä-
wel, dän. Gavl, engl. gahle; de Grüppel, Abzugsrinne; de Hám-
mel, der Himmel, nd. und dän. — ; de Hägel, 1. die Ferse, i
der Absatz am Schuh, 5. der Hagel, 4. Hagelkorn, Schrot, dän.
1. en Häl, 2. Hagl, engl. 1. heel, 2. haü; de Högel, der Hügel;
de Jögel, der Eiszapfen, das deutsche Jökel, und das isländische
Jökul; de Kittel, der Kittel, — ; deKnêpel, der Knüppel; deKráingel,


Frünn, das ist mein Freund; aber wátt sán Frünne ist: wir sind
Anverwandte oder Gefreundte, dän Fränder; wir sind gute Freun-
de (einander nicht feind) ist: wátt sán gauhs Wàne, dän. gode
Tenner; de Flecke, s. oben, sind die Arme der Spindel; die daran
befindlichen eisernen Häkchen heissen: dáNocke, pl., welches Wort
auch: der Schlucken heisst, s. dieses; de Frāmde, wird ganz wie
im Deutschen gebraucht, als: äujn'e Frāmde wesen, in der Frem-
de sein; de Frāmde kámt ütt'e Frāmde , der Fremde kommt aus
der Fremde. Dāt Ljāgt, das Licht, als: Däisljāgt, Wāgsljāgt, ist
zu unterscheiden von: de Ljägte, die Helle, als: Dirr hähst de
sêllew äujn'e Ljāgte stijnnen, da hast du dir selber im Lichte ge-
standen. De Sêlme, s. oben; zu Häupten des Bettes ist: de Haad-
linge; zu Füssen:. de Fäjttlinge. De Sljógte von sljógt, schlicht,
dän. slet, ist zwar im eigentlichen Sinne: die Ebene, dän. en Slette,
wird aber meistens uneigentlich gebraucht, als: he slaug me àw
äiven Sljógte ' nd. he slōg mi up eben Sligt , d. i. er schlug mich
ohne alle Veranlassung, aus frcien Stücken; dāt kaum àw äiwen
Sljógte, es kam ganz von selbst, unwillkürlich: san watt àsv'e
Sljógte enauser, nun sind wir aufs Reine mit einander ge-
kommen.


97

89

die Kringel, Bretzel, dän. en Kringle, nd. Kringel, engl. eracknell ;
Ag Kräwel, der Krüppel, engl. eripple; dāt Kräwel, verächtlich;
de Kägel, der Kegel, dän. en Kegle, engl. kayle; de Māngel, der
Mangel; de Mergel, der Mergel, engl. marl; de Nägel, 1.der Na-
gel am Finger, u. s. w. 2. ein kleiner Nagel, nd. Naagel ' dän. Negl,
eogl. nail; de Náwwel, der Nabel, dän. Navl, engl. navel; de Pie-
sel, der Pesel oder Pisel, nd. Pesel; de Pinsel, der Pinsel, dän.
en Pensel, engl. pencil; de Pràgel, die Stricknadel, das deutsche
Prickel, wie in Wurstprickel; de Pudel, 1.der Pudelhund, 2. einen
P. machen beim Kegelspiel; de Rekel, der Rekel; de Puckel, 1.
der Höcker, Buckel, 2. der Rücken selbst; de Saabel, der Säbel,
nd. Saabel, dän. Sàbel, engl. sabre; de Sárkel, der Zirkel, engl.
eirele, dän. Sirkel; de Shainkel, 1.der Schenkel, 2. der Schinken;
de Schāmmel, der Schemel, dän. en Skammel1; de Slüngel, der
Schlingel, dän. und nd. Slüngel; de Snaabel, der Schnabel an
einem Dinge, wie im Dänischen: enSnàble; bei Vögeln: dāt Nêbb,
dän. et Neb; de Staapel, der Stapel, dän. en Stàbel; de Staingel,
der Stengel; de Stäiwel, der Stiefel, nd. Stäwel; de Stakel, dän.
und nd. en Stakkel, der arme Wicht; de Swáingel, der Schwen-
gel, besonders am Dreschflegel und an der Wage, an welcher die
Pferde den Wägen ziehen, an der Pumpe, u. s. w.; de Swándel, der
Schwindel; de Stámpel, der Stempel; de Snösel, nd. Snösel; de
Spainkel, das Faulfieber mit Flecken; de Strippel, der Streifen in
gestreiften Geweben; de Támpel, der Tempel, dän. und nd. -—;.
de Tögel, der Zügel, nd. Tögel, dän. Töil; de Titel, der Titel;
de Tüttel, der Tüttel; de Toffel, der Pantoffel, nd. und dän.
ffel; de Wacksel , der Wechsel; de Wainkel, der Winkel; de
Wàsel, das Wiesel.


1 De Shāmmel, gilt in allen Bedeutungen des deutschen Wor-
tes, es ist aber sinnverwandt mit: dāt Shōrn, wie etwa Sche-
mel und Hitsche ; dāt Shōrn und de Fäujttshāmmel werden als
llig synonym gebraucht, aber in vielen Fällen kann und darf
man sie nicht mit einander verwechseln. So heissen die hörizon-
talen Bretter, welche die Füsse der altmodischen, langen Tische
mit einander verbinden, auch Fäujttshämmle ' weil man beim Ks-
sen die Füsse darauf setzen kann; hier würde Shōrn durchaus
verkehrt stehen. So sagt man auch: dāt Bögshörn, Bläueltisch,
wo Shāmmel nicht stehen könnte.


98

60

b. Weibliche.

Baawel, die Simse: jö Bōssel , die Bossel, d.i. eine Kugel zum
Werfen, wie jö Issbōssel, Kägelbōssel, u. s. w,, engl. bowl; jö Dá-
gel, der Tiegel; jö Fägel, der Fehler, das Versehen; jö Fistel,
1.die Fitze; 2. die Fistel; jö Flāiel, der Dreschflegel, engl. flail:
Gichel, die Geige; jö Haawel, die Klunkermilch, gelieferte
Milch; jö Häwel, der Hobel, dän. en Hövl; jö Hägêl, die Hechel,
dän. en Hegle, nd, de Häkel, engl. heckle, hatchel; jö wel,
die Koppel, z. B- Pferde, Hunde, u. s. w., engl. eouple; jö wel,
kurzer Frauenzimmerrock (petticoat); jö Katntöffel, die Kartoffel;
Lüngel, die Lunge, dän. en Lünge, nd. de Lung, engl. lungs;
Mandel, die Mandel, nd. und dän- en Mandel; jö Māngel, die
Mangel, kleine Handrolle, dän. Mangletöi; jö Ráingel, der Henkel-
topf; jö Räigel, die Regel; jö Sàgel, die Sichel, dän. en Segl, nd.
Sekel, engl. sickle ; jö Sjöhssel, dän. en Syssel, die Pässelei; jö
Shauwel, die Schaufel, dän. en Skovl, engl. shovel, nd. Schüffel;
Taafel, die Tafel, nd. Taafel, dän. et Taffel, en Tavle, engl
table; jö Kugel, die Kugel, dän. Kugle; de Taagel, nd. — , der
Zagel; jö Stauppel, die Stoppel; jö Wichel, nd. de Wiechel, die
Weidenruthe, die Weide selbst; jö Ungel, die Angel, engl angle.


e. Sächliche.

Dāt A'ingel, das Engelchen; dāt Aesel, der Esel, nd. und dän.
Esel; dātKrävel, der Krüppel, nd. Kröpel; dāt Kaaitel, — ; dāt Mi-
raakel, Mirakel, grosses Gewirre; dātRāiel, in: Spannrāiel, Spin-
nenwebbe; dāt Sägel, 1.das Segel, 2. das Siegel.


Mit der Endung en,

a. Männliche.

§. 54. De Auwen, der Ofen; de Dàgen, der Degen; de Raa-
wen, 1. der Rogen, 2.eineVerwünschung; de Sägen, der Segen; de
Wāien, der Wagen; de Gêllen, der Gulden; de Orden, der Orden;
de Kögen, die Küche.


b. Weibliche.

Brägen, der Brägen, engl. brain, brains, nd. Brägen; jö Blä-

99

gen, dän. en Blegn, Bläschen, Blatter, engl. a blain; jö Ellen,
die Elle, nd. en Abl, engl. an ell, dän. en 'Alen: jö Fōmmen, das
Mädchen, das engl. woman; jö Lägen, die Lüge, dän. Lögn, nd.
Lögen: jö Mêllen, die Mühle, engl. a mill; jö Stauwen, der Sta-
fen, dän. Stavn, der Standort des Hauses mit dem Warf und Gar-
ten, u.s.w.; jö Wünnen, 1.die Wunde, 2. als Verwünschung oder
FfaiGh: dātdede Wünnen!;Nilken, die Nelke.


c. Sächliche.

. Dāt Ālken, dän. en Allike, die Dohle, daher; dāt Ālkenier,
der Giebelerker, wo sie früher oft nisteten. Dāt Āiken, das Ei-
chen, eine eiförmige Riechbüchse; dāt Bácken, das Becken; dāt
Däken, die Pferdedecke; iRi Gāgen, der Nutzen, dän. Gavn; dāt
Häigen, das Stuhlkissen, dän. en Hynde; dāt Kopken, diminutiv,
die Tasse, das Tässchen; dāt Laaken, das Laken, dän. Lagen ,
wie in Rielaaken , dän. Sparlagen , Bettvorhänge an messingenen Rin-
gen , die auf einer wagrecht ruhenden Stange vor- und zurückge-
sogen werden; dāt Sāgen, die Sage, dän. Sagn: dāt Sicken, der
Seufzer, dän. et Suk, engl. sigh; dāt Swālken, das Schwälbchen,
engl. swallow; dāt Tieken, das Zeichen, nd. dat Têken, dän. et
Tegn, engl. token; dāt Waapen, das Wappen, dän. Vaaben; dāt
Wāsen, das Wesen, dän. et Vasen, 1. das Wesen als wirklich Sei-
endes, 2. viel Wesens von etwas machen; dāt Saaken, nom. coll.
für Vieh und Sachen; dāt Sihssen, die Seide; dāt Shrábilken,
die Maske, Larve, aucb der Haubenstock; dāt oder jö' Wolken ,
die Wolke, das engl. welkin-


«

Mit der Endung er.
a. Männliche.


§. 35. De Aadler, der Adler; de Ānker, der Anker -— ; de
Bolter, eine gewundene Rennkerze aus Wachs oder Talg; de Brauh-
ser, der Bruder, nd. und dän. Broder, engl. brother; de Daaler,
der Thaler, nd. Daaler , dän. en Dàler, 2. der Dotter im Eie; de
Drōnker, der Säufer, dän. en Dranker, engl. drunkard; de Doffer,
der Tauber, Tauberich; de Eher, der Acker, dän. en Ager, engl.
acre; de Däger, der Decher, dän. et Deger, engl. a dicker; de


^j,.tt

100

62

Fajnger, der Finger; de Fidder, der Vater, dän. Fàder, nd. Faa-
der, engl. father 1 ; de Fähser, die Feder, dän. Fjeder, nd. Fed-
der, engl. feather; de Gljàrder, der Brotschieber; de Hāmmer, der
Hammer; de Hünger , der Henker; At Haller, der Heller; de Här
ger, die Trespe (Bromus secalinus L.), dän. Heire; de Jäger, der
Jäger, dän. und nd. — ; de Junker, der Junker; de Jerder, der
Hirte, dän. en Hyrde, das engl. herd in: herdman und shepherd;
de Kaiser, der Kaiser; de Kāper, der Kaper; de Kuffer, der Kuf-
fer; de Könker, der Kanker; de Ljógter, die Leuchte; de Löper,
der Knicker, Schüsser, das Schnellkügelchen; de Mahner, richti-
ger: de Marmel, das Marmelkügelchen zum Spielen für Knaben;
de Mäister, der Meister, nd. — , dän. Mester, engl. master; de
Möser, der Mörser; de Mäjdder, der Mäher, dän. en Maier; de
Nummer, die Nummer, engl. number; deNánner, der Nenner, und
de Têller, der Zähler in Brüchen ; de Ōmmer, der Eimer; de Prêster,
der Priester, dän. en Präst, engl. priest; de Rācker, dän. Rácker,
der Schinder; Ae Rácker, ein Scheltwort, dán grótte Rácker, du
grosser Rekel , Lümmel; deRidder, 1.der Reiter, 2. Ritter, 5. das
Reitpferd, als: de Shámmel as en gauhsen Ridder, der Schimmel
ist ein gutes Reitpferd, lässt sich gut reiten; de Rütter, der Reu-
ter, dän. en Rytter, im Militair; de Sámmer, der Sommer; de
Snájtter, der Tischler, eigen tl. Schnitzer, dän. Snedker (Snitker);
de Sötter, das latein. sutor , der Schuster ; de Shjàrder , der
Schnitter; de Shrüjdder , der Schneider ; de Thaser , der Buch-
weizen; de Tjaaler, der Keller; de Urder, der Erpel, Enterich,
nd. de Wort; de Wónter, der Winter; de Wihsser, der Weiser,
Zeiger, nd. und dän. Viser; de Edder, die Ader; de Tunner, der
Donner, nd. — , engl. thunder; de Kāmmer, die Kammer, nd.
und dän. — , engl. chamber; de Swaager, der Schwager, nd. — ,
dän. Svover; de Gōnner, der Ganser, nd. Ganner, engl- gander;
de Höker, der Höcker, Trödler, engl. huckster; de Ringster, der
Läuter, dän. en Ringer, engl. a ringer; de Rānster, der Renner;
de Faarrānster, der Vörrenner, der gleich nach der Predigt aus


1 De Fidder, der Vater, und jö Mudder, die Mutter, sind die
Namen der Eltern in Beziehung auf ihre Kinder; in der Anrede
nennen die Kinder den Vater: Thäte, Tàjte, Babbe, und die Mut-
ter: Mámm, Meem oder Memm.


101

. 63

der Kirche rennt ; de Kummer, der Kummer, nd. und dän. --,
engl. cumber; de Otter, die Otter, dän. en Odder, nd. — , engl.
an otter; de Böjter, der Böttcher, nd. — , dän. Bödker; de Kláw-
wer, der Klauer; de Klöwwer, der Klaustab; de Stōmper, der La-
destock, Stampfer; de Pulsher, die Störs tange, mit der man die
Hechte ins Netz treibt; de Plumper, dasselbe, aueh Plumpstock,
Springstock , mit dem man über die Wassergräben springt; de
Trāgter, der Trichter, dän. en Trágt; de Näger, der Neger, nd.
und dän. — , engl. negro; de Fäger, ein rechter Feger, der was
los machen kann, dän. en feiendes Fyr; de Twitter, ein flinker
Bursche, dän. en flink Fyr (1. für); de Tāter, der Zigeuner, dän.
Tàter; deSêtter, die Setze, ein irdenes Milchfass; de Juler, der
Stellmacher, von dem dän. Hjul, das Rad; de Āsher, die hohle
Schaufel; de Glaaser, der Glaser; de Wönräjdder, wörtlich: der
Wahnräther, der immer solche Dinge unternimmt, die mislingen
und keinen Nutzen gewähren, vielmehr meistens Schaden bringen;
de Shuller, die Schulter, nd. Schuller, dän. Skulder, engl. shoul-
der; de Koller, der Koller der Pferde; de Wupper, ein Besen
zum Abfegen der ausgedroschenen Aehren¹.


b. Weibliche. -

Modder oder Mudder, die Mutter, nd. und dän. Moder, engl.
mother; jö Mádder, die Muhme; jö Lādder, die Leiter; jö Liw-
wer, die Leber, engl. liver; jö Bōhser, die Butter; jö Dōgter, nd.
Dogter, engl. daughter; jö Söster, nd. und dän. — , engl. sisler;
Shäier, die Schere, nd. Sheer.


c. Sächliche.

Dāt Fauser , das Futter für das Vieh , 2. Unterfutter; dāt Rauser,
das Ruder; dāt Taller, der Teller; dāt Āller, das Alter, dän. en
Alder; dāt Edder, der Eiter; dāt Häier, das Haar, nd. und dän. -— ,


1 In einigen von Zeitwörtern abgeleiteten Substantiven auf er,
steht st vor der Endsilbe, als: de Ringster, der Läuter; de Ring-
sterênne, der Abend des Grabgeläutes; de Rānster , s. oben; de
Wäwster, der Weber; de Trōlster, der Zauberer, von trōlen, zau-
bern. Diess sind alterthümliche Formen, aus ringen, rānen,
weewen und trolen; die regelmässigen Bildungen müssten : de Rin-
ger, Rāner, Wäwer und Trōler heissen.


102

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engl. hair; dāt dder, das Euter, nd. Jüdder, engl. udder; dā
Jücker, die Gerte , das Reis; dātKlöster, deutsch, nd. und dän. — ,
engl. eloister; dāt Laager, 1.das Lager, dän- et Leie, zum Lie-
gen und Ausruhen, 2. Feldlager, dän. en Leir, 5. Waarenlager;
dāt Lāster, das Laster, dän. en Last; dāt kser, das Leder,
engl. leather; dāt Luder, das Luder (Aas); dāt Münster, das Mn-
ster, dän.. Mynster; dāt dder, der Schlamm, Moder, dän- Mod-
der; dāt Ōfer, das Opfer, dän. et Offer; dāt Öwer, das Ufer; dāt
Ràhser, ein einjähriges Kalb; dāt Tammer, das Zimmerholz; dāt
Tōnner, der Zunder; dāt Wāhser, das Wasser, nd. Waater, engl,
water; dāt Wāhser, das Wetter, nd. Wädder, engl weather«


§. 36. Folgende hahen die Endung tm, als: de Äirem, der
Ann, — ; de Bäisem, der Besen, nd. -- engl. besom; de Btm-
eem, 1. der Viehstall, 2. der Boden eines Gefässes; ;de Haulem,
der Holm, kleine Insel, auch in Ortsnamen, als: Lindholm, Ock-
hobn, Stockholm, Bornholm u.s.w.; de Stierem, der Geruch; de
Swierem, der Schwann, nd. — , engl. swarm, dän. svärm; de
rem , der Darm , dän. Tarm ; jö Blōssem , die Müthe , engl.
blossom; jö Fäihsem, der Faden, als Maass, engl. fathom, dän.
en Favn; jö Gāssem, die Gäspe; dāt Hulem, das Langhalm, Lang-
Stroh, engl, halm.


§. 37. Einige haben die Mehrheits-Endung ere in der Einheit,
als: de Wähsere, der Hammel, das deutsche Widder, das dän-
Väder , und das engl. wether , welches ganz dem Friesischen ent-
spricht; de Käsere, der Kater, nd. Kaater; de Fāsere, der Ge-
vatter, dän. Fadder; richtiger wäre aber: de Wähser, de Kāser
und de Fāser; so wie de Stäujnner, der Leuchter. Einigen
giebt man gar die Endung ne in der Einheit, wie z. B. de Wad-
dêrne , der Wittwer ; de Wánserne , die Schnellwage ; de Pōnterne ,
der Wiesbaum; de Hijnserne, der Brunnenschwengel; de Unnerne,
das Mittagessen ; hier wäre: de Wadder , deWanser, dePonter,de
Hijnser und de Unner auch richtiger ¹.


1 De Hijnsertie kommt zusammengesetzt vor in: Hijnserne fjöch;
dieses besteht aus einem in die Erde gestellten Balken ' in dessen
oberem Ende eine gabelförmige Vertiefung ist, in welcher der
Schwengel (de Hijnserne) auf einem Bolzen , als seiner Axe ' ruht ,
an dessen Hinterende em schwerer Klotz angebracht ist , und an
dessen Vorderende sich die Brunnenstange (de Shäwringe) befindet.


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§.38. Auf ense, ent, ed, et, und ert, als: de Fierense, die
Ferne, nd. de Fêrens; de Gröttense, die Grösse; de Tjóckense,
die Dicke; de Lickense, die Aehnlichkeit, Gleichheit; de Hukense,
die Halbscheid; dāt Aawent, die Schnürbrust; dāt Läwent, das
Leben; jö Jöged, die Jugend; jö Döged, die Tugend; jö Höged,
das Wohlgefallen an etwas; jö Blöged, von blög' (blöde), die
Schaam, die Schäme; de Faaged, der Vogt, dän. Faaged; dāt
Huget , die Anhöhe ; dāt Läiget , die Niederung ; jö Ānert , die
Ente ; dāt Lànert , die Leinwand.


§. 39. Auf ig und igt , ir und ter und tnn endigen sich fol-
gende, als: de Bäirig ' der Berg, dän. et Bjerg, nd. de Barg;
de Bielig, der Balg, in: Blaasbielig , Blasebalg; de Gulig , der
Galgen; de Hāllig, der Hallig, kleine flache Insel; jö Furrig, die
Furche, dän. en Furre, engl. furrow; jö Spärrig , der Sperling ,
dän. en Spurre (Spurve), engl. spārrow; jö Swällig (Swielig), der
Schlund , das deutsche Schwalch , dän. et Svälg ; dat Fällig oder
Fulig , Brachfeld , von fālligen , fuligen , fieligen , brachen , engl.
fallow-field ; dāt Mārrig ' das Mark, dän. Marv, engl. marrow;
dāt Tulig , der Talg , engl. tallow ; jö Mêrrigt ' das Mensch , die Metze ;
de Bêrrigt, die Ernte; ir oder ier kommt vor in: Lägenier, der
Lügner , und in : Ālkenier , Erkergiebel ; inn , wie im Deutschen ,
als Kinninginn, Königinn, Kaiserinn, Hiertuginn, Herzoginn, Grä-
winn oder Graawinn, Gräfinn, von de Graaw, u. s. w. ; diese
Silbe ist im Dänischen inde, als: Grä winde, Keiserinde, u. s. w.


§. 40. Die Endsilbe ing treffen wir in: de Kinning , der Kö-
nig, altdän. en Konning, engl. king; de Wuhstring , die Speise-
röhre, das Geschlinge; de Gäsing , alles, was einem eben passend
ist, was man gerade gebrauchen kann; jö Nōstring , die Nüster,
engl. nostril; jö Tênning , die Schläfe, dän. en Tinding; jö Tihs-
sing, Nachricht, Zeitung, dän. en Tidende, engl. tidings; jö
Gräwing , ein breiter und tiefer Graben um den Warf, 2. ein
Bach im Risummoor, der die Feld- oder Landscheide zwischen
dem Oster- und Westermoor bildet ; jö Hijtting , das Geheiss ; jö
Löwring, die Gewitterschwüle; jö Lühssing , die Ohrfeige, dän.
en Lusing; jö Slaingring, eine kleine Schlucht im Wagengeleise;
Gräsing , ein kalter Schauer, das Grausen; de nning , der


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68

§. 46. Die Endung êlse kommt in folgenden Wörtern vor, als;
de Táchelse, die Deichsel; de Tünnelse, die Geschwulst; de Räjdd'
ehe, das Räthsel; de Lāpelse, 1.das Laab, Rinnsal, 2. das Durch-
laufen der Pferde, als: Hájnste luppe Läpelse, die Pferde lau.
fen durch, dän. löbsk , adj. läufisch; de Gräpelse, die Grapse, to
Gräpelse smitten, in die Grapse werfen, z. B. eine Handvoll klei-
ner Münzen; dá Häckelse, pl. oder coll. das Häcksel, der Häcker-
ling; dāt Spaukelse, das Gespenst, dän. et Spögelse, (dāt Spauk
ist der Spuck, das verbum spaukeln); dāt Röckelse, der Rauch,
als Mittel zum Räuchern, wie in Königsrauch, Weihrauch, Räu-
cherpulver; dāt Smökelse, dasselbe; dāt Stárkelse, die Stärke,
der Amidam.


§. 47. , Die Nachsilbe häid, deusch: heit und keit, dän. hed,
engl. hood und head, steht für heit und keit im Deutschen, als:
Mōnnhäid , Mannheit ; Krástenhäid , Christenheit ; Njölhäid ,
Schwerfälligkeit; Plumphäid; Drieghäid, Verschlagsamkeit , dän.
Dröihed, nd. adj. dreeg; jö Föhlhäid, die Bosheit; Wälighäid,stark
an Kräften, die Wäligkeit; Krōnkhäid, Kraukheit; Sünnhäid, Ge-
sundheit, dän. Sundhed; Mälhäid , Tollheit, nd. Mallheit; Fāst-
häid, Festigkeit; Batterhäid, Bitterkeit; Dristighäid, Dreistigkeit;
Däsighäid , Albernheit, Verrücktheit; Äienhäid, Eigenheit; Sál-
tenhäid; so auch aus: rien, rein; tagt, dicht ; jurtk, dunkel; frish;
rüch, rauch; fri, frei; ágt, echt; blög', blöde; wigtig; kier, kür,
kürisch, dän. kräsen; laai, faul, träge; trāt, müde. dän. trät,
u. s. w.


§. 48. Bildung des Hauptwortes. Das Hauptwort wird be-
sonders aus andern Hauptwörtern, Bestimmungs- und Zeitwör-
tern gebildet, jedoch hin und wieder auch aus andern Wör-
terklassen, z. B. dāt Twánling , von twánne, zwei; de 3Jäister,
von mäst, meist; ijn, gegen' de Jjnne, das Ende; dähl, nieder,
dāt Daal, das Thal; döhr, durch, jö Döhr, die Thür, u.s. w.


Hauptwörter aus andern Hauptwörtern durch die Silbe er.
Mêllen, de Mêller, die Mühle; de Fásh, de Fásher, Fisch; de
Häujdd, de Häujtter, der Hut; dāt Glees, de Glaaser, Glas; dāt
Shápp, de Shápper, das Schiff; jö Eesh, de Āsher, die Esche;
Wúppf de Wupper, die Aehre; jö Kutsh, de Ktitsher; de Sênne,
de Sênner, die Sünde; de Rieme, de Riemer; dāt Krāmm, de


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6d

Kriemmer, der Kram; dāt Shäujl, de Shauler, die Schule; jö
Pott, de jtter, der Topf; jö Döww, de Doffer, die Taube; dāt
Laujnn, de Läujnner, das Land; de Paurte, de Paurtner, die
Pforte; de Dick, de Dicker, der Deich; de Drōnk, de Drōnker,
der Soff, Gesöff; dāt Fāt, de Fāser, die Schüssel; jö Grauf, de
Grauwer, der Graben; jö fātt, de Kāser, die Katze; jö Kláw, de
Kláwer, die Klaue; jö Klöw', de Klōwwer, die Klaue; jöKlöck,
deKlōcker, die Glocke; de Klāi, de Klāier, der Klei, Marscherde;
de Kraug, de Krauger, der Krug: jöMäjdd, deMäjdder, die Math;
de Maurd, de Maurder, der Mord; de JVjógs, de Mjógser, der Mist,
Koth; jö Nāgt, de Nägtert, die Nacht; de Plaug, de Plauger,
der Pflug; dāt Rógt, de Rógter, das Recht; de Ruk, de Ruker,
der Diemen, Schober; de Sl1ōt, de Shōter, der Schuss; dātSlubb,
de Slubber, Koth; jö Shüll, de Shüllner, die Schuld; jö Spor,
de Sporer, der Spoor oder Sporn; de Tōll, de Tōller, der Zoll; de
Trōl, de Trōlster; jö Wāgt, de VFágter, die Wacht; de Buttel, de
Büttler , die Buttel; jö Gichel, de Gichler, die Geige; dāt Lüjdd,
de Lüjdder, das Loth zum Löthen; de Shänse, de Shänser, die
Schanze; de Ajl, de Illger, der Aal1.


1 De Āsher, ursprüngl. eine hohle Schaufel aus Eschenholz,
welche jetzt auch aus anderem Holze diesen Namen führt. Die
Esche hiess weiland jö üish, und noch jetzt im Dänischen en .Ask.
De Läujnner, der Länder, kommt, wie im Deutschen, nur in Zu-
sammensetzungen vor' wie z. B. de Holläujnner, Gräinläujnner ,
ttläujnner. De Shauler ist aus dem älteren Worte Shaul ge-
bildet, das auch noch jetzt in mehreren Gegenden gebraucht wird.
De Fahser, gewöhnlich Fahsere, ist buchstäblich: der Fasshalter
bei der Taufe. Dat Fāt, das Fass, die Schüssel, nd. Fat, dän.
Fad, ist im pl. dá Fähse, und da, weinigstens vormals, die Kin-
der meistens im elterhchen Hause getauft wurden ' so musste
einer der Taufzeugen das Fass oder die Schüssel halten, daher
die Benennung, woraus sich zugleich das dänische und plattdeut-
sche Fadder und das hochdeutsche Gevatter erklärt. — De Grau-
wer, von Grauf, ist nur der Gräber, welcher die Gräben zwischen
den Aeckern imRisummoor reinigt, sonst Grêwer, Gräwster, Klāier,
von grêwen, oder Klāi. — De Klōwwer, der Klaustab, unten mit
einer eisernen, breiten Doppelklaue besehlagen, um das zu tiefe
Eindringen in den Schlamm zu verhindern. — De Mjógser ist 1.
der Ausmister, 2. der Sudler. — De Nägtert, das Abendessen,
Nachtessen; de Ruker, der den Diemen oder Schober setzt; de
Jllger, der Aalstachel, die Aalpricke, ist eine unregelmässige Wort-


106

70

Fásher , Dicker , Grauwer, Klāier, Blauger , huker , Lüjdder,
Gichler, Sliānser , Rógter sind aus den Zeitwörtern: fáshen,
fischen; dicken, deichen; grauwen, graben; klāien, kleien; plau-
gen, pflügen; ruken, diemen, schobern; üjdden, löthen; gicheln,
geigen; shānsen, schanzen, und rógten, richten, gebildet worden,
diese aber wieder aus den vorstehenden Substantiven. Bei den
meisten dieser abgeleiteten Wörter, ei.giebt sich die Bedeutung
derselben aus ihrem Stammworte, als: Müller, Fischer, Glaser,
Schiff er , Kutscher , Sünder , Riemer , Krämer, Schüler, Töpfer, Tau-
ber , Länder , Pförtner, Deicher, Säufer, Kater, Glöckner, Krüger,
Mäher, Mörder, Pflüger, Richter, Schütze, Schuldner, Sporer, Zell-
fter, Zauberer, Wächter, u. s. w.


§. 49. Aus Hauptwörtern vermittelst der Silbe ling , linge :
Bāt Hütt, de Hüttling; de Töme, de Tōmling;Fäjtt, de Fäjtt-
Kng, und dá Fäjttlinge; dāt Haad,Haadlinge; dāt Bijn, de
Bünling;Gäus,Gähsling; dāt Rêp, de Rêpling;Feest,
, jö Feestling; de Bajtte, de Bäjtlinge;Naas,Nöstring; dāt
Ijll, dāt Ijllinge; de 'Alk, de Allring1.


§. 50. Die §. 44 vorkommenden Wörter auf duhm und shapp
sind aueb grösstenheils hauptwörtlicher Abstammung; bei duhm
sind bloss Hilligduhm und Aienduhm von Adjectiven abgeleitet:
unter shapp nur die mit schwanger, eigen, gefangen und ge-
mein gebildeten. Durch die Silbe häid lassen sich nur folgen-
de vier aus andern Hauptwörtern bilden, als: Mōnnhäid, Mann-


bildung iius Ajl,der Aal. — Die. Aalquappe, Aalraupe (Gadus Lott1),

so wie die Aalmutter (Kennius viviparus), heissen beide Äilemud-
dêr, weil man sie für die Mütter der Aale gehalten hat, und der


Blutigel (Egel) ist de Ailebitter, wörtlich der Aalbeisser.

1 Bāt Hütt, derDeckel, z.B. eines Pfeifenkopfes, die Wurzel zu
dem deutschen: Hütte; de Hüttling, der lederne Ueberzug ei-
nes verjetzten Fingers; Tömling, Bäumling, ein solcher für den
Baumelt; dá Fäjttlinge, 1. pl. von Fäjttling, 2. Fussende des Bet-
tes; dá Haadlinge, zuHäupten; Feestling, Fausthandschuh ohne
Fingerlinge; de Bájtte, das Bischen, de Bäjttlinge, gleichsam die
Bischen, d. i. Umzugsgut; dāt Ijl, das Feuer, dāt Ijllinge, die
Feuerung; Alkund ' Allring sind beide: der Btis. — Die Verkleine-
rungen auf ke, te, ken, Jen, siehe §. 42 und 45.


107

71

heid; Krástenhäid , Christenheit ; Mánshhäid, Menschheit, und Shālh-
häid, Schalkheit.


§. 51. Mehr oder weniger unregelmässige Wortbildungen sind
unter andern folgende, als: jö Bräjdd, de Brêdgome, der Bräuti-
gam; jö Bjàrst, de Bjàrsel, die Borste und die Bürste; jö Dör
•oder Döhr, de Dörnsh-Thür, Stube; jö Gäus, deGönner, Gans
und Ganser; dāt Hüss, de Hühs, das Haus und das Heim, dan.
et Hjem, engl. home; de Smáss,Smàhs, der Schmied und die
Schmiede, dän. en Smed und en Smedië; dāt Klüss,Kluhse,
das Tuch und die Kleider; dāt Lass, das Glied, Gelenk, dá Làhse,
die Gliedmassen; auch in Ugenlass, Augenlied, und Ōnlass, Ant-
litz; dāt Rá, die Reihe, Zeile; dāt Ráck, der Riechel, Schüssel-
brett, u. s. w.; de Mōnn, de Mājnte, der Mann, Männchen; de
Sàhn, Sánke, Sohn und Söhnchen, dän. Sön und Sönike, nd.
Sönken; jö Wàhs, de Wadder (Wadderne), Wittwe und Wittwer;
Dōgter, die Tochter, Dōjtte, Töchterchen; dāt Ās, oder Aas,
dāt Ais, das Aas, als Schimpfwort in: Raawenäis und Aasknaake.
Diess sind die wesentlichen Wortbildungen des Hauptwortes aus
seines Gleichen; die übrigen stammen meistens von Bestimmungs-
und Zeitwörtern ab. — Die Endungen ent, ert, ew, und ep kommen
nur in einzelnen Wörtern vor, wie in: Aawent, Läwent,Ānert,
die Ente; dāt Lànert, die Leinwand; dāt Kulew, das Kalb; dāt
Sulew, die Salbe; dāt Hānep, der Hanf, und dāt Sànep, der Senf.
§. 52. Hier mögen, bevor wir die Bildung des Hauptwortes
weiter verfolgen, einige Stoff- und Mengenamen ihren Platz fin-
den , als: a. Stoffnamen :Bōhser , Butter; dat Brüjd, Brot;
Säihs, Käs, Flāsh, Spêck, Smär, Schmalz; Tulig, Wāgs, Liem,
Kalk, Kritt, Kreide; Siep, Seife; Gäujll, Sêlwer, Kaawer, Blie,
Mudder, Slubb, Slōmm, Slimm, Schleim; Glees, Hōlt, Haurn,
Stājll, Staal, Tán, Zinn; Swaawel, Allōhn, Säujtt, Russ; Ull,
Wolle; Flāgs, Brài, Stijnn, Lähser, Shánn, Tjaare, Páck, Hjàrt,
Harz; Knaake, Gnustel, Knorpel; Sulew, Plaaster, Burk, Borke
oder Baumrinde; Starkelse, Limm, Leim; Ruhmme, der Rahm;
Mōlke, Dieh, Teig; Snōte, Nasenschleim; Eesh, Asche; Swāmp,
Mäus, Sierp, Kitt, Dünn, Daunen; Swiert, Kienruss; Söwwel, Schmilz,
Butter, Fleisch und Speck zum Brote, u. s. w. — b. Mengenamen:
Paingsdêge, die Pfingsten; dá Aune, die Buttermilch; dá Knap-


108

70

Fásher , Dicker , Grauwer, Klāier, Plauger , Ruker , Lüjddêr,
Gelder, Shänser , Bögter sind aus den Zeitwörtern: fáshen,
fischen; dicken, deichen; grauwen, graben; kläien, kleien; plau-
geti, pflügen; ruken, diemen, schobern; lüjdden, löthen; gicheln,
geigen; shänsen, schanzen, und rêgten, richten, gebildet worden,
diese aber wieder aus den Torstehenden Substantiven. Bei den
meisten dieser abgeleiteten Wörter, ergiebt sich die Bedeutung
derselben aus ihrem Stammwortes als: Müller, Fmher, Glaser,
Schiffer , Kutscher , Sünder , Riemer , Krämer, Schüler, Töpfer, Tau-
ber, Länder, Pförtner, Deicher, Säufer, Kater, Glöckner, Krüger,
Mäher, Mörder, Pflüger, Richtêr, Schütze, Schuldner, Sporer, Zöll-
ner, Zauberer, Wächter, u. s. w.


§. 49. Aus Hauptwörtern vermittelst der Silbe ling , linge :
Dāt Hütt, de Hüttling; de Töme, de Tōmling;Fäjtt, de Fajtt-
ling, und dá Fäjttlinge; dāt Haad,Haadlinge; dāt Bijn, de
Bijnling;Gäus,Gähsling; dāt Rêp, de Rêpling;Feest,
Feestling; de Bajtte, de Bäjtlinge;Naas,Nōstring; dāt
Idll, dāt Ijllinge; de 'Älk, de Allring 1. .


§. 50. Die §. 44 vorkommenden Wörter auf duhm und shapp
sind auch grösstenheils haupt wörtlicher Abstammung; bei duhm
sind bloss Hilligdühm und Aiendühm von Adjectiven abgeleitet:
unter shapp nur die mit schwanger, eigen, gefangen und ge-
mein gebildeten. Durch die Silbe häid lassen sich nur folgen-
de vier aus andern Hauptwörtern bilden, als: Mōnnhäid, Mann-


bildung aus Ajl,der Aal. — Die. Aalquappe , Aalraupe (GadusLota),

80 wie die Aalmutter (Blennius viviparus), heissen beide Äilemud-
dêr, weil man sie für die Mütter der Aale gehalten hat, und der


Blutigel (Egel) ist de Ailebitter, wörtlich der Aalbeisser.

1 Dat Hütt, der Deckel, z.B. eines Pfeifenkopfes, die Wurzel zu
dem deutschen: Hütte; de Hüttling, der lederne Ueberzug ei-
nes verletzten Fingers; Tōmling, Däumling, ein solcher für den
Daumen; dá Fäjttlinge, 1. pl. von Fäjttling, 2. Fussende des Bet-
tes; dá Haadlinge, zuHäupten; Feestling, Fausthandschuh ohne
Fingerlinge; de Bájtte, das Bischen, de Bäjttlinge, gleichsam die
Bischen, d. i. Umzugsgut; dāt I(jl, das Feuer, dāt l(jllinge, die
Feuerung; 'Älk und 'Ällring sind beide: der Iltis. — Die Verkline-
rungen auf ke, te, ken, jen, siehe §. 42 und 45.


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71

heid; Krástenhäid, Christenheit; Mánshhäid, Menschheit, und Shālh-
häid, Schalkheit,


§. 51. Mehr oder weniger unregelmässige Wortbildungen sind
unter andern folgende, als: jö Bräjdd, de Brêdgome, der Bräuti-
gam; jö Bjàrst, de Bjàrsel, die Borste und die Bürste; jö Dör
oder Döhr, de Dörnsh-Thür, Stube; jö Gäus, deGōnner, Gans
und Ganser; dāt Hüss, de Hühs, das Haus und das Heim, dän.
et Hjem, engl. home; de Smáss,Smàhs, der Schmied und die
Schmiede, dän. en Smed und en Smedie; dāt Klüss,Kluhse,
das Tuch und die Kleider; dāt Lass, das Glied, Gelenk, dá Làhse,
die Gliedmassen; auch in Ugenlass, Augenlied, und Ōnlass, Ant-
litz; dāt Rá, die Reihe, Zeile; dāt Ráck, der Riechel, Schüssel-
brett, u. s. w.; de Mōnn, de Mājnte, der Mann, Männchen; de
Sàhn, Sánke, Sohn und Söhnchen, dän. Sön und Sönike, nd.
Sönken; jö Wàhs, de Wadder (Wadderne), Wittwe und Witt wer;
Dōgter, die Tochter, Dōjtte, Töchterchen; dāt Ās, oder Aas,
dāt Äis, das Aas, als Schimpfwort in: Raawenäis und Aasknaake.
Diess sind die wesentlichen Wortbildungen des Hauptwortes aus
seines Gleichen; die übrigen stammen meistens von Bestimmungs-
und Zeitwörtern ab. — Die Endungen ent, ert, ew, und ep kommen
nur in einzelnen Wörtern vor, wie in: Aawent, Läwent,Ānert,
die Ente; dāt Lánert, die Leinwand; dāt Kulew, das Kalb; dāt
Sulew, die Salbe; dāt Hānep, der Hanf, und dāt Sànep, der Senf.
§. 52. Hier mögen, bevor wir die Bildung des Hauptwortes
weiter verfolgen' einige Stoff- und Mengenamen ihren Platz fin-
den , als: a. Stoffnamen :Böhser , Butter; dat Brüjd , Brot;
Säihs, Käs, Flāsh, Spêck, Smär, Schmalz; Tulig, Wāgs, Liem,
Kalk, Kritt, Kreide; Siep, Seife; Gäujll, Sêlwer, Kaawer, Blie,
Mudder, Slubb, Slōmm, Slimm, Schleim; Glees, Hōlt, Haurn,
Stäjll, Staal, Tán, Zinn; Swaawel, Ällöhn , Säujtt, Russ; Ull,
Wolle; Flāgs, Brài, Stijnn, Lähser, Shánn, Tjaare, Páck, Hjàrt,
Harz; Knaake, Gnustel, Knorpel; Sulew, Piaaster, Burk, Borke
oder Baumrinde; Starkelse, Limm, Leim; Ruhmme, der Rahm;
Mōlke, Dieh, Teig; Snōte, Nasenschleim; Eesh, Asche; Swāmp'
Maus, Sierp, Kitt, Dünn, Daunen; Swiert, Kienruss; Söwwel, Schmalz,
Butter, Fleisch und Speck zum Brote, u. s. w- — h. Mengenamen:
Paingsdêge, die Pfingsten; dá Aune, die Buttermilch; dá Knap-


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linge, die Spitzen, Kanten; dá Beere, die Gebehrden, alle im plur.;
dāt Gijl, das Geld; dāt Grüss, Gries; dāt Gjàrs, dāt Krüdd, Schiess-
pulver; dāt Säjd, Gesäme; dá Agne, pl. die Spreu; dāt Untjög',
Ungeziefer; dāt Groot, Grütze; dá Grubene, die Graupen; dá Tràme,
beim Weben; dá Wäwle, pl. der Webstuhl, u.s. w.


§. 53. Bildung des Hauptwortes aus dem Bestimmungsworte,
mit der Endung e und de, als:


lick, gleich, de Licke.
kāujl, kalt, de Kolle.
näi, nahe, de Näigde.
lóng, lang, de Láingde.
kaurt, kurz, de Kaurte.
widd, weit, de Widde.
nār, eng, de Nārke.
stáll, still, de Stálle.
gäujd, gut, de Gause.
diep, tief, de Diepde.
slójgt, schlicht, de Slojgte.
lief, lieb, de Liewde.
drögh, trocken, de Dröghde.
frāmd, fremd, de Frāmde.
hug, hoch, de Hügde.
läig, niedrig, de Läigde.
wriess, böse, de Wrêhse.
junk, dunkel, de Junke.
ljāgt, licht, de Ljāgte.
rien, rein, de Biene.


bliek , bleich, de Blieke.
worm, warm, de Wārmde.
lài, lau, de Làie.
liess, leid, de Liese.
gáw, schnell, de Gawe-
shrädd, schräg, de Shrādde.
neesh, zart, de Neeshe.
rögt, recht, de Rogte.
ripp, reif. de Rippe.
wass, gewiss, de Wasse.
wäjtt, nass, de Wäjtte.


Auf ense.

de Fierense, die Ferne.
de Grottense, die Grösse.
de Lickense, die Gleichheit.
de Tjóckense, die Dicke.


Auf else.
de Trinnelse, die Ründe.


§. 54. Ohne bestimmte Endungen:
büek, bleich, jö Blick. shu, scheu, jö Shu.


sier, wund, weh, jö Sierk.
hijtt, heiss, de Hájtt.
brijd, breit, de Brājt.
seeft, sanft, jö Seeft.
hukw, halb, de Hállewt.
uk, weich, jö Uk.
Uck, leck, de Lack.
plāt, platt, jö Plāt.


düjdd, todt, de Düss.
wäir, wahr, de Wjàrd.
wjàrt, werth, de Wjàrt.
sêgt, seicht, dāt Ságt.
rógt, recht, dāt Rógt.
nài, neu, dāt Nàis.
diep, tief, dāt Diep.
shōr, steil, dāt Shōr.


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wäjtt, nass, de Wājt. läig, leeg, dāt Läiget.

lick, gleich , dāt Lickniss. üjll, alt, dāt Āller,
swānger, schwanger, dāt Swān- êrm, arm, jö Ermäujd.


gershapp. gemien, gemein, Gemienshapp,

sürr und sörr, sauer, de Sür- hōl, hohl, dāt Haaling.

ring und de Sorring. krümm, krumm, jö Krömming,

blög, blöde, jö Blöged. äiwen , s. die Anmerkung, de

jung, jung, jö Jöged. Äiwner¹.
hug', hoch, dāt Huget.


.

§. 55. Auf häid endigen sich folgende , als : bliek , bleich ,
blass,Bliekhäid; tênn, dünn, jö Tênnhäid; háll, bell, jö Hall-
häid, u. s. w. Auf dieselbe Weise werden aus nachstehenden Ad-
jectiven Substantive gebildet, als: spass, spitz; full, voll; aiwen,
sachte; lick, gleich; äien, eigen; fráck, frech; wiss, klug, weise;
hárd, hart; nōgen, genüglich; swāck, schwach; glöbsh, ungestüm,
grimmig, dän. glubsk; hillig, heilig; glatt, knäp, knapp, genau,
kaum; suhrt, schwarz; tàsig, gricklich; fug, bange; fàhg, feige;


1 Die aus Adjectiven gebildeten nicht persönlichen Hauptwörter
auf e, sind alle weiblich, als: die Kälte, Nähe, Länge, Kürze,
Weite, Enge, u. s. w. , die friesischen dagegen alle männlich. De
Gause wird so gebraucht; äujn 'e Gause, in der Güte; de Licke:
fánst nōg dán Licke, du findest schon deines Gleichen; dāt hêt
nān Licke, lickent nint, gleicht nichts, u. s. w. De Diepe oder
Diepde ist die Tiefe, dāt Diep, das Tief, nd. dát Deep, z.B. das
sijlter Tief bei der Insel. De Hugde, die Höhe, dāt Huget, sanfte
Anhöhe; de Läigde, die Niedrigkeit, dāt Läiget, die Niederung,
die Seichte des Bodens; de nrêhse, der Zorn, dän. en Vrede,
engl. wrath; de Junke: äujn 'e Junke, im Dunkeln; äujn 'e Ljāgte
stäüjnnen, einem im Lichte stehen; àw'e Riene wesen, aufs Reine
gekommen sein ; dāt Lànert làit aw ,e Blieke, ist ausgelegt zum Blei-
chen, jö Blick, die Bleiche, als Platz des Bleichens; äujn ,e Làie
stäujnnen, im Lauen stehen; äujn'e Gáwe, in der Geschwindigkeit;
neesh, zart, von der Haut, z.B. zwischen den Schenkeln und Fin-
gern' daher de Neeshe, die Zärte der Haut, oberdeutsch: niesch
und niesche, d.i. sanft abschüssig. Drieg, dän. dröi, verschlag-
sam, was lange vorhält, 2. schwer, beleibt, u. s. w. Aw'e Wásse
wesen' einer Sache gewiss, davon überzeugt sein. De Brājt, die
Breite; jö Brijdd, ein ganz breiter Acker, das Gebreite; deWäjtte,
die Nässe, de Wājt, das Nass; dāt Ságt, die Seichte, auch das
Ziel, und das Zielkorn an der Flinte. Dāt Nàis, etwas Neues, die
Neuigkeit; blög, blöde, jö Blöged, die Schaam, die Schäme; de


Äiwner, das Mittelstück der Wage an der Deichsel.

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74

lrong, angst; āngst, dasselbe; smuck, schmuck; trinn, rund; klōmm,
klamm; käim, zimperlich, spröde von Mädchen; shäier, spröde z.
B. vom Glase; slierig, kosig, schmeichlerisch; samper' zimper,
fein und zurückhaltend beim Zulangen; hāmper, hart in der Rede;
kier, kür; trāt, müde; äim, 1. wund, 2. weichlich; äimkräim, dän.
ömskindet, zu empfindlich an der Haut; tágt, dicht; krōnk, krank;
twárr, quer; wálsh, welsch, d. i. quersinnig; lájtt, klein; grof,
grob; dumm, dumm; lōmm, lahm; hālt, hinkend; rög, rauch,
wollharig; kahl, kahl; sātt, satt; njöl, schwerfällig; plump, plump;
föhl, 1.boshaft, 2. faul vom Fleische; lumsh, tückisch; lüss, los;
stiff, steif; pāll, fest an; stup, dicht an; fātt, fett; fāst,fest; mun-
ter, munter; wiecker, wacker; mäger, mager; süser, sicher; hād-
der, heiter; lácker, lecker; säig, zähe; nāgel, nackt; bār, bloss,
bar; mürrig, mürbe; äirig, arg; äujnnet, ungezogen; fàhs, unar-
tig von Kindern; hüss, heiser; äiwen, 1. eben, 2. leise; gróttem,
laut; künnig, kundig; lábben, lebhaft, lebendig; liderlick, lieder-
lich; lànig, biegsam; smiesig, geschmeidig; lustig, lustig; rigtig,
richtig; wigtig, wágtig, gewichtig; will, wild; meek, zahm; meek-
lick, gemächlich; nijdlick, eingeengt, kümmerlich; wádderlick, wi-
derlich; wánlick, freundlich; fründlich, freundschaftlich; aagtern,
nüchtern; ähsrig, nüchtern d. h. nicht betrunken; ágt, echt; slámm,
1. schlimm, 2. klug, gescheid t; snüss, nett, sauber, flink; snaud,
schnöde; flink; snall, 1. schnell, 2. pfiffig; shlunken, eingefallen,
vom Bauche; slōpp, schlaff, von einem Einlegemesser, wenn es
im Stifte wackelt; bull, stumpf an der Schneide; ewig, ewig; smeel,
schmal; snurrig, schnurrig; shnaask, schnakisch; snäwsk, rotzig,
von Pferden; náll, stössig von Rindern und Böcken; spōtsh, spöt-
tisch; trau, treu; klār, 1.klar, 2. fertig; fraam , fromm; mōtig,
geschäftig; däsig, albern; gróttsh, aufgeblasen; swàhsen, gesengt,
angebrannt; snàsig, schneidig, pfiffig; steil, steil; strōmm, straff;
tömm, zahm; háll, hell;hāll, gerne; string,1. stark, von Gewürzen
und geistigen Getränken, 2. strenge, von Menschen; stumm, stumm;
hijnn, schlecht, geringe; grimmig, grimmig, räirig, rührig; amen,
offen; shief, schief; ihrlich, ehrlich; fäir, stark; möglick, mög-
lich; wieh, übel zum Erbrechen; bäish, bitter schmeckend; duf,
taub; blinn, blind; rá, roh; rásh, rasch; rien, rein; glijnn, glü-


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75

hend; grêmet, schmutzig, russig; öwel, übel; náw, genau, knicke,
rig; blānk, blank; bátter, bitter; shárp, scharf; wälig, wählig,
stark; struff, straff; rienlick, reinlich; rádlick, redlich; saalig, se-
lig; sàlig, albern; sálten, selten; sidd, zu weit herabhangend, von
Kleidern; glübsh, reissend, grimmig; fālsh, falsch; slörrig,. fahr-
lässig; slānk, schlank; rānk, rank; dristig, dreist; swäjtt, süss;
fláw, flau; smágtig, schmächtig; Iágt, leicht; laai, faul, träge;
spie, zart, von neugebornen Kindern; ihnlick, einzeln; ihnsaam,
einsam; spārsaam, sünig, sparsam; fugtig, feucht; orkel, ungestüm
vom Wetter; slöng, schleunig; fier, 1.fern, 2. zurückhaltend, von
Frauenrimmern mit vornehm gezierten Geberden; stüjnsh, hoch-
müthig, höhnisch, von Frauenzimmern; kief, überdrüssig; stàsig,
stätig; swār, schwer; blācket, verschossen, von Farben; foss, bär-
beissig, kurz angebunden; fri, frei; nátt, nett; f!àrsh, 1. frisch,
ungesalzen, 2. süss, vom Wasser; rüff, verschwenderisch; trüff, bei
guter Gesundheit; tāhs, noch ziemlich gesund; glāi, glatt; jāmsh,
bezeichnet das Befinden nach durchschwärmten Nächten, katzen-
jämmerlich ; aardig , artig ; māl , toll ; lámplick , \ . erträglich schlecht ,
vom Befinden; 2. glimpflich; auwerlānsh, buchstäblich: oberlän-
disch , die Weise bezeichnend , wenn einer sich auf eine fremdar-
tige Manier hervorthun will; stump oder stumpet, zu kurz, be-
sonders von Kleidern; maai, erträglich, so ziemlich; rōset, faul,
verfault; wràwel,von Schafen, die in der Brunst sind, von Säuen:
wru von Stuten: wállig (willig), von Kühen: ägsen oder aagsen;
äselick, kläglich; witt, weiss; suhrt, schwarz; rüjdd, roth; göhl,
gelb; grün, grün; grá, grau; brünn, braun; braucket, bunt; spaa-
welt, gelb und weiss gesprenkelt; spōtet, scheckig; plācket, ge-
fleckt; shrock, sagt man von den Vögeln, wenn sie keine Eier
mehr legen können, und von Spielern, wenn sie kein Geld mehr in
der Tasche haben; geest, sieg, güst, gelt, ist eine Kuh, die keine
Milch mehr hat, mäilk, wenn sie Milch giebt; gäujd, gut; närig,
erwerbsam, besonders in kleinlichen Dingen, und in allen er-
werblichen Richtungen; hāppig, erpicht auf, versessen auf etwas,
besonders auf Erwerb und Gewinn; shluck, plötzlich verlegen
werden z. B., he würd so shluck; trāll, n. d. drall, fest ge-
dreht, von Zwirn u. dergl. 2. en trāll Fōmmen, n. d. en dralle


114

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Dêren, stätsh, stätig, stätisch, von Pferden, die nicht von der
Stelle wollend1.


Bildung des Hauptwortes aus dem Zeitworte.

§. 56. Von den bereits oben §. 30 angeführten einsilbigen
Hauptwörtern ohne bestimmte Endungen verdanken folgende ihre
Enstehung dem Zeitworte, als: dāt Bād, von bahsen; dāt Bünn,


-

1 Kier, kür, kürisch, ist hier ein reines, kein abgeleites Ad-

i.ectiv und wahrschemlich die Wurzel zu küren, die Kur, in
Kurfürst, Kurmark u. a. Meek ist mit tōmm sinnverwandt , be-
zeichnet aber einen höhern Grad der Zahmheit bei Hausthieren,
als tōmm. Mōtig, ist mit dem n. d. möten, dän. at möde, et Möde
(die Zusammenkunft) und dem deutschen »meuten" verwandt, und
wird so gebraucht: dāt sjógt me janner so mōtig ütt, es sieht mir
dort so bunt aus, wenn z. B. viel Menschen bei einem Unfall zu-
sammen gelaufen sind , he hêt ,t ālt so mōtig , er ist immer so
geschäftig, macht so viel Aufhebens von etwas, dāt sjógt noch
mōtig ütt. das sieht noch mühsam aus' die Sache steht noch im
weiten Felde. Fäir, dän, för (1. föhr) ist 1. stark von Körper-
bau, 2. von Sachen, dick und stark, z. B. von Balken, im Ge-
gensatz von klien, tênn und swāck, klein, dünn und schwach;
3. sagt man bei einem Gewitter: dāt ás fäir Wähser. Diesem nach
würde die Insel Föhr, die Grosse bedeuten, da sie im Nordfrie-
sischen Fäir heisst, wie sie denn auch wirklich die grösste unter
den dortigen Inseln ist. Grémet, dän. grimet, mit schwarzen Strei-
fen und Flecken im Gesicht, von Kesselruss u. dergl., aus dem
dänischen Grim, der Russ an Pfannen; en grêmet, eine weiss-
stirnige Kuh mit schwarzen Streifen. Das Wort: klien, dän. klein,
entspricht nur dem deutschen »klein" in der Redensart: kaurt an
klien mogen, kurz und klein machen, n. d. kort un kleen maa-
ken; sonst ist es: dünn und schwach, aber wieder in einge-
schränkter Bedeutung, indem es nur von runden und eckigen, in
die Länge gestreckten Körpern gebraucht wird. So sind z. B.
Beine, Arme, Finger, Zweige, Stäbe u. dergl. klien, wenn sie
dünn und schwach sind, dagegen sind Bretter, Platten u. dergl.,
die eine breitere Fläche haben, tēnn, dünn; flöhsig, n. flödig, leicht
und schwach, ist mit klien auch sinnverwandt; swār,Swārk,
schwer, die Schwere, und Wágt, Gewicht und Wucht, sind nicht
einsdeutig; deMêke, dän. Mag, ist die Gemächlichkeit. Die Adiec-
tive auf f lassen, bei der Vêrlängerung, diesen Laut in w über-
gehen, wie shief, de shiewe Stràg, der schiefe Strich; jö Blöged,
s. o., ist erst etwas Beschämendes, etwas, dessen man sich schä-
men muss, als: dāt as en Blöged, 2. die Blösse, die Schaam;
hêt ài so faale, dāt's har Blöged dirmá shöle kōn, sie hat nicht
so viel, dass sie ihre Blösse damit bedecken kann.


115

77

deBijnn, von binnen, binden; de Bielk, von bijlken; dāt Āhk, von
āgen, langsam fahren; jö Bágg von bággen, bauen; de Bàhs von
bitten, beissen; dāt f von düwwen, tunken; jö Dráft von driw-
wen, treiben; de Fāll,Fāll, von fāllen;Fauhr von fäiren,
führen; jö Fähr, von füren;Fäil von fäilen;Fltigt von
flieen;Frài von fràien;Gläjd, von glaaien, glühen, in ütt-
glaaien, ausglühen; jö Grd[;d(l von gràien, dicht wachsen; de Gripp,
de Grähp und de Gràwe von grippen, greifen; de Göth von gijtten,
giessen; de Göng von gungen, gehen; dāt Greef,Grauf von
grêwen, graben; de Gäihs von gäisen, düngen; jö Hattr von Aau-
ren; jö Háx von haxen;Hing von hingen, hangen und hängen;
Hijll von hêllen, halten, und hijllen wieder von jö Hijll, die
Heide; jö Jāgt von (jagen; dāt Jêft von jêwen, geben; de Kähr,
Kier von kieren, kehren; jö Kiek von kieken, gucken; de Klāng
von klingen; jö Kladd von klādden;Klāmm von klāmmen; de
Knähp von knippen, kneifen; jö Klátsch von klátschen, mit der
Peitsche knallen; de Kuiist vou toanen, können; de Kupp von
kuppen, kaufen; jöLāhs von lêsen, laden; jö Liê von lien,miethen,
din, at leie; de Ltipp von luppen;Lier von Vieren, lernen und
lehren; jö Māgt von mogen oder maagen; de Máck von macken,küs-
sen; de Maurd von maurden;Mäjtt von mäjtten , messen ; dāt Mäujtt
von mäjtten, begegnen; de Muck von mucken, mucksen; jö Plêg von
plêgen; de Puff von puffen;Präiw von präiwen, probi¹'en , prüfen;
Prung von prungen, tauschen; de Räjdd von räjdden, rathen,
orrathen; de Rāhw von riwwen, reissen; jö Räihs von räisen, reisen;
de Rinn von renen, regnen; de Ridd von ridden, reiten; jö Rüll
von rullen;Rāhg von ragen, n. d. raaken, dän. at rage; jö
Säjk von säikken, suchen; dāt Säjd von siên, säen; dāt Ságt von
säglen, zielen, 2. dāt Ságt vom Adj. sigt, seicht, die Seichte in
einem Acker, kleine Niederung; dāt Sill von sillen, fliessen, trei«
ben V. n.; jö Shäujn von shàien, geschehen; de Shär von shêren,
scheren, schneiden; de Shin von shênen, scheinen; de Shōt von
shijtten, schiessen, 1. mit dem Gewehre, 2. der Schössling z. B.
räier. Weide, einer Haselstaude; jö Shiehs von shiesen, scheiden;
dāt Shōm' von shaamen, schämen; jö Shöhl von shölen, sich ber-
gen vor Ungewitter, Schutz suchen, 2. furchtsam herumschlei-
chen, um nicht entdeckt zu werden; dāt Shōf von shōwwen, vor-


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78

schiehen; jö Shráft von shriwwen, schreihen; daShrài von
schreien; jö Shrāw von shrāwen, schaben, scharren; de Slāg von
sluhggen, schlagen; de Slieck von derselben Wurzel; jö Slájnk
von Bhlainken, schlucken, schlingen; jö Sling von slingen, schleu-
dern; dāt Toot von tijtten, laut schreien, tosen; de Thög voft
tiën, ziehen; jö Wāgt von wêgen, wiegen, wägen; jö Wāgt
von Waagen, wachen; jö Waal von wälen;Waag von waa-
gen, wagen; dāt Wäirk von wirken; de Winn von wàien, we-
faen; jö Well von wêlen, ausruhen, dän. at hvile; de Wrást von
wrihssen, dän. at vride; jö Wäig von wäigen, auf und nieder wip-
pen auf einem Brette, in einem Boote schaukeln; jö Stjäui von
stjäujen, in einer Schaukel; jö Währ von wêhren, 1. sich wehren,
2. abwehren, daher jö Währ 1. die Gegenwehr, 2. Kraft, Stärke;
de Wánsh von wánschen, wünschen; dāt Bätt, dāt Bitt von bitten, .
heissen; jö Blähs von bläsen, flammen, v. intr., dän. at blusse,
engl. to blaze, Subst. et Blus, a hlazing; dāt Bōr von baren; dāt
Brāk von brêgen, gebrechen; de Brägh, de Bräik, de Bröhk von
brêgen, brechen; jö Braahs von braasen, braten; de Brānd,
Brätln von brānnen, brennen; jö Daahs,Düjns von duhggen,
thun; de Dōns von dōnsen, tanzen; de Drōnk von drainken, trin-
ken; de Drück von drücken, drucken; de Druhm von driemenn,
träumen; jö Fārt von faren; de Fāngst von fāngen, fangen; de
Frōst von friesen, frieren; dat Fritt von frêsen, sich einfressen; jö
Gaahs von gijtten, giessen ; de Háw von háwwen, hauen ; de Wārk von
wārken, auch wārrigen, schmerzen; deKnall von knallen; de Krich
von kregen, kriegen; de Láck von lácken, lecken, leck sein; jö
Lien von lienen, n. d. lênen, leihen; dāt Pāck von pācken, 1. zu-
sammen packen, 2. sich packen; jö ifaiu und jö von rauen, ru-
hen; dātRiess von riesen dän. at reise sig, engl. to rise, to raise;
rudden, dāt Rudd, s. o.; dāt Shjàrd von shêren, scheren, schnei-
den; dāt Shōf s. 0. dāt Shüff, dāt Shuf von shöwwen, schieben;
de Wáink von wainken, winken; jö Waait von warnten, winken;
jö Spaait, de Spaait von spaaiten, spritzen; jö Slàhw von slàwen,
schleppen; de Snáhs von snêsen, schneiden; dāt Snōf von snüw-
WM, schnieben; dāt Spátt von spàhsen; de Spring von springen:
de Stähg von stêgen, stechen; dāt Stick; von stêgen, stecken; jö
Spānn von spannen, spannen; dāt Spài, auch Spàtling, von spàiên,


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speien; jö Stjürr von sfjürren, steuern; de Spārk von »pārken,
stossen mit den Füssen; jö Sjāll von själlen, gleichen; dāt Sjjōhn
vonsiën, sehen; dāt Sjōhnk von rnn, sehen; de Splàhs von split-
ten, spleissen; de Stāmp,Stāmp von stāmpen, stampfen; jö
Strādd von itrādden, grätschen, engl. to stride; de Stijtt von stijt-
ten, stossen; de Stridd von stridden, streiten; de Sláip von släh
pen, schlafen; jö Swiep von swiepen, dän. at svöbe, engl. to swaddle,
einwindeln; jö Ōnturd von ōnturden, antworten; jö Swār von swä-
ren, dän. at svàre; de Tijnst von tienen, dienen; de Trähs, de
Tràhs von trêsen;Trāw von trāwen, traben.; jö Twöng von twin-
gen 9 zwingen, dän. at tvinge; jö Winn von winnen, winden; jö
Drāgt von drêgen, tragen; de Stönk von stjónken, stinken; jö Sigt
von siën; dāt Tōch von tün; de Smàhs von smitten, schmeissen;
Āgt von ägten, achten; de Náck von nacken, nicken; dāt Spōt
von spōten, spotten; jö Pāgt von pāgten, pachten; de Wāgs von
wāgsen, wachsen; de Struhmm von strúmen, strömen; dāt Shōm
von shaamen, schämen; de Strágh von stricken, streichen; dāt Bōdd
von bijdden, bieten; de Knápp von knáppen, knipsen, schnellen,
also: der Knips, der Schneller; de Fünst von finnen, finden; de
Shridd von shridden, schreiten; dāt Smeel von smêlen, lächeln,
dän. et Smiil von at smile; dāt Spáll von spàlen, spielen; de
Spring von springen; de Ständ von stäujnnen, stehen; de Bjáws
von bjáwsen, bellen, dän. at bjäffe; dāt Lōf von lōwen, 1. loben,
2. versprechen (einem etwas) dän. at love; de Hähs von hähsen,
hassen; de Shráck von shracken, schrecken; dāt oder jö üdrw von
ārwen (ihrwen) erben; jö Bugt von bie-en, biegen; de Rêbb von
ribben, rülpsen, dän. at räbe; da Nócke pl., von nocken, dän. at
hikke, schlucksen, engl to hickup; dāt Kiff von kiunven, keifen;
de Kāmp von kêmpen, kämpfen; de Glàhs von glidden, gleiten;
Fäihs von fäjddên, dän. at föde, ernähren, engl. to feed, a
food; jo Häiw von häiwen, wähnen, vermuthen; jö Klōfl von klie-
wen, kliebên; jö Lhl von ihleti, eilen; dāt Shrubb von shrubben,
kratzen, die Krätze; de rigt von bähigen, bergen; jö Bäick
von bäicken, beuchen; de Stāp von stäpen, stapfen; de Hāck,
Hāck, von hācken, hacken; jö Läjtt von läjtten, lassen; de Bjàrst
von bjàrsten, bersten; jö Bräjdd von bräjdden, brüten, engl.


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60

10 brood und to breed; jö Löhr von iren, (lörren) lauern; de
Graup von grêwen, engl. groop¹.


§. 57. Folgende endigen sich aufe, als: de Luwe von liewen,
glauben; de Spräike von spregen, sprechen; dāt Ahse von ähsen,
essen; dāt Dráinke von drainken, trinken; de Spihsse von spihs-
sen, speisen; de Ihre von ihren , ehren; de Tjöge von tjögen,
zeugen, der Zeuge; de Tōgte von tānken, denken; de Fräthe
von frêsen, fressen; de Njütte von njüttên, nutzen; de Làne von
lànen, lehnen; de Sōpke, von süppen, nd. supen» saufen; de Gni«


1 Dāt Diü, ein gehauenes Loch im Eise (eine von selbst offen
gebliebene Stelle ist: jö Wánwaag, die Wuhnej; dātBatt, die Pfei-
fenspitze; de Bàhs, 1.der Biss, 2. die Schärre einer Schneide; jö
Daans, die That; jö Diijns, viel Wesens; de Drück, der Druck
eines Buches, drücken ist krögen;Grêft, ein Graben um den
Warf; dat Ládd, die Stürze, Topfdeckel, zum Pfeifenkopf: dāt
Hütt, sonst de Dáckel;Rau und jö sind völlig gleichbedeu-
tend; dāt Riess wird gewöhnlich nur von Hausthieren gebraucht,
die nicht mehr aufstehen können, als: jö as fön't Riess, die
Kuh ist von den Beinen; dāt Shuf, eine Gabengarbe. inken
und waaiten sind beide winken, sind aber nicht völlig gleichbe-
deutend. Waaiten kann nur mit der Hand und dem Arme, mit
dem Hute, einem Tuche und dergl. geschehen; inken dagegen
auch mit einem Finger, mit den Augen, und de Wáink kann
sogar durch Worte gegeben werden. Jö Waait, die Winke, ist
ein weisses Laken auf einer Stange an einem Ende des Hauses
aufgestellt, um damit die Arbeiter vom Felde nach Hause zu
winken, wenn die Hausfrau das Essen gekocht hat. De Snàhs,
ist 1.eine Schnitte Brot, 2. der Pfiff; daher snàhsig, pfiffig, schlau.
Dāt Stick ist der Griffel, Schieferstift ;.jö Spānn, die Spanne, dāt
Spānn, das Gespann. Jö Stjürr, hüjll Stjürr! halte Steuer, oder
steure der Unart, dän, hold Styr. Själlen ist mit licknen ver-
wandt, und wird so gebraucht: dāt sjāllet nint, oder dirr as nijn
Själl äujn, es gleicht ja nichts, ist kein Sinn darin. Dāt Swijtt
von swátten, schwitzen, wird auch vom Blute geschlachteter Thiere
gebraucht. Onturden und swären, so wie jö Ōnturd und dāt Swar,
sind sinnverwandt. De Trähs, der Tritt, dáTràhse, die Trethölzer
am Webstuhle u. s. w. De Stràhg, 1. der Strich, 2. der Streich;
de Glàhs: ás 't àw'e Glàhs, dän. nu er det paa Glid, nun ist es
auf der Gleite, nun geht's. Jö Klüft, etwas Drolliges, Possierli-
ches; de Bêrigt, die Ernte; jö Läjtt,släit so to Läjtt, sie ge-
behrdet sich so zum Scheine, dass es lassen soll, als ob u. s. w.
Bräjdd, 1.die Brut, als: en Bräjdd Sjöcklinge, eine Brut Küch-
lein, 1. engl. brood, 2. to breed, 2. die Braut, nd. Brut» dän.
Brud, engl. bride. Lören und lórren, so wie jö Löhr und jöLörr,
lauern, die Lauer, sind in der Bedeutung nicht verschieden.


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we von grippen, nd. griepen, greifen; de Bāre von bêren, altd.
bären, dän. at bäre, nd. bören, engl. to bear; de Boge von biën,
biegen; de Dümpede von dumpen, — ; de Frage von fragen; de
Plāge von plagen, — ; de Fräude von fräuen; de Rōwe von riwwen,
reissen, kratzen; de Pàhse von passen, pissen; de Graushe von
gràien, wachsen, dän. at groe, engl. to grow; de Klage von klagen;
de Pjàrse von pjàrsen, pressen; de Slàhse von slidden, schlittern,
glitschen; de Slörre von slörren, hinstehen lassen; de Smāge von
smagen, schmecken; de Swöme von swomen, schweimen; de Lauke
von lauken, lugen; de Gaave von gäwen, geben; dá Wäwle pl., von
wewen, weben; de Dōjnte von duhggen; de Räge von ragen, nd.
raaken, dän. at rage, engl. to rake; de Stippe von stippen, stüt-
zen ; de Krōmpe von krōmpen, krümpfen ; de Gāre von gāren,
gären; dê Knote von knêten; de Kempe von kêmpen, kämpfen; de
Shāse von shāsen, schaden; de Bêre von bêren, gebehrden, pl. dá
Bêre, die Gebehrden; de Stāpe von stāpen, stapfen; deJêwe von
jêwen, in Nàiihrsjewe, Neujahrsgabe; de Fāre von fāren, die Ge-
fahr; de Mäjttevon mäjtten, messen; de Liewde von liewen, lieben;
de Rêse von rêsen, Rede stehen; de Spijlle von spijllen, dän. at
spile, aufspeilern; de Tāge von têken, decken, ein Dach legen1.
§ 58. Nur wenige endigen sich auf en , ent und el, als : dāt Wäsen


1 Liewen ist sowohl glauben als lieben; das sinnvollste Wort in
der nordfriesischen Sprache, denn aus diesem Worte bildet sich
de Liewde und de Luwe, die Liebe und der Glaube, aus einer
Wurzel, im Friesischen als unzertrennliche Brüder, ins Deutsche
übersetzt als untrennbare Geschwister. Ich habe mich nicht ent-
halten können, diese Bemerkung zu machen. Im Friesischen sind
beide männlich , und also Brüder, im Deutschen männlich und weib-
lich, daher Geschwister. Liewen, glauben und lieben, ist im Frie-
sischen eins durch alle Zeitformen des Verbums. Gott gebe, dass
es auch durch alle Zeiten und bei allen Völkern bis in Ewigkeit
so ware, und Menschen thum und Christenthum nur Eins sein möch-
tênl — Dumpen, sich rücklings niederwerfen , daher de Dümpede.
De Slàhse, der Schlitten. De Slōrre, das Schlendern, die Fahr-
läsrigkeit. DeLaucke der Blick: he hêt an fälen Laucke , er hat ei-
nen bösen Blick, man sieht's ihm an, dass nichts Gutes in ihm
steckt. De Räge von rāgen, 1. zur Seite oder herunterschieben,
2. herumtappen, wie im Finstern, 3. rasiren , scheren, 4. faseln,
von Kranken, die irre sind. In der letzten Bedeutung sagt man
von irreredenden Kranken und Sterbenden: Dät as àwenRägemá


II

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82

von wesen, sein; jö Lägen von fjaagen, lügen; dāt Läwent von
làwen, leben; de Kraingel von klingen, die Kringel, Brätzel; de
Swáingel von swingen; dāt Kräwel von kráweln, kriechen; de Räkel
von rêken, recken; de Grüppel von grewen, graben; jö Häwel, der
Hobel, von häiven, heben; dāt Itāiel von rāiei», aneinander reihen,
daher de Rāiträjd, der Reidraht; dāt Spánnrāiel, Spinnenwebbe;
de Tögel von tün, ziehen; de Bögel von biën, biegen; jö Spindel
von spannen, spinnen; de Dackel von dacken , decken; jö psel
von kappen;Raingel von raingeln; de Wácksel von wackseln,
wechseln 1.


§. 59. Folgende endigen sich auf ing und ling, als: jö Hijlling
von hüjllen, halten, die Naehgeburt bei Thieren; dāt Wālling von
wāllen, aufwallen am Feuer, dän. Velling, dünne Grütze, Milch-
suppe; de Plāhsring von plāsern, plätschern; de Knöwringvonknö-
wern, knopern; de Wāllering von wāllern, wällern; dātTàling von
tälen, hillen, die Hille legen; de Ārwing von ārwen, erben; jö
Tiekning von tieknen, zeichnen; jö Liesing, wie in Wāhserliesing,
die Wasserlösung, Wasserleitung, von liesen, lösen; jö Shiesing von
shiesen, scheiden, wie in Lōnshiesing, Land- oder Feldscheide; jö
Gräwing von grewen, graben, ein grosser Wassergraben um den
Warf, »de Wäirew", und ein Bach im Risummoor, der in Lind-
holm jö Lōnshiesing genannt wird. Ferner: jö Büing von büen,
arbeiten, der Frühlingsfeldbau; jö Bähsring von bähsern, bessern;
Hijlling von hijllen, neigen ; jö Dieling von dieleti, theilen ; jö Têring,
Täring von ren, zehren ; jö Hieling von hielen, heilen ; jö Aaning von
aanen , ahnen ; jö Döhssing von döhssen , deuten; jö Annering von án-
nern, ändern; jö Näring von nêren, nähren; jö Rädning von radden,
retten; jö Ijnning von ijnnen, enden; jö Apdêging von apdêgen.


ham, er faselt schon ; ferner wenn ein Zustand oder die Lage eines
Menschen sich verschlimmert. De Stāp, ein langer Schritt, der
Stapf; de Stāpe, der Eindruck vom Fusse, die Stapfe. Knêten ist
einen Knolen schürzen; knêsen, kneten, den Teig bearbeiten. Jö
Mäjtt ' ist das Maass ' de Mäjtte , die Maasse, wie in : über die Maassen ,
mit Maassen; in der Redensart: to Mäjtte kámen, ist es: übel anlau-
fen , wenn man z. B. einen werthvollen Gegenstand beschädigt oder
zerbricht.


1 Die unter §. 46 angeführten Wörter auf else, als: Táchelse,
melse u. s. w. sind alle zeitwörtlicher Abstammung.


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83

entdecken; jö Regiering von regieren;Stiering von stieren, stö-
ren; jö Fortêlling von fortêllen, erzählen; jö Têlling von têllen,
zählen; jö Bdāling von betālen;Bestálling von bestállen, bestel-
len; jö Fwrstōpping von forstōppen, verstopfen; jö Forsägling von
forsägeln, versiegeln; jö Sijnning von sijnnen, senden; jö Wijn-
«tfig von wijnnen, wenden; jö Apfäiring von apfäiren, aufführen;
Beräiring von beräiren, berühren; jö Beshaaming von beshaa-
men, beschämen; jö Bemāring von beswāren , beantworten; jö
Rähkning von rägnen, rechnen; jö Lánnering von lannern, lindern;
Tieing von fte-en, ziehen; jö Sêtting von sêtten, setzen; jö Äujn-
wihssing von äüjnwihssen, anweisen; jö rdring von fordern (for-
digen); jö Stálling von stállen, stillen; dāt Stálling, das Gestell,
Gerüst; jö Gjàrsing von gjàrsen, gräsen und grasen; jö Beshriw-
wing von beshriwwen, beschreiben; jö Betiening von betienen, be-
dienen; dāt Späiling von späien, speien. So auch aus: formaanen,
ennalmen; förwunnern, verwundern; mienen, meinen; fäiren, füh-
ren; fêllen, füllen; kieren, kehren; spānnen, spannen; ōwen, üben;
wihssen, weisen; begêren, begehren; beshêren, bescheren; mal-
den, melden; lunen, lohnen; lönen, löhnen u. s. w. In einzelnen
Fällen, wenn die Stanunsilbe des Zeitwortes sich auf d oder t
endigt , wird der Endung ein n vorgeschoben , wie in Ráddning
von radden, Förwāltning, Foräujnstaltning , was aber selten vor-
kommt1.


§. 60. Folgende endigen sich auf er, als : de Driwwer von
driwwen, treiben. So auch aus: shriwwen, schreihen; rêgten, rieh-


' Bijllen, dän. at helde, im Oberdeutschen halden , sich nei-

£D, daher nun: jö Tánn läit aw'e Hijlling, die Tonne liegt anf
r Neige; das zweite hijllen, von jö Hijll, die Helde, Halte,
Fussfessel der Pferde, ist: den letztern dieselbe anlegen. Jö 2V-
ring wird auch für Auszehrung gebraucht. Jö N äring, 1. Nah-
rung überhaupt, i. guter Erwero, Verdienst u.s.w- Jö Bestálling
gilt sowohl für Bestêllung, als Bestalluug eines Beamten. Dat Stál-
ling von stállen, stellen, als dāt Swáckstálling , das ZweckgesteIl
einer Windmühle. Spàiling ist das Ausgespieene; dāt Späiling
von späilen, spühlen, ist das Spülicht, dän- Spöl (1. Spöhl), Bê.
shêren ist 1. bescheren, mittheilen, geben, 2. hescheeren mit dem
Scheermesser oder überhaupt beschneiden. Spānnen ist von span-
nen, spnnen, wohl zu unterscheiden, so wie jö Spānn, die Span-
ne, TOn dāt Spānn, das Gespann-


fi

122

84

ten; können, kennen; spàlen, spielen; sōmmeln, sammeln; lêsen,
lesen; prālen, prahlen ;jüdden, jäten: hieren, hören; stieren , stö-
ren;. lieren, 1. lehren, 2. lernen; fágten, fechten; drêgen, tragen;
dönsen, tanzen; dràien, drehen; röcken, rauchen; smöken, schmau-
chen; slāgten (slāgtigen) schlachten; süppen, saufen; drainken,
trinken ; ähsen , essen ; rádden, retten ; mingen , 1 . mengen , 2. zaudern;
njāsen, säumen, zaudern; tjāsen, schwatzen, waschen. Ferner: de
Tjáwler, der Zänker; de Krêger , der Krieger; de Bonner, der
Flucher; de Shijnner , der Schänder; de Tānker, der Denker;
de Māler, der Mahler; de Mäjtter , der Messer; de Släiper,
der Schläfer; de Brānner, der Brenner; de User, der Leser;
Lauwer , der Lader , von lauwen, Garben und Heu auf dem
Wagen zu einem Fuder bilden ; de Bágger , der Bauer Ton
Gebäuden (der Ackermann ist de Bürre); de Hōndler, der Händ-
ler; de Bedreger, der Betrieger; de Gnieser, der das Maul verzerrt;
de Springer; de Läker,der Lacher; de Hêlper, der Helfer; de Slip-
per, der Schleifer; de Stricker, in Lōnstricker, der Landstreicher;
de Driemer , der Träumer; de Fràier, der Freier; de Klāger, der
Kläger; de Brauer, der Brauer; de Stijtter, der Stösser; de Sieger,
der Seher; de S jünger, der Sänger; de Tiener, der Diener; de
gter, der Pächter; de Tjàrsher, der Drescher; de Māger, dêr
Macher; de Gijtter, der Giesser, u. s. w. Man kann in diesen Haupt-
wörtern eben so leicht das Zeitwort wieder erkennen, als das
Hauptwort aus den vorigen Zeitwörtern bilden.


§. 61. Folgende , derselben Wortbildung angehörig , sind in
Form und Bedeutung mehr oder weniger unregelmässig, als: de
Luper von lupen, reg. de Löper von lupen, laufen, das Sehnellkü-
gelchen, der Schüsser; de Sêtter von sêtten, setzen, 1.der Setzer,
2. eine flache Milchschüssel, nd. die Satte, Sette; de Lgógter von
ljógten, die Leuchte, dagegen ist der Leuchter: de Stäujnner von
stäujnneh, stehen, also wörtlich: der Steher; de Gljàrder von glid-
den, gleiten, der Brotschieber dex Bäcker; de Plumper und de
Pulsher von plumpen und pulshen, die Störstange; de Wihsser von
ivihssen, der Weiser überhaupt, wie in Wäiwihsser, Wegweiser,
2. der Zeiger an der Uhr; de Stönner, der Ständer, von stäujnnen;
de Twitter von twitten, schnitzen, der Schnitzer: en flinken Twitter.,
ein flinker, junger Bursche; de Bōger von bögen, klopfen, hläueln,


123

88

der Bläuel zum Bläueln der Wäsche; de Kluseböger, auch der
Klopfer oder Hammer an einer Thür; de Shêrer von sheren, schnei-
den, wie in Faashêrer, Vorschneider; de Shjàrder, der Schnitter,
aus derselben Wurzel; de Fäger von fägen, rasch von der Hand
arbeiten, dän. at fige mit der Arbeit eilen; fāgen ist fegen, daher
de Fāger , z.B. in Shōrstijnfāger , Schornsteinfeger; de Stōmper von
stāmpen, stampfen, der Ladestock; de Ridder von ridden, 1. der
Reiter, 2.der Ritter, 3. das Reitpferd; de Rötter oder Rütter, der
Reuter (Husar); de Ringster von ringen, läuten; de Rānster von ra-
nen, rennen; de Grewster von grewen, der das Grab gräbt ; de Wäwster
von wêwen weben; deHájnger, der Henker, von hingen; de Drōn-
ker, der Säufer, von dráinken, trinken; de Süpper von Süppen,
saufen, dasselbe; de Têller, der Zähler, von têllen, zählen; deNán-
ner, der Nenner; dāt Tānner, der Zunder, von tijnnen, zünden,
dän.Tönder, engl. tinder; de Kieker vonkieken, gucken, daher das
Fern- oder Sehrohr; de Jäger von jāgen; de Maurder, der Mörder, von
mjàrden, morden; de Shrubber, der Kratzbesen, von shrubben, krat-
zen; de Sluckervon slucken , und dieses wieder von sluck, niederge-
schlagen; de êrme Slucker, der arme Schlucker; de Slubber, ein
Scheltwort, von Slubb, dünner Strassenkoth , daher slubbern, wie
die Enten im Schlamme, von Menschen gebraucht für schlürfen
dán grotte Slubber! du grosser Kothhahn! oder so was; de Bácker,
der Bäcker, von bagen, backen 1


§. 62. Die Nachsilbe ài, deutsch ei, dän. und nd. ie, Sie hat
dieselbe Bedeutung wie im Deutschen und Dänischen , und ist
meistens sächlich; nur da, wo sie den Ort der Handlung oder


1 De Kiltring, dän. en Kjeltring, wollen einige von dem alten
Volke der Celten oder Kelten herleiten. Im Friesischen hat man
das Zeitwort kiltern, sich auf eine grobe Art mit einander herum-
zanken und dabei überhaupt eine gemeine Denkweise verrathen;
wie Hunde und Katzen mit einander leben. Solche Leute sind
im Nordfriesischen : Kiltringe. In der Schweiz heisst das sogenannte
Fenstern (im Friesischen: dāt Nāgtlupen) kiltern, und der Kilter
oder Fensterer geht auf den Kiltgang, auch Heimgärteln genannt.
Obgleich nun das Fenstern auch bei den Friesen Sitte ist, so hat
es doch mit dem Begriffe Kiltring nichts gemein, und ich muss
daher die wahre Abstammung des Wortes hier unentschieden las-
sen. Die Zigeuner in ihren Kneipen stellen ein wahres Bild vor
Kiltringen dar.


124

86

den Umfang der Ausübung eines Rechtes bezeichnet, steht das
weibliche Geschlecht, als: jö Lönshriwwerài , die Landschreiberei;
Brauerài, die Brauerei; jö Lönfaagedài , die Landvogtei ; jö
Sukkerkögerài die Zuckersiederei ; jö Práwstài, die Probstei; jö
Mālerài, die Malerkunst; jö Präjtài, die Predigt; jö Wäwerài, die
Weberei; jö Bauhdrückerài, die Buchdruckerei; j.ö Backerài, die
Bäckerei; jö Slaawerài als Aufenthaltsort, sonst dāt Slaawerài:
dāt Bedregerài, die Betriegerei; dāt Spōterài, die Spötterei; Tjaa.
9erài, Schwätzerei; Sliererài, Koserei; Smêrerài, Schmiererei; Se-
kerài, Näscherei; Raaserài, Raserei; Mingerài, Zauderei; Däsige-
i, Albernheit; Haxerài, Hexerei; Drillerài, Prellerei; Tjáwelàif
Zänkerei ; Ruwerài , Räuberei ; Thiewerài , Dieberei ; Driemerài ,
Träumerei, u. s. w. Die sächlichen Hauptwörter auf ài führen
meistens den Begriff der Geringfügigkeit , wenn nicht gar der Ver-
ächtlichkeit mit sich, was bei den weiblichen nicht der Fall ist.
§. 63. Aus dem Infinitiv jedes Zeitwortes kann man , wie im
Deutschen , durch Vorsetzung des Geschlechtswortes dāt, ein Haupt-
wort bilden, als: dāt Laken, das Lachen; dāt Dráinken, das Trin-
ken; dāt Släipen, Gōngen, Sjungen, Shriwwen, Lesen, Tiesen (aus-
einanderzupfen, dän. at täse); dāt Gniesen (Maulzerren); Driemen,
Träumen; Ringen, Läuten; Liereti, das Lehren und Lernen. Diess
gestattet der Infinitiv eines jeden Zeitwortes ohne Ausnahme.


Bildung des Hauptwortes aus Bestimmungswörtern.

§. 64. Auch aus dem Bestimmungsworte (Adjectiv) lassen sich
durch den blossen Vorsatz des sächlichen Geschlechtswortes Haupt-
wörter bilden , als : dāt Ujll an Nài , das Alte und Neue ; dāt
Witt an Suhrt , das Weisse und Schwarze ; dāt Wäjtt , das Nass ,
dagegen de Wājt , die Nässe , äujn e Wäjtte , im Nassen ; dāt Äien
as Mhsere as dāt Frāmd, das Eigne ist besser als das Fremde;
dāt Rógt , das Recht ; dāt Diep , die Tiefe ; dāt Gäujd , das Gut ,
u. s.w. Aus Fürwörtern und allgemeinen Zahlwörtern: dāt Min
an Din, das Mein und Dein; dāt Faale an dāt Läiet, das Viel
und Wenig; dāt Sin an Hárr, das Seine und das Ihre. Aus dem
bestimmten Zahl werte gehen die Namen der Zahlzeichen hervor,
als: jöIjn,Thug,Trie,Fjauer,Fiew,Sêgs,


125

87

Saawen,Aägt,Njōgen,Tien. — Andre Bildungen aus dem
Zahlworte sind : de Drilling , de Sêgsling , de Fierding , als Land-
und Tonnenmaass ; dāt Āgendijl, das Achtel, alsMaass; bei Bruch-
theilen setzt man Dijl, Theil, statt des Deutschen tel, als: ein
Trêdendijl, ein Drittel; en Fierdendijl, Füftendijl, Sêgstendijl,
u. 8. w- flier wäre es aber bequemer sich der deutschen Endung
tel zu bedienen und dāt Tredel, Fierdel, Füftel, Segstel, Saawen-


r

tel,.Aachtel, Njögentel, Tiendel zusagen. De Twánnling und de
Trannling , der Zwilling und der Drilling , entstehen aus den Zahl-
wörtern twánne und tránne, dän. tvende og trende, zwei unddrei.
Aus dem bestinunungswörtlichen Bezeichnungen der Him-
melsgegenden : āsten, wêsten, sühssen, naurden, entstehen erst-
lich die Hauptwörter : dāt Āsten , dāt Wêsten , dāt Sühssen , dfit
Naurden , als : dāt làit äujnt Āsten , Wêsten , u. s. w., es liegt
im Osten, Westen, u. s. w. Der Ost, West, Süd und Nord, sowie
dor Osten , Westen , Süden und Norden , heissen : de Āste , de
Wêste, de Sühsse, de Naurde. Anwendung: Dö shäht widdere tó't
Āsten, tó't Wêsten, Sühssen an Naurden, du sollst weiter nach
dem Osten, Westen u. s. w. Ick gung ám' e Āste, ám'e ete,
am'e Sühsse, ám'e Naurde , ich gehe gen Osten, Westen u. s. w. In
zusammengesetzten Ortsnamen endigen sich diese Wörter häufig
auf «r, als: Āster, Wêster, Sühsser, Naurder , wie Āster snotebüll,
Wêsterhäwer , Sühsserläigem , Naurderhōlt, wie im Deutschen:
Oster-, Wester-, Süder-, Norder-. Diess ist jedoch nicht immer
der Fall. — Die Adjective östlich, westlich, südlich, nördlich,
heissen: āstlick, wêstlick, sühsserlick und urdlick, aber auch
āsterlick, westerlick, sühsserlick, naurderlick d.i. ein wenig nach
Osten , Westen u. s. w. Süd ist im Altfriesischen Soss , wie noch
in: Sossrihssem, Südriesum, und Sosslonhalm, Südlindholm.


Das Geschlecht der Hauptwörter.

§. 65. Das Geschlecht der Hauptwörter bestellt in der Eigen-
thümliehkeit derselben, sich ausschliesslich mit einem der drei
Gesehlechtswörter (der), (die), dāt (das) zu verbinden; die
Mehrheit für alle Geschlechter ist (die). Hierüber lassen sich
Dur wenig bestimmte, meistens nur sehr allgemeine Regeln geben.


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Im Allgemeinen gilt, dass ein Hauptwort, welches einen Gegen-
9tand bezeichnet, der ein natürliches Geschlecht hat, sieli auch
in der Sprache nach diesem Geschlechte richtet, als: de Mōnn,
de Kräjdder, de Kāser [Kāsere), de Wjàrt, de Rōmm, de Butte,
de. Shriwwer, de Rógter, de Shjàrder u. s. w., der Mann, der
Hahn , der Kater , der Wirth , der Widder , der Stier , der Schreiber ,
der Richter, der Schnitter, u. s. w. Ebenso: jö Hänn, jö Gäus,
joWöff,Kö,Fōmmen, jöBräjdd, jöĀnert,Twêg u,s. w.,
die Henne, die Gans, das Weib, die Kuh, das Mädchen, die
Braut, die Ente, die Quäne oder Färse. Ausnahmen machen
hier: dāt Shäip, das Schaf; dāt Äjk, die Stutte; dāt Gêck; dāt
Mánsch, das Mensch; dāt Annerling , ein ein- bis zweijähriges
Mutterlamm , und dāt Äilaumm , ein Mutterlamm unter einem
Jahre.


Bei Thieren wird oft die Gattung und das Geschlecht zugleich
bald durch ein männliches, bald durch ein| weibliches Hauptwort
bezeichnet, als: de Hünn, de Háinst,Hānn,Gäus, jöĀnert,
Kātt, n. s. w. Die Mehrheit lautet: dá Hünne, Hájnste, Hānne,
Gäis, Ānerte und Kātte. Sie bezeichnen in der Einheit das männ-
liche oder weibliche Geschlecht und auch die Gattung, aber in
der Mehrheit nur diese allein. Beispiele : De Graaw hālt manning
Hünne, der Graf hält viele Hunde; he het aagtäin Hájnste aw'e
Ställ, er hat achtzehn Pferde auf dem Stall; dá Hānne sán āll
aw ,t Ráck , die Hühner sind schon auf der Latte ; mjarne shán 'e
Gäis slāgtigt worde , morgen sollen die Gänse geschlachtet werden ; di
Ānerte kaane jám sillew nêre, die Enten können sich selber nähren;
Kātte fange Müss, die Katzen fangen Mäuse. Bei andern wird
«die Gattung auch in der Einheit nur allein bezeichnet, wo man
dann» wie auch in den vorstehenden Fällen, für das Gesehlecht
besondere Namen hat. Reine Gattungsnamen sind z.B. dāt Swinn,
dāt Griss, dāt Shäip, dāt Fáll, dāt Bjárn, dāt Nüjtt, dāt Bäist,
dāt Ràhser, das Schwein, das Färkel, das Schaf, das Füllen, das
Kind, das Rind, das Vieh, das einjährige Kalb, und dāt Kulew, das
Kalb, so wie auch dāt Ree und dāt Hjōrt, das Reh und der Hirsch.
Wir wollen hier zuerst diejenigen anführen, welche den Gat-
tungsnamen mit einem der Geschlechtsnamen gemein haben, und
darnach diejenigen , welehe allein besondere Gattungsnamen und


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89

Geschlechtsnamen führen. Geschlechts- und Gattungsname zu-
gleieh, entweder männlich oder weiblich, sind: Jö Hānn, m. de
Kräjdder, der Hahn, der Kräher; jö Gäus, de Gōnner, engl. goo-
se, gander; jö uinert, m. de Urder , der Erpel, Enterich; dāt
Shäip,m.de Rōmm, der Widder (de Wähser oder Wähsere ist der
Hammel oder Schöps) ; jö Kātt , m. de Kähser oder Kahsere ;Döww ,
m. de Doffer, der Tauberich; de Hünn, w. jö Tàhw, die Tiffe,
Petze, u. s- w.


Gattungsnamen und Geschlechtsnamen mit verschiedenen Ge-
schleeht: dāt Swinn, de Ōrne,Söhg, Schwein, Eber und Sau;
dāt Nüjtt, dāt Bäist, de Bulle,', Rind, Stier und Kuh;
de Hájnst , de Wrijnshe , dāt Äik , Hengst und Stutte ; de
Mánshe , Mensch, de Mōnn,Wöff, Mann und Weib; de Kár-
men,Wüssed, Mannsperson und Frauenzimmer; dāt Bjárn,
Kind, de Dring ,Fōmmen, Knabe und Mädchen; de Jüngling
oder de Jüngmōnn , jö mfer , der Jüngling , die Jungfrau ;
Sösshene, die Geschwister, de Brauser,Süster, Bruder und
Schwester; dá Āllerne, die Eltern, de Fidder,Mudder, Vater
und Mutter; de Sàhn,Dōgter, die Kinder in Beziehung auf
die Eltern; dá Stjäpāllerne, die Stiefeltern, de Stjäpfidder,Stjäp-
nnuddêr; Stjäpbjarne, Stiefkinder, deStjäpsàhn jöStjäpdōgter; Hal-
lewsösshene, Halbgeschwister, de Hallewbrauser,Hallewsöster ;
FMōwede, die Verlobten, jö Bräjdd, de Brêdgōme, Braut und Bräu-
tigam; jö Wàhs, de Wádder oder Wadderne, Wittwe und Witt wer;
Ähl, die Grossmutter, dê Ātte, Altähte, Grossvater; de Ohm,
der Oheim; jö Máddêr, die Base, Muhme, Tante; Sösshentjàrne ,
Geschwisterkinder; Swiegerāllerne , de Swieger fidder,Swieger"
mudder, Schwiegereltern, Schwiegervater und Schwiegermutter;
de Swiegersàhn,Swiegerdōgter , Schwiegersohn und Schwieger-
doehter, und jö Snaar, die Schnur; de Swaager, der Schwager,
Swiegerinn, die Schwägerinn.


Anmerk. 1. Bei kleinen Vögeln kann man das Geschlecht durch

He und Jö bezeichnen, und sprechen : dāt ás en He untig en Jö,

das ist ein Er oder eine Sie; oder wie im Niederdeutschen durch

Hêken und Sêken, ein Erchen oder Siechen. Jö Sähg, die Ziege,

hat im männlichen Geschlechte de genbock.

Anmerk. 2. Der Widder ist offenbar genug das friesische de

n

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90

Wähser (Wähsere), das engl a wether, und das dän. en Väder, aber
immer in der Bedeutung zwischen Widder und Hammel wech-
selnd. Der Widder, dän. en Väder, ist das fries. Römm und das
engl. ram, in der Bedeutung; und das fries. Wähsere, so wie das
engl. wether, heissen im Deutschen Hammel oder Schöps, und im
Dänischen en Bêde. Aehnliche Verschiedendeutigkeiten findet
man häufig in den verwandten Sprachen bei Wörtern von gleicher
Urwurzel. — Ein verschnittener Stier ist im Fries. de SÜêr und
de Ōgse, wofür man in der Mehrheit auch das alte Colleetivum:
A'xne, dän. Öxen, Öxne gebraucht. Ein verschnittener Eber ist
de Gālt, dän. en Gált, der Borg. Dāt Fall, das Füllen; de Plāg-
ge, ein jähriges Füllen, und de Fōhle ein zweijähriges. Ein jun-
ges Gänschen ist jö Gähsling, nd. Gösling, dän. Gjäsling, engl.
gosling. Das Küchlein ist en Sjückling, dän. Kylling.


Anmerk. 5. Unter den Hauptwörtern mit nacktem Stamme
sind die meisten weiblich , die wenigsten sächlich und die Mittel-
zahl männlich. So finden wir unter der ersten Sammlung einsil.
biger Wörter §. 50 , gegen 324 weibliche , 288 männliche und 260
sächliche. Doch kommen auch in dieser Sammlung mehrere äb-
geleitete vor. Einige der Endungen jener Wörter gêhören zwar
vorzugsweise einem bestimmten Geschlechte an, aber wir finden
doch fast immer Ausnahmen, als: dāt Jjll, dāt Dijl, dāt Fijl, dāt
Gijl, aber jö Hijll; dāt Lick, dāt Rick, dāt Stick, aber de Dick
und jö Wick; auhs, weibl. als: jö Auhs,Dauhs,Prauhs,
Rauhs; ást, männl. als: de Frást, de Krást, de Rást, aber jö
Lást; aug, männl. als: de Kraug, de Plaug , de Shauch; eess, sächl. als:
dāt Bleess, dātLeess, dāt Reess, dāt Sweess, dāt Gleess, pl. Glähse;
āst, m., de Gäst, de Twäst; āll, w., de Sāll (Tanzball), de Fāll,
de Stm, aber jö Fāll, die Falle, jö Sāll,Sjāll,Tāll; äihs,
w., jö Slàihs, jöFäihs,Kläihs,Räihs, aber de Säihs; äujl,
sächl. als: dāt Bäujl, dāt Gäujl, dāt Shäujl, dātMäujl; äjd,w.,
Bräjdd,Gläjd,Mäjdd, aber wieder de Räjdd, de Träjdd,
und dāt Säjd; äujnn, w.' jö Bräujnn, jö Shäujn, njö Häujnn, jd
Päujnn,Mäujnn, aber wieder dāt Läujnn , dāt Säujnn, de
Sträujnn; up,m., deHupp, deKup, deLup, deStup, in Krüdstup,
und in Tjärestup, die Theermeste ; äns, s.,dātBäus, dātMäus, aber
TäusfGäus; ālt, s., dāt Mālt, dāt Sālt, de Gālt; ánn, s.,dāt


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Tánn, dāt Sánn, dāt Kánn , de Sánn ; inn , m., de Rinn, de Winn, Wind
und Wein, ,Rinn , die Rinde , dāt Linn, der Hosenbund , de Shinn ;
ágt, w., jö Bágt,jö Prágt,Wágt, dātSágt; auck, w., jö Krauck,
jö Rauck, dātSnauck, derKesselhaken; eel, w.,jö Teel,Meel,
Treel,Weel, dāt Tweel; ált,Mált, dāt Tált,jö Gewalt; ulig,
dāt Fulig, dāt Tulig, de Gulig; itt, dāt Bitt, dāt Kritt, dāt Fritt,
dāt Shitt; áll, dāt Fáll, Fell und Füllen, de Mall, de Knall,
deShall; öt, dātGrōt, dātTōt, jöRōt;āhk, dāt Āhk, dāt Brahk,
dāt Stahk, dāt Snahk; áck, dāt Ráck, dāt Páck, de Náck, der
Niek, daMáck, dāt Swáck, dāt Kráck; āgs,]ä Ägs, dāt Flägs, dāt
Wāgs; ass, dāt Āss, dāt Pāss; āhs, de Bāhs,Lāhs; iep,
Stiep,Kniep,Liep, de Piep; ōpp, de Tōpp, de Knōpp, de
Nōpp, der Zwack, jö Lōpp, de Krōpp; êck, dāt Fêck, dāt Gêck,
dāt Spêck, de Sêck; üjtt, dāt Büjtt, dāt Nüjtt, Slttij^,. Schöss,
dāt Rüjtt, deSlüjtt, deKlüjtt; àhs, de Glàhs, de Splàhs ,Nàhs ,
Wàhs; äujtt, de Fäujtt, de Kläujtt, auch jö Kläujtt,Läujtt,
Räujtt, dāt Säujtt; äujd,Fläüjd,Läujdd, de Häujdd, dāt
Mäujdd, dāt Gäujdd; urst,Burst, de Turst; auck, siehe oben:
dāt Bauck, dāt Dauck, dāt Snauck, de Dauck,Bauck; ump, ist
m., de Rump, de Klump, de Bump, de Slump, de Dump, aber jö
Pump; jàrt, de Stjàrt, de Wjàrt, de Fjàrt, Furz, aber dāt Hjàrt;
āth, jö Lath, dāt Krath; ārrew,Fārrew,Hārrew; ài,Bài,
Frài; dāt Blài, dāt Stài, dāt Strài, de Brài; óck, de Fock,
deRock, dātLock, dāt Stock; ōng, de Gōng, de Sōng,Swōng; ágg,
jö Bágg, jö Mágg; uss jö Lüss,Müss,Früss, de Müss, dāt
Hüss, dāt Grüss, dāt Krüss; ing, de Dring, de Ring,Kling,
Sting, jö Wing; ōf, dāt Dōf, dāt Snōf-, dāt Stōf, de Hōf, dāt Shōf;
ück, de Bück, dāt Lück, de Strück, de Pück, de Brück, jö Krück;
ümm, dāt Shümm, dāt Rümm; uhmm, de Buhmm, de Suhmm;
ünn, dātBünn, de Grünn, de Hünn, de Lünn, de Tünn, dātPünn,
Smünn; iss, dāt Iss, dāt Gris, de Priss; ijt, dāt Swijtt, de
Strijtt; jàrn, dāt Bjàrn, de Mjàrn,Sjàrn,Hjàrn, dāt Hjàrn,
Twjàrn, dāt Shjàrn; ágt,Bágt, de Knágt, dāt Ságt, s. oben;
eest, dāt Feest, dāt Neest, dāt Weest,Feest; aan, de Plaan,jö
Baan,Faan; ig, de Bäirig, dāt Airig, das Arge; t^, dāt Bier,
Kier,Lier, de Stier, dāt Thier; äjl, de Äjl, dātFäjll, dāt Mäjl,
Shäjll; ijtt, s. o.,Mijtt, dāt Swijtt, de Stijtt; ájtt, de Hájtt,


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92

de Bájtt, das Jucken; iek oder ieck,Blieck,Dieck, jöKieck,
Mieck, jöSieck, dáLieck; āmp, deDāmp, deStāmp,Stomp,
Lāmp, dāt Swämp; ie, de Die,Lie, dāt Pie; eef, dāt Greef,
dāt Heef, dāt Reef, dāt Steef; ōck,Döck, de Plōck, de Stōck,
dāt Blōck; ōst, de Fröst,ITōst, jöNōst, jöRöst; ānk, de Bānk,
Lānk,Plänk, dāt Plānk; de Türrew, dāt Shürrew; joFaurk,
Staurk; aar,Snaar,Baar,ITaar; deEnn,Fênn,
Pênn; ánn,Lánn,Hánn,Tánn, dāt ránn, de Sánn, dāt
Sánn, dāt Shánn, dāt Kánn; áink, de Blájnk, aber auch w. in
Hallewblájnk, de Lájnk,Kláink; ó,Bró,Ló,Ró;
dāt Brüjd,Nüjd; aum, dāt Graum, de ITatimm, de Krauimm;
iff, dāt Liff, dāt Kiff , dāt Kniff; êbb,Krêbb, de Rêbb, (lāt
Wêbb; á, jöLá, dātRá; ull, dāt Ull,Hull, dāt Smull,
NullJBull; önn, de Mōnn,ITōnn, jöPōnn, dāt Sōnn, altfries.
für Säujnn, Sand; inn, de Winn und jö Winn,Rinn, de Rinn,
dāt Swinn; ōrn,Pōrn, dāt Jōrn, dāt Shōrn; jàrd, dāt Jàrd,
dāt Bjàrd, dāt Swjàrd, dāt Shjàrd, de Wjàrd; àhs, de Tràhs, de
Splàhs,Smàhs,Wàhs; ung,Bung,Rung,Prung, de
Pung; êdd, dāt Bêdd, de Gêdd; áft,Dráft,Kráft,Shráftf
de Sáft, dāt Táft; ill, dāt ÄW, dāt Sill,Nill, de Sill; ār,
dāt Ār, dāt Pār,Snär,Swār, de Stār (im Auge); äik, dāt
ilik,Bäjk,Kräjk, dāt Täjk; aurn, de Taurn, dāt Kaurn,
de Haurn, dāt Haurn; ick, dāt Lick, dāt Stick, dāt Rick, de Dick,
Wick, u. s. w. Auch die verschiedenen Endungen des Haupt-
wertes, wie z.B. el, ling, er, ing, häid, ài, u. s. w. können fast
nie oder doch selten ausschliessend ein gewisses Geschlecht be-
stimmen. So heisst es: jö Sàgel, die Sichel, und de Prágel; de
Kägel, und jö Fägel, der Fehler; de Kinning, der König, jö Ujlling , die
Mulde , dāt Wanning , das Fenster , und so in vielen andern Fällen.
Anmerk. 4. Obgleich die meisten der hier zusammengestellten
Wörter schon §. 30. vorkommen, so bedürfen doch einzelne derselben
einer nähern Deutung , als: jö Auhs undjö Kräik, Haken und Oehren;
man sagt Kräike und Auhse, Häkchen und Oehren; jö Kläihs, die
Nägelkratze, das Kratzen mit den Nägeln beim Raufen; dāt Tweel,
der Sabber, der Quiel; de Gālt, der Borg, verschnittener Eber;
Weel, die Erholung; jö Stiep von stiepen , das Lichtziehen; de
Klüjtl, eine Klothe Torf; de Rump, 1.der Rumpf, 2, das Brust-


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tuch; dāt BUd, die Farbe, als stofflos gedacht, sonst Fārrew;
Sting, die Granne, wie ander Gerstenähre; jöDiek, das Grübchen;
Faan, die Fahne; jö Plānk, die Planke, dāt Plānk, ^ Kanne;
dāt Shürrew, die Räude, das deutsche Schurf; dātKánn, das Kinn;
de Kraumm, die Krampe; dāt Smull, der Staub vom Torf, Säge-
spane und dergl. ; de Gêdd, der Hecht.


Anmerk. 5. Unter den , von Zeitwörtern durch Abkürzung ge-
Uldeten, Hauptwörtern ist, wie im Deutschen, das männliche
Geschlecht vorherrschend, und im Dänischen das sächliche, als:
de Práck von pracken, stechen, tüpfeln; de Ràhw, der Riss; de
Stijtt, de Slieck, de Slāg, de Hâw, de Shähr, de Snàhs, de Spláhs,
de Glàhs, de Gōng , de tig , de Kläng, de Lupp, de Kupp, de
Grähp, de Gripp, de Bjáws, de Fāll, u. s. w. Doch finden sich
auch manche weibliche und sächliche darunter, wie: jö Bagg,
Faur,Fähr,Gräjd,w,Kieck, u. s. w.; ingleichen
dāt Āhk, dāt Bād, dātBrāk von bregen, mangeln; dätBünn, dāt
Dōf, dāt Jêft, dāt Säjd, dāt Shjárd, dāt Shüff, u.s.w.


§. 66. Männlich sind alle Hauptwörter auf er, welche männ-
liche Verrichtungen anzeigen, sie mögen von andern Substantiven
oder von Zeitwörtern abstammen, als: de Mêller , de Glaaser, de
Krauger, de Mödder, de Kütsher, de Driemer, Shriwwer, Hájn-
ger, Lêser, Driwwer, Shjárder, Tjàrsher, u. s. w. Ferner bestimmt
die Endung e das männliche Geschlecht , wohin auch die Endun-
gen ere, erne, ense und else, zu zählen sind, als: de Krōge, de
Māge, de Krāge, de Wähsere, de Unnerne, de Tachelse, de Fie-
rense, u.s.w. Eine Ausnahme davon machen: dāt oder jö Mōlke ,
die Milch; dá Aune, collect. die Buttermilch; dá Wäwle, der Web-
stuhl, aucheincollectivum; dáKnáplinge, coll. die Spitzen, Kanten;
Beere, coll. die Gebehrden; dá Āgne, coll. die Spreu; dá Gru-
kne, coll. die Graupen; dá Tràme, der Trumm. Ferner die § 46
angeführten sächlichen auf ehe, als: dá Hāckelse, dāt Röckelse,
Smökelse, Stárkelse, Spauckelse; so wie dāt Aehse, dāt Drajnke,
iāt Öhle und jö Dōjtte.


Die Endung er ist zwar allen Geschlechtern gemein , als:
deFidder,Mudder , dāt Jādder; de Twitter ,Dōgter, dāt
Wähser, u. s. w.; aber doch ist hier das männliche Geschlecht
weit überwiegend. Dasselbe gilt von der Endung el, wogegen


132

94

die Endung en so ziemlich gleichmässig durch alle Geschlechter
vertheilt ist, und dasselbe möchte wohl auch von der Nachsilbe
ling gelten. Bei der Endung em herrscht das männliche Geschlecht
vor, als: de Bausem, de Bäisem, de Haulem, de Stierem, de Swie-
rem, de Täirem, de Airem; aber jö Fäihsem,Blōssem,Gā-
sem, die Gäspe, und dāt Hukm, Langstroh; dāt Etlem, Tag und
Nacht, oder 24 Stunden, dän. et Etmaal, et Dögn (1. Döin oder
Däun), nd. Etmaal. Die Endung ew konunt gleichfalls in allen
Geschlechtern, aber nur in wenig Wörtern vor, wo das sächliche
Geschlecht überwiegt, als: de Wairew,Hārrew, dāt Kulew, dāt
Sulew, dāt Wierew, das Gewerbe , dāt Shürrew, dāt Fārrew.
Auch die Endsilbe ig geht durch alle Geschlechter, als: de Bäir
rig, de Bielig, de Gulig, de Hāllig: aber jö Fürrig,Spārrig,
jö Swāllig oder Swielig, und dāt Mārrig, dāt Fulig, dāt Tulig,
siehe §. 39-


§. 67. Männlich sind ferner die Namen der Tage. Tageazeiten,
Monate und Jahreszeiten, als: de Sànddäi, de Maundäi, de Täihs-
däi, de Wênsdäi, de Tōrsdäi, de Fràidäi, de SMnne; ferner: de
Januar , Februar, Márts , April, Māi, Jüni, Juli, August, Sep-
tember, October, November, Dezember; ingleichen: de Däi, der
Tag, de Mjàrn, der Morgen, de Enn, der Abend, de Máddäi,
Faarmaddäi, Eflermaddäi; ausgenommen: jö Nāgt,Mánāgt ,
(richtiger Mádtiāgt); die Jahreszeiten, als: de Uhrs, de Sámmer,
de Hárrewst (auch Hêrrewt,) de Wonter; die Feste, wenn sie in
der Einheit stehen, als: de Jüll, die Weihnachten, dePaashe, die
Ostern; dagegen dá ingsdege,Eêste, die Fasten, sind coll.
im pl-


. §. 68. Weiblich sind in der Regel diejenigen Hauptwörter,
welche das natürliche weibliche Geschlecht der Menschen und
Thiere bezeichnen, als: jö ff,Fōmmen,Kinninginn,
Kö,Söhg,jö Kātt,Tàhw,Hānn, Gäus, Ānert, Twêg,
u. s. w. Dāt Aik und dāt Shäip machen allein hiervon eine Aus-
nahme. Weihlich sind ferner die Namen der Bäume, wenn sie ohne
den Zusatz buhmm vorkommen, als: jö Hill,Bäjck,Ihk,
Birk,Fair,Aller,Lann,Iper, u. s. w. Die Sub-
stantive auf häid sind weiblich, als: jö Saalighäid, die Seligkeit,
kerhäid,Fālshhäid,Möhglickhäid, u. s. w. , werden aber


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95

auêh oft sächlich gebraucht und führen dann nicht selten einen
veriiehtlichoi Nebenhegriff mit sich, wie dāt Däsighäid, dāt Äujn-
nethäid, dāt Föhlhäid, u. s, w. Weiblich sind ferner alle Haupt-
wörter anf ffig oder ning, die unmittelbar oder geradezu aus
der Wandelform des Zeitwortes gebildet sind, als : jö A'nne-
rmg,Aaning,Rádning,Bähsering,Shiesing, Liering,
u. 8. w- Desgleiehen die auf ài ausgehenden , wenn sie Orts- -und
Geschäftsbezeichnungen sind, wie in: jö Lōnshriwwerài , Lōnfaa-
gedài, Práwstài, Slameräi, als Aufenthalt; jö Türkài,Negerài;
Brännerài,Suckerkōgerài , u. s. w. Auch die Endung ed ist
weiblich in jö Döged, Jöged, BKged, Hōged; aber de Faaged, dāt
Mārked.


Einzelne Wörter vom männlichen und sächlichen Geschlechte
stêhen auch für das weibliche zugleich, als: de Fāhser (Fāhsere)
Gevatter und Gevatterinn; de Wàne, Freund und Freundinn; dāt
Gêck, männlich und weiblich. Bei dem Worte Twánnling, Zwilling,
kann man sogar alle drei Geschlechter nach Belieben gebrauchen,
je nachdem man auf die natürlichen Geschlechter Rücksiêht
nimmt oder nicht, und de Twármling,Twánnling und dāt Twánth
Kng sagen, so wie ichalle drei Geschlechter bei dem Worte Pflug-
schaar im Deutschen gefunden habe, wo gar nicht einmal ein na-
türliches Geschlecht Statt finden kann. — Bei einigen von Zeit-
wörtern abgeleiteten Hauptwörtern, wo jene etwas Fehlerhaftes
anzeigen, und wo man das männliche Geschleeht regelmässig
durch die Nachsilbe er bildet, behält das weibliche bloss die Stannn-
silbe des Zeitwortes, was besonders bei folgenden und ihnen ähn-
lichen Wörtern der Fall ist, als: piesen oder piesern, gōsen, tjā-
sen, twitttwādden, fjāsen, Slāwen, u. s. w. , wo das männliche Ge-
Khlecht dePieser, de Gōser, de Tjāser, de Twittwādder, deNjāser,
de Stjäwer, und das weibliche jö Piehs,Gōhs,Tjāhs,
Twittwād,Njāhs und jö Stjāhw heisst. Piesern, gōsen, tjāsen,
und twitttwādden heissen rappeln, schwatzen, waschen, plappern,
álbern in den Tag hinein schwatzen; njāsen, säumen, zaudern,
stjäwen, mit langen Schritten albern einhertreten oder stolpern
bnd dabei mit Gleichgültigkeit oder Geringschätzung umhergaffen
und auf andre herabsehen. Auch muss das männliche Geschlecht
Biêht selten das weibliche vertreten, als: as en gauhsen Wäw-


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ster, Shjàrder, Shriwwer, u. s. w., indem hier die Endung iitti
nicht wie im Deutschen gebräuchlich ist, Die übrigen Einzeln-
heiten in Beziehung auf das weibliche. Geschlecht der Hauptwör-
ter sind in den vorhergehenden Wörtersammlungen und Zusam-
menstellungen von Wörtern durch das vorgesetzte Geschlechts-
wort angezeigt.


§. 69. Sächlich sind die Namen der Erdtheile, der Länder,
Städte, Fleeken, Dörfer, Districte, Landschaften und Inseln, der
Metalle, einzelner Buchstaben, der Himmelsgegenden, die Namen
verschiedener Zahlenbestimmungen, die als Maasse dienen, und
die aus andern Wörterklassen zu Substantiven erhobenen Wörter,
als: dāt tówāgsend Amerika, das anwachsende Amerika; dāt gäujl-
rick Australien, das goldreiche Australien; dāt üjll an groü Asien,
das alte und grosse Asien ; dāt ünraüig Europa , das unruhige
Europa; dāt hijt Africa, das heisse Africa. Der Länder: dāt
lájtt Dannemark; dāt grott Rusläujnn; dāt wánlick Italien, das
freundliche Italien , u. s. w.; aber jö Sweits. Der Städte: datsmuck
Kupenhāgen; dāt üjll Köln; dāt gróttartig Petersburg: dat lájtt
Arreskjöbing , u. s. w. So auch der Flecken und Dörfer und der Land-
Schaften: dāt gjàrsrick Ahserstälis, das grasreiche Eiderstedt; dāt
fātt Holläujnn, das fette Holland; dāt üjll Pollwäirem; dāt kaurn-
rick 0ngeln, das kornreiche Angeln. Der Weltgegenden: dāt jds-
ten, Wêsten, Sühssen und Naurden. Der Zahlenmaasse, als: dāt
Bunnert, dāt Dusend, dāt Tált, ein Tult, Zwölfter von Brettern,
dāt Sniess, das Stieg, dāt Shóck; aber jö Dauhsênn, das Dutzend,
und jö Trahw, die Stiege, 40 bis 60 Garben oder Bunde Lang-
stroh. Der Metalle, als: dāt Gäujll, dāt kver, dāt Kaawer, dāt
Blie,dät Tann, dāt Mêsing, dāt Tomback, dāt Metall, dāt Stäjll,
Eisen, dāt Staal, dāt Sink, u. s. w. Aus andern Wörterklassen,
als: dāt Ridden an Káiren, dāt Släipen an Waagen, dāt Büen an
Wêlen, u. s. w. ; dāt Üjll an Nài, dātFaale an dāt Làiet; dāt Min
an Din; dāt Trinnammeruken , das Rundumsprechen, Salbadern;
dāt Apijnuchspàlen, das gegen die Wand Spielen mit Schüssern;
dāt Dilling an Mjàrne, das Heute und Morgen; dāt Apándähl, das
Auf und nieder ; dāt ntanjurt, das Hin und her; dāt Tomäjtteka-
men , das Uebelanlaufen ; dāt Tofullekámen , das in Erfüllung Gehen ,
u. 8. w. So zieht der Nordfriese die Wörter zusammen, wie sie


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hier im Deutschen nachgebildet sind. Auch viele Verkleinerungs-
wörter auf en, ken, gen, jen sind sächlich, wie: dāt Häigen, das
Stuhlkissen , dāt üiiken, dāt Ālken, dāt Hühsken, dāt Kopken,
dāt Bōrtjen, sowiedieaufshápp, als: Lōnshapp, Mōnshapp , Frünn-
shapp u. s. w., und endlich die auf ài, wenn sie die blosse Handlung
oder das Thun anzeigen und dabei den Nebenbegriif des Kleinlichen
and Verächtlichen enthalten, als: dāt Njāserài, dāt Smêrerài, dāt
Tjäserài u. s. w. Mehrere Wörter auf ling sind sächlich , beson-
ders da, wo sie Uoss verkleinernd stehen, als: dāt Tjauling, der
Zwirnknaul, dät Ānnerling, dāt Twannling, dāt Sjöckling, dāt
Gähsling. Nimmt man aber Rücksicht auf das Geschlecht, so sagt
man auch jö Gähsling,Sjöckling, de und jö Twannling. End-
lich kann man noch die männlichen und weiblichen Hauptwör-
ter, welche wirkliche Dinge bezeichnen, durch den blossen Vor-
satz des Geschlechtswortes dāt alle zu Diminutiven machen, als:
dāt Wöff, dāt Hünn, dāt imt, dāt Dring, dāt Tünn, dāt Kaar,.
IL s. w- Dadurch drückt man aber immer Geringschätzung oder
Verachtung aus, wie in dāt Mansh, das Mensch, und dāt Mamhe,
das Henschlein, was bei andern Diminutiven nicht immer der Fall
ist, die auch als Zärtlichkeitsäusserungen dienen, als: Pāike, Fāike,
Bäue, Sösse, Dojtte. Auch de Hōjtte, Endscheihe des Brotes, de
Mäjnte, das Männchen, de Dōjnte, das Döhnchen, de Rōjnte, ab-
gestntztes Jäckchen, de Pöjnte, Würfelhölzchen, de Hōn'ke, der
Hahn an einer Tonne, de Sōpke, ein Schnäppschen , de Bājnte,
das Bündel, und dePrüjnte, eine Kaue oder Schrote Taback , sind
lauter Diminutiva , die alle nichts Verächtliches bezeichnen.


Die nordfriesischen Namen der Buchstaben sind der Reihe nach
igende, als: Aa-a, Be-b, Ce-e, De-d, E-e, Eff oder A'ff-f, Ge-g,
Haa-h, I-i, Jöt-j, Kaa-k, Ell oder All-l, Emm oderA'mm-m, Enn
óder A'nn-n, O-o, Pe-p, Ku-q, Err oder A'rr-r, Ess oder A'ss-s,
Esszett oder A'sszátt-sz , ss, Esscehaa-sch,Esstêoder A'sste-st, U-u,
Fau-v, We-w, Iks-x , Ipsilon-ij, Zett oder Zátt-z, Essess oder A'ssass-ss,
Effeff oder A'ffàif-ff. — Von diesen sind die Vocale , so wie dieje-
nigen Consonanten, welche den Vocal in ihrem Namen nach sich
haben, weiblich, diejenigen, welche den Vocal zum Anlaut haben
aber mchlich, daher: jö a, b, e, d, e, g, h, i, k, o, p, q, t, u,
V, w, aber: dāt f, i, m, n, r, s, auch: dāt j, x, z. Soll ein Ge-


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schlecht für alle gelten, so muss es das sächliche sein, indem
das weibliche nur da gelten kann, wo der Name einen Vocal
zum Auslaut, aber nicht, wo er ihn zum Anlaut mit demConso-
nanten zum Endlaut hat. Es würde anstössig sein, wenn man
z. B. jö A'mm,A'rr u. s. w. sagte, und dāt a, b, u. s. w. sind
dann Diminutive.


Auch die meisten Stoff- und Mengenamen , letztere , wenn
sie nicht ausschliesslich allein im Pluralis gebraucht werden,
sind sächlich, wie die oben (S. 96) angeführten Namen der
Metalle u. a. als: dāt Brüjd, dāt Jàrd, dāt Ull, dāt Lijm,
dāt Limm, dāt Wāgs, dāt Páck, dāt Kritt, dāt Iss, dāt Dauk,
dāt Lànert, dāt Glees, dāt Haurn, dāt Bláck (Blech), dāt Blāk
(Dinte), dāt Flāsh, dāt Spêck, dāt Hjàrt (Harz), dāt Katun, dāt
Sāmmet, dāt Māhl, dāt Lähser, dāt Pappier, dāt Baai (Boi), dāt
Allöhn, dāt Sucker, dāt Slubb, dāt Mjógs, dāt Shjàrn, dāt Maur
(Moor), dāt Slōmm, dāt Glaumm (der Glumm, das Trübe im Was-
ser), dāt Snote (Rotz), dāt Spütt, dāt Swijt, dāt Bläujdd, dāt
Wahser, dāt Ohle, dāt Fōdder, dāt Strài, dāt Täjk (Tang), dāt
Terrig (Torferde auf dem Schlick), dāt Sihssen, dāt Spánnrāiel, dāt
Häier, dāt Mäus (Muss z. B. von Pflaumen), dāt Sālt, dāt Fārrew,
dāt Smähr, dāt Siep, dāt Tulig, dāt Neet (der Harn, altd. der
Netz), dāt Sōss (die Suppe), dāt Ijd (Torf), dāt Kjàrl, dāt Wāl-
ling, dāt Späiling, dāt Sulew, dāt Söwwel, dāt Moos, dāt Shitt,
dāt Säujnn, dāt Grüss, dāt Hānep, dāt Sànep, dāt Säjd, dāt
Träjd (Zwirn), dāt Bijnn (das Band), dāt Tjög (der Zeug), dāt
Saaken (coll. die Sachen, das Vieh), auch Tjög, dāt Tweel (Quiel),
dāt Äjth (Essig) , dāt Aehl (Addel) , dāt Mudder (der Moder, Schlamm) ,
dāt Jeest (der Gäscht), dāt Shümm, dāt Swāmp, dāt Tānner (Zun-
der), dāt Twürt (Lichtdocht), dāt Sierp, dāt Mārrig, dāt Hön-
ning, dāt Mäüjl (Millerde), dāt Smull, s. o., dāt Swaawel, dāt
Rōtekrüdd (Arsenik) , dāt Wāi (die Molken) , dāt Shámmel , dāt Kaurn ,
dāt Grōt, dāt Tált, dāt Sniehs, dāt Fauilk (Volk, Leute), dāt
Gjàrs, dāt Üntjög, dāt Pàwer (Pfeffer), dāt Shürrew, dāt Graumm
(Eingeweide), dāt Aimmere (die Emmern, Glühasche), dāt Shrubb
(die Krätze) , dāt Luf (Laub) , dāt Tammer (Bauholz) , dāt Ünkrüdd.
• §. 70. Mehrere Wörter von gleichem Geschlechte haben oft
mehrfache und dabei ganz von einander abweichende Bedeutun-


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gen. Davon hier nur folgende, als: dāt Ass, 1.das Daus, 2.Name
des Buchstabens S; dāt Baurd, 1- das Brett, 2. die Borte, der
Riegel, in Hillebaurd;Bäik, 1. die Buche, 2. die Beuche,
aueb de Bäjcke; de Brānd, der Brand, in allen Bedeutungen des
deutschen Wortes; jö Bró, 1. die Brücke, 2.jö Stijnbró, das Stein-
pflaster; dāt Dijl, 1. das Ding, 2. Dingelchen, 3. der uiid das
Theil; jö Dráft, 1. der Triebê 2. die Auffahrt nach dem Hause, wo
das Vieh getrieben wird, 5. die Trift, als: enDráftSwinn, 4. Kraft,
Nachdruck, Wucht; jö Druhg, 1. die Traube, 2. die blecherne
Milchseihe; de Fäujtt, 1. der Fuss, 2'. der Schuh oderFuss, als
Maass; jö Fāhrt, 1.die Fahrt, Schnelligkeit, 2. die Fahrt zur See
auf einen Ort; jö Flugt, 1. der Flug, 2. die Flucht; dāt Gäujd,
1- das Gut, als Landgut, 2. das Gut, der Schatz, z. B. Sünnhäid
asengrótt Gäujd, Gesundheit ist ein grosses Gut; löHäujnn, 1. die
Hand , 2. Handschrift , 3. eigenhändiger , schriftlicher Beweis, Schein ;
Jāgt , 1 . die Jagd , 2. die Jacht ; jö Kárst , 1 . die Kiste , 2. der Sarg ;
de Klōmp, 1, die Klampe, 2. grosse, länglich viereckige Schober
Heu oder Getreide beim Hause; jö Kōst, 1. die Kost, 2. Hochzeit;
dāt Krüss, 1, der Krug, z. B. Bierkrug j 2. das Kreuz in allen
Bedeutungen; jö Lier, 1. die Lehre, Lehrzeit, 2. gute Kenntnis-
se; dāt Neet, 1. das Netz, 2. der gesammelte Harn; jö Nàhs,
L die Nuss, 2. die Niss, Läuseei; dāt Säjd, 1. der Same, 2. die
Rapsaat; jö Shähl, 1. die Schale als Gefäss, 2. der Unterschied
beim Fordern und Bieten; jö Shàhl, 1. die Schale, z. B; von Ae-
pfeln , Nüssen und Hülsenfrüchten ; bei Schotengewächsen das dün-
ne Oberhäutchen: jö Pàhl; dāt Spátt, 1. ein Spatenvoll, die Tiefe
des Spatenblattes , 2. der Spiess, 3. der Spáth der Pferde; jö
Trāw, 1. der Trab, 2. eine Stiege Garben oder Langstrohbunde,
40 bis 60; de Wjàrt, 1. der Wirth, 2. der Werth; de Wjàrd, die
Wahrheit; dāt Uhr, 1. das Ohr, 2. die Taschenuhr, auch jö;
dāt Ahk, 1. das Scheuernthor, 2. die schräge Auffahrt an
einem Deiche; dāt Brāk, 1. der Mangel, 2. die Noth, als:
ist hit nijn Brak, hat keine Noth, nichts zu bedeuten; de Frām-
de, 1. die Fremde, als Gegensatz der Heimath, de Hühs; de
Krage, 1. die Krähe, 2. der Kragen; de Paurte, 1. die Pforte, das
Thor, 2. der Kerker, 3. der Stachel der Bienen, Wespen u. s. w.;
dāt Sihssen, 1. die Seide, 2. das Zischen; jö Hüjlling, Hylling,


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von hüjllen, halten, die Nachgeburt einer Kuh; jö Hijlling fon
hijllen, neigen, dän. at hälde, die Neige, als: jö Tann làit àw'e
Hijlling, die Tonne liegt auf der Neige; dá Fäjttlinge, die Füss-
linge an Strümpfen und Stiefeln; 2. das Fussende des Bettes, als
-Gegensatz der Häupten, de Haadlinge; de Drōnk, 1. ein Trunk,
2. ein Trank, 3. der Trunk; als Laster; dāt Lüjdd, 1.dasLoth, als
Metall, 2. als Gewiehtmaass, 3. das Gewicht an einer Uhr; de
Tōme, 1. der Daumen, 2. das Zoll; de Shōt, 1. der Schuss, 8.
der Schoss, Schössling; dá Fêste, 1. die Fäuste, 2. die Fasten; de
Kólh, 1. die Kälte, 2. das Fieber; dāt Ságt, 1. von seegt, seicht,
die Seichte in einem Acker; SL von Ságten, zielen, das Zielkorn
auf der Flinte (das Ziel ist aber dāt Muhl), 3. die Richtung nach
dem Ziele; jö Fähr, 1. die Fähre, 2. die Schaar, 3. jeder auf-
fallende Anzug, Aufzug, und dergl., z.B. ein altmodisches Kleid,
eine auffallende Kopfbedeckung; dfit Tōch, 1. der Zug» als Lich'
ch; 2. das Mal in ein Mal, zwei Mal a. s. w.; jö Sling, 1. Schleu-
der, 2. eine Schlucht im Wagengeleise an der einen Seite; jö
Klāmm, 1. die Klemme» zum Festhalten, Klammer, 3. Klemme»
Verlegenheit, Noth; dāt Sjöhn , 1. das Gesicht,, als Sehver-
mögen, 2. Erscheinung. 3. Anblick, Wahrnehmung; jö Drāgt,
1. die Kleidertracht, 2. das Schulterjoch zum Tragen der Eimer
u. s. w., 3. was man aufs Mal trägt. z. B. eine Tracht Holz,
Prügel u. s.w., 4. die Wage an der Deichsel; de Slieck, 1. dor
Schlag, Hieb, 2. der Schlag, als Art, Gattung; de Slāg, 1- der
Schlag , als Krankheit , Lähmung u. s. w. , 2. Schlag , . Art ,
Gattung, Raee; jöBugt, 1- die Bucht, Krümme, 2- die Oberhand,
der Obsieg; dāt Tált, 1- das Zelt, 2. der Zwölfter Bretter; de
Glöme, 1. Gluth, 2. brennende Hitze in den Backen; de Bānk,
die Bank, in allen Bedeutungendes deutschen Wêrtes; dfift Bêdd,
1. Bett, 2. Gartenbeet; dāt Bleess' das Blatt; dê Bláss, der Bläss,
an der Stirne der Pferde; dāt Fáll, 1. das Füllen, 2. das Fell;
Tánn, die Tonne; de Winn, 1. der Wein, 2. der Wind; de
Klump, 1. der Kloss, 2. der Klumpen; de Priss, 1. Preis der
Waaren, 2. Lob, Ruhm; jö Shäjl, die Schuld« Ursache; jö Sküll,
die Schuld, die man zu bezahlen hat; jö Lānk, 1. die Kette, 2.
die Kettel; jö Wágt, 1. die Wáge zum Wägen, 2. das Gewicht,
(üe Schwere.


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§. 71. Andere sind verschiedenen Geschlechts und demnach von
versehiedener Bedeutung, als: dāt Bijn, das Bein, dāt Bijnn, das
Band als Stoff- oder Mengename; de Bijnn,. däs Band, ein ein-
zelnes, wie Hohsbijnn, Strumpfband, 2. der Band eines Buches;
Birk, die Birke, dāt Birk, Birkdistrickt, Bezirk; jö Bjàrst,
die Borste, de Bjàrst, der Berst, Riss; dāt Dauk, das Tuch als
Stoffname, de Dauk, gestaltetes Tuch als Gattungsname, wie Naas-
dauk, Shrockenaasdauk , Taschennasentuch u. s. w.; dāt Eesh,
die Asche, jö Eesh, die Esche, de Eesh, die Schachtel; de Fāll,
der Fall, jö Fāll, die Falle; de Gāst, der Gast, jö Gāst, die
Geest, als Gegensatz der Marsch; jö Häi, das Erinnerungsvermö-
gen, dāt Häi, die Lust, das Behagen an etwas, als: dāt kámt
me äujn Häi, es fällt mir ein, kommt mir in den Sinn, Ick häw'r
nijn Häi äit, ich habe keine Lust dazu; de Haurn, das Horn als
' Gattungsname, dāt Haurn, als Stoffname; jö Hjàrn, die Ecke,
2. der Winkel, wie Kāchelauwenshjàrn, der Ofenwinkel, sonst
de Wáinkel, dāt Hjàrn, 1. wollenes Garn, 2. der Geier, wie in
Hānnehjàrn, der Hühnergeier, Gōsehjàrn, der Gänseaar; Keel,
Name der Stadt Kiel, de Keel, der Schiffskiel; de Klādd, der
Kleks (Flecken), jö Klādd, die Kladde; de Kjàrl, der Kerl, jä
Kjàrl, der Kern, dāt Kjàrl, der Quark beim Käsemachen; de
Kreefte, der Krebs, als Krankheit, dá Kreefte pl. von jö Kráft;
Läujdd, das Rammeln der Hunde und Katzen, dāt Läujdd, der
Laich, von Fischen und Fröschen; de Wäjl, der Weiher, die
Wehle, dāt Wäjl, das Wohl; de Mjógs, der Mist, dāt Mjógs, der
Schmutz, Unrath; de Müss, der Mund, jö Müss, die Maus; dāt
Mārk, das Merkzeichen, jö Mārk, die Mark, 16 f; dāt Māsh, der
Maisch jö Māsh, 1. die Made, 2. die Masche beim Stricken; jö
Päujnn, die Verpfändung, dāt Päujnn, Pfandgut; de Räjdd, der
Rath,Räjdd, inWōnrájdd (Wahnrath), verkehrte Anschläge; jö
Rást, der Bratrost, de Rást, der Rest, 2. Nichts, als: shäht en
Rast hewe , du sollst nichts haben , 3. die Rast ; de Rinn , der Regen ,
jöRinn, die Rinde; de Rógt, das Gericht Essen, dāt Rógt, das Recht;
de Saal, der Saal, jö Saal, die Sohle; jö Sähw , das Mark aus
eiaer Lampenbinse, um es als Docht zu gebrauchen, dāt Sähw,
das Sieb; de Sánn, die Sonne, dāt Sánn, der Sinn, das Gemüth,
Sann , der Sinn ' als Organ ; de Sàhn , der Sohn ,Sàhn , die


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Sehne I . Flechse ; de SM, der Kessel, dāt Sill, das Siel, Wasser-
rinne; de Shātt, der Schatz, jö Shātt, die Schatzung, Abgabe;
de Sláink, der Schluck, jö Sláink, der Schlund; de Smàhs, der
Wurf, jö Smàhs, die Schmiede; de Spōt, der Fleck, dāt Spōt,
der Spott; de Spaait , der Spritz, Spritzstrahl, jö Spaait, die
Spritze; de Stāmp, der Stampf mit dem Fusse, jö Stāmp, 1. die
Stampfe , 2. der Stempel; deStrādd, ein weiter Schritt, jöStrādd,
die Grätsche, so weit man die Schenkel aus einander spreizen
kann; jö Spōr, der Sporn, dāt Spōr, die Spur; jö Spānn, die
Spanne, dāt Spānn, das Gespann; jö Stähs, die Stadt, dāt Stähs,
die Statt, die Stelle, der Ort; jö Tann, die Tanne, dāt Tam,
das Zinn; de Tung, die Zunge, jö Tüng, die Zange; de Trājd,
ein einzelner Faden, dāt Träjd, der Zwirn; jö Tur, die Thräne,
dāt Tur, ein weinig, ein Tropfen (jenes ist dän. en Taare, dieses
en Taar); dāt Twjárn, der Zwirn, jö Twjárn, die Quern, 1. eine
Handmühle, 2. der Mahlgang in einer Mühle; de Waait, der Wink,
Waait, die Winke; de Winn, 1. der Wind, 2. der Wein,
Winn, die Winde; de Hägel, 1. der Hagel, 2. die Ferse, 3. der
Absatz am Schuh, jö Hägel, die Hechel; de Kräwel, jö Kräwel,
dāt Kräwel s.o.; de Wähser, der Hammel y dāt Wähser, das Wet-
ter; jö Räigel, die Regel, dāt Räigel, die Ordnung; de Hāck, der
Hack, z. B. mit dem Schnabel, jö Hāck, die Hacke; dāt Bjàrn,
das Kind, de Bjàrn, der Born, veraltet, aber noch in bjárnen
(börnen), das Vieh tränken, jö Bjárneköhl, die Tränke, de Bjár.
netrōg, Tränktrog, u. s. w.


§. 72. Die Eigennamen der Menschen, welche die Friesen
oft bis zur Unkenntlichkeit verstümmeln , richten sich nach dem
natürlichen Geschlecht. Hier einige derselben zur Probe: a. mann-
liche, wo der deutsche Namen voransteht , als: Albert, Albrecht,
Ālbert; Andreas, Andräis, dim. Däisse; Bahne, Baane, Bōne;
Bende, Bênne; Bruder, Broder, und Brōrke; Detlef, Däjtlew,
Dietlew; Düe, Dü-e; Danklef, Tungle; Edlef, Illwe; Ebe, Äibe;
Fedder, Fädder; Nicolas, Klaai; Sibbern, Sibberne; Sönke, Sán.
ke; Christian, Kristjen, dim. Tisse, Kicke; Jens, Jáns; Martin,
Màrten; Jakob, Jaakeb, Jāpe; Boie, Bōie ; Karsten, diminutiv
Käcke; aus Niss wird Niss, Nië, Nickels, Nàgels und Nashe;
Nane, Naane; Pai, Paaie; Peter, Päjter; Hemme, Häme; Laf-


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renz, Làunram: Harke, Hārke; Lütje, Lüjtte, Läujtte; Jess,
Jödie; Ricklef; Ketel, Kille; Lauritz, Láwers; Numde; Mumme;
Siewert ; Urban , Urbaan ; Jürgen , Jurn ; Michel , Michel und Megaal ;
Heine, Hājnne; Bendix, Bándix; Samuel, Saamel, u. s. w. —


. . mm ^m

b.weibliche,als: Annchen, Ajnte; Abel, AabelundAwel; Agatha,
Aajt; Botel, Bōjlt; Dorothea, Dōrtig, Dortjen; Nijlk; Else, Illsh;
Katharine, Getreen; Christina, Gesteen, Stine; Helena, Lêne, Lên-
ken, Lin'k; Sieke, (die kleine Sie); Caecilie, Sille;Māmk; Am-
mer; Sossel; Mathilde, Mát; Non'k; Katharine, Trin'k; Elise,
Lieke; Agniete, Angnäjt, Netjen; Beata, Beaajt; Herle, Hêlk,
Hjàrlig; Engel, A'jngel;Gesina, Geesh; Susanna, Süsh; Laurette,
Láwräjt; Magdalena, Maläin; Margaretha, Megräjt; Maria, Merie,
Merike, Mieken, Mië; Ān'k; Pop; Kie; Bertha, Birte; Hedwig,
Hêtjen ; Mājnt , u. s. w. ¹.


Die meisten nordfriesischen Ortsnamen endigen sich auf um und
büll, demnächst auf stähs und törp (Dorf), rup, trup, strup, tórp,
undholm; andere Endungen , als halm undlünn, kommen seltener
vor, und kög (de Kug) bei allen Kögen mit den dazu gehörigen
Vornamen. Die Endungen um und büll (bäujl) sind bei weitem
überwiegend , sowohl in den Ortsnamen des untergegangenen Nord-
frieslands, als in dem noch vorhandenen Reste desselben, wel-
eher, einer Prophezeihung der nordfriesischen Sibylle Hertje zu-
folge, im Laufe der Zeiten, demselben Schicksal anheimfallen
wird. Auf Helgoland , das im Jahre 800 noch über 40 Ortschaf-
ten zählte, waren damals folgende auf um, als: Baddum, Haijen-
sum, Dunum, Gunderum, Sellum und Siekum. Anno 1240 hatte
Rungeholt noch 12 Kirchspiele und Süderstrand folgende auf


1) Unter den obenstehenden Eigennamen kommen viele Verkleine-
runger vor , welche Mütter und Kindermädchen den kleinen Kin-
dern geben , die sie dann als Erwachsene oft noch beibehalten.
Dahin gehören z. B. Däisse, Tisse, Kicke, Käcke, Klaai, Baai (für
Ingeburg), Aait, Boilt, Tine, Tijtte, Mië, Tienken, Miëtijnken
(Maria Catharina) und ähnliche, die alle keine Taufnamen, son-
dern willkührliche Verstümmelungen derselben sind. Bei denje-
nigen , die sich auf nk endigen , ist n kein Nasen- , sondern ein
remer Zahnlaut, und muss dem gemäss gelesen werden. Dahin
gehören z. B. Sánke, Ank, Nonk, Trink, Link, zusammengezo-
gen aus Sánike (Sönken), Annike, Nonnike, Trineke und Lineke,
lauter Diminutiva.


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104

um, als: Winnum (2 mal), Millum, Wotbekum, Bundum,
Dertum, Busum und Siegbertum; Nordstrand: Hijntum, Eidum,
Langum, Balum, Rullum, Gomorum, Falum, Hinnum, Allpe-
lum, Grodum, Horstum, Beltum, Morsum, Arum, Hindrum,
Bertum, Habekum, Hannum, Colum; in Eiderstedt (lüjtte Ei.
derstedt) Alversum, Walum, Tolum, Horstum; im nördlichen
Theile von Nordfriesland (1240): Malberum, Silingsum, Rüstum,
Hinnum, Berlum, Roddum, Birgum, Lijstum, Sijllum, Blijdum,
Udum, Osterkijlum, Panum, Kieptrum, Winnum, Ei tum (2 mal),
Braderum , Wiserum , Bartum , Eidum , Hünum , Tinum , Har-
tum, Harum, Steinum, Flüdum (2 mal), Hornum, Stedum, Hel-
lum, Katum, Caapum, Archsum, Nijstum, Rijllum, Mijdum,
Gatum, Lägum, Hellidum, Lickum, Nistum, Hattum, Apperum,
Jordum (2 mal), Larpum, Knökum, Kixtum, Bund um, Trindsum,
Bummelum , Upum , Tewecum , Wipperum , Wilsum , Bundum ,
Wellum, Bulum, Toftum, Gerdum, Brinkum, Harrum, Hunnum,
Bindum, Strückum, Krückum, Frillum, Oddum, Klütum, Ar-
num , Schallum , Knijpum , Mönrum , Satrum , Andum , Gnäpum ,
Bilkum, Dunsum, Lukum, Hanum, Klüum, Fludum. - InWest-
friesland (welche davon noch vorhanden oder untergegangen sind,
weiss ich nicht , aber die aufgezählten nordfriesischen sind schon
vor Jahrhunderten vom Meere verschlungen) , em und um , als:
Jeppem, Beijem, Merum, Sixbirum, Pietersbirum , Osterbirum,
Lidlum, Herbajum, Abnenum, Winaldum, Landum, Mailhum,
Nitzum, Pingium, Witmarsum, Hiddem, Engwierum, Makum,
Sotterum, Workum, Hemelum, Woengium, Midum, Ruygelallum,
Jerum, Hichtum, Wolsum, Arkum, Dedgum, Oldemardum, Ru-
gahuysum, Nijemardum, Spannum, Winsum, Bairum, Schalsum,
Aengjum, Beetgum, Menadum, Franjum, Marssum, Deinum,
Blessum , Hielum , Weidum , Mantgum , Bosum , Deersum , Mer-
rum, Hallum, Britzum, Cornium, Heinum, Hijlsum, Jelsum,
Teehum, Wirdum, Irnsum, Genum, Hijanum, Dockum, Leckum,
Gentum, Rottum, Bergum, Driesum, Aelzum, Oestrum, Reysum,
Collum, Burum, Doerum, Midhallum, Hallum, Beusum. - InOst-
flriesland: Oldersum, Borcum, Jemgum, Osterdum, Ackerum,
Vogum, Gorcum, Vorcum, Franum, Worrum, Collum, Winsum, .
Mackum, Engwierum, Nollum auf Ameland, Lidlum, Belcum,


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Dockum 9 Warrum , Rottum , Bierum , Farnisum ' Risum , Bal-
trum. — Die noch vorhandênen in Nordfriesland auf um, Am-
nun (Insel) 1. Auf der Lnsel Stjlt: Archsum, Keitum, Rantum,
Tinnum. 3. Auf der Insel Föhr: Boldixum, Wrixum, Oeve-
num , Midlum , Alkersum , Nieblum ' Borgsum , Winsum , Hedde-
hasum, Dunzum, Uettersum, Oldsum, Klintum, Toftum. — 5. In
den Aemtern Têndern, Bredstedt und Husum , an der Westküste
nnd auf der Vorgeest : Riesum , Stadum , Bargum ' Klintum , Bor-
lum, Husum, Ophusum, Breklum, Bondelum, Struckum, Kar-
lum, Dörpum, Rantrum, Bodum (im Amte Hadersleben), und Bo-
dum (im Amte Apenrade), Bögelum; in Ditmarschen Büsum, und
an der jütländischen Küste, südlich Borum, Veirum, Ballum, Gu-
lum, Bijrum. — Die Endung Büll, noch jetzt in Nordfriesland dat
Bäujl oder Baul, die Hütte, wird im Dänischen zu böl, bölle,
balle, und im Deutschen zu büttel, woraus auch das im Herzog-
thume Schleswig gebräuchliche Bohl, ein Bauernhof mit einer
Hufe Landes, hervorgegangen ist. Diese Ortsendung, die auf alten
Landkarten über Ost- und Westfriesland gar nicht vorkommt, ist
seit undenklichen Jahren im nördlichen Friesland heimisch. So
hatte Helgoland im Jahre 800 unter seinen Ortschaften folgende
auf büll , als : Ottrebüll , Tiefkebüll , Farrenbüll , Vestebüll , Rod-
büll, Lowesbüll, Scheckenbüll , Holmbüll, Medenbüll, Lciebüll,
Hijlgerbüll und Telligbüll. Im Jahre 1240 hatte Rungeholt in
seinen 12 Kirchspielen folgende Oerter mit büll, als: Ebensbüll,
Sockenbüll , Gaikebüll (2) ' Odenbüll ' Akenbüll ' Obbenbüll ; Nord-
Strand : Luenbüll ' Stintebüll , Wittenbüll , Hersbüll , Konigsbüll ,
Volgsbüll , Esbüll , Boienbüll , Unkebüll ' Spalebüll ' Rickelsbüll ,
Srapenbüll, Stückbüll, Hulkebüll, Hulksbüll, Offebüll, Ulvesbüll,
Rensbüll, Iwensbüll, Adebüll, Haienbüll; in lüjtte Eiderstedt: Fler-
debüll, Norderbüll, Süderbüll. Lm nördlichen Theile Nordfrieslands
(1240): Klüffsbüll, Pebüll, Knipbüll, Brüderbüll, KnockbülI, Frischbüll.
Kirkbüll, Lückbüll, Borrenbüll, Reckelsbüll . Keckelsbüll ' Ratzebüll,
Wüppenbüll , Handingsbüll , Todingsbüll , Hatzerbüll ' Spickebüll ,
Juenbüll , Tinnebüll , Wingbüll , Grisbüll ' Maiensbüll , Tocksbüll. —
Noch in Nordfriesland und den an gränzenden Districten vorhan-
dene Oerter dieser Namensendung, die man auf den Inseln nicht
mehr antrifft, im Amte Têndern: Kuxbüll, Poppenbüll ' Rutte-


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büll, Bōsbüll, Bulsbüll, Böhsersbüll (Buttersbüll), Grellsbüll, Kah-
lebüll, Klixhüll, Krakebüll, Perebüll, Schardebüll, Schnate-
büll, Sparkebüll, Strucksbüll, Walsbüll, Wimmersbüll , Törsbüll,
Trasbüll, Niebüll, Ulbüll, Deezbüll, Maasbüll, Dagebüll, Galms-
büll , Emmelsbüll , Horsbüll , Klanksbüll ; in Eiderstedt : Kot-
zenbüll , Koldenbüttel , Poppenbüll , Tetenbüll , Ulvesbüll ; im
Amte Husum: Schobüll; Bredstedt: Mirebüll, Ebüll (A. Tondern),
Ebüll (bei Bredstedt), Efkebüil (A. Tondern), Efkebüll (in der
Landschaft Bredstedt), Ellebüll, Büttebüll, Bremsbüll (Tondern);
im Amte Hadersleben : Aabüll , Bārsbüll , 2 mal ' Grödebüll , Aus-
büll, Storsbüll, Weibüll, Moibüll, Kjärbüll, Kagbüll, Spallebüll
(Eiderstedt), Sprakebüll (Tondern), Spinkebüll (Bredstedt), Ster-
debüll, Todsbüll, Tombüll, Trasbüll, u.v.a. Das Böl, Bölle und
Balle ist auch im Dänischen häufig. — Die Endung Stähs (sted)
kommt seltener vor, wie Ahserstähs, Eiderstedt; Bräistähs,
Bredstedt; Buhmstähs, Bohmstedt; Tanningstähs , Tinningstedt ;
Rāfstähs, Siewerstähs, Wittstähs, Mildstähs, Jerpstähs, u. s. w. —
Die Endung holm, der Holm, Insel, ist im Nordfriesischen de Hau-
lem, wird aber auch holm und halm gesprochen; so ist z. B. Lind-
holm Lónhálm ; Ockholm dagegen Okhaulem ' und Soholm -
hólm.


Bemerkung.

Die Ortsendung um wird von den jetzigen Nordfriesen häufig
in em verwandelt, wie in Rihsem, Riesum , Hülissem, Husum,
Ōmrem, Amrum, u. s. w. Dasselbe ist bei den Namen Jeppem,
Beijem und Hiddem (nach alten Karten) in Westfriesland der
Fall, welches doch unstreitig dieselbe Endung ist. Diess kann
niemand auifallend sein ' der da weiss ' wie sehr der Friese
Zusammenziehungen ' leichte Laut Verschmelzungen und , gleich
dem Engländer , Verdrehungen uach seiner eigenen Mundart
liebt. Der Dr. Clement von Amrum, also ein geborner Frie-
se' der sich, wie man aus seinen mitgetheilten Bemerkungen
schliessen kann , viel ijiit Wortforschungen beschäftigt , und
dazu auch seine Kreuz- und Querzüge in England trefflich
benutzt bat« behauptet (im Altonaer Merkur) die Endung vm


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sei dieselbe , wie das englische ham in Chatham , Buckingham ,
Cheltenham ' Birmingham , Okeham , Nottingham , Notherham ,
Oldham , Durham , u. s. w. , aus dem Altfriesischen stammend ,
was ich nicht entscheiden kann; aber auffallend ist es, dass
man sie schon im Jahre 800 überall in um verwandelt findet.


Die Zahl, (Numerus), Einheit und Mehrheit, oder Singularis und
Pluralis.


Bildung der Mehrheit.

§. 73. Die Bildung der Mehrheit aus der Einheit ist im Nord-
friesischen sehr einfach und leicht, wenn man sich die weiter unten
folgenden Abweichungen , Unregelmässigkeiten und Ausnahmen
liur erst eingeprägt hat. Alle Hauptwörter ' die in der Mehrheit
vorkommen können ' und eine hinzugefügte Endung erhalten '
endigen sich, ohne Ausnahme, immer nur auf e, und behalten
diese unverändert, wenn sie dieselbe schon in der Einheit haben.
Die regelmässige Bildung der Mehrheit derjenigen Wörter, wel-
ehe mit nacktem Stamme, oder ohne Nachsilben, da stehen, er-
fordert bloss den Vorsatz des Geschlechtswortes und die
Anhängung des Buchstabens e' als: de Dick, Dicke (Deich),
Art,Arte (Erbse), dāt Bijn,Biene (Bein), de Grünn,
Grünne (Grund), jö Klōck,Klōcke (Glocke), dāt Böhr,
Böhre (das Bauer), de Klump,Klumpe (der Klump, Kloss),
Pump,Pumpe (die Pumpe), dāt Ljāgt,Ljāgte (das Licht),
de Säirk,Säirke (Mannshemd), jö Wàhg,Wàhge (Woche),
dāt Slōt,Slōte (Schloss).


§. 74. Da alle Hauptwörter auf e dieselbe Endung im Pluralis
behalten, so gehören dazu auch die mit den Endungen und Nach-
silben else, ense, ere und erne' als: de Drāge,Drāge (Drache),
de Krōge,Krōge (Grāpen), de Kāsere,Kāsere (Kater), de
Wánserne,Wanserne (Besemer) ; de Tachehe,Tachelse
(Deichsel). Einige Wörter, obgleich sie einen Plural haben, be-
halten dennoch , wie im Deutschen , die Form der Einheit ' wenn
sie als Gewicht oder Zahlenmaasse stehen, z.B. fjauer Mārk, tien
Pünn Flāsh, tuhg Lüjdd Sihssen, twêllew Ihr üjll, u. s. w. 4 Mark,.
10 Pfund Fleisch, 2Loth Seide, 12 Jahr alt.


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108

§. 75. Bei denjenigen Wörtern, die sich auf el, er, en und em
endigen, kann man nach Belieben das e vor dem Consonanten
wegwerfen oder beibehalten, als de Fögel,Fōgele oder Fōgle,
de Fārwer,rwere oder Fārwre, de Kögen,Kögene oder
Kögne, de Bäisem,Bäiseme oder Bäisme,Fäihsem,
Fäihseme oder Fäihsme (Faden als Maass). Dasselbe gilt von der
Endung ew, als: dāt Wierew,Wierewe oder Wierwe (Gewerbe),
Hārrew,Hārwe (Egge), de Wäirew, der Warf (nicht die
Werfte), de Kaurew (Korb), dāt Fārrew u. s. w.


§. 76. Alle Wörter mit nacktem Stamme, mit Nachsilben oder
andern Endungen, bekommen das e nur in der Mehrheit, wo-
fern es nicht schon in der Einheit vorhanden war, von welchem
Geschlechte sie auch immer sein mögen, als: Dögede, Fäagede,
Länshriwweràie , Kinninge, Kinninginne, Lonshappe, Kronkhäide,
Wànigte, Hannernisse, Häiringe, Bucklinge , Sijücklinge, Bäirige,
Spārrige, Furrige, Gulige , Stjutte , u. s. w.


So wie es im Deutschen kein einziges weibliches Hauptwort
mit der Endung en giebt, denn die Leben, Pfingsten, Fasten
und ähnliche sind Collectiva im Pl. stchend, so giebt es im
Nordfriesischen kein weibliches Hauptwort ' das sich auf e en-
digt, denn das Diminutivum Dōjtte, Töchterchen , ist , in sprach-
licher Rücksicht betrachtet ' eigentlich sächlich , wo man aber ,
wie bei Sühsse, Schwesterchen, auf das natürliche Creschlecht
sieht, so wie wir im Deutschen nach den sächlichen Wörtern,
Mädchen, Weib, Frauenzimmer u. s. w. , das weibliche Fürwort
sie anstatt es gebrauchen. Die Friesische Endung e entspricht
oft derselben Endung im Deutschen, bei männlichen Hauptwör'
tern oft auch der Endung en.


§. 77. Mehrere einsilbige Hauptwörter bleiben in der Mehr?
heit ganz unverändert, und sind dann bloss kenntlich an dem
Geschlechtsworte dá als: dāt Swinn,Swinn, dän. et Sviin
pl. Sviin, nd. Schwiin, pl. Schwiin, engl. swine, pl. swine; dāt
Griss,Griss, dän. et Griis, pl. Grüs (Ferkel): dāt Shäip,
Shäip, dän. et Faar, pl. Faar, nd. dāt Schaap, de Schaap,
engl. a sheep, pl. sheep; jö Müss,Müss, dän. en Muus, pl.
Muus, nd. Muhs, pl. Mühs, engl. a mouse, pl. miee; jö Lüss,
Lüss, dän. en Luus, pl. Luus, nd. en Luss, pl. Lühs, engl. a


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louse, pl. lice; jö Bi, Bi, dän. en Bi, pl. Bier (zweisilbig),
engl. a bee , pl. bees ; de Täis , pl. Täis , nd. en Tähn , pl. Tähn ,
engl. a tooth, pl. teeth; dāt Ihr, dá Ihr, dän. et Aar, pl- Aar,
nd. dát Jaar, pl.Jaar, engl. a year, pl. years; dātjPaar, Paar ,
dän. etPar, pl. Par, nd. en Paar, pl. Paar; dfit Shánn, Shánn,
dän. et Skind , pl. Skind , engl. skin ; dāt Pünn , pl- Pünn und
Pünne, dän. et Pund, pl. Pund, nd. Pund, pl. Pund, engl.
pound; jö Mārk, pl. Mārk, dän. en Mark, pl. Mark, nd. Mark,
pl. Mark, engl. mark. — Anwendung in einzelnen Beispielen:
Ick häw Swinn ' Shäip , Griss , Bi an Shánn kāft , ich habe
Schweine, Schafe, Ferkel, Bienen und Schinde (Felle) gekauft.
De Jönge as aagt Ihr üjll , der Junge ist acht Jahr alt. Faär en
Trolling,'dir mān tien Pünn waug, häw ick thug Mārk däjn, für
ein Brot (Laib) ' das nur zehn Pfund wog , habe ich zwei Mark
gegeben. Mán hohle Táis dêt me sier, an ick häw āll trá Täis
üttijn lêt, mein hohler Zahn thut mir weh, und ich habe schon
drei Zähne ausziehen lassen. — Das Wort Pünn hat auch die
Mehrheitsendung , als: dātwjàn Lüjdde an Pünne, es waren Lothe
und Pfunde; hehêt Pünne, er hat Pfunde, ist schwer an Gewicht.
Ton dem Worte Ihr, Jahr, hat man auch die alte Mehrheitsform:
Ihringe, und im Dänischen : Aaringer. In Lindhohn spricht man
de Tāus in der Einheit, und nur Täis in der Mehrheit, was mir
richtiger zu sein scheint.


§. 78. Andere einsilbige Wörter unterscheiden sich in der Mehr-
heit durch einen Umlaut, als: jö Gäus,Gäis, dän. en Gaas,
pl. Gjäs, nd. de Gohs, pl. Göhs, engl. a goose' pl. geese; de
Tāus,Täis (s. §. 77); de Fäujtt,Fäjtt, nd. de Foht, pl.
de Föht, engl. a foot, pl. feet; jö ,Kê, nd. de Ko, pl.
Kö und Köi , engl. eow, pl. kine; de Mōnn,Mānn, dän. en
Hand, pl. Mänd, engl. a man, pl. men; dāt Leess,Lähs', dän-
et Läs, pl. Läs; de Shauch, pl. dá Shur, dän. en Sko, pl. Sko,
nd. Schoh, pl. Schoh oder Shöh. — Das Wort Mōnn wird auch, wie
im Deutschen, mit der Endung des zweiten Falles in der Re-
densart gebraucht : Manns für etwas sein, als: Ick bán'r de Mōnns
faar, ich bin dir Manns dafür, u. s. w.


§. 79. Von denjenigen Hauptwörtern, welche das j unmit-
telbar nach dem i vor den Buchstaben l und n haben, verlieren


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p

folgende dasselbe wieder in der Mehrheit, als: dāt Dijl,Diele;
1. Das Ding, 2. der Theil, 5. das Theil; dāt Fijl,Fiele, das
Rad; dāt Mäjl,Mäile, das Mal, das Mahl; de Ajl,Ätle,
der Aal; dāt Päjl,ile, Pfütze, Lache; jö Sprijn, auch
Sprieti,Spriene, der Staar (Vogel); dāt Bijn,Biene, das
Bein; de Stijn,Stiene, der Stein; de Wäjl,Wäile, der
Weiher, die Wehle oder der Wehl. Alle übrigen Wörter, wohin
auch Bestimmungs- und Zeitwörter gehören , behalten das j auch
in der Mehrheit bei, wenn sie es in der Einheit haben, als: dāt
oder de Bijnn,Bijnne, Bänder; jö Trijnn,Trijnne, die
Weife ; glijnn ' glüh , glühend ,glijnne Kohle ; wijnnen , wen-
den; sijnnen, senden; hijnnen, 1. mit den Händen auffangen,
2. sich ereignen ; tijnnen ' zünden u. s. w. Doch macht biervon
die Silbe äujl eine Ausnahme, die meistens in aide übergeht,
wie in: dāt Bäujl,Baule; de Stäujl, tlá Staule ' Stuhl; dāt
Shäujl ,Shaule, Schule ' u. s. w.


§. 80. Einige Beispiele zu den Uebergängen der Vocale und
Diphthongen in andere, als: äi in ege, 0 in aa und ö, e in ä, äh,
á in'à, ü in M, uh, äu in au, á in e, i in e' ä und äh in e, 0
in öh, u. s. w. ' als: de Däi,Dêge und dá Daage; dāt Blōk,
Blaage; dāt Stóck,Stöge; dāt Lêss,Lähse; de Smáss,
Smàhse; de Süss,Suhse; gäujd, de Gause;Kraft,
Krêfte;Stich,Stêge; dāt Swinn, Swênneflash;Stähs,
Stehse; dāt Shrön,Shröhninge.


§. 81. Uebergänge der Consonanten in andere ergeben sich aus
dem Folgenden , als: finw, k \ng' t in ss, hs, ch in g, pp in w,
ff in w, u. s. w. Beispiele sind : dāt Blōck ,Blaage ; dāt
Stock,Stöge; de Däi,Dêge; de Wäi,Wêge;Stick,
di Stêge; de Krich,Krêge; dāt Bräif,Bräiwe;Graiif,
di Grauwe; dāt Ruf,Ruwe; dāt Steef,Stäwe; dāt Greef,
Grewe ; dāt Fāt ,Fahse ; dāt Fêt ,Fähse ; dāt Neet ,
Nähse und Nête; dāt Spát,Spàhse; de Thief,Thiewe; dāt
Reef,Räwe; dāt Stähs,Stehse;Stähs 'Stehse; de
Süss,Suhse; dāt Klüss,Kluhse; de Smáss,Smáhse;
Shiess,Shiehse ; dāt Shápp,Shàwe; dāt Bād,Bāhse,
u. s. w. Diese sind, der Reihe nach, folgende, als: der Block,
das Stück , der Tag , Weg , Steig ' Krieg ' Brief ' Graben ,.


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111

Garnsträhne, Fassdaube, Grab, Schüssel, Bottich, Netz, Spiess,
Dieb, Fuchs, Statt, Stadt, Brunnen, Tuch, Schmied, Löffel,
Schiff, Bad. — Von den vorstehenden dürfen fölgende nicht
mit andern, ihnen ähnlichen Wörtern verwechselt werden, als:
dāt Ruf,Ruwe, die Strähne, und jö Ruhw,Ruwe, die
Ruthe oder der Arm einer Windmühle; de Smass,Smàhse,
der Schmied, und jö Smàhs,Smáhse, die Schmiede, so wie
de Smàhs,Smàhse, der Wurf; jö Shiess,Shiehse, die
Scheide; dāt Shápp,Shàwe, das Schiff, jö Sháw,Shàwe,
die Sehäbe; dá Bāhse, die Bäder, dá Bahse, die Meister, nd.
Baas, und de Bāhse, der Nutzen; dāt Spátt,Spáhse, 1. ein
Spiess, wie: Hārespatt, Ljāgtspatt, der Dengelspiess , dän. Häre-
spid, Lichtspiess, 2. ein Spatenvoll, 3. Spath der Pferde am
Knie, auch Spāt genannt.


§. 82. Folgende einsilbige Hauptwörter mit den Endbuchsta-
ben ss, ff, m, n und r, bekommen in der Mehrheit die alte En-
dung inge, als: dāt Hüss,Hühssinge (Haus); dāt Krüss,
Krühssinge (Krug; , als Gefäss); de Müss,Mühssinge (Mund); dāt
Shüff,Shüwwinge (Schubladen) ; dāt Kniff,Kniwwinge (Messer);
dāt Liff,Liwwinge (Taillen); dāt Rümm,Röhminge (Zim-
mer); de Tünn,Töhninge (Gärten); dāt Shrünn,Shröninge
(Lade, Kiste, Schrein); dat Ihr,Ihringe (Jahre), dän. et Aar
und Aaringer.


§. 85. Folgende bekommen in der Mehrheit die Endung ene,
als: dāt Uhg ,Ugene (das Auge); de Mánshe,Manshene
(Mensch); deHōgse,Hōgsene (die Kniebeuge, Häckse); de Jōnge,
Jōngense ; so wie die nur im Pluralis stchenden Collectiva : dá
Āgene (Spreu); dá Āllerne (die Eltern); dá Süskene;Axene,
die Ochsen. Nachstchende ' welche sich auf ch endigen ' behal-
ten diesen Buchstaben in der Mehrheit ' als : dāt Lāch , dá Lāche
(die Schicht); dāt Twich,Twiche (der Zweig); jö Blêch,
Blêche (das Laken); de Such,Suche (der Zober); de Uch,
Uche (die Wand); jö Stich 'Stiche und Stêge , s. o. , der Steig.
Andere verwandeln ch in g, wie oben unter Krich, pl. Krêge,
blöch (blöde) in Blöged ' u. s. w.


Die Endung ene, erne , ist die bestimmte Mehrheitsform aller
dänischen Hauptwörter, die in der Mehrheit gebraucht werden


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können, als: Mand, Mann, en Mand, ein Mann, Mänd, Männer ;
Manden, der Mann, Mändene, die Männer; ebenso: Axene, die
Aehren; Aagene, die Joche; Bordene, die Tische; Husene, dic
Häuser ; Stuerne , die Stuben , u. s. w. Diese Endung ist aber
auch angelsächsisch , wie in Eáge , Auge , Genitivus Pluralis : ea-
gena;Steorra,steorrena;Tunge,tungena; Eare, earena , der Ohren;
Cliwe, cliwena, der Knäule; Nama, namena, der Namen; Cuma,
cumena, der Gäste; Lichoma, lichomena, der Leichname; Wuce,
wucena, der Wochen. Diese haben auch im Genitivus Singularis
undimDativus (an, als: Tungan, der Zungen, Sunan, der Sonnen,
Wucan, der Wochen, Eordan, der Erden, woraus man zugleich
die Herstammung dieser Formen im Deutschen erklären kann.


§. 84. Die Namen abstracter Gegenstände können nur dann
eine Mehrheitsform haben , wenn man sich dieselben vervielfäl-
tigt denken kann, als: dá Krōnkhäide, Licknisse, Dögede, Lägene
(Lügen), Tijnste, Wanshe, Wōnräjdde, Dōnse, Uttflügte, u. s. w.
Auch manche Mengenamen können keine Mehrheitsform anneh-
men, als: dāt Saaken, dāt Tjüch, dāt Fäujlk, dāt Säjdd, dāt
Untjöch; wogegen andere nur allein in der Mehrheitsform stehen
können , und einige , die zwar auch als Gattungsnamen stehen ,
doch gewöhnlich nur als Mengenamen mit der Mehrheitsform
gebraucht werden; wie z. B. dāt Häier, das Haupthaar, 2. dāt
Häier , ein einzelnes Haar, pl. die Haare; dāt Strài coll, jö Strài,
pl. dá Stràie, die Halmen; dāt Hulem coll. ohne Mehrheitsform.


§. 85. Folgende Collectiva kommen nur in der Mehrheit vor,
als: dá Fêste, die Fasten; dá Pajngsdêge, die Pfingsten; dá Wieh-
dêge, die Schmerzen, Wehtage; dá Middle, Vermögen, Reichthü-
mer; dá Mäihslinge, die Masern; dá Bögslinge, die Beinkleider;
Aune, die Buttermilch; dáĀgene, die Spreu; dàTwàge, die He-
fen; dá Häjdde, die Hede; dá Axene, die Ochsen; dá Beere, die
Gebehrden; dà Söshene , die Geschwister; dá Allerne , die El-
tern; dá Frünne, Verwandte; dá Tràme, der Lädel oder Drumm;
Làhse, die Gliedmassen; dá Kluhse, die Kleider; dá Rónte, die
Renten; dá Hāckelse, der Häckerling; dá Sliecke, die Prügel; dá
Sturre, aufwärtsstehende Spitzenfalten als Kopfputz der Frauen-
zimmer; dá Flöme, die Flaumen der fetten Schweine; dá Rainke,
die Ränke; dá Spòrtle, die Sporteln; dá Ferië , die Ferien ; dá


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Wmh, der Webstuhl ; dà Tontle , die Klöppel sum Band- und

Spitzenklöppeln; dá Nücke, nd. Nücken, dän. Nykker;Tráh-

»' Trethölzer am Webstuhle ; dá Nocke, der Schlucken ; dá Ock-

linge, die Räume unter dem Dache swischen den Sparren, wo

Oleb und Boden zusammenstossen ; dá Grille, die Grillen; dá

Knáppelse, die Spitzen. — Die nachstehenden kommen auch meistens

nv in der Mehrheit vor' können aber auch in der Einheit ste-

ben, und haben dann die Mehrheit neben sich, wenn sie als Ap-

f pdlativa gebraucht werden, als: dá Nócke, die Häkchen an der

I Spindel; dá SHe, die Kumpten; dà cke, die Blattern; dá Tonte ,

l die Finnen im Speck; dà Shàwe, die Schäben; dá Frōnne, die

Gefraundten; dá Nōstringe, die Nüstern, auch von Menschen, die

Nisenlöcher; dá Slāgge, die Schlacken; dá Snijdde, die Grieben;

di Flêcke, die Arme der Spindel; dá Grottemänns, coll. ohne Sin-

gnl., die Vornehmen und Reichen; dá Lájttemānns, das Gegentheil

davon; dá Haadlinge und Fäjttlinge , zu Häupten und Füssen

des Bettes. Von diesen können auch folgende , wie die im vori-

gen § zuletzt angeführten, als Gattungsnamen stehen, und ihre Ein-

heit ist dann: de Pōcke, die Pocke; jö Sháw, de Frünn,r

string, de Slāgge, de Snijdde, de Nicke und de Flecke.

Anmerk. 1. Die einsilbigen Wörter, welche nur aus zwei bis
drd Buchstaben bestehen, und sich auf einen Vocal endigen, ha-
ben diesen immer stark betont, als: jö Bi, die Biene; jö Ló, die
Tenne; jö Lá, die Sense; jö Bró, die Brücke; jö Kö, pl. Kê, die
Kuh, Kühe; dāt üá, die Reihe, Zeile; jö üó, die Ruhe; dāt Kliê,
die Kleie; de Dié, der Teig; jö Lié, die Miethe und die Heuer;
dat Pié, ein Unterröckchen der Frauenzimmer, und ähnliche.
Die Mehrheit ist hier regelmässig, und ist: dá Lóe,Láë,
Bróe,e, dá Pie-e. Jö Bi und jö Kö, siehe oben.


Anmerk. 2. Die Mehrheit der mensehlichen Eigennamen ist
regelmässig, als: Bênne, JAnse, Düe, Nickeke, Nàgelse, Jaunesse,
Tahse, Siewerte, Karstene, Stäjnne, Högle, Timgle, Kie-e, she,
Bōjlte, Sössle, Getrêne, Maläine, Ammere, Mêgräjtte , Poppe, Hêlke
und Linke, oder: Benden, Jense, Düen, Nickkelse, Jonasse, Thaden,
Skwerte (Siegwarte), Karsten , Stene , Högel, Dankleffe, Kielen , Geschen,
u- 8. w. Die Stammnamen endigen sieb gewöhnlieh auf sen (abge-
kürzt aus sohn), wo man aber bei der Bildung derselben öft ziem-


15

152

liêh willkührlich veriährt; so wird aus Bênne Bansen, aus Jens
(fries- Jáns) Jansen, aus Düe Dühtaen, aus Stäjn Stâjnsen, aiu
Gōdber Gōdbersen u. s. w. Im täglichen Leben giebt man so-
wohl weiblichen als männlichen Vornamen ein t, wo es sich nur
immer zwanglos anfügen lässt, und dem Stammnamen das Zei-
chen des Genitivs, nämlich ein s, und spricht: Bênnetmm,
net Geshens, Mümmet Andräisena, Andräist Megräjttens, Getrênt
Gōdbers, Sieket Sankens, Klaait Päjtters, Jusket Sankens, u, s. w.
Diess ist enie Zusammensiehung aus äjtt (das englische at, tu,
in), und ist soviel als in dem Hause des Vaters oder der Mutter,
dazu gehörend, und löst sich so auf: Bênne äjtt Jansens, ne äjtt
shens, Andräis äjtt Megräjttens (nämlich Hause oder Familie).
Man (fragt z. B. jemand: Huhm ging dirr faarbài? Wer ging da
vorbei? und die Antwort ist: dāt wās Klaait Päjtters, das war Hi-
êolas zu Pêters.. Fragt man dagegen nach dem eigentlichen Na-
men einer Person« als: Hörr hātthe? Wie heisst er? hwr höttjö?
hörr hātst dö? so wird der wirkliche Name genannt, sis: he
Carsten Paulsen, hāt Sossel Hansen, ick hijtt Uwe Duhssen u.s.w.
Ist man bei irgend jemand im Hause, zum Besuche, in Geschäften
u.s.w. gewesen' so wird diess, wie im Dänischen, durch äjttmit
dem zeichen des Zweiten Falles ausgedrüekt, als: Ick hähw äjtt
Mêllers, Faageds, Geshens, Andrüsens wähm, ich bin beim Mäl-
ler, beim Vogte, bei Gesche, bei Andreas gewesen; dän. Jeg har
väret hos Prestens, Mōllers, Docterens, Hansens u. s. w., ich bin
beim Prediger, bei Herrn Möller ' dem Doctor, Herrn Hansen gewesen.


Abänderung des Hauptwortes (Declinatio).

§. 86. Die Abänderung des Hauptwortes ist einfach und leicht,
denn nur im zweiten Falle beider Zahlen, der Einheit und Mehrheit,
wird demselben ein s angehängt. Da wir die Bildung der Mehrheit
bereits kennen gelernt haben, so brauchen wir hier keine beson-
dere Abändemngsarten zu machen, indem sie sich im Wesentlichen
alle gleichen. Znerst wollen wir einige der einsilbigen und dann
einige mehrsilbige Hauptwörter als Beispiele nehmen, wie: de
Bijnn, der und das Band; dāt Bijn, das Bein; jö Bü, die Beere.


153

I

118
Einheit- Einheit.


männl. weibl. sächl. männl. weibl. sächl.

N, de Bijnn,Bü, dāt Bijn. N. de Kräge,Ságel, dātKräwel-
G. de Bijnns, jö Bàis, dāt Bijns. G. de Krōges,Sàgels, dāt Kräwels,
Dat. und Aeeus. wie der Nominativ.


Mehrheit- Mehrheit.

IHM Bijnne,ie,Biene. N. dá Kröge,Sàgle,Kräwlê.

6. di Bijnnee,ief , di Bienes. G. dá Krōges,Ságles,Kräwles,

Dat. und Aecus. wie der Nominativ.
Eben so: de Äpel, de Āpels,Aple,Aples; de Auwen, de


Auwens, dá Auwene,Auw'nes ;Mêllen,Méllens,Mêllne,

di Mêll'nes; dāt Häigên,Häigene,Häig'nes; auf er, de Fid-
(fer, de Fidders,Fiddre,Fiddres;Mudder,Mudders,
Muddre,Muddres; dāt Jücker, dāt ckers,ckre,
Jückeres (die Gerte); auf «m, de Bäisem, de Bäisems ,Bäis'me,
Bäismes;Blössem,Blössems,Blössme,Blössmes; dāt
Hulem, dāt Hulems, ohne Pl.; auf ere und erne, de Kahsere, de
Kahseres,Kahsere, di Kahseres; de Wadderne, de Waddernes ,
dá Wadderne, dá Waddernes; auf 0t, ed und ert, als: dāt Huget
oder ged, dāt Hugets, dá Hugede,Hugedes;Döged, jö Dö-
geds,Dögede,Dögedes; de Faaged, de Faageds,Faagede,
di Faagedes;Āhert,Ānerts,Änerte,üfnertes; dāt
Läiget oder Läiged, dāt Läigets,Läigede,Läigedes, u. s- w.
Die hier angeführten Wörter sind der Reihe nach: Grapen, Sichel,
Krüppel, Apfel, Ofen, Mühle, Kissen (Stuhlpolster), Vater, Mutter,
Gerte, Besen, Blüthe, Langstroh, Kater, Wittwer, Anhöhe, Tugend,
Vogt, Ente, Seichte oder Niederung, Auf 19, lig, ieht, als: de Bäi-
rg, de Bäirigs,Bäirige,Bäiriges (der Berg); de Bieligs,
Bieliges (Kasebalg); de Bêrigts (der Ernte), dá rget (der Ern-
len); dāt Mārrigs (des Markes), jö Mêrrigts (der Metze), dá Iffr-
rigtes (der Menseher). Auf inn, ing und ling, als: jö Kinninginns,
Kinninginnes; dāt Wannings , dá Wanninges ;Pānnings,Pān-
ninges; de Knäiblings,Knäiblinges (Königinn, Fenster, Pfennig,
Knie)- Auf duhm, shapp und ài, als: dāt Kaiserduhms,Kai-
serduhmes;dat Lōnshapps,Lōnshappes;Prâwstàis, dá Práw-


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154

116

stàies. Auf else, häid und Vocale, als: de Tachelses,Tacheh
(Deichsel); jö Krōnkhäids,Krōnkhäides u. s. w.; jö Lá's, dá Lá'es,
s. 0.,Bró's,Bróes;Bis,Bi-es; dāt Pie's, dáPie-es;
dāt Ilhg, dāt Uhgs, dá Ugenes; de Hōgses,Hōgsenes, u. s. w.


Anmerk. Das unbestimmte oder nichtbestimmende Geschlechts-
wort ist im männlichen Geschlechte an, im weiblichen und säch-
lichen en, wird aber gewöhnlich in allen Geschlechtern nur 'n
ausgesprochen, wie ,n Mōnn, ,n ff, 'n Bjàrn, pl. Mānn, Wöffe
und Bjàrne. Auch hier steht bloss das s im Genitiv, als: en Mōnns
Wöff, eines Mannes Weib; en Wöffs Mōnn; ,n Bjàrns Āllerne;
Mānns Wöffe, Wöff es Mānn, Bjàrnes Āllerne.


Zusammensetzung der Hauptwörter.

g. 87. a. mit Hauptwörtern. Hauptwörter werden mit andern
zusammengesetzt , ohne irgend eine Veränderung zu erleiden ,
sis: dāt Āmthüss, de Āmtmōnn, de Bikaurew , de Bêddsêlme,
die vordere Bettwand ; dāt Brüjdkrüdd, der Kümmel (wörtlich
Brotkraut); jö Döhrkmk, die Thürklinke; de llberehser,
der Fellbereiter , d. i. der Gerber ; de Feestpose , Fausthand-
schuh; jö Fläujddtidd, die Fluthzeit; de Frāgtwāien; de Gicht-
ivārk , der Gichtschmerz ; de Hālsdauk , das Halstuch ; de
Heeflaube, die weisse Möve; jö Hüsstugt, die Hauszucht; jö Hōlt-
mäujnn, der Holzkasten; dāt Jjllfāt, das Feuerfass; de Kaardspá-
ler, der Kartenspieler; dāt Keelvāhser, das Kielwasser; de Klāi-
pracker, ,der Kleipicker, Zwergstrandläufer (Tringa minuta); de
Krüddsiup, dar Blumenstauf; dāt Kraugshild, das Krugschüd; dāt
Sünstwäirk;Lgāgtshäier; de Lótêle, die Tennendiele; jö Lodpott,
der Glückstopf; de stbuhmm; de Plaugstjàrt, der Pflugsterz;
dāt Rinnwahser, Regenwasser; jö Saaldōhr, Saalthür; dāt ltt;
dāt Siddstock, Seitenstuck; dāt Killenauck, der Kesselhaken über
dem Heerde; dāt Shüllbauck, das Schuldbuch; dāt Sniewahser,
Schneewasser ; de Stāllbrauhser , der Stallbruder ; de Täiswärk,
Zahnschmerz; jö Theedauhs, die Theedose; de Wäiwihsser, Weg-
weiser; Sánnwihsser, Sonnenweiser; dāt rmkrüdd, der Wurm-
saamen; dāt Wāgsljāgt; dāt Snōtràhser, das Rotzmaul, Rotznase;.


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de páckträjdd, der Pechdraht; de Dickfaaged, der Deich vogt; de
Dickgraaw, der Deichgraf; dāt Bläujdsluhggerjörn, das Lasseisen;
de Stöftwāet, der Spinns täuber; dāt Päujnngäujd, das Pfandgut;
de Mjōgsstālle , der Misthaufen ; de Gjársglüpper, die Eidechse
(Grasschliefer); de Gjarshōpper; de Fäujttsêck; de Stijnwāll;
Staalkniep , die Stahlschnalle ; de Aasknaake , der Aasknochen
(Schimpfwort); de Tjüdderwjarlse ' Spannstrickwirtel ; de Liffrógt,
das Leibgericht; jö Issspōr, der Eissporn; de Naasdauck, Nasen-
tueh; de Gitshāls, der Geizhals; de Töllforwalter , Zollverwalter;
de Krüsswäi, der Kreuzweg; dāt Köhlwaser, Grubenwasser; dāt
Lüjnārbed, Lohnarbeit; jö Bliekugel, Bleikugel; de Kōstgainger,
der Kostgänger; de Kanntjàwse, der Kiefer, Kinnbacken; dāt
Bjárdsiep, die Bartseife; dāt Bierglees;Fliegklapp, Fliegenklat
sche; de Māltpöse , Malzsäckchen; de Gijlpung, Geldbeutel; jö
Mōhrshiess, die Mauerkelle; jö Lickkàrst, der Sarg; de Sāllrieme
der Sattelriemen; de Küjlstijtter, der Kohlstösser; dāt Bêddstähs
die Bettstelle; de Släipdrönk, der Schlaftrunk; dāt Mistwähser
Nebelwetter; de Ailebitter, der Blutegel; de Trāstgrunn, Trost
grund; dāt Lufttiecken, Luftzeichen; dāt Bráit, die Grützschüs
sel; jö Nāgtmáhr, der Alp; jö Uchlüss, die Wanze; de Säjdlupper,
der Sāekorb; dāt Hártbleess, das Herzblatt; dāt Möhrswinn, der
Kellereael; de Uhgāpel, der Augapfel; de Küjlstrück, der Kohl-
strunk; jö Brüjdrinn, die Brotrinde; de Bistōck, der Bienenstock;
de Faurmönn, der Fuhrmann; de Bauckbinner , der Buchbinder; de
Ljägtgijtter, der Lichtgiesser; de Ljägtstieper , der Lichtzieher; de
Jàrdhupp, der Erdhaufe; jö Nüjdlägen, die Nothlüge; de Gjàrs-
lob, der Grasbusch; de Köfäujtt, der Kuhfuss (ein Brecheisen); de
Pickstōck; dePulsêdder, die Pulsader; jö Rinnfläg, der Regenschau-
er; de Sannênne, der Sonnabend; dāt Shäujlhüss, das Schulhaus;
Fäjllslāgt, die Feldschlacht; dāt Shüjttshann, das Schurzfell;
de Sniêmōnn, der Schneemann; de Springetōck; de Stahkpule,
der Staketpfahl; de Stammbuhmm, der Stammbaum; dāt Stünn-
glees, das Stundenglas; dāt Siruhmmwahser , das Flusswasser; de
Sweessbüjlke, der Schwadenbalken beim Mähen; dāt Stāpstähs,
der Stegel ; de Winnbottel ' die Weinflasche ; jö Wōnräjdd ' der
Wahnrath, s. o.; de Kalktwāst, der Tüncherpinsel; de Flāshklump,
der Fleischkloss; de Haurngêdd, der Hornhecht; dāt Mählstōf,


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118

der Mehlstaub; de Winntjaaler, der Weinkeller, u. s. w.

Wörter, welche sich auf e, el, en, er, em, ere, erne, eke und
ig endigen, werden, in der Regel, mit andern unverändert ver-
bunden, als auf«: dāt Aunewälling, Buttermilchssuppe; de Bur-
retöle, der Klettenbusch ; deBullepàse, der Oehsenziemer; dá Foh-
lefäitt, die Fohlenfüsse, d. i. der Huflattich; de Gremetögel, der
Halfterstrick; de Höckebijnn, das Garbenband; de Hōmestōck, der
Hamenstab, Rausenstab; dāt hseshäufl ' die Judenschulei dāt
Kragenêst, das Krähennest; de Mägesnáps, der Magenschnaps; dāt
Ōrnespêk, der Eberspeck; de Tömenägel, der Daumennagel; de
lering, der Kumptenring; dāt Khbbeládd, der Koberdeckel; de
Lōnkepose, das Hüftpolster; dāt Mōnehäier, das Mähnenhaar; dāt
Näujttebauck, das Notenbuch; de Plunnemönn, der Lumpensanun-
Ier (Plundermann); jö Röggewopp, die Roggenähre; dāt ttegtrái,
das Weizenstroh; jö Slāngehüdd, die Schlangenhaut; de Töme-
stöck , der Zollstab; jö Thranekrück, die Thrankrucke, u. s. w.
Auf el: de Bibellêser; de Kräwelstäujl;Kägelbaan; de del-
hünn;Pràgelhohs, der Strickstrumpf; de Gichelboge, der Gei-
genbogen; de Sàgelsmáss, der Sichelschmied; jö gelpott, der
Tiegeltopf; de Ähseldriwwer, der Eseltreiber; jö Pieseldöhr, die
Pieselthür; jö Fläielkäpp, die Flegelkappe; dāt Shauwelbleess, das
Schaufelblatt; de Stäuppelijne, das Stoppelende; de Ungelhäge,
der Angêlhaken. Auf 6n: jö Auwenshäwel, der Ofenschieber; de
Wäienkaurew, der Wagenkorb; jö Kögendöhr, die Küchenthür; jö
Mêllemruhw, die Mühlenruthe, Arm; dāt Tiekenbauck, das Zeichen-
buch. Auf er: de Änkerring; dāt Ekerfäjll, Ackerfeld; de Fájn-
gerhäujdd, der Fingerhut; de mmerstêle, der Hammerstiel; de
Thaserbrài, Buehweizengrütze; de Lādderbüjlke, der Leiterbalken;
Räkkêrköhl, die Schindergrube; de Tjaalerhāls, der Kellerfaals;
de Klöwwerstōck; de Mudderwits, der Mutterwitz; dāt Fauserhájn-
ten, das Futterhemd; de Ōferdäi, der Opfertag; de Wähsergälle,
die Wettergalle; dāt Tānnerkrück; (jö), Zunderbüchse; dāt Mäi-
eteratöck, das Meisterstück; de Böhserbüsh, die Butterbüchse; jö
Süsterkāg, der Schwesterkuchen; dāt Shullerbheas, das Schulter-
blatt, u. s. w. Auf em; dāt Airemláss, das Armgelenk;Bau-
semdöhr, die Stall thür; de Blōssemstêle , der Blüthenstiel; dāt Hu-
lembünn, das Halmband; de Bmembinner, der Besenbinder, u.s.w.


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Auf er« und erne: dāt Wähserflash, das Hammelfleisch; dāt Kā-
iereshann, das Katerfell; de Waddernestānd , der Wittwerstand;
dāt Ponternehaad, der Wiesbaumkopf ; dāt Hijnsernetjöch , derBrun-
nenschwengel , u. s. w. Auf else: de Táchelsehāge , der Deichsel-
haken; de Rückehebush, Riechstrauss von Blumen; dāt Räjddebe-
bmtck, dasRäthselbuch; deLāpelseluper, ein Pferd, das durchläuft,
dän. löbsk, läufisch; de Häckelsekämmer , die Häckselkammer;
Hāckelsekárst , Häcksellade ; Häckehekniff , Häckselmesser ; dāt
Spauckebetähl, das Gespenstermährchen. Aufig: de Bäirigtöpp,
Bergspitze; dāt Hälligläujnn, das Halligland; dāt Tuligljāgt, das
Talglicht; de Füligêker, der Brachacker; de Bieligtött, die Liese
am Blasebalg; de Märrigknaake , der Markknochen.


Die Endungen ing, ling und inn erfordern bei der Zusammen-
setzung mit andern durchgängig den Buchstaben e, wie in: jö
Amingeshäier , die Ösenschere, welche gar uicht existirt und viel-
leichtnie existirt hat, womit die Strohdachdecker das untere Ende
des Daehes an der Traufe abputzen sollen. Zum Scherz schickt man
einen Knaben zum Nachbar um die Traufenschere, wo er dann im-
mer weiter zum nächsten gewiesen wird , bis er das Dorf entlang
ist und als Geäfifter zurückkommt; dāt Wánningeshürew oder -shur-
wing, die Fensterkerbung, eine eigene Bauart altfriesischer Häu-
ser, die man nur noch selten und nur in alten Häusern antrifft,
wo vom obern Ende des Fensterfutters breite, schräge Bretter
bis an die Decke zusammengefügt sind, vormals gegen Uêber-
schwemmmigen , um sich auf den Boden zu flüchten, der sonst
zugleieh mit der Mauer stürzen würde; de Shāwringehäge, der
Haken an der Brunnenstange; dāt Hijllingeshjàrn, Nachgeburtsun-
rath; Kinningeforsömling , Königsversanunlung; jö Knäiblingetrêl,
die Kniescheibe; de Rêplingeplöck, die Wurstprickel; dāt Änner-
lingeshann, das Lammfell von einem ein. bis zweijährigen Mutter-
lamm; de Spillingebühmm, der Spillingbaum (gelbe Pflaume); dāt
Twánnlingepār , das Zwillingspaar, u. s. w.


Die Endungen duhm, shapp und häid erfordern ein eingescho-
benes s, als: de Allerduhmskānner , der Alterthumskenner; jö
Hiesenduhmstidd , die Heidenthumszeit; de khappsbrauser , der
Gesellschaftsbruder; de Lönshapperstiekner, der Landschaftszeichner;
dāt Äienshappsuhrd , Eigenschaftswort; Näibershappsbrück , Nach-


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barschaftssitte ; Krōnkhäidstieken , Krankheitszeichen ; Sünnhäids-
tóständ, Gesundheitszustand, u. s. w.


§. 88. Diess sind die allgemeinen Regeln, welche sich über
die Zusammensetzung der Hauptwörter mit ihresgleichen geben
lassen. Wir wollen nun auf die Ausnahmen aufinerksam machen.


Ton den einsilbigen Wörtern, ohne bestimmte Endungen, be-
kommen mehrere, wenn sie als Bezeichnungswort stehen, den
Buchstaben e. Diess gilt besonders da , wo das Bezeichnungswort
sich dem Grund worte ohne Sprachhärte nicht anschliessen kann,
und allemal, wenn der Gegenstand des Bezeichnungswortes in
der Mehrheit gedacht wird. Zu der ersten Art gehören folgende,
als: de Alk, dāt Alkeshann, das Iltisfell (auch Alringeshann) ; de
Blmels, der Blasenhals; dāt Bosseslöt, das Büchsenschloss; de
Drügesafl, der Traubensaft; dat Hānneāi, das Hühnerei; de Hä-
gepule, der Heckpfahl; de Hájnstestjàrt, der Pferdeschweif; de
Hingespicker, der Angelnagel; dāt Hunnehuss, das Hundehaus;
de Hillebuhmm, der Fliederbaum; de Klöckestring , der Glockra-
Strang; dāt Lāmpesnauck, die Lampenkette; dāt Pōppehütt, der
Pfeifendeckel; dāt Pönneladd, der Pfannendeckel; de Püngetwāst,
die Beutelquaste; de Rōmmehaurn, das Bockshorn; dāt Ringetap-
pen, das Ringeltappen (ein Abendspiel im Freien für junge Leute
beiderlei Geschlechts); dāt Rōtekrudd, das Rattenkraut (Arsenik);
Säirkesliêw, der Hemdärmel, an Mannshemden; jö Smōckespung,
die Hemdenspange, an Weiberhemden; dāt Siêpêwahser, das Sei-
fen wasser; Aá Nujttefiāsh, dāt Bäisteflāsh (dasselbe); dāt Shruw-
haad, der Schraubnnkopf; dāt Snággehüss, das Schneckengehäusn;
Söhgemolke, Saumilch; Shäipetulig, Schaftalg; dāt Rauckenêbb,
der Rabenschnabel; dāt Staürkenêbb, der Storchschnabel; jöStrüc,
keräujtt; dāt Suhsemhser, das Brunnenwasser; de Swunehals, der
Schwanenhals; dāt Swinn, dāt Swênneflāsh, Schweinefleisch; de
Tannehmipp, das Tonnenhand; de Tünenägel, der Zehennagel; de
Stjüttebüsshe, das Weizenbutterbrot; dāt Wäilewahser ,iher-
wasser; de Kättestjàrt, 1. der Katzenschwans, 2. die Blutähre (Ly-
thrum Salicaria); de Stierehaurn, das Ochsenhorn; de Faanesmats,
der Fahnenschmied; dāt Haadeflāsh, das Kopffleisch; dāt Liepeāi,
das Kiebitsei; dāt Nillebhess, das NesseIblatt; dāt wekrüdd, das


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Rübenkraut; dāt Twêgeflāsh, das Quänen- oder Färsenfleisch; jö
Wuppestimg, die Aehrengranne, u. s.w.


§, 89. Bei folgenden ist die Mehrheit des Bezeichnungwortes
deutlich angeleigt, als: de Baanetale, der Rainfarrenbusch; de
Billekriemer, der Bilderkrämer; de Blōckedrüer, der Block- oder
Seheihendreefasler; de Bossesmass, der Büchsenschmied; dāt Hájn-
sie- Bäiste- Swênne' Shüpe- an Gōsemārked, der Pferde- Vieh-
Sch weine- Schaf- und Gänsemarkt; de Buhmmetünn, der Baum-
garten; jö Grauwedieling , die Grabenvertheilung; de Kniepemāger,
der Sohnallenmacher , Spängler; de Glauwesmass, der Spaten-
schmied; de Knōppemāger, der Knopfmacher; de Krêbbebitter,
der Krippenbeisser; jö rnemff, die Pornfrau; dāt Rábbefiāsh,
das Rippenfleisch; dāt Bausewahser, das Rosenwasser; dāt Säilise-
fêt, der Käsebottich; dāt Shiehseráck, der Löffelriechel ; de Stü-
rekieker, der Sternguker; jö Tàweläujdd , das Petzenrammeln;
dāt Thiewepāck, das Diebspack; dāt Thiegewärk , der Lenden-
schmen; dāt Hünneläwent, das Hundeleben; jö Wöffesōmmling,
die Wêiberversammlung bei einer Gebährenden ; de Rōshetak,
der Biosenbusch ; de Āplebuhmm , der Apfelbaum ; de Peere-
Plōme- Nàhse- Kassebàiebuhmm, der Birn- Pflaumen- Nuss- und
Kirsehenbaum; deDásheklúft, der Küchenhader; de Wuppesōmmler,
der Aêhrenleser; Taurnebush, Dornstrauch; en Baawlesême,' die
Binsen* oder Simsensnime; Làhsewärk, Gliederschmerz; Wäwle-
kaumm, der Kamm zum Webstuhl; de Stickelsbàiebush, Stachel-
beerstrauch; dāt Räujttemäus, das Möhrenmuss, u. s. w.


§. 90. Einige männliche Bezeichnungswörter auf er bekom-
men, bei der Zusammensetzung mit andern, noch ein e angehängt,
waa sehr richtig ist, wenn man den rechten Begriff mit diesen
Wörtern verbindet, die dann meistens im Pl. stehen, oder doch
als in demselben stehend betrachtet werden müssen, z. B. dāt
Shöterebüjtt, das Schützenboot, ein Boot, wie es die Schützen
gewöhnlich gebrauchen; jö Dikkerekaar, der Deicherkarren; jö
Tāterepönn, die Zigeunerpfanne, dän. en Jydepande; de Söttere-
prijnn, die Schusterpirieme; dāt Gōnnerenêbb, der Gänserichschna-
bel ; jö Fásherekárst , der Fischbehälter ; dāt Kriemmerehüss , die Krä-
merdüte, dän. et Krämmerhuus; jö Kraugerewöff, die Krögerfrau;
dat Shjàrderelüjn, der Schnitterlohn; dāt Ràhsereshann das Kalb-


16

160

122

fell von einem ein-his zweijährigen Kalbe; jö Snájttereherberg,
die Tischlerherberge; de Shrüjderesuhmm , die Schneidernath; dāt
Prêsterhüss, das Pfarrhaus, und einige andre.


§. 91. Nachstchende Composita bekommen bei der Zusammen-
Setzung ein eingeschobenes s, als: de Lönsmōnn, der Landsmann;
de Ujllingsmōnn, der Oldingsmann, Odelsmann, (dagegen aber:
de Lōnmōnn, der Landmann; de Báddmōnn, der Bettelmann; de
Jungmōnn, der Jüngling); de Krichsmōnn, der Kriegsmann; dāt
Däisljägt , das Tageslicht; de Wäisjngde, die Wegeslänge; de
Wrällsijnne , das Weltende ; de Märkedsdäi , der Markttag; de
Nàiihrsjêwe, die Neujahrsgabe (Geschenk), aber dāt Ihrmārked
ist nicht der Jahrmarkt, sondern das Marktgesehenk; de Wrälls"
lupp, der Weltlauf; de Läwentslupp; de Hámmehlupp, der Him-
melslauf; jö Krichstidd , die Kriegszeit; de Mōnnshugde, die Manns-
höhe; jö Forständsöwing ' die Verstandesübung; jö Hártensāngst,
die Herzensangst; de Haurdswäll, der Kirchhofs wall; jö Hjlsnüjd,
die Feuersnoth ; jö Wahsersnüd, die Wassersnoth (aber dāt Wah"
serbräk, der Wassermangel); dāt Staatsklàid, das Staatskleid; de
Staatswäieii , der Staatswagen; de Staatsiiener , der Staatsdiener;
dāt üirbedslüjn, der Arbeitslohn; jö Bjàrnsnüjd, die Kindesnöthen;
Tóbacksdauhs, die Tabacksdose; Tóbacksriek (Raueh); Tóback-
pose; Tóbackspung ; de Kupmōnnssàhn , der Kaufmannssohn; de
Fidderläujnsliewde , die Vaterlandsliebe; jö Gōddshänn, die Gottes-
henne, Gotteslämmchen (Coeeinella); jö Dicksläst, die Deichsla-
sten; de Graufswäll;Ihrsüdd, die Jahreszeit; de Hierdsfaaged,
der Hardesvogt; jö Frêsensunnerhōndling , die Friedensunterhand-
lung; de Kniff sōdd, die Messerspitze; de Āmtsforwālter , Am tsver-
Walter; dāt Drillingsljāgt , das Dreilingslicht; de Shállingsstjütt,
die Schillingssemmel ' u. s. w.


Anmerk. Nur wenn das Wort » Herz" uneigentlich für Gefühl,
Gesinnung steht, heisst es Hartens in Zusammensetzungen, sonst
bloss Hart, als: Hartklōppen, Hartklāmmen, Herzgespann; Hart-
köhl, Herzgrube, aber Hartens fräude , Hartensmiening ' Hartensliew-
de, u. s. w. Auch mehrere andere, mit den Bezeichnungswörtern
in §. 91 , bekommen das s des zweiten Falles nicht, als: de Däi-
dnwwer, Tagetreiber; de Dêgewähler, der Tagewähler; dāt Ham-
melrick , Himmelreich ; dāt oder jö Mōnnlāll , die Mannszahl ; de


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Wahsertāpe, die Wasserhose (Wasserzapfnn); de Dickfaaged, Deich-
vogt; Dickgraaw, der Deichgraf; dāt Āmthuss, u. s. w. Vieles
ist hier ganz so, wie im Deutschen. Oft lassen Grund- und Be-
zeichnungswort sich mit einander vertauschen, und geben dem-
nach einen verschiedenen Sinn, als: iöHünnelānk und Lankehünn,
Hundkette, u. s. w.; de Wahserstruhmm, dāt Struhmmwahser , Was-
serstrom, u. s. w.; dāt Ōf er fêst und dāt Fêstōfer, Opferfest; de
Lànestäujl und Stäujllàne, Lehnstuhl; jö Fäjlshlāgt und dāt Slägt-
fäil, die Feldschlacht; dāt Bottelbier und de Bierbottel, das Fla,
schenbier und die Bierflasche, u. s. w.


§, 92- Wenn folgende Substantiva als Bezeichnungswörter ge-
brauêht werden, so stehen statt derselben die jetzt nicht mehr
nackt oder einfach vorhandenen altfriesischen Namen dieser Dinge,
als: dāt Klüss, altfr. Kluss, pl. Kluhse, Tücher und Kleider; de
Süss 9 Suhs, pl. Suhse, der Brunnen, nd. de Soot; de Eker, de
Ager, der Acker; dāt Läujnn, dāt Lōn, das Land; de Sträujnn,
de Strōn, der Strand; jö Bräujnn,Brōn, die Feuersbrunst;
jö Häujnn, jö Hōn, die Hand; jö Shäujnn,Shōti, die Schand-
that; de Shauch, pl. dá Shur, der Schuh.; jö Gäus,Gōs; dāt
Swinn, Swênn; dāt Gäujl, dāt Gōll, das Gold; dāt Kaurn, dāt
Körn, das Korn, u. s. w. Die Lautübergänge sind hier: ü in u.
e in ä, A( in g, at(; und äu in o, i in e, au in uh, äj in e. Beispiele:
de Räjdd, der Rath; de Rêdmonn, der Rathsherr; de Sōnmönn,
der Sandmann; Sonêker, Sandacker , Name zweier Dörfnr, von
denen eins im Kirchspiel Leck, das andere im Kirchspiel Rinke-
nis liegt; de Sōnkraug, der Sandkrug; de Sōnbānk, die Sand-
tenk; dāt Sōnskjarl, das Sandkörnchen ; dāt Suhsewashser , das
Brunnenwasser; jö Sōnköhl und jö Säujnköhl, Sandgrube, nd. de
Sandkuhl» dän. en Sandkule; jö Agerhānn, das Rebhuhn, Acker-
hn, dän. en Agerhöne; de Lōnmonn, der Landmann; de Lōn-
faaged, der Landvogt; dāt Lönrógt, das Landrecht; de Lönstricker,
der Landstreicher; Lōngraaw, der Landgraf; dāt Lōnfäulk, das
Landvolk; de Lōnmäjtter, der Landmesser; de Strōnfaaged, der
Strandvogt ; Strōnrógt , Strandrecht ; Strōnsätjn , Strandsand;
Strönfögel, Strandvogel, u.s.w.; de Brōnhage, Brandhaken; Brōn-
fäulk , Brandleute ; Brōnshātt , Brandschatzung ; Brönkasse;
JBr ōnwāgt, u.s.w.; de Hōnstōck, der Handstock; dāt Höntjàn oder


16*

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-tjàrn, die Handquehle; de Hōnlänger, der Handlanger; dāt Hōn-
wäirk, das Handwerk; de Hönslieck, der Handschlag; jö Hōn-
kliess, der Handschuh ; datShönklütten, Schandflecken, Schimpfen;
Shurkniep, die Schuhschnalle; de Shurbjàrsel, die Schuhbürste;
de Shurrieme; de Shurflácker, u. s. w.; de Gōseijürder, Gänsehirt;
Gōseflash, Gänsefleisch; Gösewing, Gänseflügel; Gōsebraaha, Gän-
sebraten; Gōseāi, Gänseei; Gōsekrōlle, Gänseblümchen; Gōseföjü,
Gänzefüsse; Gōsekrāse , Gänzekropf; Gōsesmähr, Gänzeschmalz ;
Gōsestài, Gänsestall; Gösehjàn, Gänseaar; Swênnehaad. Schweins-
kopf; -flāsh, -regg, -bjàrst, -ägel, -slagter, -jürder, -fäjtt, -stjàrt,
-kaurn , -snütte, -grōjnten , -fleisch , -rücke. -borste , -igel , -sehlächter ,
-hirte, -füsse, -schwanz« -korn, -schnauze, -grunzen; de Körnjür-
4er, Feldhirte, Flurschütz; de Kōrnquānker, der Kornquinkler,
d. i. die Wachtel, aber auch de Kaurnkug, Kornkog; de Kaurn-
êker, der Kornacker; de Kaurnhōndler ; de Gōllsmass, 1. der Gold-
Schmied, 2. die gemeine Libelle, Wasserjungfer (Libellula vulgata)
und überhaupt alle Libbelenarten ; de Gōllring, dāt llshümm,
de llstunge, die Goldstange; de Göllklump, aber de Gäujlêdder,
de Gäujlmāger, u. s- w- Die drei Wörter: de Säujl, dāt Shäujl
und dāt Bäujl gestatten eine zweifache Zusammensetzung , je
nachdem sie in der Einheit oder Mehrheit stehen, als: dāt Stäujl-
häigen, das Stuhlkissen; de Staulemāger, der Stuhlmacher; dāt
JShäujlgijl, das Schulgeld; jö Shauleforbähsering , die Schulverbes-
serung; jö Bäuyldöhr , die Hüttenthür; dá Baulêwanninge, die
Fenster der Hütten. Das Wort Mäujl, altfries. Maul, Mill, Millerde,
dän. Muld, engl. mould, bleibt unverändert in Mäujlwjàrpel , wo-
für man ganz unrichtig Mäujnwjàrpel spricht. Vergleichen wir
hier die Namen: Mäujlwjàrpel , dän. Muldwarp, engl. mouldwarp,
deutsch Maulwurf, so stellt es sich deutlich heraus, dass das Wort
Maul in Maulwurf nicht Maul (Mund, Schnauze,) sondern Millorde,
(las altfriesische Maul, bedeutet; und wirklich wühlt der Maul-
wurf immer nur Millerde auf, denn in der Thon- oder Kleierde
findet man ihn nicht. (Beiläufig bemerkt, hat man auf der Insel
Arröe keine Maulwürfn, obgleich man sie auf allnn benachbarten
Inseln, sowohl im Herzogthume Schleswig als auf den dänischen
Inseln, findet).
§. 93, Diejenigen Wörter, welche sich auf f endigen , und in


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125

der Mehrheit die Endung we bekommen, behalten diese in der
Zusammensetzung bei, wenn die Mehrheit angedeutet ist, als:
dāt Bräif, dāt Bräiwebauck, das Briefbuch, der Briefsteller; de
Bräiwepose, der Briefsack; dāt Reef,Räwejāgt, die Fuchsjagd;
Grauf, jö Grauwedieling , die Grabenvertheilung; dāt Ruf, dāt
webünn, das Strähnenbund; dāt Grêf,Grêwehuppe, die Grä-
beriiaufen, Gräberhügel; dāt Steef, die Fassdaube, jö Stewehäwel,
der Daubenhobel; Stewehōlt; de Thief, dāt Thiewepāck, das Diebs-
pack, u. s. w.


§. 94. Die einsilbigen Wörter, welche in der Mehrheit die
Endung inge bekommen, erleiden auch verschiedene Zusammen-
setzungen , je nachdem sie in der einen oder andern Zahl stehen ,
als: de Hüssmōnn, der Häusler, dāt Hühssingerá, die Häuserreihe;
de Krüssgràwe, der Krughenkel, dá Krühssingeladde ' die Deckel
der Krüge; de Kniffsōdd, die Messerspitze, dá Kniivwingeblehse ,
die Messerblätter; dāt Tünnstāk, das Gartengestänge, dá Tōhn-
ingethiewe, die Gartendiebe; dāt Rümm, Zimmer, de Röhminge-
mäler, der Zimmer- oder Stubenmahler ; de Shrönnborke, die
Beilade in einer Truhe, dá Shröningeladde , die Deckel derselben;
dāt Ihrbauck, das Jahrbuch, de Ihrgöng, der Jahrgang, de Ihrsdäi,
dar Jahrestag, jö Ihrstidd, die Jahreszeit, jö Ihrtāll, die Jahres-
uhl, aber jö Ihringetāll, die Anzahl einer Reihe von Jahren, de
Ihringetêller , der Jahrenzähler; dāt Shöff, de Shöffsgràwe, der
Schubladengriff, dá Shöwwingeke , oder -fäge ' die Schubladen-
fächer. — Man spricht: dāt's manning Ihr sunt, und dat ás manning
Ihringe sunt, »viele Jahre her", beides richtig und gleichbedeutend.


§. 95. Die Wörter, welche sich in der Mehrheit auf ene en-
digen, kommen auch mit dieser Endung in Zusammensetzungen
vor, als: de Ugenewārk, der Augenschmerz; dāt Ugenewahser; dāt
Mánsheneflash , Menschenfleisch; Mánsheneliewde ' Menschenliebe;
de Mánshenefnn ; de Hōgsenewārk, Kniebeugenschmerzen ; dá
Jōngensestràge , die Knabenstreiche; dagegen aber wieder: de
Uhgāpel, de Uhgentiener, dāt Uhgenbláck, dāt Uhgenláss, Augen-
lied; de Uhgenshinn: dāt Uhgenmäijtt, Augenmaass; dāt Uhgenmārk,
das Augenmerk; dāt Uhgenhäier, die Wimpern und Brauen oder
Braunen (Uberhäier?); de Uhgenedocter ; dāt Mansheāller, Menschen-
alter; de Iffanshelaurte , der Menschenkoth; jö Manshehäujnn, die


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Menselienliand; de Axefiedriwwer (s. Axene unter den Collectiven)
aber auch Ōgsedriwwer. Dat Uhgenbláck, der Augenblick, ist nur
dann sächlich, wenn es den kürzesten Zeittheil bezeichnet, dage-
gen männlich, wenn ein wirklicher Blick darunter verstanden
werden soll, wie: de Liewdeblack, der Liebesblick. Jö Mäjtt, das
Maass, ist nur in dem Worte dāt Uhgenmäjtt, sächlich, sonst
überall weiblich.


Gemischte Beispiele als Nachtrag zu dem Vorigen.

§. 96. De Tōmestōck, der Zollstab; dāt Wunnertieken , das Wun-
derzeichen; de Möhrstijn, der Mauerstein; jö Stijnmöhr, die Stein-


. . . .

niauer; de Ohlbuhmm, dāt Buhmmöhle, der Olbaum, u. s. w.;
dāt Fōgelböhr, das Vogelbauer; jö Mōlkkö, die Milchkuh; de Pōse.
klump, der Mehlbeutel, Budding; jö Böhserháx, die Butterhexe;
Háxebóhser, die Hexenbutter; de Slāgbuhmm, Schlagbaum; de
Bläujdhünn, der Bluthund; dāt Blätijdshōm, die Blutschande; jö
Lōftstrêpp, die Bodentreppe; de Flitsbōge, der Flitzbogen, kleine
Armbrust; jö Brüjdkröhm, die Brotkrume; jö Hillebóss, die Ho-
lunderbüchse, aus der die Knaben mit zusammengekauten Werg-
pfröpfen schiessen; dāt und jö Hōntrau, die sogenannte Handtreue
der Verlobten ; dāt Aiebier, Eierbier; dat Airebier, das Ehrenbier,
Begräbnissmahl ; dāt Bróráck , das Brückengeländer ; de Dägen
knōpp, Degenknopf; de Jàrdbāll, der Erdball; de Uhrewārk, der
Ohrenschmerz; jd Krābbeshäier , die Krebsschere; jö Pàwertwjàrn,
die Pfefferquerne ; de Ricksdäi, der Reichstag; de Ricksdaaler;
de Räidetāge, das Rohrdach; dāt Säjdkaurn, Saatkorn; dāt Shüll-
bräif, Schuldbrief; de Siemōtm, 1. der Seemann, 2. der Sämann;
Hêfwöff, das Meerweib; dāt Siddstóck , das Seitenstück ; de
Sánnwihsser, der Sonnenweiser; de Spräikliere, die Sprachlehre;
dāt Tobacksstaawling , das Ausräumsel aus dem Pfeifenkopfe; de
Döhrdrêmpel, die Thürschwelle ; de Slöhsedrêmpel , der Schleusen-
drempel; jö Düssstunn, die Todesstunde; dāt Fidderläujnn , das
Vaterland ; dāt Mudderläujnn ' das Mutterland ; de Waaldäi , der Wahl«-
tag; dāt Wähserglêss, das Wetterglas; de Wajnkelhāge, der Win-
kelhaken; de Wonterbähr, die Wintergerste; de Ullkaumm, der


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127

Wollkamm; dāt Urdebauck, das Wörterbuch; dá Balsaamblehse,
die Balsamblätter vom Balsamrainfarren ; dāt Räujttebêdd , das
Möhrenbeet ; dāt Tiddsāller , das Zeitalter ; jö Krogeshiess ' der
Grapenlöffel (nd. Sleef); de Suckerhäujdd , der Zuckerhut; de Ār-
bedsmōnn, Arbeitsmann; dāt Däilüjn, Tagelohn; dāt Klōckehüss,
1. das Uhrgehäuse einer Wanduhr, 2. das Glockengestühlc der
Kirchenglocken, anstatt eines Thurmes; de Döbstijn, der Taufstein ;
de Ālterdauck, das Altartuch; de Fōdderwjàrsing , der eingestri-
chene Hauptschwaden beim Heuen (Swàlen); de Hārwetunne, die
Eggenzinke; de Luhssekaumm, der Läusekamm; dāt Bjàrdsiep, die
Bartseife; jö Winnmêllen, die Windmühle; de Winntjaaler, der
Weinkeller; de Silleflácker, der Kesselflicker; de Mäjdlihsse, die
Hähzeit; de Fōdderbêrigt, die Heuernte; de Fäujtstāpe, der Fuss-
stapfen; de Machelsdäi, der Miebaelistag ; dāt Hájnsteráck, die
Heuraufe der Pferde; dāt Hānneráck , die Hühnerweime; dāt
Biergijl, das Biergeld, Trinkgeld; dāt Sollembêdd, das Wochen-
bett; jö Sollemwöff, die Wöchnerinn; dāt Ailäüjnn, das Eiland;
dāt Ailaumm, nd. Aulamm, d. i. Mutterlamm; dāt Shählwahser,
Scheidewasser ; dāt oder jö Potteshjàrd , die Topfscherbe ; dāt
Nükenpáwer, der Nelkenpfeffer; dāt Gräjddeblōck, kurzer Rasen-
acker am Dorfe; dāt Wjàrtshüss, das Wirthshaus; de Plömetünn,
der Pflaumengarten; de Swànewäjl, der Schwanenweiher (Name
einer Wehle im kleinen Kohldammerkoge ' sonst jö Swuhn statt
Swàn); de Hiehslupper, der Heideläufer, d. i. der Brachvogel; de
Ellenmause, dän. Ellemose, das Erlenbruch, Erlenmoor, jetzt ge-
meinschaftliche Dorfarbeiten; de Bankertütt , der Bankerot; dá
Bjártetācke, die Zacken am Hirschgeweihe; dāt Wäirktjöch, das
Werkzeug; dāt Bäirigwäirk, das Bergwerk; dāt Hōnwäirkstjöch,
das Handwerkszeug ; de Lägenkriemmer , der Lügenkrämer; de
Swōwesk, nd. de Swäbstähl, Peitschenstiel; de Swöwesême, die
Peitschenseime ; dāt Wäwlebaurd , das Wirkbrett zum Bandwir-
ken ; jö Knáppelkāg, der Lebkuchen; jö Knáppelsemmen ' die
Spitzenklöplerinn ; jö Hiehsbài, die Heidelbeere; dāt Jilltjöch, das
Feuerzeug; dāt Tānnerholt , das Zunderholz; de Swaawelplōck ,
das Schwefelhölzchen; de Wāgsbolter, gewundene Wachskerze.


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Menschenhand ; de Axenedriwwer (s. Axene unter den Collectiven)
aber auch Ōgsedriwwer. Dat Uhgenbláck, der Augenblick, ist nur
dann sächlich, wenn es den kürzesten Zeittheil bezeichnet, dage-
gen männlich , wenn ein wirklicher Blick darunter verstanden
werden soll, wie: de Liewdeblack, der Liebesblick. Jö Mäjtt, das
Maass, ist nur in dem Worte dāt Uhgenmäjtt, sächlich, sonst
überall weiblich.


Gemischte Beispiele als Nachtrag zu dem Vorigen-

§. 96. De Tōmestōck, der Zollstab; dāt Wunnertieken , das Wun-
derzeichen; de Möhrstijn, der Mauerstein; jö Strjnmōhr, die Stein-
mauer; de Ohlbuhmm, dāt Buhmmöhle, der Olbaum, u. s. w.;
dāt Fōgelböhr, das Vogelbauer; jö Mōlkkö, die Milchkuh; de Pōse.
klump, der Mehlbeutel, Budding; jö Böhserháx, die Butterhexe;
Háxebóhser, die Hexenbutter; de Slāgbuhmm, Schlagbaum; de
Bläujdhunn, der Bluthund; dāt Bläujdshōm, die Blutschande; jö
Lōftstrêpp, die Bodentreppe; de Flitsbōge, der Flitzbogen, kleine
Armbrust; jö Brüjdkröhm, die Brotkrume; jö Hillebóss, die Ho-
lunderbüchse, aus der die Knaben mit zusammengekauten Werg-
pfröpfen schiessen; dāt und jö Hōntrau, die sogenannte Hand treue
der Verlobten ; dāt Aiebier, Eierbier; dat Airebier, das Ehrenbier,
Begräbnissmahl ; dāt Bróráck , das Brückengeländer ; de Dägen-
knōpp , Degenknopf; de Jàrdbāll, der Erdball; de Uhrewārk, der
Ohrenschmerz; jö Krābbeshäier , die Krebsschere; jö Pàwertwjàrn,
die Pfefferquerne ; de Ricksdäi, der Reichstag; de Ricksdaaler;
de Räidetāge, das Robrdach; dāt Säjdkaurn, Saatkorn; dāt Shüll"
bräif, Schuldbrief; de Siemōnn, 1. der Seemann, 2. der Sämann;
Hêfwöff, das Meerweib; dāt Siddstóck , das Seitenstück ; de
Sánnwihsser, der Sonnenweiser; de Spräikliere, die Sprachlehre;
dāt Tobacksstaawling , das Ausräumsel aus dem Pfeifenkopfe; de
Döhrdrêmpel, die Thürsch welle ; de Slöhsedrêmpel , der Schleusen-
drempel; jö Düssstünn, die Todesstunde; dāt Fidderläujnn , das
Vaterland ; dat Mudderläujnn , das Mutterland ; de Waaldäi , der Wahl«-
tag; dāt Wähserglêss, das Wetterglas; de Wajnkelhāge, der Win-
kelhaken; de Wonterbähr, die Wintergerste; de Ullkaumm, der


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Wollkamm; dāt Urdebauck, das Wörterbuch; dá Balsaamblehse,
die Balsamblätter vom Balsamrainfarren ; dāt Räujttebêdd ' das
Möhrenbeet ; dāt Tiddsāller , das Zeitalter ; jö Krogeshiess , der
Grapenlöffel (nd. Sleef); de Suckerhäujdd , der Zuckerhut; de Ār-
bedsmōnn, Arbeitsmann; dāt Däilüjn, Tagelohn; dāt Klōckehüss,
1. das Uhrgehäuse einer Wanduhr, 2. das Glockengestühle der
Kirchenglocken, anstatt eines Thurmes; de Döbstijn, der Taufstein ;
de Ālterdauck, das Altartuch; de Fōdderwjàrsing , der eingestri-
chene Hauptschwaden beim Heuen (Swàlen); de Hārwetunne, die
Eggenzinke; de Luhssekaumm, der Läusekamm; dāt Bjàrdsiep, die
Bartseife; jö Winnmêllen, die Windmühle; de Winntjaaler, der
Weinkeller; de Sille flácker, der Kesselflicker; de Mäjdlihsse, die
Hähleit; de Fōdderbhigt, die Heuernte; de Fäujtstāpe, der Fuss-
stapfen; de Machelsdäi, der Miebaelistag ; dāt Hájnstêráck, die
Heuraufe der Pferde ; dāt Hānneráck ' die Hühnerweime ; dāt
Biêrgijl, das Biergeld, Jrinkgeld; dāt Sollembêdd, das Wochen-
bett; jö Sollemwöff, die Wöchnerinn; dāt Äiläujnn, das Eiland;
dāt Äilaumm, nd. Äulamm, d. i. Mutterlamm; dāt Shählwahser,
Scheidewasser ; dāt oder jö Potteshjàrd , die Topfscherbe ; dāt
Nükenpáwer, der Nelkenpfeffer; dāt Gräjddeblōck, kurzer Rasen-
acker am Dorfe; dāt Wjàrtshüss, das Wirthshaus; de Plömetünn,
der Pflaumengarten; de Swànewäjl, der Schwanenweiher (Name
einer Wohle im kleinen Kohldammerkoge , sonst jö Swuhn statt
Swàn); de Hiehslupper, der Heideläufer, d. i. der Brachvogel; de
Ellemaüse, dän. Ellemose, das Erlenbruch, Erlenmoor, jetzt ge-
meinschaftliche Dorfarbeiten ; de Bankerütt , der Bankerot ; dá
Hjörtetācke, die Zacken am Hirschgeweihe; dāt Wäirktjöch, das
Werkzeug; dāt Bäirigwäirk, das Bergwerk; dāt Hōnwäirkstjöch,
das Handwerkszeug ; de Lägenkriemmer , der Lügenkrämer; de
Swöwestêh, nd. de Swäbstähl, Peitschenstiel; de Swöweshne, die
Peitschenseime ; dāt Wäwlebaurd , das Wirkbrett zum Bandwir-
ken ; jö Knáppelkāg, der Lebkuchen; jö Knáppelsemmen ' die
Spitzenklöplerinn ; jö Hiehsbái, die Heidelbeere; dāt Jilltjöch, das
Feuerzeug; dāt Tānnerholt , das Zunderholz; de Swaawelplōck ,
das Schwefelhölzchen; de Wāgsbolter, gewundene Wachskerze.


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Zusammensetzung mit Beatimmungswörtern (Adjectiven).

§. 97, Diese werden ohne alle Veränderung mit dem Haupt-
Worte verbunden, wie in Lágtsánn, der Leichtsinn; Diepsánnig-
häid, Tiefsinn; jö Fristunn , die Freistunde; jö Kaurtswill, die
Kurzweil; jö Grotthártighäid , die Hoffahrt; de Huchmäujd, der
Hochmuth; dāt Lmgrn, Langeisen, Sech, am Pfluge; dāt Trinn.


Jōrn, das Rundeisen, eine runde Scheibe mit scharfer Schneide

. . . .

im Sech auf einer Axe; de Aiensann, Aiensannighäid , der Eigen.
sinn; de Äienliewde, die Eigenliebe; jö Kaurtsêgtighäid, die Kurz-
siebtigkeit; de Lungbuhmm, der Langbaum; de Lungwāien, der
Langwagen; dāt Langstrái, Lunghulem, Langstroh; de Blinnemö-
me, die blinde Mumme (»vermummen''), d. i. Blindekuh spielen;
dāt Nàiihr, de Nàiihrsdäi, de ührsjewe, das Neujahr, u. s. w.;
Wittbier, Brunnbier, Weissbier, Braunbier; de Witibácker, 1. der
Weissbäcker, 2. die weisse Meerschwalbe (Sterna hirundo); de
Wênnhácker , die blaue Meerschwalbe (Sterna nigra); de Göhl-
bácker, die gelbe Bachstelze (Motacilla flava); jö Göhlsêgt, die Gelb.
sucht; deFrihiere, der Freiherr; jö Sljogthäwel, der Schlichthobel;
dāt Rálähser, das Rohleder, nicht genug gegerbtes; de Grōfmass,
der Grobschmied; de Kliensmass, der Kleinschmied, der Schlosser;
de Twárrdriwwer, der Quertreiber, ein quersinniger Mensch; de
Twárrbüjlke, der Querbalken; dāt Krumm lt, das Krummholz;
Grágäus, die Graugans; jö Ermänjd, die Armuth; de Plātfäujtt,
der Plattfuss; dá Gróttemānns , die Grossen, Vornehmen, nom.
coll.; dáRickedege, wörtl. die reichen Tage, der Reich thum, auch
ein Coilectivum ; Krussemünt , Krausemünze ; iterkliewer, Ktterklee.


Zusammensetzung mit Zeitwörtern.

§. 98. Diese behalten in der Regel nur die Stammsilbe , wenn
sie als Bezeichnungswörter stehen, wie in jö Riddbaan, Reitbahn;
dāt Shriwbauck, Schreibebuch; de Báddmönn, der Bettelmann; jö
ddmff, das Bettel weib; de Släipkāmmer , die Schlaf kammer;
de pmōnn, der Kaufmann; de Springhájnst, der Zuchthengst r


169

129

de Sjunggel; dāt Dráinkkruss , der Trinkkrug; de Fällhäujdd,
der Fällhut; jö Fāllsêgt, die Fallsucht; jö Mäjtsnaur, die Mess-
schnur; de Striddhāmmer; di Sörrigkluuhse , die Trauerkleider; de
Dōnsmäister, der Tanzmeister; dāt Strickjōrn, das Plätteisen, Bü-
geleisen; de Bágmäister, der Baumeister; de Flàhspase, der Flips-
beutel, d. i. der Ausplauderer; dāt Shrāwjjōrn, das Schabeisen,
Scharreisen, die Scharre; deBáddpose, der Bettelsack; dātBraah-
spátt, der Bkratspiess; jö Brānnnill, die Brennnessel; dāt Brānn-
hölt , das Brennholz ; dāt Kānntieken ; jö Swummbläihs , die
Schwimmblase; dāt Brêgjōrn, das Brecheisen; de Têkstäujl, der
Deekstuhl der Dachdecker; dāt Wālkbaurd, das Walkbrett; jö
Kläihskātt, die Kratzkatze, von balgenden Knaben, die mit den
Nägeln kratzen, kläihsen; dāt Hielmiddel, das Heilmittel; de
Spārbüsh, die Sparbüchse; jö Bārmudder, die Wehmutter, Heb-
amme; dāt Brêgmiddel, (das Brechmittel; de Brausill, der Brau-
kessel; dāt Gōngtjōch, Räderwerk in Uhren, Mühlen, u. s. w.; de
llhaurn, das Füllhorn; de Slippstijn, der Schleifstein; de Sie-
mhm, der Sämann; dāt Spánn fijl, das Spinnrad; de Dräibānk,
die Drechselbank; de Ihlbōse, der Eilbote; de Faurmönn , der
Fuhrmann; de ppbrauser, der Saufbruder; de Shjàrdlihsse, die
Schnitterleit; de Spōtfögel, der Spottvogel; Pāckhüss. Dagegen
aber auch: dāt Lêsebauck, Lesebuch; jö Fōlgetidd, die Folgeleit;
dāt Räisegijl, das Reisegeld; jö Bjarneköhl, die Tränkgrube; dāt
Fragetieken, das Fragezeichen; de Plêgefidder, der Pflegevater;
dāt Gögelspál, das Gaukelspiel; de Tānkestràg, der Gedanken-
strieh; de Bahsegāst, der Badegast. Aber diese Fälle sind seltener
als die mit der blossen Stammsilbe, wie: Blaasbielig, Blasebalg;
de Brānnwinn, der Branntwein; de HMstijn, der Heizstein, d. i.
der Feuerheerd,


Diejenigen Zeitwörter, welche sich auf eln und ern endigen,
verlieren bloss ihren Endbuchstaben n, als: de Wallerbuhmm, die
M ühlenwelle ; de Támmermōnn, der Zimmermann; dāt Wádder-
wähser, Wetter zum Wittern des Heues, der Kleider und Wä-
sche; jö Slāsertāsh, die Plaudertasche; jö Wjàrpelshimwel ' die
Worfschaufel; de Tontelstōck, der-Klöppelstock; dāt Nêsteluvierew ,
unnütle Nebengewerbe; jö Pràgelhohs ' der Stricks trumpf; jö
Skrájngelboss oder Rajngelboss, von shrájngeln, rafjngeln, schellen,


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170

130

klappern, die Kinderklapper, Schellenbüchse; de Gögelmōnn, wört-
lich: Gaukelmann, die Gliederpuppe, Drathpuppe, Hampelmann,
u. s. w. Einzelne verwandeln die Endung ern iu ere, als: dāt
Grásterebaurd, das Gässelbrett, Brot- oder Ofenschieber, auch de
Gljàrder genannt. Wenn sie sich auf nen endigen, bleibt ihnen
nur die Endung en, als: dāt Rägenbauck, das Rechenbuch; dāt
Tiekenbauck, das Zeichenbuch, u. s. w. Auch zusammengesetzte
Zeitwörter werden, wie jedes Zeitwort, durch Vorsetzung des
sächlichen Geschlechts, ganz wie im Deutschen, zu Substantiven
erhoben, als: dat Trinnámmeruken, das Rundumsprechen, und de
Trinnámmeruk, wörtlich: der Rundumdenschober; dāt Mäjddewāl-
lern, das Math wälzen; dá Toläjtsluhggen , das Lamentiren; dāt
Tokiersgungen 9 das Zukehrgehen, u. s. w.


Mit Zahl- und Fürwörtern.

§. 99. Jö Ijnbágg, der Einbau, ein einzeln liegendes Haus,
fern von andern, eine Einsiedelei, dän. en Enebolig; dāt Ijnhaurn,
das Einhorn; de Tristāpe, von stāpen, stapfen, der Dreistapf,
ein grosser hölzerner Dreifuss oder Tonnenbock, der besonders
heim Brauen gebraucht wird ; de Trifäujtt , der Dreifuss ; dlt
Fierdingkār, dän. et Fjärdingkár, das Viertelfass d. i. 4 Shipp;
Saawenstäir, das Siebengestirn; dāt Agendijl, das Achtel, als
Buttermaass; de Saawensläiper , der Siebenschläfer; dāt Fierkānt,
das Viereck; dāt Thugmarksstock ' das Zweimarkstück; dāt Fjauer-
Fiew- Aagt- Tien- Twêllew- Sêgstäin- Twontig- Feertigshallingsstock,
das 4- 5- 8- 10- 12- 16- 20- und Vierzigschillingsstück; de Dusend-
kunstler , der Tausendkünstler; jö Āllmāgt, die Allmacht; de Āll-
ienehōndler, der Alleinhändler; dá Twánlingsbrauhsere , die Zwil-
lingsbrüder; dāt Twánlingepār, das Zwillingspaar; dāt Triebleess,
das Dreiblatt; de Sêllewliewde, die Selbstliebe; de Sêllewmaurder ,
der Selbstmörder.


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Letzte Zugabe vermischten Inhalts.

§. 100. De Shōntijn, der Schornstein; jö Āltong statt Jiltong,
die Feuerzange; de Faurtêle , die Vordiele; dāt Tunnerwähser ,
Donnerwetter (dāt fäir Wàhser, Gewitter); dāt Naurdljägt, das
Nordlicht; de Faarbäirig ' das Vorgebirge; dāt Ihkhölting ' die
Eichenholzung; jö Stijnklápp, die Klippe , Fels; dāt Sāmmetklápp,
eine sammetne Kopf- oder Stirnbinde alter Weiher; dāt Bógslinge-
pp, der Hosenlatz; de Rinboge, der Regenbogen; de Mähldáwwer
der Mehlthau; de Hönningdáwwe, der Honigthau; de Fōdderruk,
der Heudiemen, Schober; de Ulwefihss, wörtl. der Wolfsfist, d. i.
der Bovistkugelschwamm (Lycoperdon Bovista L.); jö Bái, die
Beere; Taurnebáie, Brombeeren; Himbáie, Johannisbàie oder Hans-
bäie; Saalbàie, schwarze Johannisbeeren; Stickelsbàie , Stachelbee-
ren; Jàrdbàie, Hiehsbàie; dāt Quácksêlwer , . das Quecksilber; de
Adelstijn, tstijn, Slippstijn, Jilstijn, Flintstijn, Mêllenstijn, Mag-
netstijn , Möhrstijn, u. s. w. ; jö Wāllnàhs , die Wallnuss ; de
Magándelbuhmm, der Wachholder; de llāpel;Ridderspōr,
der Rittersporn; dá Āpelkrölle, Kamillen; jö Mijll, die Melde
(Atriplex); jö Pàwerräujtt, der Meerrettig; de Dünnhāmmer, der
Rohr- oder Teichkolben (Typha latifolia); dāt Āiswitt, Ei weiss;
de Āisdaaler, der Eidotter; dāt Shaasenêst, das Elsternest; jö
Föglekōi, das Vogelkäfig; de Küjlwürm, der Kohlwurm;Shäi.
petàhg, Schaaf zecke; de Wāllfásh, der Wallfisch; de Siehünn, der
Seêhund; de Ellemhoge statt Êllenboge, der Ellbogen; de Lōnke-
pote , das Hüftpolster; jö Knäiblingetreel , die Kniescheibe; de
Bêktäirem, der After; jö Gijttkōnn, die Giesskanne; de Bölktōck,
die Pflugreute; jö Wōnnüjlling, die Schwingwanne, von wnen,
das Korn in einer flachen Mulde schwingen; de Bāckauwen, der
Backofen; de Bācktrōg; dāt Wāllerholt, das Wellerholz; jö Sêtun-
gel, die Setzangel nach Hechten; de Winnhünn, der Windhund;
de Winntāper, der Weinzapfer; dāt Ōgsehaad, 1. der Ochsenkopf ,
d. das Oxhoft; dāt Kámmesaul, das Kamisol ; jö Möhrshiess, die
Hauerkelle; dá Wanningepōste , die Fensterpfosten; dāt Rielaaken,
der Bettvorhang ; dāt Bläujdsluhggerjōrn , das Lasseisen , der
Schnäpper ; dāt Hájnstedäken , die Pferdedecke ; jö Thiewestich ,


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der Diebssteig (im Riesummoor); de Stichbögel, der Steigbügel;
de Drāgtstring, der Zugstrang; de genstijn, der Rechenstein,
Schieferstein, sonst auch bloss: dāt Brátt; de Shäujlmäister , der
Schulmeister; de Shantpule , der Schandpfahl; dāt Brānnmārk,
das Brandmal; dāt Tugthüss, das Zuchthaus ; de Lickbāre, die
Leichenbahre; de Tāshenspàler , der Taschenspieler; de Shurrelup-
per, der Schlittschuhläufer; de Addelmōnn, der Edelmann; de
Stāllmäister, der Stallmeister; jö Kāttōhl, die Eule» nd. de Kat-
uhl (Katzeule); dāt llehäigen, das Nadelkissen; de Ljāgtsnōwe,
die Lichtschnuppe; de Wahserōmmer, der Wassereimer; de Wālt-
haurn, das Waldhorn; dá Gichelstringe , die Geigensaiten; dāt
Minggäujd, das Mengelgut; deÊnnhörringe, die Ahenddämmerung,
das Zwielicht; de Wárkeldäi, der Werkeltag; de Hālligdäi, der
Feiertag; Hālligênn, Feierabend, aber Hilligenne, die heiligol
Abende; dāt Wonterkaurn, das Winterkorn; de Sámmerrōgge ,
der Sommerroggen; de Hānepêker, der Hanfacker; jo Sàneptwjarn,
die Senfquern (Handmühle); de Sāllgortel, der Sattelgurt; de
Wirkpule, der Zaunpfahl; deKantōffelāpel, die Samenäpfelchen oder
Beeren der Kartoffeln; dePoppierboge, der Papierbogen; jöFáshere,
wāhs, die Wathe, grosses Zugnetz; de Prāckerfaaged oder Pracke-
refaaged, der Bettelvogt; de Stjörmönn, der Steuermann; de
Bipsläger, der Reifschläger, müsste heissen: de wsluhgger, Taur
Schläger, jenes ist nd.


Anmerk. Die Benennungen der Himmelsgegenden erleiden,
wenn sie bestimmungswörtlich mit andern Hauptwörtern verbun-
den werden, folgende Veränderungen, als: Sóssrihseem, Sósslon-
halm, statt: Suhsserrihssem und Sühsserlonhalm , Südriesum und
Südlindholm. Aus Sühssen, Süden , macht man gleichfalls söhser, statt
sähsser. Ferner : Nordrihssem , Nordlonhalm , statt : Naurd oder Naur-
dêr. Weiter heisst es: de Āstemaure, de Westêmaure , Oster« und
Westermoor; dagegen sagt man aber: Āstersnōtebüll nnd Wêster-
snōtebüll, Oster- und Westerschnatebüll; de Āsterhāllig, Wêster-
hāIlig, Söhserhāllig, NaurderhāIlig, Naurdêrläujnn und Söhserläujnn;
ffaurderhjàrn, Norderhörn, Söhserhjàrn, Süderhörn; Nannrderueh,
Norderoog; aber wieder Nordsträujn, Nordstrand; Nordhackstähs,
Nordhaekstedt; Āsterdick, Osterdeich; Söhserdick; Söhsermh, Sü-
deroog; dāt Āsterläujnn und Wêsterläujnn i. B. auf Föhr; Āster-


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häwer, Wêsterhäwer, in Eiderstedt; Āstêrhuhssem ' Osterhusum;
Āsterlünn , Osterlund ; Wêstergārde ; Asterijnne , Osterende ; de
Nordijnne und Naurderijnne.


Einige Laut- oder Klangsynonymen.

§. 101, Jö Bài, die Beere, bài, Praep. bei; dāt Bauck, das Buch,
ick bauk, ich buk; jö Blāhs, die Flamme, von blāhsen, intr.,
dāt Bleess, das Blatt; de Bröhk, der Zahlenbruch, de Bröck oder
Brück, der Brauch, Gebrauch; de Dick, der Deich, jö Diek das
Grübchen; jö Döhr, die Thüre, döhr, Praep. durch, hindurch;
Dráft, die Trift, he dráft, er treibt; de Fāll, der Fall, dāt
Fáll, 1. das Füllen, 2. Fell; jö Feest, die Faust, dāt Feest, das
Fest; dāt Fäjll, das Feld, jö Fäil, das Gefühl; jd Feel, die Feile,
ick fül, ich fiel; dāt Fjàrsh, der Vers, fjàrsl», frisch, ungesalzen,
fjàrsh Wāhser, süsses Wasser; de Gālt, der Borg, verschnittener
Eher» he gāllt, er weint; de Gêdd, der Hecht, gêd! ja, du
lltest wohl!; de Grünn, der Grund, ick grunn, 1. ich mahle, auf
der MühIe, 2. gründen; de Gäihs, der Dünger, dá Gäis, die Gänse;
jö Bānn, die Henne, jö Hánn, das dünne Häutchen; dāt ifárt,
das Herz, hárd, hart; dāt ifierd, die Harde, ick hierd, ich hörte;
de Hupp, der Haufe, de Hōpp, der Hüpf, von höppen, hüpfen;
jö HM, die Mütze, dāt Hōll, der Hintere, das Gesäss; jö oder
de HSll, der Holunder, jö Hijll, die Helde, Fussfessel; dāt Ihr,
das Jahr, ihr, eher, früher; de Jüll, die Weihnachten, ick; jull,
1- ich wimmere, 2. ich gelte; dāt Klápp, eine Kopfbinde, dāt
flipp, der Hosenlatz; de Klömp, 1. die Klampe, 2. Schober, de
Klump, der Kloss, Klump und Klumpen; de Knöpp, der Knopf,
deKnópp, 1. die Schwammdose, 2. kleine harte Erhöhung; dá
Krêfte, die Kräfte, de Krêfte, der Krebs, Krebsfrass, (das Thier
ist de Krābbe); dāt Lāck, der Lack, de Lack, der Leck; jö Lāst,
die Last, jö Last, der Leisten; dāt Lick, die Leiche; dāt JUek,
ein Knabenspiel mit Schüssern; jö Luft, die Luft, jö Lōft, die
Zimmerdecke und der Boden, dän. et Löft; dāt Mālt, das Malz,
jö Mált, die Mill; dāt Mäujt, die Begegnung aus entgegengesetz-
ten Richtungen, dāt Mäujd, der Muth; jö Meel, die Meile, dāt


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i

i

Mähl, das Mehl; jö Muss, ein weiblicher Kopfputz, dāt Müss, \
das Müssen, der Zwang; jö Möhr, die Mauer, mörr, mehr; de
Mass, die Messe in der Kirche, mass, miss, fehl; jö Nêll, die
Nadel»Nill, die Nessel; dāt Pāck, der und das Pack, dāt
Pack, das Pech; dāt Pāss, der Pass, iāt Pass, der Harn; dePriss,
der Preis, jö Priehs, die Priese; de Räjdd, der Rath, jö Räihd,
das Rohr; de Rāng, der Rang, jö Itānk;, die Ranke; dāt Rêf, der
Fuchs, jö w, der Rechen, die Harke; de Riek, der Rauch, dāt
Rick, das Reich; de Rōck, der Spinnrocken, de Róck, der Rock;
Snār, 1. die Schleife, 2. die Schlinge, jö Snäar, die Schnur,
Schwiegertochter, (jö Snaur, die Schnur zum Schnüren); de Ställ,
der Stall, dāt Stálling, das Gestell, auch in Swáckstálling , um
eine Graupenmühle, stáll, stille, stöllen, 1. stillen, 2. stellen,
daher Stálling, Gestell;« de Stähg, der Stich, jö Steeg, der Steig;
de Stōck, der Stock, dāt Stócks das Stück; de String, 1. der
Strang, 2. die Saite, string, strenge; dāt Táw, das Tau, jö Thàw,
die Tiffe, Petze; jö Wāgt, die Wache, jö Wágt, 1. die Wage,
2. das Gewicht, die Schwere; jö Waag, 1.die Woge, 2. die Wage,
von waagen, wachen und wagen, äujn'e Waag sêtten, in die Wage
setzen z. B. das Leben, jö Wàg, die Woche; de Bōlle, die Beule,
de Bulle , der Zuchtstier; de Jōnge, der Junge, dá Junge, die
Jungen eines Thieres; de Lāpe, der Lappen, de ppe, die Lippe,
Lefze; jö Kuppel, die Koppel im Felde, de Koppel, der Rücken,
wenn man jemand huckepack darauf trägt, daher koppeln, jemand |
auf dem Rücken tragen: eine Koppel Pferde (eine Schnur) ist: jö
Kāwel Hájnste; de Shāmmel, der Schemel , de Shámmel , 1. der
Sehinunel als Gewächs, 2. ein Pferd; de Rācker, der Schinder,
de Rácker, der Rekel, Bengel; dāt Wäsen, das Wesen, dāt Weesen,
das Sein; jö Däged, das Gedeihen, jö Döged, die Tugend; dāt
Fāllig, die Brache, fāllig, ordentlich , recht, fállig, fällig von
Geld und Zinsen, Schulden; dāt Sháp, das Schiff, dāt Shāp, der
Schrank; de Shoot, der Schuss und der Schoss, dāt Shott,, das
Schutzbrett; de A'lk, (Albering) der Iltis, jö A'lk, der AIk, ein
Wasservogel (Alca torda), jö Ālk, die Dohle (CorvusmonedulaL.);
Shróck, die Tasche in Kleidern, shróck, Adj. keine Eier mehr
legend; dāt Spátt, 1. der Spiess, 2. ein Spaten voll, dāt Spātt, dāt
Spath der Pferde; dāt M, das Feuer, jö JM, die Eile; jö Shiess,


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der Löffel, jö Shiehs, die Scheide; de Bāhse, der Nutzen, Vor-
tineil, dā Bahse, 1. die Bäder, 2. die es andern zuvorthun; jö
Hieling, die Heilung, jöHijlling, die Neige, jö Hêlling (Hijlling?),
die Nachgeburt; jö BestáIling, 1. die Bestellung, 2. Bestallung
eines Beamten, jöBestālling, Bestallung der Viehstände; dāt Láss,
pl. sse, Glieder, dáLàhse, Gliedmaassen , jöLāhs, die Scheune,
Scheuer, pl. dá Lāhse.


Sinnverwandte Wörter (Synonymen) aus dem bishetigen.

§. 102. 1. Jö Bágg,Bágning.Bágg ist der Bau, be-
sonders iu Jjnbágg, wörtlich: der Einbau, mit dem Zahlworte ein
zusammengesetzt, dän. en Enebolig, ein einzeln liegendes Haus,
z. B. auf einer Heide oder in einem Walde ; jö Bágning ist der
Bau und das Gebäude.


2. Dāt Baurd und jö Plānk, das Brett und die Planke.

3. Bàligen, bijlken und têllen. ligen und bijlken ist beides :
jemand sehr laut zu- oder nachrufen, damit er herkommen soll.
Uebrigens scheinen beide Wörter in dieser Beziehung nur ihrer
Abstammung nach verschieden, da bàligen von len, bellen, abge-
leitet ist. Têllen führt den Begriff des lauten Rufens nicht mit sich '
und schliesst ihn sogar aus, wie in intellen, 1. jemand einrufen, 2.
bei jemand vorsprechen, 3. mit dem Nebenbegriffe ihn mitzuneh-
men, wenn beide nach einem und demselben Orte, z. B. zur
Kirche, zu Markte, zur Schule, u. s.w. wollen; tötêlen, 1. jemand
anreden, 2. einem derben Bescheid sagen, 5. ihn aus dem Schlafe
wecken, wieknen. Têllen ist auch zählen, und tótêllen, zuzählen,
ab z. B. he têlld ham dāt Gijl tó, er zählte ihm das Geld zu,
daher nun: ámtêlIen, umzählen, êftertêllen, nachzählen, auftêllen,
abzählen, faartêllen, vorzählen, fortêIlen, erzählen.


4. Dāt Batt, dāt Mundstóck. Beide werden für Pfeifenspitze
gebraucht: dāt Mündstóck (Mundstück) ist dem deutschen Worte
nachgemodelt, und findet sich auch an Blasinstrumenten; dāt tt
ist von bitten, beissen, abgeleitet.


5. Dat Āmt, dāt Hierd, dāt Birk. Dāt Āmt, das Amt, ist
uiiter diesen dreien vom weitesten Umfange und schliesst die


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Harden und Birke in sich. Dem Amte steht ein Amtmann, der
Harde ein Hardesvogt und dem Birk ein Birkvogt vor. So hat
z. B. das Amt Tondern gegen 50 Kirchspiele, 10 Harden und nur
einzehie Birke in den dänischen Streugründen.


6. Bijlken , tijtten , shràien , shrulen. Daraus entstehen : de
Bijlk, ein Ruf, Nothruf; dāt Toot, der Lärm, das Getöse; de
Shrài, der Schrei; dāt Shrulen, ungezogenes, lautes Weinen.


7. Jö Blêch, dāt Laaken.Blêch ist überall das Laken, pl.
Blêche; dāt Laaken kommt nur in Rielaaken (Bettvorhang) vor.
Von einigen wird auch Laaken statt Dauck (Tuch) als Stoffname
gebraucht.


8. Jö Boss,Flint, dāt Gewähr, die Büchse ' Flinte und
das Gewehr.


9. De Brài, dāt Wālling. De Brài, der Brei, die gekochte
Grütze, ist dicker und fester als dāt Wālling, z. B. Mählbrài,
Tahserbrài, Buchweizengrütze, Rihssebrài, Reisbrei; dāt Wālling
ist dünner und kommt von wāllen, wallen, aufwallen, kochen,
im Dän. und nd. Välling und Welling, eine Hilchsuppe.


10. Dāt Brāk, de Māngel. Dat Irāk, von brêgen, gebrechen,
mangeln, wird so gebraucht, z. B.: Ick häw Brāk faar Gijl, ich
bin des Geldes bedürftig, weil ich es gebrauchen muss; ick häw
Māngel sagt man auch , wenn man überhaupt nur wenig hat.
Ick häw wäjl Māngel äujn Gijl, aurs ick häw'r eck nijn Brāk faar,
ich hábe zwar Mangel an Gelde, aber ich bin desselben aueb
nicht bedürftig; Gijlbrāk, Wāhserbrāk, Gjàrsbrāk. He hêt nijn
Brāk, er leidet keinen Mangel; dāt hêt nijn Brāk, das hat keine
Noth, hat nichts zu bedeuten.


11. De Brück, de Wànigt, de Wihsse, de Shácke. De Brück,
der Gebrauch, die Sitte; de Wànigt, die Gewohnheit; de Wihsse ,
die Weise; de Shácke (Sitte), nd. de Shick, dän. en Skik, Sitte;
de Shácke ist auch die Form , das Passende , als : dāt Mt nān
Shácke, nd. dát hêt jaa keen Shick.


12, Dāt Brüjd, de Trólling, de oder dāt Lief. Dāt Brüjd ist
Brot, als nomen materiale; de Trólling , ein geformtes Schwan-
brot, nom. appellativum ; dāt Lief, der Laib, also gleichbedeutend
mit Trólling. Dāt Wittbrujd, de Stjött,Kāg, das Weissbrot,


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die Semmel (nd. en Stuten), jö Kāg, der Kuchen, dāt Wittbrüjd,
das Weissbrot.


43. Jö Braahs, der Braten ; jö Smurepōnn, die Schmorpfanne , zur
Zeit des Schweineschlachiens, allerlei Geschmortes vom Schweine.


14. De Brānd , jö Bräujnn, beides von brānnen, brennen, der
Brand msd die Feuersbrunst; auch sagt man: Dirr's Ljll lüss, da
ist Feuer los (ausgebrochen) , woraus man im Dän. das sonderbare
Substantivum: en Ildlös (ein Feuerlos) gebildet hat.


45. De Brōdd, ein kurzer, spitzer Stift oder Stachel, dän. en
Bröd, Bráad, daher das Verbum brōdden, damit beschlagen, auch
der Insectenstachel , der aber auch de Paurte genannt wird. Huhm
hrōddet sin Hōltshur, wán't isslāget hêt, man stachelt seine Holz-
sebuhe, wenn es geglatteist hat.


16. Dāt ch, de Paurte , das Gefängniss und der Kerker.

17. De Bück, dāt Liff,Wumm, der Bauch, der Unterleib,
der Wanst, u. s. w.


18. DātjBünn, datjPāck?, dāt Pāckenilketi, de jnte, das Bund,
der Pack , das Päckchen mit den Siebensachen ' und das Bündel.


19. De Bush, de Tōle; de Bush, der Busch, wie Rausebush,
Rosenbusch, u. s. w., de Tōle wird nur von kleineren und kürzern
Pflanzen gebraucht, als: de Rōshetōle, Rinsenbusch, Gjàrstōle,
Grasbusch, Baanetōle, Rainfarrenbusch, Kliêvertōle, Kleebusch, aber
nnr wie sie auf dem Felde stehen, nicht abgerissen.


20. De Bunk, de Hüpp, de Flōse, dän. en Bunke, en Hōb, en
Flock, engl. a heap und a flock. Im Deutschen heissen alle drei
Wörter der Haufen, aber jedes derselben in verschiedener Be-
Ziehung. De Bunk braucht man z. B. von Heu- Stroh- Erd- und
Sandhaufen, die unordentlich zusammengeworfen sind. De Hupp
iit das deutsche Haufe und das nd. Hup, daher huppen, häufeln,
käufen, z. B. die Kartoffeln, áphuppen, aufhäufen; de Flōse ist
nur auf Menschen und Thiere anwendbar, nicht auf leblose Din-
ge' wie: en Flöse Shäip, Jungense, Manshene, Gäis, Hānne o.s.w.
Wird Hüpp auf Gattungsnamen bezogen, so ist es en Hupen , als:
rwjàrn'n Hupen Manshene, he hêt'n pen Gijl, 'n Hupen Bjàrne.
De ingde, Menge, ist mit Flōse sinnverwandt.


M. Jö Bró,Slöhs, die Brücke und die Schleuse, jö Stijn.
bró ist aber das Steinpflaster.


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22. Jö Dauhs, de Eesh, de Bösh, de Klubbe, die Dose, die
Schachtel, die Büchse und der Kober. De Klubbe ist aber auch
der hölzerne Klotz an der Fusskette der Pferde, die man ihnen
anbindet, damit sie nicht über die Gräben der Fennen springen;
auch das dicke Ende einer Keule, und dergl.


23. De Dauk, dāt Klüss. De Dauk ist das Tuch als Gattungs.
name, dāt Dauk als Stoffname, wie in: de Naasdauk, Nasentnch;
de Shróckenaasdauk, das Taschennasentuch, de Bärdauk (Shê-,
dauk), de Lickdauck, das Leichentuch; dāt Klüss dient zum Um.
schlagen oder um etwas darein zu schlagen, als: he dregt 't äujn
,n Klüss, er trägt's in einem Tuche.


24. Jö Köhl, die Grube, jöDiek, das Grübchen, z.B. im Kinne;
Köhl, dāt Greef, die Gruft und das Grab.


25. Dāt Ār, die Narbe, jö Shrāmm, die Schramme, deRàhw,
der Riss, de Háw, der Hieb, die Schmarre.


26. De Dick, der Deich, wie: de Heefdick, de iedick, de
Sámmerdick, de Dōmm, der Damm, nur über Graben, wo das
Heck steht, de Tálldōmm, ein aus Brettern über den Graben ge-
legter Damm.


27. Dāt Dōf, dāt Düppelse, die Tunke; dāt Dōf ist eine dickere
mit Mehl oder dergl. versetzte Tunke, daher dōwwen, eintunkea


28. De Dring, de Jōnge, de Twitter, der Knabe, der Junge, der
flinke Bursche ' im 'Uebergange vom Knaben- zum Jünglingsalter.


29. De Drōnk, der Trunk, z. B. en Drōnk Bier, de Dráink,
der Trank, wie Kräutertrank ' Arzneitrank; de Drōnk ist auch der
Trunk als Laster, als: he as äujn 'e Drōnk forllen, er ist dem
Trunke verfallen.


30. De Drōpp, dāt Drüpp, dāt Tur, dän. en Draabe, en Taar,
engl. a drop. Man gebraucht alle drei Wörter ohne Unterschied
um etwas Weniges an Flüssigem zu bezeichnen, als: dugh me en
Dröpp Wahser, en Drüpp Winn, en Tur Mōlke, gieb mir einen
Tropfen Wasser, einen Tropfen Wein, einen Tropfen Milch.


51. Jö Düjns, dāt Wäsen, dāt Läwent;Düjns von duhggen,
bezeichnet das Thun, und hier ein übermässiges Zuvielthun, wo-
von das Halbe genug wäre; insofern ist es auch mit Läwênt und
Wäsen verwandt. Man sagt: dirr wās en grott Düjns , en grott Wir
sen und en māl Läwent, ein grosses Thun (viele Umstände), en


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grott Wäsen, viel Aufhebens, Wichtigmachens u. s. w. ; en sierem
Lāwent, en māl Läwent, ein tolles Leben, und: dirr làit en māl
Hüss, da liegt ein böses Haus, da setzt es was ab! Von Düjns ist
de Dōjnte, ein Dönchen, abgeleitet welches auch für Aneedötchen
gelten kann.


52. Dāt Fáck,Shróck,Tāsh; dāt Fáck, die Ficke, eine
Hosentasche; jö Shróck, eine Rocktasche, Westentasche; jö Tāsh,
eine lose Tasche, die angebunden und abgelöst werden kann, als:
Knipptāsh,Jāgttāsh, aber dá Rockshrocke.


35. De Fāll, de Tófāll,Begäwenhäid,Hijnning, de Slump,
der Fall, der Zufall, die Begebenheit, das Ereigniss, der Schlump.
De Slump ist auch eine gute Menge, als: en Slump Gijl, eine
Menge Geldes.


54. Dāt Fāt, de Sêtter,Shähl, de Dásh, dāt Nāps. Dāt Fāt
ist das deutsche Fass, das dän. Fad und das engl. fat und vat,
wird aber meistens nur für Schüssel gebraucht, obgleich man
auch grössere Fässer Fāhse nennt; de Sêtter, eine irdene Milch«
Schüssel theils mit Füssen, theils ohne diese, zur Absonderung
der Sahne; jö Shähl, eine Schale mit einem oder zwei horizon-
talen Ohren oder Henkeln am obern Rande; de Dásh, eine klei-
nere Schale von derselben Form zum Auffüllen, daher das Ver-
bum ápdáshen, damit auffüllen; dāt Nāps, der Napf, ein Schälchen
ndt einem Henkel und Guss; jö Pott, ein Topf mit Füssen und
einem Griff, oder Sterz; jö Rájngel, ein grosser Topf ohne Füsse
Biit einem oder zwei Henkeln.


35. Jö Fäihs von fäjdden, dän. at föde, engl. to feed, ernäh-
ren, unterhalten, ist das engl. food und feed, das dän. en Föde,
der Unterhalt; jö Kōst, die Kost, in anderer Beziehung auch die
Höchzeit.


56. Dat Fäujlk,Manshene; dāt Fäujlk ist 1. das Volk, 2.
die Leute, dá Mánshene, die Menschen, als: dirr wās faale Fäujlk
ti Mārked, es waren viel Leute zu Markt, dir wjarn manning
Mánshene, viel Menschen.


37. Dāt Fijl,Treel; dāt Fijl, pl. Fiele, ist jedes Rad; jö
Treel, die Triele, eine runde Scheibe, die man auf der Kante fort-
völlt oder trielet, daher trêlen;Knäiblingetreel, die Kniescheibe.


38. De Fihss, der Fist, dän. en Fiis, engl. a fizz, fizzle,

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foist, der Hosenjuelizer; de Fjàrt, der Furz, dän. en Fjärt, engl.
a fart. Diefries. Verba heissen: fihssen und fjàrten, die deutschen
fisten, fiesten und furzen, die dän. at fise und at Qärte, die engl
to fizz, to fizzle und to fart.


59. De Frünn, de Wane; de Frünn ist 1. der Freund, 2. der
Gefreund te oder Verwandte, als: Wát sán Frünne, wir zwei sind
Verwandte. De Wane bezeichnet jeden, mit dem man sich gut steht,
als: wát sán gauhs Wane, wir sind gute Freunde. De Frünn ent.
spricht dem deutschen Freund, und de Wane dem dän. Ven.


40. Dāt Gêck, de Narr, der Greck und der Narr, ganz wie im
Deutschen, daher die Zeitwörter gêcken und narren, so wie die
Redensart: huhmfaar'n Gêck hêwen, jemand absichtlich mit etwas
täuschen.


41. Jö Glqjd, de Glöme, de Loge, dāt Äimmere.Gläjd, die
Gluth, Kohlengluth, de Glöme, ein geringerer Grad der Hitze, de
Loge, die Lohe, Flamme; dāt Äimmere, die Emmern oder Am-
mern, Glühasche.


42. Dāt Gröt,Grubene; dāt Gröt ist überhaupt geschelftes
Korn, als: Bärgrōt, Gerstengrütze, Tāhsergröt, Buchweizengrütze
im rohen Zustande; dá Grubene sind feiner geschelfte Graupen,
wie Pàlgrubenevonpàlen, schelfen, oder Párlgrubene, Perlgraupen,
wegen ihrer Aehnlichkeit mit Perlen. Beide Wörter sind Men-
genamen, Grōt ohne Mehrheitsform und dá Grubene ohne Ein-
heitsform.


43. De Gäihs, de Mjógs; de Gäihs ist der Dünger, wozu vieles
benutzt werden kann; de Mjógs ist der Mist.


44. Dāt Mjógs, dāt Slubb, dāt Shjárn, dāt Snáws, dāt Slömm,
dāt Glaumm; dāt Mjógs ist überhaupt Schmutz, dāt Slubb ist dün-
ner Strassenkoth und Aehnliches, dāt Shjárn, der Unrath, wie
Kehricht und dergl. , dāt Snáws ist Schmutz jeder Art, dāt
Slōmm, der Schlamm, dāt Mudder, der Moder, morastiger Boden,
in welchen man tief einsinkt, dāt Glaumm, der Glumm, das
Dicke und Trübe im Wasser.


45. Jö Gräuf,Gräwing,jö Grêft, dāt Grêf, de Slüjtt. Die
vier ersten Wörter sind alle von grêwen, graben, abgeleitet, de
smjtt von slijtten, schliessen, einschliessen. Jö Grauf, ein trock-
ner Graben zwischen Aeckern; de Slüjtt, der Wassergraben um


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eine Fenne; jö Gräumg, ein breiter und tiefer Wassergraben um
den Warf; jö Grêft, ein etwas kleinerer, der nicht rings herum
zu gehen braucht; dāt Grêf, die Gruft, das Grab; jö Gräwing
ist auch der Bach im Riesummoor, der zur Ableitung des Was-
sers und lur Landscheide zwischen dem Oster- und Westermoor
dient, wesshalb man ihn in Lindholm auch jö Lōnshiehsing nennt.
Aus dem Worte jö Grauf bildet man das Zeitwort grauwen, solche
Graben ziehen; es ist ein Intransitivum.


46. De Graupp, de Grüppel, dāt Sill. De Graupp, die Mist-
rinne im Vieh- und Pferdestalle; de Grüppel, ein schmaler, nicht
tiefer Abzugsgraben auf Aeckern und in Fennen; dāt Sill, eine
Wasserrinne durch einen Weg gelegt, auch de Wāhsertófte von
Tóft, oder Wāhsertógte von tieen, ziehen, abgeleitet.


47. Jö Häg, dāt Leess. Das Heck vor einer Fenne, in andern
firies. Ortschaften dāt Leess genannt, welches sonst auch das Fu-
der heisst.


48. De Háw, de Slieck, von háwwen und sluhggen, hauen und
schlagen, der Hieb und der Schlag.


49. Dāt Flāgs, de Hjàrl,Häjdde; dāt Flāgs, der Flachs,
de Hjárl, gehechelter Flachs, dá Häjdde, die Hede, ist im Frie-
siachen ein Collectivum und ebenso im Dänischen, wo es Blaar
heisst-


50- Dāt Heef, de Sieê; dāt Heef, das Haff, das Meer, dän- et
Hav; de Sieë, 1. die See, 2. der See, dän. Sö, engl. a sea.


51. Dāt Kniff, pl. Kniwwinge, der Kneif, engl- a knife, dön.
Kniv, das Messer; de Amlêdder, das Einlegemesser 1.


52- Jö Hüdd,Hánn;Hüdd, die Haut, dän. en Hud, engl.
a hide, nd. de Hut; jö Hánn, das dünne Häutchen, z. B. im Eie,
auf einer vernarbenden Wunde u. s. w. , dän. en Hinde.


t De Amlêdder, von ámlêdden, umlegen, ist wörtlich, der Um-
leger, welcher der Form nach nur als Activ gedacht werden
kann, aber nicht das Umgelegte. Das Uebertragen der activen
Form auf den leidenden Gegenstand finden wir aber sonderbar
ffenug in mehreren Fällen, wie nun hier in de Amlêdder, de
Riddér (Reiter act., und Reitpferd pass.) für beides; de Sêtter,
8. N. 54; de Sägler, als: de Shōner as en gauhsen Sägler; »Eilende
Wolken, Segler der Lüfte", Schiller.


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53. Jö Hüdd, dāt Shám,Suhrd, dāt Fáll, de Páls.
Hüdd gilt hier nur von dickeren Thierbekleidungen , wie von
Rindern und Pferden, als Köhudd ; dāt Shánn , von dünnern
Fleischüberzügen, wie Laummeshánn, Shäipeshánn, Alleringeshánn;
Suhrd, die Schwarte, von Schweinen, und dāt Fáll, Fell,
kann sie alle umfassen , denn der Gerber ist de Fállberêhser. De
Páls ist ein mit zottigen Haaren bewachsenes Fell, zur Umhül-
lung des Körpers. Von Fáll, Fell, kommt das Zeitwort fállen ,
fillen, schinden, abdecken. ,


54. De Jêwe, de Gaawe, dāt Jêft. De Jêwe und dāt Jêft stam-
men beide von jêen, geben, ab. De Jêwe ist zwar die Gabe,
aber nur in einer ziemlich eingeschränkten Bedeutung , wie in
Nàiihrsjêwe, Neujahrsgeschenk, Mārkedsjêwe, Marktgeschenk. Dāt
Jêft ist ein Futter fürs Vieh, als: duhg Hájnste en Jêft, gieb
den Pferden ein Futter. De Gaawe ist aus dem Niederdeutschen
und hat keine Wurzel im Nordfriesischen, wird übrigens für Gabe
gebraucht, als: köhst de êrme Mōnn nōg en Gaawe düjn, du
könntest wohl dem armen Manne eine Gabe thun, d. h. geben
oder reichen. Gaawe steht sonst immer für Naturgaben, als: he hêt
gauhs Gaawe, he hêt 'r nijn Gaawe 1ó, er hat keine Gaben dazu.
Wenn geben so viel ist als darreichen, herlangen, so gebraucht
man immer duhggen, thun, als: duhg me min Bauck, gieb mir mein
Buch. Das Geschenk, die Gabe, heisst sonst allgemein: jö Finh-
ring, von forihren, schenken.


55. Dat Jjd' , de rw, dāt Jjllinge, dāt Brānnhōlt. Jjd oder
JMd ist der Torf als Stoifname, dāt Jhllinge, Nom. collect. die
Feuerung, de Tōrw (Tōrrew) die Flagge, ein abgestochener Hei-
derasen, Brānnhōlt, das Brennholz, de Süjdde, der Torfsode,
auch die Sode.


56. Dat Stäjll, dāt Jōrn, dāt Staal. Dāt Stäjll, das Eisen,
der Stoffname dieses Metalles, dāt Jōrn, pl. Jōrne, ist das Eisen
als Werkzeug, wie Wirkjōrn, Plaugjōrn, Strickjörn u. s. w.; dāt
Staal ist Stoff- und Gattungsname des Stahles, letzteres wenn
es Werkzeuge oder Geräthe bezeichnet , wie Wêtstaal , Fürstaal
u. s. w.


57- Dāt Jāck, die Jacke, dāt Wāms, das Wamms; de Röjnte
ist eine kurze , unten rund abgeschnittene Jacke ; de Jäcker,


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das Diminutivum von Jāck , mit etwas verändertem Schnitt ;
dāt Fauserhajnten , das Futterhemd, de Rump, das Brusttuch.


58. De Kānt, die Kante, de Rānt, der Rand, de Egge, die
Tuehseite.


59. Jö Kárst , dāt Shrünn, pl Shrunne und Shröninge, de
Kásse, deKuffer;Kárst, die Kiste, Truhe, dāt Shrünn, das
deutsche Schrein, dän. Skrin, engl. shrine, die Lade, de Kásse,
der Kasten, de Kuffer, der Koffer, de Borke, die Beilade in La-
den, Kisten und Koffern.


60. De Kähr, de Wállkähr,Kier, de Walle,VVaal. De
Kähr und jö Kier bezeichnen beide ein freies Wollen: hähst
dän Kähr oder din Kier, kannst thun, wie du willst; de Wáll-
kähr entspricht in sprachlicher Rücksicht dem deutschen Will-
kühr, aber noch mehr, dem Sinn nach, dem dänischen Vilkaar;
de Walle, der Wille, jö Waal, die Wahl1.


61. De Klādd, de Plāck, de Spōt; de Klādd, der Klecks,
und klādden, klecksen, auch klittern, verklittern; de Plāck , der
Fleek, und plācken, flecken; de Spōt, ein Spritzfleck, Sámmerspōte,
Sommerflecke im Angesichte , Sommersprossen , sámmerspōtig ,
sommersprossig.


62. jö Klōck,Uhr. Wie im Deutschen Glocke und Uhr;
doch kommt der letzte Name nur in dem Worte Tāshenuhr vor.
Man fragt kurzweg: wát ,s e Klōck? Was ist die Glocke? Ist aber
vom Innern einer Uhr die Rede, sagt man dāt Uhrwäirk, nicht
Klōckewäirk. Dāt Uhr, das Ohr, ist nicht mit jö Uhr zu ver-
wechseln.


63- De Knähp, de Töhg, de Stràg,Rájnke. Der Kniff, der
Zug, der Streich und die Ränke. Sie werden alle meistens nur
in der Mehrheit gebraucht , kommen aber auch in der Einheit .
vor, mit Ausnahme des Wortes dá Rájnke, ein Collectivum ohne
Singularis.


1 Ein altes Doeument, das in meinem Jugendalter noch gültig
war, und die Gerechtsame, Freiheiten und Einschränkungen der
Interessenten des Riesummer Kornkoges bestimmt, führt auch
den Mamen »de Wallkähr,'' obgleich dadurch die Willkühr ge-
rade eingeschränkt wird, und hat hier den Sinn einer Ueber-
einkunft.


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64. De Knähp, der Knifif, die Taille; dāt Liff, der Unterleih,
hier in Beziehung auf seine Form, wenn das Wort mit Knähp
sinnverwandt ist. as smeel, untig tênn äujn ,e Knähp, sie ist
sehmal oder dünn in der Taille; tjockliwwet, dickleibig, siddliwwet,
hangbäuchig.


65. De Klāi, dāt Liemm; deKlāi, der Klei, die angeschwemm-
te Marscherde, dāt Liemm , der Lehm, den man auch auf der
Geest findet. Beide Thonarten braucht man zum Ziegelbrennen;
der Klei giebt lauter rothe Backsteine, der Lehm auch gelbe.
Aus Klāi bildet man das Zeitwort klāien, kleien, im Klei arbei-
ten, graben, und daraus wieder de Klāier, der Kleier.


66. Jö Kniep,Spung;Kniep entspricht 1. der Schnalle,
und 2. in einzelnen Fällen, der Spange. Jö Spung, die Spange,
dient bloss zum Zusammenhalten, wie Kragen- Hemd- und Arm-
spangen; die silbernen Hemdspangen der Frauenzimmer sind herz-
förmig und haben nur einen Stift. In Riesum heisst das Flügelthor
des Kirchhofes, das oben von einem Mauerbogen bedeckt und
von innen vermittelst eines eisernen Ueberschlages an einen in
den Mauerlöchern ruhenden Querbalken befestigt ist, dá Spunge,
wird aber, in dieser Bedeutung, nie in der Einheit gebraucht.
Shurkniepe, Bienekniepe, Schuh- und Knieschnallen.


67. De Knópp, de Knóst; de Knópp, 1. die Knospe, 2. die
Schwammdose, 3. jede harte, knotenförmige Erhöhung, z. B. ein
Ueberbein, ein Auswuchs an Baumstämmen und dergl. De Knóst,
der Knast, im Holze, auch de Knāst, der Knorren, der Knorz,
so auch das dicke Ende einer Keule mit dem Stiel in eins ver-
wachsen, wofür man auch de Knubbe sagt. Ein sehr schmack-
hafter Käse aus Klunkermilch, jö Haawel, heisst de Haawelknóst.


68. De Kup, de Hōndel ,Prung , der Kauf, Handel und
Tausch, von kupen, hōndeln und prungen.


69. Dat Lück,Döhr, dāt Shott, dāt Shōf. Dāt ck, die
I.uke, jö Böhr, dieThür, dāt Shott, 1. ein Brett zum Vorschieben,
2. Schutzbrett an Sehleusen und Wasserwchren; dāt Shōf, ein
grösseres oder kleineres Brett zum Vorschieben, auch ein Deckel,
der in Seitenfugen oder Gängen eingeschoben wird; dāt Wán-
ningeshōf, der Fensterschieber, Fensterladen, der von innen vor-
geschoben, nicht vorgesetzt wird. Aus dāt Lück wird lücken,


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aumachen, beiücken, einsperren. Dāt Shōf von shuwwen, schieben.

70. De Bāhs, dän. en Bàs, nd. en Baas, de Mmter; de Bāhs,
vom alten Adjectivum bass , der Positivus von besser (bässer).
bezeichnet einen, der es andern in einer Sache zuvorthut. Von
derselben Wurzel stammt de Bāhse, der Nutzen, Vortheil, und
das Verbum bdhsen, nützen, Nutzen gewähren; de Mäister, der
Meister. ,


71- Dāt Ládd, de Dackel; dāt Ládd ist ein Deckel, der bloss
aufliegt, ohne anzuschliessen , die Stürze , Dackel jeder andere
Deckel.


72. Jö Läujdd, deFlohse, deMájngde;Läujdd von läujdden,
laichen. rammeln, sind zusammengelaufene Thiere in der Brunst-
zeit, wie Hunde, Hasen, Katzen und dergl., de Flohse, s. oben
unter N. 20, De Májngde, die Menge. En Flōse Gäis, Ānerte,
Ägerhanne, Shäip, Swinn, Spārrige, Mánshene, Fäujlk (I.eute) u.s.w«


73. Dāt Liff, dāt Läwent, Leib und Leben, wie im Deutschen,
als: he waaget Liff an Läwent dir äujn, er wagt Leib und Leben
daran, he as 'r faar Liff an Läwent, mi liff an Siel, mit Leib
und Seele- Dāt gongt ham intó 't Läwent, es geht ihm bis aus
Leben- De Läwentslüp, der Lebenslauf, en māl Hüss hêllen, em
māl Läwent hüjllen.


74. Jö Màhr,Mêrrigt, grobe Schimpfnamen für gemeine
Weibsbilder; jö Màhr ist wörtlich die Mähre, dän. en Mär; jö
Mêrrigt, die Mötze, das Mensch; jö Nāchtmàhr, Nāgtmàhr, der
Nachtmahr oder Alp.


75. De Pück, de Kōme- Beide sind sogenannte Hausgeister«
Pück, oder gewöhnlich Náshe Pück, ist guten Herrschaften und
treuen Dienstboten gewogen, spielt aber den schlechten manchen
Possen. De Kōme, ein spottender Hausgeist. Huhm bài'e Kōme
fijn, ist,im Scherz jemand an der Nase zupfen.


76. Dāt Mäjl, pl. Mäile,Mäjltidd, das Mahl und die Mahl-
zeit« En Mäjl Mōlke, so viel Milch, als eine Kuh durch einmaliges
Melken giebt, en Mäjl Wahser, so viel Harn, als man auf einmal
läist, en Mäjl Ähse, eine Portion Essen.


77. Jö Krōnkhäid,Sêgt,Krāngd;Krōnkhäid, die Krank-
heit, jö Sêgt, die Sucht und die Seuche, jö Krāngd, die Vieh-
senche.


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78. Jö Mäujnn, dāt Shrünn, de Kaurew. Jö Mäujnn bezeichnet
sowohl einen grossen Korb mit zwei Seitengriffen, als einen Ka-
sten öhne Deckel zum Aufbewahren gewisser Dinge, wie Holz,
Torf, Kohlen, Knäule u. s. w. So heisst der hölzerne, unter den
dortigen Garnwinden angebrachte Kasten, jö Mäujnn , und das
Wickelholz, auf welehes die Knäule abgewunden werden, heisst:
de Mäujnneplōck , weil es seinen Platz in diesem Kasten hat. —
Shrünn, s. o. -


79. De Mōnn, de màrl, der Mann, der Kerl, en dugtigen Sjàrl,
ein tüchtiger Kerl, en braawen Mōnn. Ick bán ,r de Mōnns fasr,
ich bin dir Manns dafür.


80. Dāt Muhl, dāt Ságt; dāt Muhl, das Ziel oder Ende einer
Rennbahn, eines WettIaufes, das man zu erreichen strebt; -beim
Spielen mit Schüssern eine bestimmte Gränze , die man nicht
überschreiten darf; dāt Ságt, das Ziel oder die Richtung, die
man beim Schiessen nimmt , daher sägten , zielen nach oder auf etwas.


81, Dāt Mārk, dāt Kānntieken, das Merk, ein eingeschnittenes
Zeichen, z. B. in den Füssen der Gänse, den Ohren der Schafe
und dergl., eingelegtes Merkmal bei einem Vogelneste, ein Zeichen
in einem Buche bei irgend einer Stelle, daher: mārken, merken;
dāt Kānntieken, das Kennzeichen.


82. Dāt Neet, dāt Pâss; dāt Neet, alter, gesammelter Harn
zum Färben, altdeutsch: der Netz, vergleiche: netzen; dāt Páss,
der Piss, der Urin von Menschen und Thieren; passen, pissen.


83. Dāt Nujtt, dāt tst; dāt Nujtt, dän. et Nöd (1. Nöhss),
engl. a neat, das Rind, pl. Nüjtte, Rinder; dāt Bäist, dän. et
Beest oder et Bäst ' engl. a beast (Bestie) , wird auch als
grober Schimpfname gebraucht und bezeichnet ebenfalls Horn-
vieh. Man sagt Bäisteflāsh und Nujtteflāsh , und beides ist Rind-
fleisch.


84. Dāt Thier, dāt Diert, dāt Hiesendijl; dāt Thier, wie im
Deutschen, dāt Diert, nd. dát Deert, dän. et Dyr; dāt Hiesendijl
ist buchstäblich das Heidending, und bezeichnet jedes Thier,
aber besonders die Hausthiere von Seiten ihrer Vernunftlosigkeit,
so wie das dänische et Umälende sie als die Sprachlosen bezeichnet.


85. Jö Nohst, de Bjárnetrōg; de Bjárnetrōg, ist der Born- oder
Tränktrog, von bjárnen, börnen, tränken. Beide sind längliefat


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viereckige Wasserbehälter in Ställen, aus welchen das Vieh ge-
trānkt iiird, und in welche man das Wasser aus der sogenann-
ten Schöpfgosse, jö UJisgaahs, von uhsen , schöpfen, einlaufen
lässt. De Bjárnetrōg, auf welehen auch wohl der Name Nohit
übertragen wird, ist immer aus Bi.ettern gemacht, wogegen jö
Nohst nur aus einem einzigen Stein ausgehauen ist. Der Sage
nach sind die meisten derselben, zur Zeit der Ebbe, auf dem
Schliek gefunden worden, und Ueberreste der untergegangenen
Ortsehaften Nordfrieslands; man soll sie ehemals als Särge ge-
bmuckt haben- Im Gothischen heisst eine Leiche Naus, wor-
aus sich das Wort Naust, jö Nohst, der Sarg, als Leichenbehält-
niss bildet.


86. Jö Haurd, de Sjürkhaaw. Jö Haurd, der Kirchhof oder
Gottesacker, ist mit Hürde und Hort, Umzäunung, Schutz, ver-
wandt- In der Bewaldungszeit des alten Frieslandes waren sicher
die ersten Einfriedigungen der Begräbnissplätze nur Hürden. De
Sjürkhaaw hört man zwar seltener, als jö Haurd, aber im Oster-
moor sagt man noch überall: Ick wáll Haaw, anstatt Siürk-


87- De Hāge, dāt Stài. De Hāge, der Hag, ist eine starke
und höhe Einzäunung aus Planken und Pfählea, in welchen das
Horn- und Wollen vieh von dem Flurhirten, de Körnjürder, einge-
pfêreht wird, wenn es sich vom Spannstrick, dem Tjüdder, losge-
riaten hat, wofür dann eine kleine Bräche, oder ein Löseschilling
an den Hirten, und wenn der angerichtete Schaden bedeutender
ist) nach unpartheiischer Schätzung, an den Beschädigten bezahlt
wird- De Hāge wird dort der Schüttkoben, Schütkafen genannt,
wenn man das Wort verdeutscht. Dāt Stài ist jeder Koben, als:
Swênnestài, Shäipestài, Gōtsestài, Schweine- Schaf- und Gänsekoben,
din, en Stie (einsilbig) ' engl. a sty.


88- Dat Plāss, dāt Rtimm, dāt Stähs. Der Platz, der Raum,
die Stelle und der Ort. Dö bàst in Kjàrl àw din Plāss! ein Keri
auf dem Platle.


89. Jö Pênn, dāt Shool,Shaahs,Lānk.Pênn, ein
hölzerner, nur mit einem Nagel befestigter Wirbel, mit dem man
Thüren und Läden von innen oder aussen verschliesst; dāt Shōt
wird vorgesteckt, und hangt gewöhnlich an einem Bande neben-
in; jö Shaahs ist der Riegel, und jö Lānk die Kettel und die


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Häspe; jö Pênn ist das engl. pen, der Pferch , to pen the sheep,
Shäip mpennen; hähst 'e Döhr pênnet, ? hast du den Wirbel
vorgedreht? Die Verba pennen , shōten, shaahsen und lānken er-
klären sich aus ihren Hauptwörtern.


90, De Koppel, de Rêgg, de Puckel. Alle drei Wörter sind
Benennungen des menschlichen Rückens, und de Rêgg der eigent-
liche Name desselben. De Puckel entspricht dem deutschen Bu-
ckel, und ist dasselbe aus dem Nd. entlehnte Wort: denn es hat
keine Wurzel im Nordfriesischen. De Koppel ist der Rücken nur
dann, wenn man jemand huckepack auf demselben trägt, und
das Zeitwort ist koppeln. 'Aw ,e Koppel tten , drêgen u- s. w.,
auwer koppeln, auf dem Rücken hinübertragen.


91. Jö Prauss, de Bólter.Prauhs, ein elendes, dünnes
Licht, das wenig leuchtet, und oft nur aus einem Fettdochte
besteht, weshalb man immer am Schnuppen oder der Schnuppe
stochern, purren oder prausen muss. De ller eine aus Talg oder
Wachs gewundene Kerze in runder Form, zu welchem das alte
Adjectivum boll (rund) die Wurzel ist, Das Zeitwort prausen , verb.
intr., hat eine so allgemeine Anwendung erhalten, dass man es
Ton jedem gebraucht, der mit einer Handarbeit oder dergleichen
nicht fortkommen kann; he stōnt dirr prausen, ick häw 'r mi
prauset , habe aber nicht damit zurechtkommen können , liegt
dann. als Neben- oder Folgebegriff darin. bàst en Praueer, is
en Prauhs. Prausen ist dann auch mit mingen, njāsen und sömen
verwandt, d. i. mit zaudern, zögern, säumen, davon die Haupt-
wörter: Prauserài, Jlingerài, Njaserài. mäust ài some, nun
darfst du nicht säumen.


92. Jö Rau,Ró,Weel.Rau und jö heissen beide
die Ruhe; jö Rau bezieht sich aber nur auf körperliche Ruhe,
iló mehr auf innere, auf Gemüthsruhe, inneren Frieden. Sin
Gewäten iêt hám nijn Ró, sein Gewissen lässt ihm keine Ruhe.
Das Adjectivum ünrauig bezicht sich sowohl auf innere, als aus-
sere Zustände. Die Unruhe, jö Unrauw, ist auch die Unruhe an
einer Uhr. Weelen ist ein wenig ausruhen , und ist das deutsche .
weilen, dän. at hvile, daher jö Weel. Üttrauen, ausruhen, be-
zeichnet eine längere und gemächlichere Ruhe als weelen, das oft


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nur einige Minuten dauert, und besonders von ermüdeten Fuss-
gangern und Lastträgern gebraucht wird.


93- Dat Reess, jö Steem. Dāt Reess, dän. en Röst, die jedem
Einzehien eigenthümliche Stimme , an der man ihn erkennen
Jkann; en grōw, en fün Reess, grobe, feine Stimme, Da das deut-
sche d am Ende einer Silbe im Friesischen so häufig in hs und
ss übergeht, so ist es nicht unwahrscheinlich, dass Reess und die
Rede, so wie das dänische Rede, at rede, dasselbe Wort sind.
Steem, die Stimme.


94, Dāt Jücker, dāt Twich. Dāt Jücker ist eine Gerte, ein ab-
gesêhnittenes Reis, eine Ruthe, als dāt Hillejücker, vom Holun-
der, dāt ijücker von einem Weidenbaume, u. s. w. Dāt Twich
ist sowohl der Zweig, als der Ast.


9B- Dāt Röhn, dāt Lāpehe. Dāt Röhn, das Rinnsal, Rinnsel,
dāt Lāpelse, das Lab. Beides gebraucht man, um damit die süsse
Müeh gerinnen zu machen, besonders beim Käsen.


96- Dāt Sánn, dāt Hárt, dāt Haad, Sinn, Herz und Kopf,
sind nur von Seiten ihrer Schlechtigkeit mit einander verwandt,
als: he hêt en äirig Sánn, en hijnn Hárt, an en māl Haad, er hat
einen argen Sinn, ein schlechtes Herz und einen tollen Kopf;
mālhaadet, tollköpfig, lágtsannig, leichtsinnig.


97, De Sêck, de Pose, de Püng; de Sêck, der Sack, de Pōse,
nd, de Paas, dän. en Pose, ein kleiner Sack, ein Säckchen; de
Pung, 1. der Beutel, 2. der Hodensack.


98- Jö Shātt,Üttjêfte. Die Schatzung, die Steuer und die
Abgaben, wie in Lōnshātt, Landsteuer, Brōnshātt, Brandschat-
zung; jö Kópshātt statt Haadshātt, die Kopfsteuer- Dá Üttjêfte
sind 1. überhaupt Abgaben, die auf etwas haften, 2. Ausgaben
oder Auslagen im Allgemeinen.


99- Jö Shàl,Pàl.Shàl entspricht überall der Schale als
Umhüllung, jö Pàl dagegen der Hülse, der Schote und der Schelfe.
Ke Zeitwörter heissen shálen und pàlen.


100- Jö Shäujn,Hōndling und jö Daahs, Alle drei Wörter
sind zeitwörtlicher Abstammung, jö Shäujn von sháien, gesche-
hen, im zweiten Mittelworte (Partieipium) shäjn, und bezeichnet
eine schädliche Handlung; jö Daahs, von duhggen , däi, däjn,
ist die That ; jö Hōndling , von hōndeln , handeln.


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1(M. Dfit Shjàrn, dāt Snáws, dāt Grüss. Dat Shjàrn ist über-
haupt der Unrath, wie z. B. Kehricht und dergl., dāt Snáws,
Schmutz, Unreinigkeiten und alles, was nichts taugt, dāt Grüss,
der Schutt, Gries und Kies.


102. En Shjarn, en fölen Mánshe. Dat Shjarn ist ein Mensch
von schlechter Gesinnung, der andern Unrecht thut und Schaden
zufügt, doch bezeichnet en kn ITánshe hier noch stärker.


403. De Prācker , dän. en Prakker, nd. de Pracher de Biller,
de Kiltring. Prācker und Biller siehe im Vorhergehenden , Kil.
iring soll von den alten Celten, Kelten, herstammen , und bedeutet
jetzt ganz gemeine Leute , die sich zanken , schimpfen und raufen.


104. Dāt Shōrn, de Shāmtnel, die Hitsche und der Schemel.
Oft gebraucht man das eine für das andre, was indessen nicht
immer gesehehen kann. So nennt man die an den altmodischen
Tischen angebrachten Bretter zwischen den Füssen derselben, dá
Fäujttshāmle, Fussschemel, wo Shōrn durchaus unpassend wäre,
und dagegen den Bläueltisch , zum Bläueln oder Klopfen der
Wäsche, dāt Böhgshōrn, wo de Shāmmel eben so verkehrt stehen
würde. Bögen oder böhgen ist klopfen , pochen,


10B. Dāt Shöm', jö Büged. Dat Shöm', dän. en Skām , engl
shame, die Schande. JöBlöged, von dem Adjectivum blöck, blöde,
gebraucht man' wenn man sich in der Seele eines andern, oder
einer unanständigen Handlung schämen muss; auch bedeutet
Blöged , die Blösse , die Schaam. Die Zeitwörter heissen : hüm shan-
men und hum blögen, sich schämen und sich erblöden, beide sind
verba reeiproca. Wenn Shōm für die menschliche Schaam ge-
braucht wird, ist es weiblich, sonst gebraucht man es sächliefa,
für Schande.


106. Dāt Shöhr, de Aujnfäll. Dat SMhr ist der Schauer,
als: he häi en swār Shöhr, er hatte einen schweren Schauer, z. B.
vom Fieber: he hêt sin māle an gauhse Shöhre, er hat seine tollen
und seine guten Schauer. De Aujnfāll ist der Anfall, als: en
Aujnfāll fon ,e Gigt, fon Liffwārk u. s. w. und bedeutet noch be-
sonders die Schwerenoth oder Epilepsie.


107. Dāt Shöhr,Tiddlong,Tidd. Dāt Shöhr ist hier die
ile , und dieser Zeitbegriff ist auch schon in der Bedeutung des
Wortes mit eingeschlossen, wenn es Schauer heisst; die Zeitlang


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ist jö Tiddlong, und jö Tidd, die Zeit. lck häw hirr āll en gauhs
Shōhr wähn, ich bin hier schon eine gute Weile gewesen.


108. Dāt Shrúbb ' von shrubben , scheuern , reiben , ist die Krätle»
dāt Shürrew, die Räude der Schafe.


. 109, De Eng, de Hāmme,Fênn,Koppel,Toft. De
Eng, der Kog, ist ein grösseres, dem Meere durch Eindeichung
abgewonnenes Stück Land; jö Fênn, ist die kleinste Abtheilung
darin, und entspricht in so fern einer Koppel auf der Geest, nur
daas die Fenne mit einem Wassergraben, de Slüjtt, die Koppel
dagegen mit einem Walle oder Zaun, oder mit beiden umgeben
Ist, De Hāmme, der Hamm, die Hamme, Hemme, richtiger die
mme, heisst eine Reihe neben einander liegender Fennen im
Herrenkoge, die durch einen breiteren Graben von dem übrigen
Lande getrennt oder abgehemmt sind. Der Hauptbegriff ist: Ab-
trennung durch Zäune, Gräben, Einfriedigung, Gehäge- Mehrere
Ortsnamen werden durch Ham , Hem und Hemme bezeichnet ,
wie Hamdorf, Hammelef, Hamburg, Hem, Hemme in Eiderstedt,
Hemme an der Trene, Hemmelmark bei Eckernförde, Hemming-
börn, zweimal in Eiderstedt, Hamberge an der Trawe, Hamdorf,
Hamfeld, Hammoor, Hamwedel, Hemme in Norderditmarschen,
Hemdingen, Hemmelsdorf, Hemmerwurth, Henuningstedt. Jö
Toft, ist ein kleines eingefriedigtes Stück Land am Hause, das
oft noch mit dem Warf, de Wäirew, in Verbindung steht,


i10. Jö Sliep, de Sliep, de Snápp.Sliep ist der Aufschlag
an Aermeln , de Sliep , der Zipfel , de Snápp , der Schnippel ,
Schnipp.


111. Dāt Tweel, de Frohse, dāt Spütt, dāt Spàiling. Tweel,
der Quiel, der dünne Speichel, welcher kleinen Kindern und
alten Leuten aus den Mundwinkeln, dá Njāshe, fliesst, davon
dāt Tweelbörtgen, Sabber tuch; de Frohse, der Geifer, dän. Fraad,
Fraade; dāt Spütt, der Speichel, altd. die Spütze; dāt Spàiling,
das Gespiene. Die Zeitwörter heissen: twêlen, quielen, frohsen,
geifern, spütten, spützen, Mare. 7, v. 33, Mare. 8, v. 23. Johan.
9, V. 6, und spàien , speien.


112. De Säirk, das Mannshemd, de Smōck, das Frauenzimmer-
hemd; im dän. heisst letzteres en Särk, und das Mannshemd en


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113. De Snâpps, von snappen, de Sōpke von süppen, nd. supen,
bedeuten beide ein Glas Branntwein, Rum, Genever, Cognae und
dergl. die nicht über einen Schluck betragen. Das Wort Sōpke
ist in der verkleinernden Form gebildet und also ein Diminutivum.


414. Jö Snār, dän. en Snàre, engl. a snare, ist die Schleife,
dän. en Slöife; jö Sling, engl. a sling, dän. enSlynge, die
Schleuder; die Zeitwörter sind snāren und slingen.


115. Jö Shār, die Schnarre, Rattel, engl. a rattle; jö Rájngle,
boss oder Shrájngleboss , von rájngeln, shrájngeln, dän. en Rángle-
bösse, von en Rângle, die Schelle, die Kinderklapper, Schellen,
büchse; jö Snúrr , von snurren, schnurren, die Schnurre, eine
bleierne, am Rande ausgezackte, runde Scheibe, mit mehreren
Löchern in der Mitte, durch welche man wollene Fäden zieht,
die an den Enden mit einander verbunden werden, worauf man
das bleierne Rädchen so lange um seine Achse schwingt, bis die
Fäden sich fest zusammengedreht haben , und diese dann mit
aller Kraft wieder zurückzieht , wobei das Rad wieder stark
schnurrend zurückläuft. Jö Rummelpott , der Rumpeltopf , ein
Topf mit einer straffgespannten Blase überzogen , in deren Mitte
ein Stück Schilfrohr befestigt ist, an welchem man mit etwas
angefeuchteten Fingern auf und nieder reibt, wodurch der hohle
Rumpelton oder das Rummeln hervorgebracht wird¹.


1 Alle diese Dinge sind keine Synonymen, und nur als Spiel-
sachen der Kinder hier zusammengestellt. Mit den sogenannten
Löpern, Schüssern, Knickern, Marmeln und Schnellkugeln, Rull-
kugle, werden mancherlei Spiele getrieben. Diese mögen hier
zugleich einen Platz finden: 1. 'Äw'e Ring spàlen, auf dem Ringe
spielen ' hier macht man eine kreisförmige Rinne auf ebener Erde,
de Ring, innerhalb welcher die thönernen Schüsser gesetzt, und
mit Marmelkugeln u. s. w.' vermittelst des Daumens und Zeigefin-
gers ausgeschossen (geschnellt) werden, wobei viele Regeln zu
beohachten sind; 2. äujn .t Longliek spàlen, im langen Lew; hier
werden die Schüsser in eine lange Reihe gelegt, etwa in der
Entfernung einer Elle von einander, und mit Marmeln eben so
geschossen; 3. ápijnspàlen oder Apijnuch , Apijnsmitten , gegen
die Wand werfen. Wer einem andern auf eine Spanne nahe
kommt, der gewinnt einen Schüsser; 4. äujn'e Gróttköhl spàlen,
hier macht man ein grosses rundes Loch in der Form eines bau-
:higen Topfes, und wirft aus einer jedes Mal genau bestimmten


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116- Jö Spirr, de Shōt,Spirr von spirren, dän, at spire,
en Spire, ist der eben hervorkommende Keim, de Shōt, von shijt,
ten, fichiessen, der Schoss, Schössling.


117- Jö Sfjörr,Sjāll,Räigel,Ordning. Die Verba sind:
stjürren, fāllen, räigeln und ordnen. Hüjll Stjürr àw wille Jōn-
gerne 9 steure den wilden Knaben; ick km 'r nijn Räigel äujnhüjlle,
ich kann keine Regel (Ordnung) darin halten; dirr as nijn Sjāll
äujn, dāt sjāllêtgaar nint, das hat ja gar keine Art; dāt
lickent nint, es gleicht ja nichts, Licknen und fāllen sind
sinnverwandt.


148. De Spārk, de Stijtt, de Puff. Verba: spārken, dän. at spar-
ke, stijtten, stossen, puffen. De Spārk, ein Stoss mit dem Fusse,
de Stijtt, der Stoss überhaupt.


119- De Bausem, de Stāll- De Bausem ist diejenige Abthei-
long eines Bauernhauses , in welcher die Ställe oder Viehstände
sich befinden; de Stāll, ein einzelner Stand für Rinder oder Pfer-
de, auch für zwei Stück. De Bausem ist sonst auch der Boden
eines Fasses-


120- De Splàhs , von splitten , spleissen , spalten , also die Spleisse ,
Spalte, der Spliss; de Ràhw, von riwwen, reissen, der Riss.


121. De Stier, de Ōgse, de Bulle. De Stier und de Ōgse sind
beide verschnittene Stiere, de Bulle, der Zuchtstier , engl. a bull
und a steer.


122- De Täus (Täis), de Käise. De Täus, der Zahn, de Käise,
nd. Kuhs, der Backenzahn, Malmzahn.


123, De Struhmm, dāt Silltog,Wāhserliesing , der Strom,
der Fluss, die Au, wörtlich der Sielzug, jö Wāhserliesing, die
Wasserleitung oder Lösung , um das Wasser los zu werden ;
struhmmen, strömen, sillen,fliessen, treiben. DātSill, das Siel, s.o.


124- Dāt Swijt, dāt Bläujd; ersteres ist das warme Blut ge-
iddachteter Thiere , letzteres ist Blut überhaupt ; Sudjt , der Sch weiss.


Entfernung (dāt Muhl genannt) die Schüsser da hinein; 5. äujn .e
Lockpott, äujn'e lájtt Köhl untig àw Tunnringe, d. i. nach der ton-
derschen Weise, spàlen. Hier drcht man mit dem Absatz des
Stiefels eine kleine Höhlung in Form einer Halbkugel aus, und


spielt darin Gerade oder Ungerade, Pār untig Unpār.

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125. Dāt Swār,Ōnturd, die Antwort, von swāren und M-
urden. Swāren und dāt Swār kann überall für antworten und
Antwort stehen; ōnturden und jöÖnturd findet besonders beim
Examiniren und Abfragen Statt.


426. Jö Leen, de Faarmp, dāt Reep, dāt Táw Jö Leen, die
Leine, besonders die Hinterleine am Wagen , mit welcher der
Wiesbaum auf Heu- und Getreidefuhren gebunden wird ; de Paar,
mp, die Vor- oder Vorderleine, welche über den Kopf des Bin-
debaumes geht; dāt Táw, das Tau; dāt Reep kommt nur noch
in dem Worte Reepsläger, Reifschläger vor. Der Binde- oder
Wiesbaum ist de Ptmterne, und die Tritze oder Blockseheibe (Kis.
seblock) heisst de Hauck.


127. De Tāms, dāt Sähw. De Tāms, ein Haarsieb, sum Seihen
der Milch und zum Sichten des Mehles; dāt kw, das Sieb, engl
a sieve. Ein älteres Wort für Sähw hiess dāt Säil, wovon noch
das jetzt gebräuchliche säikn, sichten; aus Tāms wird auch täm-
seti, wofür aber säilen gebräuchlicher ist.


128. Jö Tiem, de Bāssel , de Tráns.Tiem, der Fahrzaum
bei Wagenpferden; de Bāssel, der Reitzaum; de Trâns , ein ein-
facher Kapzaum ' die Trense. Aus Tiem wird tiemen, diemen, das
Heu zum Diemen (Schober) vermittelst langer Leinen und eines
schmalen Brettes zusammenfahren.


129. Dāt Tjöch, Tjög', dāt Saaken, das Zeug und die Sachea.
Beide Wörter sind Collectiva ohne Mehrheitsform, und werden
für Vieh und Sachen gebraucht. Beispiele: Wirr as min Tjög'?
lid. Wo is mien Tüg? dän. Hvor er mit Töi? meine Kleider und
sonstige Sachen. Ijltjög', Feuerzeug, Wäirktjög', Räisefjög., u, s. w.
Jāg ,t Tjöch inn! Treibe das Vieh ein; hähst ,t Saaken infüngen?
Hier umfasst Saaken alle Hausthiere mit einander, so wie alle
draussen liegenden Sachen, die herein sollen, wie Hühner, Enten,
Tauben, Gänse, Schafe, Schweine, Rinder, Pferde, Pferdege.
schirr, u. m. a. Läjtt min Tjög' oder Saaken ladde , lass mein
Zeug oder meine Sachen liegen. Lck hähw min Tjög' äujn 't Shrōnn,
ich habe mein Zeug in der Lade. Din Saaken dráft ālt àmbài
deine Sachen treiben immer herum.


130. De Töhle, de Snütte, de Flābbe, de Mün. De Müss, der
Mund, de Flābbe , die Fläbbe, Hängemaul, de Snütte, die Schnauze,


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de Töhle, das Maul; de Frāhte, die Fresse, Gosche, Ganz grobe
Ausdrücke sind: Hüjll dán Töhle, hüjll 'e Snütte, de Flābbe an ,e
Frähte. De Frähte von frehsen, fressen. Aus Flābbe wird flābben,
das Maul hangen lassen, aus Snütte, snājtten, schnäuzen.


131, De Tütt, de Göth, die Schnauze, an einer Kanne und
dergl.; de Göth, der Guss, von gijtten, giessen.


132. Dāt Träjd, der Zwirn, de Trājdd, der Faden, dāt Güárn,
wollenes Garn; de Trājdd ist auch ein einzelner Draht, de Páck-
tnijdd, Peehdraht.


433. De Trōch,UJlling, der Trog und die Mulde; beide heis-
sen im dän- Trug (1. Truhg).


134. De Thrās, Ton treesen, treten, der Tritt; de Stāp, von
stäpen, stapfen, der Stapf, langer Schritt; de Stāpe, die Stapfe,
eingedrückte Spur vom Fusse; dāt Stāpstähs, der Stegel, zum
Uehersteigen; de Tristape s. o.


135, Jö Trêpp,Lādder, die Treppe und die Leiter; de Lād-
derbüjlke, der Leiterbalken ,Sprájnke , die Sprossen , Singul«
de Sprájnke.


136. De Wāll, de Dick, de Dōmm, de Shānse, der Wall, der
Deich, der Damm und die Schanze.


137- Dāt Wāirk, dāt Ārbed, das Werk, die Arbeit; arbeiten
ist aber büen, daher de Büer, der Arbeiter, de Arbedsmönn der
Arbeitsmann-


138- Jö Wäig, von ioäigen, auf und nieder wiegen; jö Wipp,
von wippen;Stjöi, daher stjöien;Wāgg, daher wāggen.
Wāig, ein langes Brett, in der Mitte auf einer hohen Unterlage
rubend, auf welchem sich zwei Personen, eine an jedem Ende
derselben, abwechselnd zum Vergnügen auf und nieder wiegen.
Wipp, die Wippe, besonders eine Falle mit einer Wippe, zum
Fangen der Mäuse und Ratten, die durch ein Stückchen gebra-
tenen Speekes angelockt, in ein darunter stehendes, zur Hälfte
mit Wasser gefülltes Gefäss fallen. Jö Sfjöi, die Schaukel, jö
Wāgg, die Wiege.


139. Jö Drāgt, dāt Jock.Drāgt ist die Tracht oder das
Schulterjoch, an welchem Wassereimer, Milcheimer, Körhe und
dergl. getragen werden; dāt Jock jedes andere Joeh. Jö Drāgt,
von drêgen, tragen, hat übrigens alle Bedeutungen des deutschen


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Wortes Tracht, und heisst noch besonders die Wage ander Deich-
sel mit ihren Schwengeln, dá Swájngle.


140. De Ātte, de Āltähte, zwei verschiedene Benennungen für
Grossvater.


141- De Bahse, de Njütte, dāt Gagen, de Fordijl. De Balm,
dän. en Baade, Verb. at baade, batte; deutsch: baten, hatten,
Nutzen bringen; de Njütte, der Nutzen; dāt Gāgen , dän. Gavn,
engl. gain, das Fronunen, der Nutzen , Verb. at gavne, fries.
gāgnen; de Fordijl, der Vortheil. De Lájtte kōn āll Gāgen düjn,
der Kleine kann schon nützliche Geschäfte verrichten; wát Gā.
gens düjn, etwas recht machen, so wie es sein muss- Dāt wall
de ài faale bahse, das wird dir nicht viel baten.


442. De Egge,Sidd, de Kānt. De Egge kann nur durch
Seite übersetzt werden, wobei aber der Begriff sehr unvollstän.
dig bleibt. Diess Wort, welches auch noch im Dänischen, aber
in einer weit eingeschränkteren Bedeutung, vorhanden ist, hat
einen sehr umfassenden und vieldeutigen Sinn, der nur durch
Beispiele klar gemacht werden kann. 'Aw 'e söhser Egge ,t Hüss,
auf der Südseite des Hauses; àw ,e Nōrderêgge, auf der Nord.
seite; àw 'e Āsterêgge, zu Osten, de Wêsterêgge, die Westseite;
aiiv ,e Leeftêgge, zur Linken; àw ,e rêgte Egge, auf der rechten
Seite; àw ,e Hugerêgge sàtten, über jemand sitzen, einen höhern
Platz einnehmen, àw'e Läigerêgge, niedriger sitzen; de hirr Egge,
oder umstandswörtlich: de hirrêgge, diesseit, de jánnerêgge, jen-
seit. Aw huhmsen Egge bebst dö? Auf wessen Seite bist du? mit
wem hältst du es? Dāt Kniff as blānk àw biese Egge, das Messer
ist blank auf beiden Seiten; dāt shjàrt biese Egge, es schnei-
dāt mit beiden Kanten, mit der Schneide und dem Rücken, oder


A 4

es ist zweischneidig geschliffen. De bütter Egge, de bánner Egge,
oder: àw ,e bütterêgge, àw ,e bánnerêgge, ausserhalb und inner-
halb; de rógte Egge, de forkierde Egge, die rechte Seite und die
Kehrseite von gewebten Stoffen. Das Zeitwort davon ist iggen,
êggen, und bedeutet verlocken, anreizen zu etwas. Im Dän. heisst
de Egge, en Egg, und wird nur auf die Schneide und die Tuch-
kante angewandt; at egge nogen, ist einen aufbringen, zum Zorn
reizen; engl an edge, Verb. to edge.


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1 45. De Frāmde , dāt Üttläujnn , die Fremde , das Ausland ;
frāmd an üttläujnsh.


144. Gäujd aujn Stānde wesen, gut im Stande sein; en gauhs
Däged ven, gutes Gedeihen, gute Gedeilllichkeit haben, von
dàien, woraus jö Däged sich bildet, welches Wort man aber nicht
mit Döged Ton daagen (taugen), die Tugend, verwechsehi darf.


145. De Kêmpe, de Riese. De Kêmpe, der Kämpe, bezeichnet
den Riesen Ton Seiten seiner Stärke, seiner Tapferkeit und des
kräftigen Körperbaues; de Riese von Seiten seiner ungewöhnli-
chen Länge; riesen heisst in die Höhe richten.


446. DeKlönne, deKlóts, de Knólle, deKláwwer. DeKlönne, der
Klonz, bezeichnet den Menschen in Rücksicht auf seine Plumpheit ,
Derbheit und Schwerfalligkeit; de Klóts, in Bezug auf seine Grob-
heit; de Knólle, ein vierschrötiger, derber und gedrungener Kerl;
de Kláwwer, von jöKláw, die Klaue (Hand), einer, der tüchtig an-
fassen und arbeiten , oder mit den Klauen etwas los machen kann-


147. De Lāpe, de Fláck, de Klütt, de Plunne. De Lāpe, der
Lappen, de Klütt, ein Lappen zum Flicken und Ausbessern, de
Fláck, der Fleck, z. B. aus Leder, ein Absatzfleck, de üfgter-
fláck, de Plunne, der Lumpen; die Verba sind lāpen, flácken
und Uütten.


448. Jö Fortêlling, die Erzählung, dāt Tähl, das Mährchen,
Faabel, die Fabel, de Döjnte, das Döhnchen oder Aneedötchen.


449. Jö Begäwenhäid , die Begebenheit , dāt Awertürr , das
Abentheuer, äwentürrlick,abentheuerlich auch gefährlich , gewagt.


450. De Mäute , die Mühe , dāt Unmeek , dän. Umàge , recht
viel Mühe.


151. DePaurte, die Pforte, dāt Dohr, das Thor, dāt Āhk,
das Scheunenthor. De Paurte ist auch der Kerker und der Sta-
chel , s. o.


452. De Stünner, der Ständer, de Piller, der Pfeiler, de Stip-
pe, die Stütze.


153. Jö Twōng von twingen,Túcht von Oe-en, ziehen, jö
Kush , von kushen. Der Zwang , die Zucht , die Kusche , Ein-
schüchterung.


154. De Grünn, de Ursāge, der Grund und die Ursache.

455. De Slörre, dāt Mingen , dāt Njāsen. De Slōrre, von slör-

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im

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ren, hinstehen lassen, ist die Fahrlässigkeit, slörrig, fahrlässig;
de Minger zaudert , weil er mit der Arbeit nicht reeht fort-
kommen kann, deNjāser, weil er nicht will; daher nun Mingerài
und Njāserai, von mngen und fjāsen.


156. De Spahse,Glauw; diese ist ein gewöhnlicher Spa-
ten, dagegen de Spahse ein Spaten zum Abstechen der Heide-
flaggen oder des Heidetorfes, dessen Blatt von der Mitte an ein
schräg aufwärts stehendes Dreieck bildet. Selbst der Torfspaten,
welcher an der rechten Seite des Blattes eine aufstehende, schar.
fe, drei bis vier Zoll hohe, eiserne Kante hat, heisst jö Ijdglauw.


157. Dá Twàge, dāt Jêst,Gāre.Twàge (Collectivum)
sind die Unterhefen, dätJêst, der Gäscht, und dá Gāre, jedes
Gährmittel.


158. De Brück, de Maude, de Wànigt, Gebrauch, Mode und
Gewohnheit.


159. De Wāle, de Wāllering, de Wjàrsing. De Wāle ist l.die
Strieme, z. B. nach einem Peitschenhiebe, 2. etwas zusanmienge.
rolltes, wie Heu, Grummet , Krummstroh, etwa von der Dicke
eines groben Ankertaues, oder eines derhen Oberschenkels; de
Wāllering , von wāllern, wälzen und wällern, z. B. eine gekrem.
pelte Flocke Wolle und dergl.; de Wjàrsing. der eingestrichene
Hauptschwaden beim Heuen. De Tingwāle (verdreht zu Tájng.
wale), ein kurzer, eiserner, walzenförmiger Stab, oben mit eineia
Ringe versehen, der von Haus zu Haus geschickt wird, um die
Dörfler an einem bestimmten Ort zu gemeinschaftlichen Berathun-
gen zusammenkommen zu lassen, hat seinen Namen von der wal-
zenförmigen Form, obgleich man ihn auch viereckig hat-


160. Airig äujnluppen , to Mäjtte kàmen, äüjnnkàmen (hijnn).
Äirig äujnluppen , übel anlaufen; hijnn äujnkàmen, übel ankom-
men u. s. w. To Mäjtte kàmen, braucht man, wenn z. B. jemand
auf der Strasse fällt und ein Bein bricht, oder beim Aufhängen
eines kostbaren Spiegels denselben entzwei fallen lässt u. s. w.;
50 sagt man: ürr kaumm ick elandig to Mäjtte. En 0hling fühg-
gen, sagt man, wenn jemand, der es wohl verdient hat und
dem man es gönnt, um bedeutende Summen betrogen wird, oder
wenn ihm sonst irgend ein empfindlicher Streich gespielt wird.
Dann heisst es: Dirr hêt'r en gauhs Öhling füngen! En gaühs


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Lörring, von Wrren oder lören, lauern, auch jöLöring, bezeichnet
dasselbe; im Worte selbst liegt aber der Begriff des Abeichtli-
chen, des Lauerns, und das Wahrnehmen der Gelegenheit, jemand
einen Streich zu spielen. Hiihm en Stràg spálen, jemand einen
Streich spielen.


161. De Spicker, de Nāgel, de Brōdd. De Spicker, ein Nagel,
dän. et Spêger, Spiger, von einiger Grösse; de Nägel , ein klei-
ner Nagel, wie Wánmngemgel, Fensternagel, auch der Nagel an
Finger und Zehen; de Brōdd, dän. en Brod, ein kleiner spitzer
Stift. En Nägel, engl. a nail, verb. to nail. Spickern, mit grös-
seren Nägeln befestigen, geln, mit kleineren, brōdden, mit noch
kleineren, ohne Köpfe.


162. De Slungel, der Schlingel, de Bájngel, der Bengel, de
Sf, nd. de Slêf, de Slubber, de Köter, Schimpf. und Scheltwör-
ter. De Slübber, von Slubb, dünner Strassenkoth, slubbern, den
Koth einschlürfen, wie die Enten; de Köter, der Köter, als
'Schimpfname, und ein Köterhund.


163. En lájtt wálsh Dijl, en lájtt mjógsig Krāt, en Iájtt däsig
Dijl, en Iájtt däsig Krāt, sind alle in der Bedeutung so ziemlich
eins; wálsh Dijl, quersinniges Ding, mjógsig Krāt, schmutziges
Gethier; lájtt däsig Dijl, kleines albernes Ding; lájtt däsig Krāt,
kleines albernes Geschöpf oder alberne Kröte; lauter Schimpf-
wörter.


164. Jö Bössel, jö KugelBōssel, eine Kugel zum Werfen
bestimmt, als: jö Kägelbōssel,Issbōssel, Kegelbossel, Eisbos-
sei; jö Kugel, jede Kugel und die Bossel mit; bosseln, mit der
Bossel werfen.


165. Jö Kāwel,Koppel,Snaur. En Kāwel Hájnste, en
Koppel Hünne, und en Snaur Hájnste. Kāwel und Koppel scheinen
hier einsdeutig, doch wird Kāwel nur von Pferden, Koppel von
Hunden gebraucht. Bei der Schnur gehen die Pferde hinter ein-
ander, was eben bei einer Kawel und Koppel nicht nothwendig
ist. Dá Hālskāwle sind die Halssielc der Wagenpferde.


166. Jö Pott,Rájngel. Beide sind Töpfe, aber der eine,
Pott, hat immer drei Füsse und einen Sterz; jö Ráingel ist
ohne Füsse und hat einen bis zwei Henkel. Rájngle heissen auch
die Schellen am Schlittengeschirr und an der Schellenbüchse,


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daher rájngeln, schellen, verwandt mit shreijngeln, dän. at rangle,
und en Rangle, en Rangleslange, die Klapperschlange-


167- Dāt Wunner, dāt Wünnertieken , dāt Miraakel. Das Wun-
der, das Wunderzeichen, das Mirakel; letzteres wird aber mei-
stens für verwirrten Lärm , Getümmel gebraucht , wie in den
Ausdrücken: en grott Miraakel, faale Miraakel mogen.


168, Jö Tihssmg , Zeitung, Nachricht, jö Naarógt, dasselbe;
dieses Wort ist dem Niederdeutschen nachgebildet.


169. En Kink , en Kjárl, en Bájtte, en Brōckling , en Làiet
und en Lurlierláiet. En Kink und en Lurlierláiet bezeichnen den
kleinsten oder unbedeutendsten Theil von etwas; en Bjárl, m
Körnchen, en Bájtte, ein Bissen, en Làiet, ein wenig, Weniges,
en Brōckling , ein Brocken; daraus wird brōckeln, bröckeln.


170. Dāt Ofêr, das Opfer, de Gaawe, die Gabe, jö Fwihrizg,
das Geschenk.


171. Verwünschungen und Flüche. Dāt de de Sêgt, de Raawen,
de Däuner , de Däuker , de Däutsher , de Däuwel , de Büwel , de Hájn-
ger, de Wünnen,Fiewwunnen, de Krānked, de Bácker! Dass
dich die Sucht (Fallsucht) ergreife! de Hájnger, der Henker, dá
Fiewwünnen, dass dich die fünf Wunden (Christi) brennen oder
schmerzen mögen ! de Krānked , die Schwerenoth ; de Rácker
(sonst Rācker), der Schinder. Die übrigen Wörter sind lauter
Namen des Teufels.


172. DātPāckhüss, de Kaurnspicker , der Kornspeicher und das
Packhaus.


173. Jö Formaak, jöHöhg.Formaak, von formagen fwie das
Lat. reereare, refieere), das Wohlgefallen: He hêt 'r sin Formaak
ütt, wann'r'e Jōngense to wrāseln füjn kōn, er hat sein Wohlge.
fallen daran, wenn er die Jungen zum Ringen oder Balgen brin-
gen kann. Jö Höhg, von högen, erfreuen, wird mit äujn (in, an)
verbunden, und so gebraucht: Dirr hêt'r sin Höhg äujn, daran
hat er sein Behagen, seine Freude.


174. Jö Währ,Krêfte,Formógt.Währ, von wêren,
sich wehren, vertheidigen , braucht man besonders von Kindern,
die einer Arbeit noch nicht recht gewachsen sind, daher nun:
währig, en währigen Jōnge, ein kräftiger Junge, he hêtnijn Währ 9
keine Kräfte ; jö Formógt , das Vermögen , aber nur in Beziehung


201

161

ftuf Körperiuräf te , als: Hōll án Haad nāg, aurs làiel Fonnàgt, Ge-
sass und Kopf sind gross genug, aber wenig Kraft Vem einem
stark gebauten Menschen, der dennoch nur wenig Kräfte hat
Krêfte, die Kräfte, de Srêfte, der Krebs, Krebsschaden.


175. ltot Spatt, pl. Spáhse und Spátte, der Spiess; de Pick,
die Pieke.


176. DeEme, dän- en Eem, der Brodem, heisser Wasserdampf;
de Dāmp, der Dampf überhaupt» daher. êm«n und dāmpen, hrod-
men und dampfen. Dāmpen ist sowohl ein, Verbum intransitivum,
als ein transitivum, und heisst also auch dämpfen. Brodeln ist
böbbeln.


177. De Wjàrd, von wäir, wahr, die Wahrheit; de Wjàrt, von
wjàrt, werüi, der Werth; de Wjàrth, der Wirth-


178. De Gōng,Trāw, von gungen und trāwen, der Gang im
Schritt, und der Trab; jö Hünnetrāw, der Hundstrab-


179, De Hájt, von hijtt, heiss, nd. hitt, daher die Hitle; de
Wārmde, die Wärme, von wörm; hátten und warmen , heilen und
wärmen. Wārmen ist Wärme von sich geben; wiermen, erwär-
men und sich erwärmen.


180. Dāt Fārrew, dāt Blài,Kölör. Dāt Firrew wird nur
von gefärbten und gemalten Gegenständen, so wie von Farbe-
stoffen gebraucht; dāt Blài sowohl von natürlichen, als aufgetra-
genen Farben, und Kolōr besonders von starken, lehhaften Far-
ben. hähst en gauhs Blài, du hast eine gute , gesunde Ge-
sichtsfarbe ; hócken Blài hêt dán nàie Róck, dán Riddhajnst an diu
fmge Hunn? was für eine Farbe hat dein neuer Rock, dein
Seitpferd und dein junger Hund?


181. JöHäiw, jö Gásiing,Formautitig.Häiw, von häiwen,
erwarten, dass etwas eintreffen oder geschehen werde, also die
Erwartung in dieser Bedeutung; jö Gássing, von gassen, dän. at
gisse, aus gewissen Merkmalen oder Anzeichen schliessen; jö For-
mausing, die Vermuthung.


182. De Stuhpp, dāt Stöp, de Ōmmer. De Stühpp, der Stauf,
kommt vor in Tjārestuhpp, die Theermeste, de Krüdstühpp, Blu-
menstauf, Swênnestuhpp , die Schweinsgelte ; de Ōmmer , der Eimer;
dāt Stōp, siehe Stuhpp.


183. Jö Elms, de Gaawe, s. oben; jö Elms, das Almosen.

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202

162

184. De Wihsse, de Mauhse, die Weise, die Art, dän. en
Maade; dāt ás nff sei sán Wihsse, seine Weise, sán Mause, seine
Art; de Brück, de Wánigt, siehe oben,


185. De Twitter, de Fäger. Beide Wörter bezeichnen einen
jungen, flinken Burschen, Man sagt: dāt ás en flinken Twitter,
und en dugtigen Fäger, von dem Adj. fàge, schnell, rasch, ge.
schwind, welches noch im Dänischen vorhanden ist.


186. Jö oder dāt Molke, die Milch ; dāt Bjāst, die Biest, Bienst,
die erste Milch nach dem Kalben, Neumilch; Aá Aune, Collect,
die Buttermilch.


187. De Stêle, de Stajngel, de Strück , Stiel, Stengel und Strnnk.

188. Jö Gāsem, die Gäspe; jö Häujnfoll, eine Handvoll.

189. De Amgōng,Sêgt. De Ā'mgōng ist eine umgehende,
grassirende Krankheit, jö Sêgt, die Sucht und die Seuche.


190. De Róck, de Māmtel, dätWäms, dātKámmesaul, deKittel,
fiock, Wamms, Mantel, Kamisol und Kittel.


191. Jö Hull,Kāpp,Kabuts, dāt Hitt.Hull, die
Mütze, jö Kāpp, die Kappe, jö Kabuts, die Caputze, dāt Hitt,
die Kutte.


192. De Stāllbrauhser , de Kammeraat , de cker, der Stall.
hruder, der Kammerad, der Genosse.


193. Namen einiger Fische. De Gêdd, der Hecht; de Sötter, die
Schleihe; de Piepfásh, der Schlammpitscher ; jö Karutsh, die Ka.
rautsche; de Brāssem oder Brāsmer, der Brachse; jö Mlemuddêr,
die Aalmutter; de Äjl, pl. Äile, der Aal; de Baars, der Barsch;
de Stöhr , der Stör; de Snäpel , der Schnäpel; de Darsh , der
Dorsch; de Shálfásh, der Schellfisch; de Häiring, der Häring;
Shell, wozu alle Seitenschwimmer gehören; de Bjnker, das
Rothauge (Cyprinus Erythrophthalmus); de Lax, der Lachs; de
Sōnbaars, der Sandbarsch; de blander, der Alander; de Stint,
der Stint, u. s. w.


194. Namen einiger Insecten.Pōdd, der Käfer; jöFlieg, die
Fliege; jö Nōpp, der Floh; jö Lüss, die Laus; jö Uchlüss, die
Wanze; jö Tàhg, die Zecke, die Schaflaus; jö Bi, die Biene;
Bráhms, die Bremse; jö ilfággr, die Mücke; jö Mijtt, die
Milbe; de Gōlsmass, die Libelle; jö Hájnstepōdd, der Mistkäfer; jö
Gōdshānn, das Gotteslämmchen , u. s. w.


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163

Namen einiger Feld fruchte. De Wijtte , der Weizen ; de
p der Roggen; de Bähr, die Gerste; jö Häwer, der Hafer;
aser, der Buchweizen; Sâmmerkaurn und Wonterkaurn, Som-
und Winterkorn; dáĀrte, die Erbsen; dá Buhne , die Bohnen;
cke, die Wicken; dáBaane, 1.der Rainfarren, 2. derBeifuss,
eissen göhl (gelbe) Baane (Tanacetum vulgare), diese grá
(Artemisia vulgaris); dāt Mālkrudd, der männliche Tüpfel-
(Polypodium felix mas); dá Gōsekrülle, Kamillen, Apelkrülle,
ohlriechenden Kamillen; dāt Lawândel, der Lavendel; jö
' die Nelke, u. s. w.


VIERTES CAPITEL

DAS BESTIMMÜNGSWORT (Adjectivum).

03. Die Bestimmungswörter sind theils Wui.zel Wörter '
abgeleitete und theils zusammengesetzte Die Stammwörter
urchgängig sehr einfach, als:


krank.
p;esund.
falsch.
rund.
chwarz-
'eiss.


braun.

grün.

roth.

elb-

)lau.

au.

, bunt.

i, s. 0.

uass.

mer.

sālt, salz.
bátter, bitter.
tênn, dünn.
tjóck, dick.
blinn, blind.
duf, taub.
iōm, lahm.
hālt, hinkend.
stark, stark.
grott, gross.
iájtt, klein.
wōrm, warm.
hijtt, heiss.
käujl, kalt.
lài, lau.
bārsh, barsch.


hárd, hart.
uhk, weich.
fier, fern.
widd, weit.
long, lang.
kaurt, kurz.,
wieh, übel
bliek, bleich-
munter, munter.
sauber, sauber.
junk, dunkel.
il, hell.
Uār, klar.
ljāgt, licht.
hādder, heiter.
wieker, wacker.


21 *

204

164

nār, eng.
spáss, spitz.
lágtf leicht
moār, schwer.
imen, offen.
tágt, dicht.
stiff, steif.
ttfig, geschmeidig-
smiesig, — — — — .
gäujd, gut.
hijnn, schlecht.
grōf, grob.
fien, fein.
düjdd, todt.
lábben, lehend,
fātt, fett,
māger, mager,
äirig, arg.
äiwen, eben.
äiwen, leise,
sljógt, schlicht.
will, wild.
tōmm, zahm.
shu, scheu.
shârp, scharf.
boll, stumpf.
lmtt, stumpf.
sigt, seicht,
fiāck, flach.
läig, niedrig.
hiieh, hoch.
disp, tief.
shōr, schroff.
steil, steil.
blänk, blank.
nen, rein.
gläi, froh.


shrādd, schräge.
náll, stössig.
seefl, sanft.
niill, mild.
Am, arm.
ridt, reich.
blöch, Uöde.
rōck, rauch.
drögh, trocken.
wäjtt, nass.
fäst, fest
lto, los-
fri, frei.
nii, neu.
üjll, alt.


jung jung,
rógt, recht.


stâll, stille-

sāgt, sacht-

Aiai, faul.

lick, gerade.

krümm, krumm.

shief, schief.

trāt, müde.

full, voll.

lährig, leer.
trotr, wahr.
ripp, reif.
wálet, welk.
sätt, satt
bār, bar.
tear, bar.
ewig, ewig.
swāck, schwach.
strōmm, stramm.
struf, straff.
kerf sicher.


nāgel, nackt
twárr, quer.


mürrig, mürbe.
wiss, gewiss.
trong, bange.
fráck, frech.
äien, eigen.
nátt, nett
pper , tapfer.
hāstig. hastig.
ek, leck.
lácker, lecker.
Mss, heiser-
iäsig, alhern-
idder, frühe.
lähs, spät
aagtern, nüchtern
ähsrig, nüchtern.
grottem, laut
siêrem, sêhr heftig,
ifaft, Stolz.
sking, streng.
nōg, gar, genug.
rash, rasch-
tnitt, treu-
jöhr, theuer.
brijd, breit
smá, sehmal.
ra, roh.
nâiv, genau.
gáw, geschwind.
slōpp, schlaff-
däik, alltäglich.
meek, sehr zahm.
hohl, hohl.
sier, weh, wund.
njöl, plump.


205

165

käm, spröde. fàg, feige. kier, kürisch.

glijnn, glüh. fäir, stark, liess, leid.

kriess, keck. klömm, klamm. plump, plump.

Ferner:
bücket f bauchig, dick von Leibe; wälig, stark; sidd, weit herab-
hangend, von Kleidern; stumpet, kurz, zu kurz. von Kleidern;
órkel , stürmisch , unruhig , vom Wetter ; grêmet , schmutzig schwarz-
gestreift im Angesichte, auch von Kühen; föhl, boshaft; füll,
sehmutlig; hāllig, feier, heilig, hillg, heilig; fug (füch), bange;
nögen, genügsam; sàlig, nur halhklug, albern; fláw, flau; trāwel,
nd..hild, viel zu thun habend, dän. travel; lumsh, tückisch; klien,
dünn und schwach; māl, toll; vniess, böse, zornig; ágt, echt;
snüss, nett, sauber; snaud, schnöde; rānk, schlānk, schlank; säig,
zähe ; shäiêr , spröde ; hārsh , ranzig , dän. hársk ; glöbsh , nd. glubsch ,
dän, glubsk; shirr, schier; sálten, selten; slámm, 1. schlimm, 2.
geselieidt; stāsig, stätig, stettisch, von Pferden, die nicht vom
Fleck wollen; stàhsig, stetig, anhaltend; knāp, knapp, geizig;
glátt, glatt; hāmper, hart in der Rede; neesh, zart von Haut;
spie. neulich gehoren» en spie Ugàrn; fàhs, unartig; äujnnet, un-
geliorsam; bäish, dän. beesk, unangenehm bitter, wie z. B. Wer-
muth; fimk, flink; snáll, schnell, schlau; flpaam, fromm; tronglick,
ängstlich im Geben, geizig; öngliêk, ängstlich im Blick; könnig,
kundig; snäwsh, rotzig, von Pferden; sháll, schmutzig, von Scha-
fen und Rindern, die den Durchfall haben; fünkelt, 1. einfach, 2.
einzeln, nd. und dän- enkelt; döwelt, doppelt; tröwelt, dreifach;
gemien, gemein; snàhsig, schlau; bleehs, mild, freundlich; wánlick,
freundlich; swäjtt,süss; shrubbet, rubblig, rauh; lief, lieb; glaumig,
glnmm, trübe, vom Wasser; ebfer, heiter; Hönig, sehleunig; fjà
dig, fertig; freulick, fröhlich; drunken, trunken; grötsh, hoffär
tig; grotthártig, stolz, aufgeblasen; hijl, ganz; klick, bequem
wiekns, wach; fägel, fehl; klöuk, klug; fiársh, 1.süss, vom Was
ser, 2, ungesalzen, vom Fleische; piāt, platt; trinn, rund; krühs
set, kraus; swānger, schwanger; swánlick, schwindlicht; klöftig
spasshaft, drollig; spōtsh, spöttisch; möhglick, möglich; knápsh
knipsh, schnippisch; rádlick, redlich; faarnàmen, vornehm; swàhsen
gesengt, sengerig; söngerig, von angebrannten Speisen; tünnen
geschwollen; forkierd, verkehrt; sönnig, 1. sinnig, 2. sonnig


206

166

/

' sàhnig, sehnig; gräulick, gräulich; klàwig, kleberig; rōset ' ver-
fault; lieflick, lieblich; dráftick, weidlich, trefflich; ricklick, reich-
lich; fāliig , ordentlich, recht wie es sein muss; iāwentig , leben-
dig; njógsig, schmutzig; rostig, rustig; nàilick und nàishirrig,
neugierig; üjllklauk, altklug; shráwlick, kränklich und verküm-
mert; geest, nd. güst, d. i. sieg, keine Milch gebend; mäjlk, melk,
d. i. Milch gebend; wāgsen, erwachsen; ivükseii, wügsen, gewachsen;
shrájnkel, sehr dünn von Beinen ; shrādd, schräge; näi, nahe; wiss,
weise, ünwiss, un weise, aber de wihsse Mōnn, der weise Mann;
lihssig, reinlich, in Beziehung auf sich selbst, auf Kleider und
Ungeziefer; ünlihssig, das Gegentheil davon; nagsen, aus de Ōgse,
ochsig, von Kühen in der Brunst; wru, von Säuen; ivràwel, von
Schafen; wállig, willig, von Stuten; läujdsh, von Katzen und Pêt-
zen; trüff, recht gesund, wohl auf; tāss, ziemlich gesund; kill,
kitzlich, ein Primitivum, aus dem das Verbum killen, kitzeln,
gebildet ist; Uster, aufgebracht, zornig; pāll, platt auf einer Stelle
festliegend; kief, dän. kjed, überdrüssig; stüjnsh, spröde, kokett,
zurückstossend; tnen, wer etwas nicht übers Herz bringen kann,
he ás'r so tamen am, er kann sich nicht bezähmen es zu thun;
Iámplick, von lámpen, glimpflich zu Werke gehen, heisst wörtlich:
glimpflich, sonst schwach, besonders vom Befinden eines Menschen;
stuff, dicht vor der Linie, ohne dieselbe zu berühren.


Anmerkungen.

Unter den Adjektiven mit bestimmten Endungen, deren Ab-
stammung sich schwerlich nachweisen lässt, finden wir, wie im
Hoch- und Niederdeutschen, im Dänischen und zum Theil im
Angelsächsischen, nur die Nachsilben el, elt, en, er, em und ig,
wie in trāwel (vielleicht von trāwen , trāben) , wo alles geschwind
oder im Trabe gehen muss, was den richtigen Grundbegriff giebt;
nāgel, spaawelt, döwelt, sálten, aagtern, hādder, Mder (früh), sám-
per, hāmper, shäier, wälig,lànig, sàlig, stjüllig, geputzt, gesehmückt,
iriellig, ausgeschmückt, geziert mit Kleidern, u. s. w.


Bei andern lässt sich die Wurzel nachweisen, wie in: sierem,
von sier, weh, wehe; bátter, von bitten, beissen, wie bitter vom
nd. bietten, bitt, was auf der Zunge beisst; gróttem, von grott;


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wieker, von wieken, wiekne, wach; smiesig, von smitten, was sich
leicht wirft.


Das Wort wieh, übel zum Erbrechen, auch weh, in Wiehdêge,
Wehtage, wird gedehnt ausgesprochen, nicht wie das deutsche
wie, daher hier das h als Dehnungszeichen, das aber wieder
in der Mehrheit wegfällt, als: une-e Dringe häwe āltefaale
Winn drunken, an shán 's jám brege, untig spàie, die Knaben,
denen so übel ist, haben zu viel Wein getrunken und nun sollen
sie sich erbrechen oder speien. Ick bán 'r so wieh êfter, mir
wässert das Maul so darnach.


Die Ableitungssilben des Bestimmungswortes.

§. 104. Diese sind: āgtig, baar, en' ern, et, ig, lick, ish, sh,
saam.


1. Āgtig, bezeichnet eine Aehnlichkeit , eine Annäherung zu
etwas, und entspricht den deutschen Nachsilben haft, lich und
isch, als: fägelāgtig, fehlerhaft, āweāgtig, äffisch, dringeāgtig, jōn-
genseāgtig, knabenhaft, surtāgtig, schwärzlich, rüjddāgtig, röthlich,
hōltāgtig, holzicht; auch entspricht es dem deutschen artig , wie
staurkāgtig, storchartig, fáshāgtig, fischartig, jörtāgtig, hirschar-
tig, u. s. w.


2. baar, entspricht der Silbe bar, als: frugtbaar, tmkbaar, ihr-
baar, u. s. w-


5. en oder ern, wie im Deutschen, nur bei Ableitungen von
Stoffnamen, den Stoff eines Dinges bezeichnend, wie Iánneti, lei-
nen, häjdden, heden, aus Hede, sêlwern, silbern;


4- et, entspricht bald dem dänischen et, und bald dem deut-
schen ig, wie in bücket, dickbäuchig, bārbienet, barbeinig, dän.
bärbenet, kaurthālset, kurzhalsig, krümmrêgget, krummrückig.


5. ig, deutsch und dän. ig, wie bläujddig, mäujddig, gitsig,
njógsig, u. s. w.


6. lick, deutsch lich, dän. lig, wie ricklick, wánlick , órntlick,
ordentlich, auch ordentlick, mánshlick, u. s. w.


7. ish, sh, deutschtisch, als: stüjnsh, stolz zurückstossend , russ-
ish. sachsish, spānshi, spanisch, steif, gezwungen, wálsh, welsch,


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168

quersinnig, holläujnsh, holländisch, stäish, stettisch, von Pferden.
8. saam, deutsch sam' dän. som , wie frügisäam , furchtsám , u.s.w.


Bildung des Bestimmungswortes.
a. Aus Bestimmungswörtern selbst.


§. 105. Hier finden wir nur die Nachsilben lick undāgtig, als:
krönk, krōnklick, fālsh, fālshlick, trinn, trinnlick, surtlick, mrtāgtig,
wittlick, wittägtig,rüjddlick, rüjddāgtig, brünn, brikmlick, brünnāgtig,
gräin, gräinlick, gräināgtig , grálick , gráāgtig , swäjtt ' swäjttlick,
swäjttāgtig, sörr, sörrlick, bátter, bátterlick, hárd, hárdlick, nai,
nàilick, üjll, üjllägtig, von Menschen: āllerāgtig, löng, lönglick,
lōngāgtig, kaurt, kaurtlick, nār, nārlick, nārāgtig, swār, swārlick,
düjdd, düjddlick, 1. tödlich, 2. sterblich, lick, gleich, lickück,
ähnlich, wäir , wjàrlick , wahrlich, wádderlick, widerlich, von
towádderne wesen' zuwider sein; rienlick, êrmlick, ricklick,rógtlick,
swācklick, säkerlick, traulick, tronglick ' onglick, u. s. w.; ferner:
brijddāgtig, smêlāgtig, orkelāgtig, däikāgtig, von däik, 1. alltags,
T. schlicht und recht, geradezu, fägelāgtig.


b. Aus Hauptwörtern.
1. Mittelst en oder ern.


§. 106. Dāt Gäujll, gäujllen, golden; dāt Dauck, daucken, tu-
chen; dāt Jàrd, jàrden, irden, u. s. w. Folgenden Substantiven
wird bloss en angehängt, als: dāt Liemm, der Lehm, jö Birk,
die Birke, jö Ihk, die Eiche, jö Bäik, die Buche, jö Fäir, die
Föhre, jö Lánn, die Linde, de Lánn, der Lein, dāt Flāgs, der
Flachs, dá Häjdde , die Hede, de Dráll, der Drillich, de Fief-
kamm, der Fünfkamm (ein Zeug), dāt Ull, die Wolle, dāt Burk,
die Borke, Baumrinde, dāt Hjàrt, das Harz, dätWāgs, das Wachs,
dāt Sihssen, die Seide, de Hānep, der Hanf, dāt Páck, das
Pech, de Stijn, der Stein, dāt Tánn, das Zinn, de Kalk,,
dāt Hōlt, das Holz, dāt Bláck, das Blech, de Knaake, der
Knochen, dāt Haurn, das Horn, jö Hill, der Holunder, dāt Kat-
tun,' dāt Papier,,Esh, die Esche, dāt Kripp, der
Krepp, de Klāi. der Klei, dāt Hiehs, die Heide, u. s. w. Fol-
gende bekommen nurn' als: dātHäier, häiern, hären, dätSêlwer,


209

169

dasSilber; dātKaawer, das Kupfer; jöIper, die Ulme; jöA'ller, die
Eller, Erle; dāt Lähser, das Leder; dāt Jücker, das Reis. Nach-
stehende bekommen ern: dāt Strài, das Stroh; dāt Blie, das Blei;
de Snie, der Schnee.


2. Mit der Ahleitungssilhe ig.

§. 107. Wir wollen hier zuerst die wenigen unregelmässigen
Bildungen hersetzen, da man dann den übrigen Wörtern nur die
Silbe ig anzuhängen braucht, um das Adjectivum zu bilden. Un-
regelmässig sind de Rinn, der Regen, rênig: dāt Stōf, der Staub,
stöwig; dātBleess, das Blatt, blehsig;Gäus, die Gans, gōsig; dāt
Smähr, dasSchmeer, smimg. (Folgende sind regelmässig, als: dāt
Bläujdd, bläujddig, blutig; dāt Ull, de Kānt, dāt Säujn, dāt Jàrd, dāt
Hemm, dātKlai, deKlāi, de Turst, de Hünger, de Dunst, deDāmp,
de Riek, de Quālm, deWáinkel,dät Snáws, de Mjógs, dāt Wahser,
de Wāle, dāt Edder, der Eiter, de Edder, die Ader; de Aadel,
der Adel; dāt Ahl, Mistjauche, altdeutsch auch A'ddel; de Walle,
de s,Müss, mühssig, die Maus, de Müss, der Mund, eben-
so: lissig, wie in grottmühssig , grossmäulig; de Gnāhse, de Geist,
dāt Gijàrs, dāt Strài, dāt Fōdder, de Sáft, dāt Mähl, dāt Kaa-
wer, dāt Hōlt, de String (hier die Faser, sonst Strang, Saite); jö
Sàhn, die Sehne; de Rolle, dāt Flāsh, Slimm, jöHüdd, jöHánn,
dāt Mudder, dāt Slubb, dāt Shitt, de Fähsei., dāt Dünn, Daunen,
Flaumfedern; dāt Shrubb,Burst, dāt Ār, die Narbe; de Rust,
deBrōdd, dāt Grtlss, grülissig, griesig; dātSêlwer, dāt Esh, Asche;
Agene oder 'Agne, coll. Spreu; dá Shàwe, coll. Shäben,
Sting, die Granne; jöWúpp, die Aehre; de Winn, Wind; jöLuft,
de Duft, de Dáwwe, de Mist, Nebel; jö List,Böhser, dāt
Puhser, de Sánn, die Sonne; dāt Sánn, der Sinn; de Sjàme,
Schatten; de Plünne, de Lāpe, dāt Forgáft, de Trāne, de Tjāre,
dāt Páck, dāt Hjàrt, dāt Iss, ihssig, de Lōcke, de Knōte, de.
Slāgge, dāt Kitt, dāt Siep,Pragt, deAirem, jöHäujnn, fiäujnfiig
(auch hantig, hijnnig), händig; deFáinger; jöRäujtt, Wurzel; dāt
Seem, der Seim; dāt Mōs; de Maure, das Moor; jö Rinn, die
Rinde; dāt Bjàrd, der Bart; jö KIáwer, die Kralle; jö Kláw, die
Klaue; de Ohme, der Odem; dāt Hárt; de Bāst; de Bunk;
Tāll; dātjPàwer, der Pfeffer; dāt Sucker; de Ruhmme, der Rahm;


22

210

17O

dāt SMmm; dāt Swijt; de Gālle; dāt Uhr, das Ohr ; jö Pàl; jö
Shüll; jö Shäjl; de Frohse; de Pōcke,Pōcke;Pàrl (Perk);
dāt Jādder, das Euter; de Bäirig; dāt Ihr; de Splàhs; de Shám-
mel; de Klump; jöTidd; dāt Twich;Māgt, mágtig; dät Swāmp;
dāt Pünn;üäide, das Rohr, Schilfrohr; de Puckel;Urt, die
Warze; dāt Wiurt, die Würze beim Brauen; jö Shàl;Flugt,
flügtig;Bugt;Tugt; de Ständ, stándig;Kráft; de Borre,
die Klette; de Dieh, dieig, teigig; jö KöhI, die Grube; jö Diek,
diekig, grübig; de Sênne, die Sünde; jö Daahs, die That; de
Räjdd, der Rath; de Klóts;Gunst; de Forstānd, forstándig;
Gewáld, gewáldig; dāt Mäujdd; de Stijti;Bläihs; dāt Blāek;
Aart, aardig;Bräujn, bräujnnig, brandig; jö Bjàrst, die
Borste; jö Flāg, der Regenschauer; dāt Gêck; dātKálk, der Kalk;
de Klādd, der Kläcks; de Knóst; dāt Krät, das Gethier, ein
Schimpfwort; dāt Mäujll, das Mill; dāt Hiehs;Nàhs, die Nias
(Läuseei) ; jö Rau; dāt VFäi;Aune; dāt Siep;Sling, kleine
Schlucht im Wagengeleise ; de Snàhs, der Schnitt» Pfiff; de Spöt,
der Fleck, die Sommersprosse; jö Spirr, der ausbreehende Keim;
dāt Spêck; de Spáun, der Spann; de Splinn, der Splitter; jö
Dráft, dráftig, betriebsam; dāt Twêl;Finne , die Flossen; de
Grause, die Gruse; de Klāse, der Büschel, die Traube; dāt Mōlke;
de Pōse; de Stauppel;Sturre, sturrig, in aus- und aufwärts
gehende Falten hervorstehend; dāt Graum, Eingeweide.


Mehrere der vorigen Adjective auf ig kommen nur mit andern
verbunden vor, wie kimrtōsmig, kurzathmig; iuhghäujnnig , zwei.
händig; lêfthijnnig, statt häujnnig, links, linkshändig; tjócksêmig,
dickseimig; tienihrig, zchnjährig; stiffbjárstig , steifborstig; pack-
ārig, pockennarbig; wōnräjddig, wahnräthig; grótthartig, grossher-
zig, d. i. stolz.


3. Durch die Endung ägtig , dän. ágtig. Sie entspricht ahwech-
selnd den deutschen Nachsilhen artig, hafl , icht, isch,


förmig und lich. Vergl, §. 105.

§. 108. Sie kommt meistens bei Bestimmungs- und Hauptwörtern
vor, drückt immer eine Vergleichung , Aehnlichkeit oder Annä.
herung zu dem im Stammworte Bezeichncten aus, als: ng-
tig, bläulich; tjóckāgtig, dicklich; bliekāgtig, blässlich; grōfägtig,


211

171

gröhlich; fienāgtig, fein, feinlich; däikägtig, alltagsmässig; māl-
āgtig, einem Tollen ähnlich; stringāgüg, etwas scharf von Ge-
sehmack; wqittāgtig, nässlich, u. s. w. — Mōnāgtig, mannhaft;
wōffeāgtig, weibisch; bjárnāgtig, kindisch; thiewāgtig und thiewe-
āgtig, diebisch; fordijlāgtig , vortheilhaft ; māhlāgtig , mehlicht;
buuverāgtig kupfericht; lähserāgtig , ledericht; ullāgtig, wollicht;
pêreāgtig, birnförmig; plömeāgtig, pflaumenrmig; rukāgtig, scho-
berförmig; ckeāgtig, garbenförmig; ijd (ihd), ijdägtig , torfartig;
krittägtig; stäjlägtig,eisenartig;födderägtig, heuartig,heuicht; rise-
āgtig, riesenartig, riesenförmig; gjàrsāgtig , grasartig; liemmāgtig,
lehmicht,thonartig; klāiāgtig, kleiicht; buhmmägtig, baumartig; ai-
āgtig, eiförmig; stäujnnerāgtig , leuchterförmig ; bōsselāgtig, bossel-
oder kugelförmig; kugelāgtig; trêlägtig, scheibenförmig rund; fijlāg-
tig, radrmig; stäirāgtig, sternförmig; hederāgtig, haricht; mjárdāg"
tig, sehwertrmig; snaggägtig, schneckenförmig; würtmāgtig, wurm-
förmig; stijnägtig, steinicht; mōlkeāgtig, milchartig; gäujlägtig,
goldieht; sêlwerāgtig, silberartig; winnāgtig, weinartig, u. s.w.


Da man diese Ableitungsilbe mit allen Hauptwörtern, die
wirkliche Dinge bezeichnen, und zum Theil auch mit andern
irerbinden kann, wenn eine Vergleichung Statt findet, so ist es
einleuchtend, dass sie sehr fruchtbar zur Bildung neuer Adjee-
tive sein muss. Sie wird zwar auch mit einigen Zeitwörtern,
aber nur mit einzelnen, die etwas Fehlerhaftes oder Verächt-
lielies anzeigen, verbunden. So wird aus slāsern (schwatzen ,
plaudern, klatschen), slāserāgtig; aus tjāsen, ijāgtig, rappelig;
aus njāsen, njäsägtig und njāsig, zauderhaft; aus slōrren, slörrig
und slörrägtig; aus spōten, qlotten, gpōgtig, Vōtig und spōtsh,


4. Durch die Silbe et , dän- et, deutsch ig.

§- 109- Sie kommt meistens nur in Zusammensetzungen vor,
80 wie einzeln in einfachen Bestinunungswörtern, die von Haupt-
wörtern abstammen, als: haurnet, gehörnt; plācket, fleckig; p-
pet, flockig; krōppet, beleibt; rüttet, gewürfelt; tōppet, mit einem
Federbübschel auf dem Kopfe , wie en tōppet Laash ' die Hauben-
lerehe 9 en tōppet Hānn , eine Henne mit einer Hulle , Holle ;
ckel, bauchig, dickbäuchig; strippelt, gestreift, streifig; rauhsei,
gêblümt, rosig; jālmet, gehelmt, von Kühen, mit «iner weissen,


212

172

helmförmigen Zeichnung am Vorderkopfe; bhset, von de Bláss,
mit einer Blässe an der Stirn, von Pferden; pigget, gestachelt,
stachlig, u. s. w. — Composita : siddliwwet, lang in der Taille; sāllrêg»
get, hohl- oder sattelrückig; kaurthālset, wennuget, kurzhalsig und
blauäugig; hárdnêket,hartnläckig;mālliaadet, tollköpfig, jähzornig ;
spássnaaset, spitznasig; sàgelbienet, sichelbeinig; pIātfäujttet oder
plātfäjitet, im pl., plattfüssig; bärfäujttet, barfuss; riijddsieeket ,
rothbackig; brijdshullert , breitschultrig; lōngbienet , langbeinig;
spásstöht, spitzschnauzig; tjóckknōllet, dickknöchlich ; shárpknaar
ket, scharfknochig; lōngkánnet, langkinnig; tjócklappet, dicklefzig;
brijdfläbbet, breitmäulig; gróttölet, grossmäulig; tjócklásset, dick-
gliedrig ; lōnguhret , langohrig; stumpstjártet , stumpfschwänzig;
buttwinget, stumpfflügelig, wie der Kiebitz im Fluge; fjauerêgget,
vierseitig; fierkantet, vierkantig; sêgstunet, sechszehig; tjóckhüddet,
dickhäutig; wittsnáppet, weissschnippig; tjóckkäiset, dicke Malmzähne
häbend; shárptünnet , scharfzinkig; smêlblêset, schmalblätterig; shárp,
iset, scharfzahnig; gröfkjárlet, grobkernig; lōngstinget, langgrannig;
spássōddet , mit einer spitzen Spitze versehen ; buttōddet oder
stumpōddet, das Gegentheil davon; kaurtsliewet, kurzärmelig;
rüjddnōppet ' rothflockig ; stiffbijárstet , steifborstig ; blānkshàlet,
blankschuppig; tênnrábbet, dünnrippig; trinnliwwet ' rundleibig;
tjóckthieget , dickschenkelig ; klienbietiet, shráinkelbienet , dünnbei-
nig; htichwrástet ' hoch von Risten, dän. und nd. Wrist, fries. de
Wrást; lōnghägelet ,langfersig; lickstámmet, geradstämmig; krümm-
rêgget, krummrückig; grōfburket, grobrindig von Bäumen, grob-
borkig; kahlstrükket ' kahlstrunkig; spásslōnket, spitzhüftig; grótt-
klāset, grossbüschelig; tjócktōlet, dickbüschelig, vom Grase und dergl.;
tjóckspaulet ' dickspuhlig; surtuget, schwarzäugig; fienhüddet, fein-
häutig; sharprêgget, scharfrückig ; hādderuget, lábbenuget, heiter-
äugig ; uhkpāpet , weichbrüstig von stillenden Müttern , deren
Milch sich leicht aussaugen lässt ' hárdpāpet, das Gegentheil davon ;
fāstflāshet, festfleischig; tênnspêcket , dünnspeckig, u.s. w.


Anmerkungen.

Vergleichen wir die beiden Ableitungssilben ig und et mit
einander, so ergiebt sich der Unterschied zwischen beiden am
leichtesten aus einigen Beispielen, wie: de Róck as fähserig , en


213

175

fähserigen Róck, ein Rock, an welchem Federn hangen, en witt-
fähseret Gäus, eine weissgefiederte Gans; sànig Flāsh, sehniges
Fleisch, tjócksànet Làjse, dicksehnige Gliedmassen; shàwig Häjdde,
sebäbige Hede, grōfshàwet, grob von Schäben; stingig, was Gran-
nen enthält, lōngstinget, lang von Grannen. Alle zusammenge-
setzte Adjective auf et, die durch ein einfaches Merkmalswort im
Worte selbst näher bestimmt werden, lassen sich hier durch von
mit dem im Worte genannten Gegenstand auflösen, als: rüjddsiê-
ket, roth von Backen, lōnghālset, lang von Halse, u. s. w. Wer-
den aber zwei Hauptwörter auf diese Weise mit einander zu
einem Bestimmmungsworte verbunden, so steht das erste der-
selben vergleichend, z. B. in sàgelbienet, sichelbeinig, gekrümmt wie
eine Sichel, sāllrêgget, mit einem Sattehrücken, gäujlshàlet, gold-
schuppig, sêlwerfārwet , silberfarbig, u. s. w.


Wird das im Adjectiv enthaltene ■ Hauptwort durch ein Zahl-
wort näher bestimmt, so muss man bei den Zahlwörtern von eins
bis drei auf das Geschlecht des im Bestimmungsworte enthalte-
nen Hauptwortes, so wie auf das Geschlecht desjenigen Gegen-
standes, dem man das Merkmal beilegt, Rücksicht nehmen. Diese
drei Zahlwörter heissen ijn, tuhg, trie im weiblichen und säch-
lichen Geschlechte, dagegen im männlichen ān, twäier, trá, daher:
m. ānstámmet, iwäierstámmet, trástammet, ein- zwei- dreistämmig;
w. ijnwinget , tuhgwinget , triewinget , ein- zwei- dreiflügelig ;
s. ijnbléhset, tuhgblêhset, trieblêhset, ein- zwei- dreiblättrig. En
trástámmeten Buhmm, en tuhgwinget Gäus u. s. w. (Vergl. §. 125).


Die Wörter Fäujtt, Fuss, und Stāpe, die Stapfe, sind beide
männlich, und da Fäujtt und Stāpe hier beide in der Einheit
stehen, so müsste es de Tráfäujtt und de Trastāpe, der Dreifuss,
heissen, obgleich man auch Trifäujtt und Tristāpe sagt, was aber
aus dem Altfriesischen stanmien muss, wo trie auch trê heisst-
Man sagt richtig: en ān- twäier- trátünneten Kauhmm, ein ein-
zwei- dreizahniger Kamm; en ijn- tuhg- trietünnet Faurk, eine ein-
zwei- dreizinkige Gabel; en ijn- tuhg- trieblêhset Kliewerblêhss , ein
ein- zwei- dreiblättriges Kleeblatt, und so in allen ähnlichen
Fällen.


Die Bestimmungswörter auf et darf man nicht mit dem zweiten
Mittelwerte des regelmässigen Zeitwortes verwechseln, das zwar


214

174

auch bestimmungswörtlich steht, aber dabei immer den Begriff
von einer vorausgegangenen Veränderung in der Zeit voraussetzt,
was bei jenen nie der Fall ist, z. B. wálet, von wálen, welken,
dröget, getrocknet, shrāwet, geschabt, thieset, gezupft, böget,
geklopft, u. s. w- Jene Adjective führen nie diesen Zeitbegriff
mit sich, z. B. haurnet, gehörnt, rêgget, rückig, voller Rücken,
krōppet, beleibt, ōddet, mit einer Spitze versehen.


e. Aus Haupt- und Zeitwörtern.
1. Mit der Silbe baar, bar, dän. bàr.


§.110. Sie kommt nur als Ableitungssilbe bei Haupt- und Zeit-
wörtern vor, und hat die Bedeutung von tragen, altdeutsch bāren,
dän. at bäre, fries. beeren, engl. to bear. — a- von Hauptwörtern:
Frugt, frugtbaar, de Tōnk, tōnkbaxir, dāt Wunnêr, wunnêrbaar,
de Ihre, ihrbaar, ehrbar, de Shin, sliinbaar, scheinbar, deMōnn,
mōnnbaar, de Gōng, gōngbaar, de Stridd, striddbaar, de Fägel,
ünfägelbaar, unfehlbar, deTōll, llbaar, zollbar, deTijnst, tijnst-
baar, dienstbar, jö Ācht, āchtbaar, dāt Middel, middelbaar,
Sigt, sigtbaar (sjöhnlick, tosjöhns), sichtbar, u. s. w.; b. aus Zeit-
wörtern: hielen , hielbaar, heilbar, têllen, têllbaar, zählbar, stên,
kóstbaar , brānnen , brānnbaar , brennbar , brücken , brückbaar ,
brauchbar, sonnern, sonnerbaar, sonderbar, forihnen, forihnbaar,
vereinbar, strāfen , strāfbaar, drájnken, drájnkbaar, hieren, hier-
baar, hörbar, fäilen, fäilbaar, fühlbar, u,s.w-


2. Mit der Silbe ück, lich, dän. lig, engl, ly.

§.111. Sie steht bei Bestimmungs- Haupt- und Zeitwörtern,
und ist, nächst ig, die fruchtbarste Ableitungssilbe. Beim Be-
stimmungsworte vergleiche §. 105. Beim Hauptworte hat sie die
Bedeutung von gleich, so wie, eben so wie oder als- Beispiele:
de Frünn, frünntiick, freundlich, de Wáne, uninlick, auch freund-
lich, deKrást, krastlick, christlich, de Mánshe, mánshlick, mensefa-
lich, de Brauhser , brauhserlick, brüderlich, fidderlick , väter-
lich , mmdderlick , mütterlich , bjàrnlick , kindlich , ridderlick ,
fürstlick, jümferlick, jüngferlich, jungfräulich, prêsterlick, gramo-
ück, gräflich, iserlick, ántlick, entlich, lōnlick, ländlich, däg-
lick, von Däi, täglich, nāgtlick, nächtlich, járlick, 1. jährlieb,


215

175

m

2. ehrlich, ihrlick, ehrlich, shāhslick, schädlich, ugenblácklick,
augenblicklich, shōmlick, schimplich , shándlick , schändlich, shraft-
lick, schriftlich, hüsslick, häuslich, kunstlick, römmlick, geräumig,
uhrslick, 1. frühlingsmässig , 2. jedes Frühjahr, sámmerlick, som-
merlich, harrewstlick, herbstlich, wōrnterlick, winterlich, punctlick,
pünktlich, bauckstêwlick , buchstäblich, natürrlick, persōnlick,āngsi-
lick, bürgerlick, āmtlick, amtlich, nōmentlick, namentlich, wrāls-
lick, weltlich, sánnlick, sinnlich, mündlick, mündlich, stündlick,
wàglick, wöchentlich, fiendlick, feindlich, hártlick, herzlich, nijd"
lick, von jö Nüjd, die Noth, mánierlick.


Aus Zeitwörtern, als: mārken , mār klick, merklich, lêserlick,
leserlich , bewäglick , kuplick , käuflich , shrácklick , schrecklich ,
kāhsen, hásslick, hässlich, dàien, dàilick, gedeihlich, kānnen,
kānnlick, kenntlich, klāgen, kläglick, kläglich, fordrêgen, fordrêg-
lick, verträglich, was man vertragen kann, forlicken, sich ver-
gleichen , forlicknen , vergleichen , das eine mit dem andern ,
davon: ünforlickentlick oder ünforlickentlig , unvergleichbar, fāhsen,
fāhselick, fasslich, prihssen, prihslick , preislich, trāsten , trāst-
lick, tröstlich, befinnen, befintlick, f orbinnen, forbintlick, räjdden,
räjdlick, räthlich, drāwen, dráflick, trefflich, shácken, shácklick,
schicklich, liewen, glauben, davon liewlick, glaublich, liewen,
lieben, davon lieflick , lieblich, oder vom Adjectiv lief, lieb;
fortrijtten, fortrijtlick , verdriesslich , formiesen, formieslick, ver-
meidlich , bewihssen , bewihslick, beweislich, döhssen, döhslick,
deutbar, zu deuten, dötlick, deutlich, brêgen, gebrácklick, gebrech-
lich, fölligen, fölliglick, folglich, sörrigen, 1. sorgen, 2. trauern,
sörriglick, begrippen, begriplick, begreiflich, tienen, tienlick, dien-
lich, wunnern, wunnerlick, wunderlich, fräuen, fräulick, fröhlich,
forswāren, forswārlick, verantwortlich, sieren, sierlick, zierlich,
maagen, möglick, möglich, betānken, betānklick, bedenklich, for-
dáwen, fordáwlick, verdaulich, behāgen, behāglick, üttdrücken, ütt-
drücklick, grihssen, grausen, grihslick, grässlich, gruen, grulick,
grāulich, argern, árgerlick, ärgerlich, forgōngen, forgáinglick, hō,
wen, hōwentlick, hoffentlich, foránnern, foránnerlick, veränderlich,
grāmen, grāmlick, grämlich, behêlpen, behêlplick, bestêgen, bestêg-


i licl, 1. bestechlich, 2. besteiglich, ersteigbar, bebōgen , bebōglick,

Ä bewohnbar.

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176

5. Mit der Silbe Tg. (Vergl. §. 107).

§. 112. Sie steht nur bei Haupt- und Zeitwörtern und etwa
vier Bestimmungswörtern, als: käujll, kalt, daher käilig, kühl;
rógt, recht, davon rigtig; äir, altfr. äirig, arg, Comparativus erre,
Superl. êrrigst; ijn (ihnn) ein, ihnig, einig. — '.Mit Zeitwörtern:
wären, wärig , dauerhaft; durig, dauerhaft zum Gebrauche ; wnig,
kundig; hāppen, gierig mit dem Munde oder Maule nach etwas
schnappen, daher hāppig, auf Erwerb erpicht, an sich raffend;
neren, närig, nähren, nährig, übertrieben erwerbsam, besonders
im Kleinen; tjāsen, tjäsig, rappelig, albern geschwätzig; njāsen,
vjäsig, säumig, rauderig; slörren, slörrig, nachlässig, saumselig,
fahrlässig; pratisen, pratmg, hümpeln, hümplerisch , der mit der
Arbeit nicht fortkommen kann; mingen, 1. zaudern, 2. mischen,
tningig, zauderhaft; piesern, albernes Zeug sprechen, pieserig; gō-
sen, gänseln, wie eine Gans sprechen, gōsig, gänsig, albern; slieren,
slierig, schmeichlerisch, kosig; räiren, räirig, rührig; räjdden,
räjddig, räthig, wer sich in Verlegenheiten immer zu rathen und
zu helfen weiss; snāken, snäkig, gesprächig, auch snäksaqm; hieren,
1. hören, 2. gehorchen, hierig, gehorsam, auwerhierig, das Gegen«
theil davon; tieren, sich gebehrden, üntim.ig, ungebehrdig ; lihssen,
leiden mögen, lihssig, reinlich in Kleidern, u. s. w., ünlihssig,
unreinlich; grihssen, grausen, grihssig; tàsen , necken, foppen,
tàsig, gricklich, von sich beissend; flàsen, ausplaudern, flàsig,
ausplauderisch , klatschhaft; fāllen, fāllig, recht ordentlich, ganz
wie es nur sein muss, dass es gut fällt; jewen, geben, jêftig,
ergiebig; tjáweln, tjáwlig, ränkisch; spráweln, strampeln, spráwlig,
stramplig, zappelig; stjürren, steuern (wehren), stjürrig, wie in
bällstjürrig, dän. balstyrig, unbändig; drêgen, drêgtig, trächtig;
bándig, bändig, ünbándig, unbändig; fāllen, fállig, fällig, von
Schulden; làwen, leben, läwentig, lebendig; beliewen, beliewig,be-
liebig; daagen, taugen, dügtig, tüchtig; rádden, ráddig, wer sieb
selbst retten kann, en ráddigen, wärigen Dring; sträddeti, gräten,
grätschen, sträddig; stāmmern, stottern, stämmerig, stotterig; spà-
len, spàlig, von jungen Hunden und Katzen, die gerne spielen;
sträwen , 1. streben, 2. streiten, sträwig ' 1. strebsam, 2. streit-
süchtig; kiwwen, keifen, kiwwig, keifiseh; löwern, schwülen, vör


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einem Gewitter, löwerig, gewitterschwül; lieren, 1. lernen, 2. lehren,
lierig, lágtlierig, leichtlernig, bildsam; lören, lörren, lauern, lör-
rig, laurig, listig; sōngern, anbrennen, von Speisen, sōngerig, an-
gebrannt; huppen, häufen, hüpig, häuflg; bjáwseri, bellen, bjaw-
sig, von Menschen, die in einem bellenden Tone um sich beissen;
plummern, plummerig, trübe, vom Wasser, durch starkes Umrüh-
ren; kráwweln, kriechen, krawlig, kriecherig; fāmmeln, tappen,
fämmelig, täppisch; sjámmern, schimmern, sjámmerig, schimmerig,
dämmerig, hervordämmernd.


4. Mit der Endung ish oder sh (und er, inge).

§ 113. a. Aus Hauptwörtern. Dāt Swinn, swinsh, schweinisch;
kikmsh, hündisch; gêcksh, geckisch; kinsh, kindisch, von alten
Leuten, die wieder kindisch werden; shálmsh, schelmisch; hám-
melsh, himmlisch ijárdish, irdisch; lnbelsh, bibliseh; üttläujnsh, aus-
ländiseh; ájngelsh, englisch; holläujnsh, holländisch; swedish , russish ,
freusish, isläujnsh, skläujnsh, seeländisch; finläujnsh, tonnersh,
Umderiseh; kêlsh, kielisch, pommersh, arabish, holstênsh, persish,
imdish, ungersh, römish, lotjinsh, grie-ish, sáksish, báirish, bömish,
slaawish , sklavisch; tjüsh, deutsch; fränsh, französisch; dānsh,
dänisch; frásh, friesisch; polsh , polnisch; wálsh, in käserwalsh,
kauderwelseh.


Die Silbe er kommt nur bei Ortsnamen vor, als: Hamburger
Wöre, Waaren ; Altonäer Bier ; Longhaurner Mārked; Kêler Amslieck,
Kieler Umschlag; Shiedammer Geneiver; dāt Hühssemer Mārked;
^1Arröer Böhser, die Arröer Butter; dāt Glückstähser Tugthüss,
^\ das Glüekstädter Zuchthaus; Hälligläujnner Shálfásh, Helgoländer
Schellfisch; Lübecker Krájngle, Lübecker Kringeln, u. s. w. Aus-
serdem hat man auch noch die alte Endung inge bei Ortsnamen,
wie: Lónhalm, de fihallinge; Fäir, de Fäiringe; Sáll (Silt), de
Sállringe, der Silter; Ōmrem, de Ōmringe, der Amerumer; de
Nàibüllinge, der Niebüller ; de Maure, de Mauringe, der Moringer;
Massbüllinge Mêllen, Maasbüller Mühle. Man sagt daher sowohl
Rihssinge als Rihssemer, ick bán en Rihssinge und ick bán en
Rihssemer.


b. Aus Zeitwörtern. Bitten, bittsh, beissig; knipsh , schnip-
pisch ; spōten, spōtsh, spöttisch; glöbsh, dän. und. nd. glubsk,


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si4

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5. Mit der Silbe Tg. (Vergl. §. 107).

§. 112. Sie steht nur bei Haupt- und Zeitwörtern und etwa
vier Bestimmungswörtern, als: vjll, kalt, daher käilig, kühl;
rógt, recht, davon rigtig; äir, altfr. äirig, arg, Comparativus erre,
Superl. êrrigst; ijn (ihnn) ein, ihnig, einig. — Mit Zeitwörtern:
wären , wārig , dauerhaft; durig, dauerhaft zum Gebrauche ; künnig,
kundig; hāppen, gierig mit dem Munde oder Maule nach etwas
schnappen, daher häppig, auf Erwerb erpicht, an sich raffend;
neren, närig, nähren, nährig, übertrieben erwerbsam, besonders
im Kleinen; tjāsen, tjäsig, rappelig, albern geschwätzig; njāsen,
njäsig, säumig, rauderig; slörren, slörrig, nachlässig, saumselig,
fahrlässig; prausen, prausig, hümpeln, hümplerisch , der mit der
Arbeit nicht fortkommen kann; mingen, 1. zaudern, 2. mischen,
mingig, zauderhaft; piesern, albernes Zeug sprechen, pieserig; gō-
sen, gänseln,wie eine Gans sprechen , gösig, gänsig, albern; slieren,
slierig, schmeichlerisch, kosig; räiren, räirig, rührig; räjdden,
räjddig, räthig, wer sich in Verlegenheiten immer zu rathen und
zu helfen weiss; snāken, snäkig, gesprächig, auch snäksaqm; hieren,
1. hören, 2. gehorchen, hierig, gehorsam, auwerhierig, das Gegen«
theil davon; tieren, sich gebehrden, üntim.ig, ungebehrdig ; lihssen,
leiden mögen, lihssig, reinlich in Kleidern, u. s. w., ünlihssig,
unreinlich; grihssen, grausen, grihssig; tàsen, necken, foppen,
tàsig, gricklich, von sich beissend; flàseri, ausplaudern, flàsig,
ausplauderisch , klatschhaft; fāllen, fāllig , recht ordentlich, ganz
wie es nur sein muss, dass es gut fällt; jêwen, geben, jeftig,
ergiebig; tjáweln, tjawlig, ränkisch; spráweln, strampeln, spráwlig,
stramplig, zappelig; stjürren, steuern (wehren), stjürrig, wie in
bällstjürrig , dän. balstyrig, unbändig; drêgen, drêgtig, trächtig;
bándig , bändig, ünbándig, unbändig; fāllen, fállig, fällig, von
Schulden; làwen, leben, läwentig, lebendig; beliewen, beliewig, be-
liebig; daagen, taugen, dügtig, tüchtig; rádden, ráddig, wer sich
selbst retten kann, en ráddigen, wärigen Dring; sträddeti, gräten,
grätschen, sträddig; stāmmern, stottern, stämmerig, stotterig; spà-
len, spàlig, von jungen Hunden und Katzen, die gerne spielen;
sträwen , 1. streben, 2. streiten, sträwig ' 1. strebsam, 2. streit-
süchtig; kiwwen, keifen, kiwwig, keifiseh; löwern, schwülen, vör


219

177

einem Gewitter, löwerig, gewitterschwül; lieren, 1. lernen, 2. lehren,
lierig, lágtlierig, leichtlernig, bildsam; lören, lörren, lauern, lör-
rig, laurig, listig; sōngern, anbrennen, von Speisen, sōngerig, an-
gebrannt; huppen, häufen, Iiüpig, häuflg; bjawsen, bellen, bjáw-
sig, von Menschen, die in einem bellenden Tone um sich beissen;
plummern, plummerig, trübe, vom Wasser, durch starkes Umrüh-
ren; kráwweln, kriechen, kráwlig, kriecherig; fāmmeln, tappen,
mmelig, täppisch; sjámmern, schimmern, sjámmerig, schimmerig,
dämmerig, hervordämmernd.


4. Mit der Endung ish oder sh (und er, inge).

§. 113. a. Aus Hauptwörtern. Dāt Swinn, swinsh, schweinisch;
hünnsh, hündisch; gêcksh, geckisch; kinsh, kindisch, von alten
Leuten, die wieder kindisch werden; shálmsh, schelmisch; hám-
melsh, himmlisch; járdish, irdisch; bibelsh, biblisch ; üttläujnsh , aus-
ländisch; ájngelsh, englisch; holläujnsh, holländisch; swedish ' russish ,
preusish, isläujnsh, sieläujnsh, seeländisch; finläujnsh, tonnersh,
Umderisch; kêlsh, kielisch, pommersh, arabish, kolstênsh, persish,
iādish, ungersh, römish, lotinsh, grie-ish, sáksish, báirish, bömish,
awish , sklavisch; tjüsh, deutsch; fränsh, französisch; dānsh,
(finisch; frásh, friesisch; polsh, polnisch; wálsh, in käserwálsh,


V kauderwelsch.

^f Die Silbe er kommt nur bei Ortsnamen vor, als: Hamburger

M Wōre , Waaren ; Altonäer Bier ; Longhaurner Mārked; Kêler Amslieck '
Kieler Umschlag; Shiedammer Genewer; dāt Hühssemer Mārked;
Arröer Böhser, die Arröer Butter; dāt Glückstähser Tugthüss,
das Glückstädter Zuchthaus ; Hälligläujnner Shálfásh , Helgoländer
Schellfisch; Lübecker Krájngle, Lübecker Kringeln, u. s. w. Aus-


^ serdem hat man auch noch die alte Endung inge bei Ortsnamen,
wie: Lónhalm, de Lónhallinge; Fair, de Fäiringe; Säll (Silt), de
Sillringe, der Silter; Ōmrem, de Ōmringe, der Amerumer; de
Nàihüllinge, der Niehüller; de Maure, de Mauringe, der Moringer;


°j Maasbüllinge Mêllen, Maashüller Mühle. Man sagt daher sowohl
Rihssinge als Rihssemer, ick bán en Rihssinge und ick bán en
Rihssemer.


b. Aus Zeitwörtern. Bitten, bittsh, beissig; knipsh , schnip-
piseh; spöten spōtsh, spöttisch; glöbsh, dän. und. nd. glubsk,


b

V

49

220

178

glubsch; snowwen, hier schnauben , snäwsh, rotzig, von Pferden;
sprêgen, spräksh, 1.gcsprächig, !2. gut oder schlecht zu sprechen;
jāmen , sieb recken und gähnen , jāmsli , das Befinden nach einer
verschwelgten Macht , dän. jamsk; wrijmhen, wiebern, wriemh,
1. von geilen Hengsten, 2. von einem einhodigen Hengst; lumsh,
tückiseh, hinterlistig, dän. lumsk, nd. lumsch.


5. Mit der Nachsilbe saam.

§. 114. a. Aus Hauptwörtern, wie frügtsaam, furchtsam; ihr"
saam' ehrsam; gewáltsaam; mäutsaam, mühsam; b. aus Zeit-
wörtern: betänksaam, betōgtsaam, bedachtsam; wirken, wirksaam;
spāren, spärsaam; snāken, snäksaam, gesprächig; āgten, āgtsaam;
ffrausaam; näigen, näigsaam, genügsam; e. aus Adjectiven: lōng-
saam' langsam; ihnsaam, einsam; sálten, sáltsaam, seltsam; ge-
miensaam, gemeinsam.


Zusammensetzung des Bestimmungswortes.

§. 115. Das Bestimmungswort wird auf mancherlei Weise mit
andern Wörterklassen zusammengesetzt, wie in: Gōdfrügtig, got-
tesfürchtig; wrällkunnig , weltkundig; wrällbekännd, weltbekannt;
lōnshierlick, landesherrlich; mōnnshuch, mannshoch; bieligjunk, so
finster, wie in einem Blasebalge; fräudedrunken , freudetrunken;
baucklierd, buchgelehrt; hüsswàne, hausgewohnt; lujddrógt, loth-
recht; ihrgitsig, ehrgeizig; fäulkrick, volkreich; sánnbränd, son-
nengebräunt; wähsertágt, wasserdicht; prisswjàrdig , preiswürdig;
haadlüss, kopflos; fägelfri, fchlerfrei; gjàrsgräin, grasgrün; hám'
melwênn, himmelblau; hönrnngswäjtt , honigsüss; isskäujl, eiskalt;
stijnhárd, steinhart; fähserlágt, federleicht; hártensgäujd ' herzens-
gut; müssdujdd, mausetodt; siōckmäger, stockmager; spägelblänk;
bläujdrick, blutreich, fōgelfri, vogelfrei; snaurlick, sehnurgerade;
aadelstolt, adelstolz; shōtfjàrdig, schussfertig; hêlprick, hülfreich,
hêlpluss, hülflos.


§ .116. Besonders gehören hieher noch die vergleichenden und
verstärkenden Zusammensetzungen, bei denen die Betonung sich
nach dem zu vergleichenden oder zu verstärkenden Gegenstande
richtet, wie in: buhmmstark, baumstark; bläujdrüjdd , Mutroth;


221

179

bläujdjung, blutjung; hläujdsürr, blutsauer; Uäujdêrm, blutarm;
staalhárd, stahlhart; äjthsürr, essigsauer; stijnrick, stcinreich;
stijnüjll, steinalt; safrängöhl, safrangelb; cksurt, pechschwarz ;f
feesttjóck, faustdick; spêcktjóck, speckdick; páckjunk, pechdunkel;
sniewitt , schneeweiss; stäirwenskrōnk , sterbenskrank; stōckduf,
stōckblinn, stōckdumm; spêckfātt, Speckfett; bäirighuch, berghoch;
ftāshwäjtt, platschnass; dussbliek, todtenblass; issglatt, eisglatt;
splinternägel, splitternackt, nagelnackt; splinternài, splinterfunkel-
nü, nagehaeu ; lierlájtt, btrlierlájtt , winzigklein; ijllrvjdd, feuer-
roth , u. s. w.


Anmerkung.

Viete zusammengesetzte Bestimmungswörter sind nur als abge-
leitete (derivata) zu betrachten , wie z. B. göhlsêgtig von jö Göhl-
sêgt, Gelbsucht; lōnshierlick von Lōnshiere, Landesherr; stjäpraud-
derlick. von Stjäpmudder, Stiefmutter; pōckārig, von ckär,
die Pockennarbe; sámmerspōtig , von Sámmerspōie, Sommerspros-
sen; lōnsháplick, von Lōnshápp, Landschaft, u. s. w.


§. 117. Mit einem Bestimmungsworte voran, -wie in brünnrüjdd,
tarauntoth; willfrämd, wildfremd; üjllklauck, altklug; hállgräin,
hellgrün; ijägtwênn, liehtblau, hellblau; bátterwriess, bitterböse;
bátterläiet, bitterwenig; äienklauck, eigenklug; äienmāget, eigenge-
jnaeht, selbstgemacht; bliekrüjdd. blassroth; dufstümm; dummdris-
üg : grämgōhl, grüngelb ; hárdnêket , hartnäckig ; surtplācket ,
sch warzfleckig; lōngtnōnet, langmähnig; sljógtnêked, schlichtnackig
ron kolbigen Rindern, die keine Hörner haben; wissnäsig, nase-
weis; tênnhánnet, dünnhäutig; tênnshánnet, dünnfellig; tjóckshàlet,
dickschalig; Kigstámmet, niedrigstämmig; krummhälset, krumm-
halsig; shiefhālset, schiefhalsig , u. s. w.


§.118. Ferner gehört hieher das zweite Mittelwort (Partiei-
pium) des Zeitwortes mit einem bestimmenden Substantiv oder
Adjectiv voran, wie in stràitiggd, strohgedeckt; swtswàsen,
isehwarlgesengt; wäjllàsen, wohlgelitten; släipdrünken, schlaftrun-
ken ; stijnbeläid , steinbelegt ; krümmwráhsen , krummgedreht ;
hōltámwügsen , holzumwachsen; wittbetägen, weissbezogen; tágtbe-
bággd, dichtbebaut; lōngtägen, langgezogen; tênnbeslāien, dünn-
beschlagen ; gráklāhss , graugekleidet ; hállbestraalet , hellbe-


222

180

strahlt; fläujdámwaaget , fluthumwogt ; rickbeläsen, reichbeladen;
frishähm, freigeschaffen; rippbetägen, reifbezogen; āngstbenümmen,
angstbenommen ; ijllámiōget, feuerumflammt; gláttstràgen , glattge-
strichen; hárd fräsen, hartgefroren; sierslāien , wundgeschlagen;
füngrünnen, feingemahlen; tágtbêgräjn, dichtbewachsen; huchstä-
gen, hochgestiegen; diepsplán, tiefgesplissen; riênshràwen, reinge-
schrieben; fāstbünnen, festgebunden; wäjlbürgen, wohlgeborgen;
fienspünnen, feingesponnen; äjmmgnàhsen, wundgerieben; shárp-
slähm, scharfgeschliffen; wäjlgunnd , wohlgegönnt; wäjlbekānnd,
wohlbekannt; Iágtwunnen, leichtgewonnen, u. s. w. Auch das
erste Mittelwort gehört hieher, welches sich, wie im Deutschen,
auf end endigt, als: de ijllspàiende Bäirig , der feuerspeiende
Berg; de ihreliewende Mōnn, der ehrliebende Mann; dá āielêddende
Hānne, die eierlegenden Hühner; huchtrāwend Urde, hochtrabende
Worte ; de fläshähsende Hünn , der fleischfressende Hund ; dá
twittwäddende Wüssede, die salbadernden Frauenzimmer, u. s. w.
§. 119. Zusammensetzungen mit iüss, rick, fri, wjàrdig, full,
fāst, girrig, wallig, klauck, hártig, fjàrdig, mäujddig, sêgtig, êrm,
faurmig, sánnig, rógt, wihsse, gleichen sehr den deutschen der-
selben Art, als: kraftlüss, hêplüss; làhselüss, los in den Gliedern
und Fugen; traulüss, treulos; sáftlüss,gewätenlüss; ārwlüss, erblos;
sältlüss, salzlos; hālslüss, von Handlungen, die den Hals kosten;
liflüss, leblos; ihreIüss , ehrlos; brüjdlüss, brotlos; brägenluss,
hirnlos; frugtluss; fäillüss, fühllos; täislüss; shōmlüss, schaamlos;
siellüss, seelenlos; mäujdlüss, tällüss; hártlüss, herzlos; urdlüss,
wortlos; sánnlüss, sinnlos; shäselüss, schadlos; tōgtlüss, gedan-
kenlos; gōdlüss, gottlos; fidderlüss, mudderlüss; twōnglüss, zwang-
los; raucklüss, ruchlos; tijnstlüss , dienstlos; bjàrdlüss ' bartlos;
grünnlüss, grundlos; smāglüss, geschmacklos: släiplüss, schlaflos;
hüddlüss, hautlos; häierlüss, haarlos; haurnluss, hornlos; wārklüss,
schmerzlos; ōmelüss, athemlos; nōmeluss, namenlos, u. s. w. —
rick, reich: urdrick, wortreich; dögedrick, tugendreich; frugtrick,
fáshrick , fäulkrick ; lierrick ' lehrreich ; kjàrlrick ' kernreich ;
hōltrick; winnrick, weinreich; sáftrick, sāltrick, gjàrsrick, bläujd-
rick , wāhserrick ' tāllrick ; tōgterick ' gedankenreich ; sánnrick ,
sinnreich; ijdrick, torfreich, u.s.w. — fri: tōllfri, zollfrei; shāttfri;
shōtfri, schussfrei; fögelfri, vogelfrei; gewätensfri, gewissensfrei;


223

181

tijnstfri, dienstfrei; postfri; twōngfri, zwangfrei, u.s.w.—wjàrdig:
prisswjàrdig , preiswürdig, lobenswerth; āgtwjàrdig , achtungswürdig;
ihrwjàrdig, ehrwürdig; strāfwjàrdig ; bewunnernswjàrdig , u. s. w. —
füll: shōmfull, schaamvoll; saftfull, kaftfull, rájnke full, ränkvoll;
mäütefull, mühevoll; fortijnstfull ; mäujddfull, muthvoll; kummer-
füll, u. s.w. — fāst: sāll fāst, sattelfest; kapitelfāst; hōnfāst, hand-
fest; shōtfāst, schussfest; ijllfāst, feuerfest; ānkerfāst, grünnfāst;
bausemfāst, bodenfest, u. s. w. — girrig : gijlgirrig, geldgierig ; bläujd-
girrig , maurdgirrig, mordgierig; ruwgirrig, raubgierig, u.s.w. —
wállig: tijnstwállig, dienstwillig; friwallig, gäujdwállig, äienwallig
mäujdwállig, u.s.w. — klauck: äienklauck, eigenklug; sêllewklauck
üjllklauck, dummklauck , u. s. w. — hártig : grótthártig ' stolz ; trauhar
tig, ähmenhártig, bārmhártig, ünbārmhártig; fàghártig , feigherzig
u. s- w. — f!àrdig : tijnstfjàrdig ' lágtfjàrdig , räisefjàrdig , shōtfiardig
sägelfjàrdig, kunstfjàrdig; spräickfjàrdig , sprachfertig; müssfjàrdig
maulfertig; huchfjàrdig , hoffährtig, u.s.w. — mäujddig: huchmäujd,
dig, hoehmüthig; ijnmäujddig, einmüthig; frimäujddig, freimüthig
auwermäujddig, übermüthig; wielimäujddig , wehmüthig; másmäujd
dig , missmüthig, u. s. w. — sêgtig, von Sêgt , die Sucht, wie
swinnsêgtig, göhlsêgtig, wāhsersêgtig , fällségtig; iwersêgtig, eifer
süehtig; blieksêgtig , striddsêgtig , u. s. w. 1. — êrm: fäulkêrm
bläujdêrm, 1. blutarm, arm bis aufs Blut, 2. arm an Blut; kaurn
erm, kornarm; urdêrm, wortarm; frugtêrm, u.s.w- — faurmig
ijnfaurmig, einförmig; ijnsfaurmig, einsförmig; bogefaurmig, kur
gelfaurmig, ring faurmig; snágge faurmig , schneckenförmig; stonge-
faurmig , stangenförmig; tāpe faurmig , zapfenförmig, u.s.w. —
sánnig: lágtsánnig, shárpsánnig, stifsánnig, starrsinnig; käujlsán-
nig, kaltsinnig; äiensánnig , eigensinnig, u. s. w. — rógt: lijdd-
rógt, lothrecht; wájnkelrógt, winkelrecht; räigelrógt, regelrecht,
u. s. w. — wihsse: krüssmhsse, kreuzweise; lāgwihsse, schicht-
weise; drōppwihsse, tropfenweise, u. s. w.


i Es gibt auch Zusammensetzungen mit sêgtig, welche herzu-
leiten sind vom Verbum sie-en, schen, wovon jö Sigt und dāt
Ságt, Verb. sagten, zielen; z. B. kaurtsêgtig, widdsêgtig, klarsêgtig,
woneben aber auch kaurtsigtig u. s. w. bestehen. Von dāt Ságt
gibt es auch Zusammensetzungen mit ságtig, wie: faarságtig und
faarsigtig, u.s.w.


224

182

Anmerkungen.

Die Zusammensetzungen mit Umstands- Zahl- und Verhältniss-
wörtern kommen zwar häufig vor, aber die meisten derselben
sind von Haupt- oder Zeitwörtern abgeleitet. Die Silbe ün (ua)
steht überall, wie im Deutsehen, aufhebend oder das Gegentheil
anzeigend, wie: ünklauck, unklug; ünnjüttig, unnütz; Untófrêhse,
unzufrieden; ünrógt; ünmánshlick, unmenschlich; ünnemöglick,
unmöglieh; ünäiwen, uneben; ünkrástlick, unchristliefa ; ünpār,
unpaar; ünlick, ungleich, u.s. w. Mit Zahlwörtern, wie in ijn-
füjllig, einfältig; twifärig, 1. zwiefertig, vom reifenden Getreide,
2. misslich, zweifelhaft, bunt verwickelt; twiflauget , zweifügig,
von einem gewebten Zeuge ; ijnfārwet , einfarbig ; tuhgbienet '
zweibeinig; en sêgsfájngerten Mánshe, ein aeehsfingriger Mensch,
trástringet, dreisaitig, en tienihrigen Dring, ein zehnjähriger Knabe,
«1» fiewihrs Kö, eine fünfjährige Kuh, u. s. w.


Mehrere bekommen bei der Zusammensetzung ein eingesêho-
benes «, wie: gōdsforjähn, gottesvergessen ; läwentstrüt, lebens-
müde ; läwentssātt , lebenssatt ; stäirwenskrōnk , sterbenskrank ;
wánshenswjjàrt, wünschenswerth; äüjndágtsfull, andachtsvoll , u.s.w.
Besonders gehören hieher die von solchen Substantiven abge-
leiteten Adjective, wo die Hauptwörter sich auf ing, shapp und
hüd endigen, als: erfāringsrick, erfahrungsreich; hiershappsmäsig,
herrschaftsmässig; firihäidsliewend, freiheitsliebend.


Das Adjectivum flràien, nd- friens, von fràien, steht ab reines
Bestimmungswort, ohne Zeitbegriff, und bedeutet: heirathssüehtig.


Abänderung des Bestimmungswortes.

§. 120. Nur wenn es vor dem Hauptworte steht, leidet es im
männlichen Geschlechte und in der Mehrheit eine «nbedeutende
Abänderung, die bloss darin besteht, dass man demselben bei
dem bestimmten Geschlechtsworte ein e anhängt, und mit dem
unbestimmten ihm die Endung en giebt, z. B. de grótte Mönn,
en grótten Mōnn,grótte Mānn; weiblich und sächlich: jö grótt
Gäus, dāt grótt Hüss, pl. dá grótte Gäis,grótte Hühssinge, en
grótt Gäus, en grótt Hüss, pl. grótt Gäis, grótt Hühssinge.


225

183

Abänderung: Einheit, männlich, 1 Fall, de grótte, 2. Fall, de
gróttes, wenn es absolut steht; weiblich, 1. Fall, jö gritt, 2. jö
grötts; sächlich, dāt grótt, dāt grótts; pl. dá grótte, Genitiv, dá
gróttes. Weder mit dem bestimmten , noch mit dem unbestimmten
Geschlechtsworte wird das Adjectiv je abgeändert, wenn es bei
dem Hauptworte steht, und dieses bekommt dann in beiden Zah-
len das Zeichen des zweiten Falles, nämlich ein s. angehängt,
als : de ricke Mōnns Sàhn , des reichen Mannes Sohn; jö lájtt
Fōmmens Süster, des kleinen Mädchens Schwester; dāt suhrt
Shäips Laumme;lájtte Dringes Fiddere, der kleinen Knaben
Täter, Auf diese Weise wird jedes regelmässige Adjectivum ab-
geändert,


Diejenigen , welche sich auf et endigen , bekommen im männ-
lichen Geschleehte und in der Mehrheit die Endung de, wenn
sie das bestimmte Geschlechtswort vor sich haben, wie z. B.
braucket:braucket Köwel, der bunte Weiberrock; dāt braucket
i, die bunte Farbe; de brauckede Rock,brauckede Kluhse,


Idie hunten Kleider. Ohne Geschlechtswort: braucket Kluhse; mit
dem unbestimmten Artikel: en braucket Twêhg, eine bunte Färse;
en braucket Kulew, ein buntes Kalb. Dagegen beim männlichen
Geschlecht: en braucketen Rock, en braucketen Hájnst, ein buntes
Hêrd. Dasselbe gilt von dem zweiten Mittelworte auf et, wenn
f| Ol bestimmungswörtlich steht, wie z. B. plāget: en plāgeten Mánshe,
de plāgede Mánshe,plāgede Mánshene.
Folgende, die sich auffendigen, verwandeln diesen Buchstaben


^m iv, als: duf, grōf, stiff, shief, kief, lief, struf, taub, grob,
steif, schief, überdrüssig, lieb, straff, als: de duwe Mōnn,
I auw Wöff, dāt düw Bjarn, pl. dá duwe Bjarne, dāt siiw Bijn,
\ das steife Bein; de shiewe Stràg, der schiefe Strich; de liewe
Göd, der liebe Gott; dá kiewe Stünne, die langweiligen Stunden;
dat grōw Lànert , die grobe Leinewand; dá growe Kluhse , die
groben Kleider; de shiewe h; de struwe Tögel , der straffe
gel, u. s. w.


Die beiden Wörter gäujd (gut) und käujl (kalt) verlieren den
Undaut und das j, wenn sie vor dem Hauptworte stehen, und bei
gäujd geht das d in das sanfte hs über, als: de Mōnn as gäujd,
de gauhse Mōnn , en gauhsen Mōnn ; gauhs Mánshene,gauhse Mán-


226

184

shene; dāt gauhs Bauck,gauhse Baucke; de Wonter as käujl,
de kaule Wonter, en kaulen Wonter;kaul Häujnn,kaule


Nachstehende, die sich aufss (sz) endigen, verlieren den Um-
laut, und lassen das ss in das weiche hs übergeben; es sind:
lüss, snüss, wriess, hüss, liess, los, nett, zornig, heiser, leid,
als: de luhse Pule, de snuhse Mánshe, de wrêhse Fidder, en wrêfh
sen Mōnn, de huhse Dring , u. s. w.


Die Wörter huch, röch, blöch, fuch, driech, hoch, rauch (be-
haart), blöde, bange, verschlagsam, lassen ihr ch in g übergeben,
wenn sie dem Hauptworte vorgesetzt werden, als: dehugeBäirig,
kuhg Türrn, dāt huhg Hüss, pl. dá huge Bäirige, u. s. w.; de
röge Rōmm, der rauche Widder; de blöge Jōnge, de fuge Tiener;
de driege Trólling, das verschlagsame Brot.


Adjective mit der Endung elt behalten ihr t, auch in der Mehr-
heit, wie döwelt, als: de döwelte Sōme; de tröwelte Träjdd, der
dreifach gezwirnte Faden; de spaawelte Urder, der weiss und
gelb gesprenkelte Enterich ; dá pràgelte Hōse , die gestrickten
Strümpfe, u. s. w.


Adjective auf en gehen, nach der Regel, z. B. támen, wer sich
nicht zu etwas bezähmen kann, als: de tàmene Fidder,támen
Mudder; de stäjllene Hāge, en stejllenen Hāge, eiserner Haken; jö
stäjllen Faurk, die eiserne Gabel; en stäjllen Faurk;stäjllêne
Faurke, stäjllen Faurke, eiserne Gabeln. Ebenso beim zweiten
Mittelworte auf en, wie de grünnene Rogge, der gemahlene Rog-
gen; jö brägen Āgs, die gebrochene Axt, u. s. w.


Diejenigen Adjective, welche sich auf einen Vocal endigen,
werden regelmässig abgeändert, nur muss derselbe scharf betont
werden, als: fri, frei. ra, roh, grá, grau, wie, übel, spie, zart,
lài, lau, laai, faul, nài, neu, näi, nah, shu, scheu, «rti, brün-
stig, von Säuen. De fri-e Mōnn, en frien Mōnn,frie Mann;
so auch de rm Shájnkel, der rohe Schinken, en ráen Shájnkelr
und ebenso bei den übrigen: degráë, engráen, de wieë, en wieen,
de spieë, en spieën, de làie, en làien, de laaie, en laaien, de nàie,
en nàien, de näie, en näien, de shuë, en shuën,wrue Sōge s
die brünstigen Säue.


Das einzige Adjectivum stākels, arm, bedauernswürdig, völl

227

185

de Stäkel, erleidet nie eine Abänderung, in welchefm Geschlechte
und welcher Zahl es auch stehen mag' als: de stākeis Dring,
stākels Dringe, en stākels ermen Mánshe;stākels Wüssed,
das arme Frauenzimmer, u. s. w.


Hinter den Hauptwörtern oder nach denselben stehend, be-
halten alle Bestimmungswörter ihre unveränderte Form ' und eben-
so im weiblichen und sächlichen Geschlecht in der Einheit, wenn
sie denselben vorgesetzt werden.


Die Abänderung ohne Geschlechtswort kommt meistens nur in
der Anrede vor, als: gauhse Frünn, wát wällt? guter Freund, was
willst du? vjlle Stākel, kám má, alter Armer, komm mit! LAewe
Brauhser, pl. liewe Braulisere, lleben Brüder; liew Süster, wêhs
iiwriêss, liebe Schwester, sei nicht böse. — Unverändert steht
das Adjectiv, ohne Geschlechtswort, iu der Mehrheit, wenn man
allgemein spricht, wie z. B. hulig Mêllene häwe de māste Winn-
fing, hohe Mühlen haben den meisten Windfang; üjll Fäulk kon
ham ài sêllew hêlpe; ähmen Möhre läjtte Winn in, offne Mauern
lassen Wind ein.


Steht ein bestimmtes Zahlwort vor dem Bestimmungsworte,
so wird das letztere nicht abgeändert, als: twäier grott Hünne,
zwei grosse Hunde; tuligjung Kātte, zwei junge Katzen; trálnrünn
Hájnste, drei braune Pferde; fiew üjll Sêcke, fünf alte Säcke;
tri rüjdd Āple, drei rothe Aepfel; twäier Ānkre Bier, zwei An-
ker Bier; trá blānk Daalere , drei blanke Thaler; lmnnert nài
Baucke, hundert neue Bücher. Nur das Zahlwort ān macht hier-
von eine Ausnahme, als: ān lájtten Fögel , ein kleiner Vogel;
in gauhsen Mánshe häw ick dog fünnen, einen guten Menschen
ig habe ich doch gefunden; ān Mōnn as nōg faar ijn Wöff, ein
fi Mann ist genug für eine Frau. Der zweite Fall hat aueb hier
ö sein «, wie z. B. an gauhsen Manshes Hêlp as bähsere, as tieri
m Stageles, eines guten Menschen Hülfeist besser, als die von zehn
II Schlingeln. Dasselbe gilt von dem allgemeinen Zahlworte nān
^ (kein), als: dāt as nān üjlleti Mōnn, das ist kein alter Mann; nān
ü, grotten Shāse, kein grosser Schade; ebenso: hêt nān Ion-
gm Stjàrt, die Kuh hat keinen langen Schwanz; de Hünn hêt
nän spassen Töle, der Hund hat kein spitzes Maul; liälist nān


24

228

186

nàien Rōgge? hast du keinen neuen Roggen? nān nàien BUir?
nān üjllen Säihs? u. s. w.


Die zueignenden Fürwörter: man, mein, dm, dein, san, sein,
hárren, ihr, im männlichen, und min, din, sin, hárr, im weibli-
chen und sächlichen Geschlechte und in der Mehrheit, so wie
unken und junken im männlichen, unk und junk im weiblichen
Geschlechte der Zweiheit(im Dualis), und ühsen (unser) im männ-
lichen, so wie ühs,járringe und járe im weiblichen und sächlichen
Geschlechte und in der Mehrheit, bewirken dieselbe Abänderung
des Bestimmungswortes, wie das Geschlechtswort, was ebenso
in der Apposition beim persönlichen Fürworte: kk, dö, hê, dāt,
hát, jö, pl. we, jám, já, wát und ját gilt, nur dass bei den letz-
tern der zweite Fall fehlt. Einige Beispiele mögen diess erläu-
tern, als: man erme Brauhser, dm witte Häujdd, sán lájtte Nor-
bácker, hárren krōnke Sàhn , mein armer Bruder, dein weisser Hut, £
sein kleiner Norbacker (Pony), ihr kranker Sohn; im Pluralis: j;
min, din, sin, hárr für alle- Weihlich und sächlich: min braaw
Dōgter, din üjll Hüss, sin jung Wöff, hárr nài Kāpp, pl. minbraawe
Dögtere, din üjlle Hühssinge, u. s. w. Dualis: unken nàie Wäien,
unser (beiden) Wagen; junken ricke Fidder, euer (beiden) reicher
Vater; weiblich und sächlich: unk krōtik Süster, junk witt Ajck,
unsre kranke Schwester, eure weisse Stute; pl. unk nàie Stäiwle,
unsre neuen Stiefeln ; junk gräine Rocke, eure grünen Röcke, u,s. w.;
ühsen grotte Tünn , unser grosser Garten; weiblich und sächlich: ühs
grá Gäus, unsre graue Gans; ühs fātt Swinn, unser fettes Schwein,
pl. ühs gráë Gäis, ühs fātte Swinn; járringe grotte Klömp, euer
grosser Schober; járe gräin Hüss, ihr grünes Haus; járringe suhrt
Shäip, euer schwarzes Schaf ; jámnge düjdde Shäip, eure todten
Schafe, u. s. w. Ick erme Mōnn, ich armer Mann; mi êrme
Mōnn, mir armen Manne, und: mich armen Mann; erme Stākel,
du armer Wicht; üss erme Mānn, uns armen Männern, und: uns
arme Männer; erme äfōnn, dir und dich armen Mann;
erem Fōmmen, dir armen und dich armes Mädchen; we erme
Mánshene, üss êrme Mánshene, erme Stākle, sie armen Wichte,
u. s-w. Dualis: wát êrme Dringe, wir zwei arme Knaben; ját
erme Jōngens, ihr zwei arme Jungen; unk erme Stākle, uns zwei


i

\

229

187

armen Wichten; junk êrme Mánshetie, euch zwei armen Menschen,
und: eueh zwei arme Menschen.


Die allgemeinen Zahlwörter: ālle, faäle, mánning, haaw, nān,
nijn, làiêt, alle, viel und viele, einige, keinen, keine, wenig
und wenige, wohin auch sám, etliche, gehört, werden so ge-
braucht: āll man rüjdde winn ás drunken, all mein rother Wein
ist getrunken; all min göhl Böhser ás áp, alle meine gelbe Butter
ist auf, nämlich verzehrt; ālle gauhse Mánshene bähsige an büe,
alle gute Menschen beten und arbeiten; hähst faale suhrt
Staurke säjn? hast du viele schwarze Störche gesehen? he hêt
manning suhrt Hájnste kāft, er hat viele schwarze Pferde gckauft;
iêk häw haaw witt Spārrige säjn, ich habe einige weisse Sperlinge
gesehen; ick häw all haaw jung Laumme säjn, ich habe schon
einige junge Lämmer gesehen; he hêt nān grotten Tünn bài ,t
Hüss, er hat keinen grossen Garten am Haus; hêt nijn nài
Sürke an Smöcke sàid, sie hat keine neue Manns- und Weiber-
hemden genäht; he hêt mān làiet rüjdd Ké, aurs faale grá, er hat
nur wenig rothe Kühe, aber viele graue; sám üjll Mánshene sieë
bähsere as manning 'n jungen Twitter , einige alte Leute schen
besser, als mancher junge Bursche; hähst noch mörr üjllen Winn?
hast du noch mehr alten Wein?


Anmerkungen.

1- Eine Eigenheit der nordfriesischen Sprache ist es, dass sie
auch dem zueignenden Fürworte das Geschlechtswort dann vor-
setzt, wenn nach jenem ein Adjectivum folgt, als: de man lájtte
Dring , mein kleiner Knabe; jö din grott Dōgter, deine grosse
Tochter; de sán grotte äujnnete Jōnge, sein grosser unartiger Jun-
ge; de dán gráë Rock, dein grauer Rock; de hárren krōnke Brauh-
«0r, ihr kranker Bruder; min lájtt Getrên, meine kleine Catha-
rine; de dán rüjdde Kräjdder, dein rother Hahn. Sogar wenn
das Pronomen possessivum allein vor dem Hauptworte steht,
setzt man oft demselben auch noch das Geschlechtswort vor,
z-B. de man Dring , min Dōgter, u. s. w., was aber nicht zu
lnlligen sein dürfte. Man sagt aber auch ohne Geschlechtswort:
mán Shauch, min ww, hárren Häujd, hár Shórt, unken Wāien,
junk Gijl, ühsen Hünn, járringe Bjàrne, ühs Jōngense.


24*

230

188

2. Stehen mehrere Adjective vor einem Hauptworte, welche
dasselbe näher bestimmen, so werden sie immer wie das erste
abgeändert, je nachdem Geschlecht und Zahl es erfordern, z.B.
de üjlle, däsige Mōnn, der alte alberne Mann; de lájtte, suhrte,
wánlicke Hünn, der kleine, schwarze, freundliche Hund; enlájtten,
suhrten, wánlicken Hünn, dāt lájtt mjógsig, fordmwen Krāt, das
kleine, schmutzige, verdorbene Ding.


Die Steigerung (Comparatio).

§. 121. Der gewöhnliche Stand des Bestimmungswortes (Posi-
tivus) wird dadurch in den vergleichenden (Comparativus) erho-
ben, dass man jenem die Silbe ere anhängt, und der höchste
Stand (Superlativus) wird durch ein angehängtes st gebildet,
wie: läig, läigere ' läigst , niedrig; fāst, fāstere , fāstest, fest;
string, stringere, stringst, strenge; diep, diepere, diepst, tief, u.s.W.


Folgende sind mehr oder weniger unregelmässig.

driech, driegere, driechst, verschlagsam , lange vorhaltend, dän.
dröi; blōch, blögere, blōchst, blöde; röch, rögere, röchst, rauch;
huch, hugere, huchst, hoch; fuch, fugere, fuchst, bange; gäujd,
bähsere, beest, gut; käujl, kaulere, käujlst und kaulst, kalt; duf,
duwere, dufst, taub; stiff, stiwwere, stifst, steif; grōf, grōwere,
grōfst, grob; shief, shiewere, shiefst, schief; struf, struwere, strufst,
straif; lüss, lusere, lusest, los; snüss, snusere, snusest, nett; fier,
fárre, f irrest, fern, auch fierere, fier, st (im Baume, jenes in der
Zeit); wriess, wresere' wrësest, böse, zornig; äirig, erre, irrigst,
arg; näi, nirre, näist, nahe; üjll, āllere, ālst, alt; lōng, lāngere,
lāngst, lang; lähs, lähsere, lêst, spät; faale, mörr, māst, viel;
làiet, mánnere, mannst, wenig; mánning, mörr, māst, viel, man-
che; êdder, ihr,jàrst, früh; ōfting, ōfiingere, ōftingst, oft; bück-
ket, bückedere, bücketst, dick, und so bei allen, die sich auf et
endigen, wie braucket, brauckedere, braucketst, bunt; und eben-
so beim zweiten Mittel werte des regelmässigen Zeitwortes auf
et , wie bedröwwet, bedrüwwedere , bedröwwetst, betrübt; huppet,
huppedere, huppetst, gehäuft. Alle übrigen sind regelmässig und
bekommen nie den Umlaut.


231

189

Einige Klangsgnonymen.

§. 122. Witt, weiss, widd, weit; lài, lau, laai, faul, träge;
junk, dunkel , junk, euch beide, euch beiden; háll, hell, hāll,
gerne; swār, schwer, swār! antworte; lahhen, lebendig, lebhaft,
lābben, slābben, auflecken; fātt, fett, dät Fāt, das Fass, die
Schüssel; sêgt, seicht, sêgt, gesucht, jö Sêgt, die Sucht; glāi,
froh, glaai! schlüpfe; rick, reich, rieck! räuchere; sātt, satt,
sätt, sitze; bār, entblösst, tear, baar vom Gelde; wass, gewiss,
wās, war; lack, leck, dät Lāck, der Lack; êdder, früh, de Ed-
der, die Ader; lähs, spät, leehs! lies; string, strenge, de String,
der Strang; noch, noch, nōg , 1. genug, 2. gar, 3. wohl, als:
ick bán hirr noch, ich bin noch hier; dāt as nōg, das ist
genug; dāt Flāsh as nōg' das Fleisch ist gar; trau, treu, trau
hám ài! traue ihm nicht; sidd, zu lang, von Kleidern, jö Sidd,
die Seite; sannig, sinnig, sàhnig, sehnig; hüss, heiser, de Hühs,
die Heimath; stijnnen, steinern, já stijnnen, sie standen, ick häw
Stännen, ich habe gestanden; állern , ellern, aus Ellernholz, āl-
rn, altern, Verb.; kief, überdrüssig, dāt Kiff, die Keife, von
keifen; fāllig, ordentlich, gebührlich, fállig , fällig, von Schulden;
saalig, selig, sàlig , nur halb klug; wāgsen, wächsern, wāgsen,
erwachsen, (wüchsen, gewachsen); wriess , böse, ick wriess , ich
drehete, von wrihssen; rüjdd, roth, dāt Rüjt, eine Krankheit des
Rindviehes, die vom Blute herrührt; trüff, recht gesund, tröww!
drohe; bátter, bitter, hátt 'r? beisst er; dāt Lähser, das Leder,
lähsêre, später; deJōnge, der Junge, Knabe, de Junge, der Junge,
Jüngere; stäjllen, eisern, ja stäjllen, sie stahlen.


Sinnverwandte Wörter aus den Adfectiven.

§.123. 1. Vom Befinden: maai, so ziemlich, erträglich; āselick,
nur sehr mittelmässig; lámplick, nur so so! hijnn, schlecht.


2. Sünn, gesund, tāhss, ziemlich gesund, trüff, kerngesund.

3. Snurrig, kórtswillig, klöftig, drollig. Kórtswillig, von jö Kórts-
will, die Kurzweil, heisst auch überháupt spasshaft, scherzhaft;
klöftig ist am nächsten mit drollig verwandt, enthält aber zu-


232

190

gleich den Nebenbegriff des Sinnreichen, Ünerwai.teten und Ue-
berraschenden in sich, wie jö Klōft, aus welchem Worte es
gebildet ist, dän. klögtig, von klōg (klug), en Klögt, wörtlich die
Klugt; snurrig und drollig, wie im Deutschen.


4. Sōrr, bäish, bátter, struf, hārsh. Sōrr oder sürr, sauer;
bäish, widerlich sauer und bitter, wie z. B der Wermuth, zu
alt gewordner Rahm und die daraus bereitete Butter; bátter, bit.
ter; struf, strōmm, herbe; hārsh , ranzig.


5. Trung, ōnglick, āngst, fueli , shu , fàg, mäujdlüss. Trung,
(trōng) bezeichnet besonders die Beengung der Brust, welche die
Furcht mit sich führt, daher auch noch trungburstig für engbrä.
stig; ōnglick, die innere Angst, und ein unheimliches Furehtge.
fühl, das sich im Blicke zeigt, daher: he loucket so ōnglick, er
sieht so angstvoll; āngsi, wie im Deutschen; fuch, das plötzliche
Erbangen, so auch forshrácket, erschrocken; shu, scheu; mäujd-
lüss, muthlos.


6. Sharp, string, scharf, strenge; Shárphäid, Stringhäid,

7. Klien, rm, shrájnkel. Klien ist dünn und schwach, auch
klein; sonst ist klein aber tt, nd, lüjtt, als: en läjtten Hütm,
en lájtt Stóck; tênn, dünn; shrájnkel, dünn und schwach Ton


[ Beinen; shrájnkelbienet, dünnbeinig; wát kaurt an klien māgen, et-
was kurz und klein machen.


8. Gäujd, ordentlick, trau, āllig, von Arbeiten, die man thut
und macht. 0rdentlick, trau und gäujd entsprechen den deutschen
Wörtern: ordentlich, treu und gut; fállig und Gāgens, so,
dass nichts daran auszusetzen gefünden werden kann.


9. Lüjddrógt, sájnkrógt, lick áp an dähl, lothrecht, senkrecht,
gerade auf und nieder.


10. Strōmm, stramm, struf, straff, nār, enge, knāp, knapp.

11. Trāstlüss, trostlos, üntrāstlick, untröstlich.

12. Māl, wriess, bister, ápbrōgt, ünwállig, tàsig, ftig, will,
forbáttert. Māl, toll, mālhaadet, māl äujn't Haad, tollköpfig,
jähzornig; en māl Läwent, ein tolles Leben; en mālen Jönge,
ein wilder Junge; ivriess , zornig; Hster, ganz in Harniseh;
dpbrögt, aufgebracht; ünwállig, unwillig; tàsig, gricklich, von
tásen, neeken; flig, heftig, will wild, forbáttert, erbittert.


15. Hijnn, schlecht, elándig ' elend, grāmlick, grämlich, kläg-

233

191

lick, kläglich, von klāgen; dātsjógt man hijnn, elándig, grāmlick,
! kläglick ütt.


ik Lànig, biegsam, gelenkig; snhiesig, geschmeidig.
15. Plump, plump; njöl, häwen fāllig. Njöl bezeichnet den
ehsten Grad der Plumpheit, Derbheit und Schwerlligkeit;
häwenfāllig bezieht sich mehr auf das Üngeschlachte und Töl-
pelhafte im Benehmen.


16. Däsig, albern, ijnfiijllig , einfältig, hulewhāgen , halbge-
backen, nur halb klug; wálsh, welsch, quersinnig; auwerlānsh,
wörtlich: oberländisch, womit man einen Menschen bezeichnet,
der sich albern und übermüthig, kurz, wie ein Narr geberdet»
und Nichtachtung oder gar Geringschätzung gegen Andere dabei
zeigt.


17. Bedêget, üjll, āllerāgtig, tóihrs, üttlàwet. Bedêget, betagt,
üjll, alt, āllerāgtig, ältlich, tóihrs, bei Jahren, üttlàwet, abgelebt-


18. Nátt, nett, snüss ' geschniegelt, propre, sauber, flàid,
geputzt, wijllig, stjüllig, staatlick, stattlich; ápflàid, in Bezug auf
die Kleidung, wijllig und stjüligg bezichen sich besonders auf
den bunten Farbenwechsel im Schmucke oder Anzuge, staatlick
auf Pracht und Kostbarkeit; ápfláid, aufgeputzt, herausgeputzt,
von fláien, 1. ausbessern, 2. aufputzen; smuck, hübsch.


19. Braucket, bunt, sprájnkelt, gesprenkelt, spaawelt, gelbge-
sprenkelt auf weissem Grunde, spōtet, scheckig, plācket, fleckig.


20. Gōddlüss, gottlos, gōdsforjähn, gottesvergessen, raücklüss,
ruchlos, föhl, boshaft.


21. Grihsslick, grässlich, hásslick, hässlieh, abshäülick, abscheu-
lich.


22. Gróttsh, wörtlich: grössisch, grottharüg, huchfjárdig, hueh-
mäujddig, lauter Bezeichnungen für die verschiedenen Arten und
Grade des Stolzes, die sich leicht übersetzen lassen.


23. Stüjnsh , zurückstossend stolz und kalt , dän. sprynsk ;
hnähpsh oder knipsh, schnippisch-


24. Käim, geziert blöde; sámper, geziert, zimperlich, spar-
sam im Zulangen, wenn etwas zum Genusse dargeboten wird;
käim ist auch empfindlich.


25- Sánnig, sinnig, faarságtig, vorsichtig, getōgtsaam, bedacht-
sam.


234

192

36. Mäujddig, muthig, pper, tapfer, fonoaagen, verwegen,
dristig, dreist, kriess, keck, kühn.


27. Unaardig, unartig, ünhöfflick, unhöflich, ünforshaamet ,
unverschämt.


28. Drunken, trunken, besähm, besoffen, berühsset, berauscht,
beshāngd, wörtlich: beschenkt.


29. tijd, gut, wäjl, wohl, braaw, brav.

50. Dügtig, tüchtig, dráflick, trefflich, vondrāwen, treffen.
31. Kāserwálsh, kauderwelsch, ündötlick, undeutlich.
52. Twárr, quer, wráhsen, verdreht, krümm, krumm, shief,
schief.
53. Käujl, kalt, kjölig, käilig, kühl, lài , lau.


34. Tōmm, zahm, meek, überaus zahm, kirre , von Hausthie-
ren, als: en mêken Hájnst, ein Pferd, das sich jede Behandlung
gefallen lässt, wenn sie nicht in Grausamkeit ausartet.


55. Klüm, klamm, fugtig , feucht, wäjtt, nass; de Wäjt, die
Nässe.


56. Klōmm, stiff,forkólligt. Klōmm, steif, vor Kälte, stiff, steif,
forkólligt, fast vor Kälte umgekommen; forkólligen , vor Kälte
umkommen; forklaamen, von klōmm.


57. Krōnk, krank, krōnklick, swāck, schwach, swācklick, ün-
sünn, ungesund, shráwlick, nichts vertragen könnend, ohne zu
kränkeln.


58. Wörm, warm' hijtt, heiss, lài, lau; de Wārmd, de Làie,
ein lauer, schützender Ort; de Hájtt, die Hitze.


50. hhen, 1. lebendig, 2. lebhaft; hādder, heiter, läwentig,
lebendig, noch am Leben.


40. Hāstig, hastig, slönig, schleunig, wiecker, wacker, gáw,
geschwind.


41. Mörrig, mürbe, nōg oder nōch, 1. genug' 2. gar, von ge-
kochten Speisen; mörrig Flāsh, mürbes Fleisch, dāt Flāsh as nōch,
das Fleisch ist gar; das Gegentheil von rá, roh.


42. Mörrig, s. o.; rōset, faul, verfault, bröglick, brüchlich;
rōset, vom Holze, morsch.


43. Nāgel, bār, bär, amen. Nāgel ist nackt; bar, bär und
ämen, bloss, bar, unbedeckt; amen ist übrigens: offen, und ist
das Gegentheil von dicht, und von zu oder geschlossen. Man


235

193

sagt: bārbienet und bärfäujttet, so wie ämenhaadet statt bār-
oder nāgelhaadet.


44. Läig, niedrig, diep, tief, shōr, schroff, steil, steil. Die
jähe Tiefe eines Sees oder irgend eines Gewässers ist dāt
Shōr, und diess ist auch der ursprüngliche Hauptbegriff in dem
englischen Worte a shore, nämlich ein schroffes oder jähes Ufer.
Dāt gōngt shör áp an dähl, jähe auf und nieder.


45. Jöhr, theuer, kostbaar, kostbar. Aus jöhr wird de Jöhrke,
der theure oder zu hohe Preis, welches Wort auch für Theurung
gebraucht werden kann, sonst jöhr Tidde, theure Zeiten, genannt,


46. Dötlick, deutlich, klār, klar, begripplick, begreiflich, fāhse-
lick, fasslich-


47. Klār, fjàrdig. Klār, fertig mit etwas, fjàrdig, fertig in
etwas, als: Ick bán klār min Arbed, ich bin mit meiner Ar-
beit fertig; he ás fjàrdig äujn't Rägnen, er ist fertig, geübt im
Rechnen; 't Ihnne oder 't Ijnne, zu Ende.


48. Aiwen, sljógt, flāck. Aiwen, eben, von Flächen; sljógt,
schlicht; flāck, flach, seicht, vom Wasser: àw äiwen Sljógte, ist
ohne alle Veranlassung, ohne eine erkennbare Ursache, wie z.B.
he slaug me àw äiwen Sljógte, er schlug mich ohne alle Veranlas-
sung dazu; he fêll àw äiwen Sljógte, er fiel ohne Anstoss; dāt
kaum àw äiwen Sljógte, es kam von selbst, u. s. w. Sljógt und
läig steht auch für schlecht, niedrig, als: en sljógten, en läigen
Stràg, ein schlechter, niedriger Streich.


49. Aiwen, sāgt, sánnig, Lámpe, ālläiwen. Aiwen, leise
im Sprechen und Gehen ; beim Sprechen das Gegentheil von
gróttem, laut, beim Gehen von gáw, hāstig, geschwind; sánnig,
ánnig, ohne Geräusch; alläiwen, allmählig; êfter 'e Häujnn, nach


\ nnd nach; Lámpe, mit Glimpf, gelinde; huhm máwát lámpen,
it gelinde mit etwas verfahren, huhm êfter en Ausern lámpen, sich
I nach einem fügen. Äiwen, als Adverbium, ist eben, neulich, als:
[ he hêt hirr äiwen wähn, er ist eben hier gewesen.
I 50. Sierem, swār, hard. Sierem, stark, nachdrücklich beim


Schlagen, en siermen Slieck, ein heftiger, schmerzhafter Schlag;

umstandswörtlich ist es: sehr, als: he ás sierem rick , sierem

krōnk, sierem māl, er ist sehr reich, krank, entrüstet; swār,

schwer; hárd, hart.

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236

194

51. Äiensánnig, eigensinnig, äienwállig, eigenwillig, äienräjd-
dig, eigenräthig, wàhserwannig statt wähserwijnnig , wetterwen-
disch. Ferner: twárr, quer, twársánnig, quersinnig, hárdnêket,
hartnäckig, starrköpfig.


52. Jêftig , von jêwen ' geben , abwerfen , ist ergiebig , vom
Getreide und von Feldfrüchten ; frugtbaar, fruchtbar, vom Boden.


55. Twirig (twifjárdig), zwiefertig , ünlick ' ungleich, braucket,
bunt. Twifjardig sagt man vom Getreide, das gleichzeitig gesäet
worden ist, aber nicht gleichzeitig reift, z. B. Hafer auf einem j
und demselben Acker. Auch gebraucht man twifärig von Sachen,
deren Ausgang noch zweifelhaft ist, und sagt dann: dāt sjógt
noch twifärig ütt! dāt sjógt braucket ütt! es sieht bunt aus.


54. Laai, traug, lōngsaam. Laai, faul, traug, träge, beson.
ders von demjenigen, der schwer an die Arbeit zu bringen ist;
lōngsaam y langsam.


55. Twidöhssig, zweideutig, forhlömet, verblümt, ünäientlick,
uneigentlich.


56. Náw, genau, gitsig, geizig, trōnglick, filzig, knauserig,
knāp, karg.


57. Grōf, grob, ünforshaamet, unverschämt, shōmlüss, schaam.
los.


58. Frāmd, fremd, üttläujnsh, ausländisch, auwerlānsh, s. o.

59. Jung, jung. frish, frisch, nài, neu.
60. Edder y früh, tiddig, zeitig. tisnōg (tidsnōg), früh genug;


das Gegentheil ist lähs, spät.

G1. Blöch, blöde, trung, bange, forlägen, verlegen, befangen;
Gegentheil: dristig, dreist, frimäujddig, freimüthig.


G2. Hijl, ganz, fullstándig, vollständig; hijl en āll, ganz und
gar.


63. Tjöglick, von tjóck, dick, etwas beleibt, krōppet, beleibt,
bücket, dick ,' dàilick , von dàien, gedeihlich, Subst. jö Däged:
unnersátsig, untersetzt, vierschrötig, tjóck, dick, nur von Sachen
und Schwangern , bücket , von Menschen und Thieren , aus de
Bück, der Bauch.


64. Bequähm, bequem, klick, gemächlich, tópāss, zupass.

65. Aagtern, nüchtern, wenn man des Morgens noch nichts
genossen hat, ähserig, nüchtern, wenn man nicht besoifen ist.


237

195

66. Hāll, gerne, wállig, willig, gäujdwállig, gutwillig.

67. Nijdlick (nüjdlick) , kummerlick , nār , inknähm , sind besonders
sinnverwandt, wenn von einem kümmerlichen Sitze die Rede ist;
nijdlick, von Nüjd (Noth), wenn man sich nur mit genauer Noth
halten und bewegen kann; nār, eng, inknähm, eingekniffen.


68. Lōm, lahm, halt, hinkend, daher: laamen, lahm gehen,
forlaamen , erlahmen und lähmen ; hájnken , auf einem Beine hüpfen ;
lten, hinken.


69. Wieh, übel zum Erbrechen, weh, öwel, übel, hijnn tó-
mäujds, schleeht zu Muthe. Wārk- an Wichdêge, Schmerz- und
Wehtage.


70. Ldāgt, licht, háll, hell, klār, klar; daher ljógten, leuchten ,
de liógter, die Leuchte; der Leuchter ist de Stäujnner, d. i. der
Stcher.


71. Fàhs, äujnnet (ünnjött), üngetaagen, will, üttlêl, fortägen,
ünaardig. Lauter Unarten der Kinder bezcichnend. Fàhs, kin-
disch albern aus Verzogenhcit, äujnnet, ungehorsam und unnütz,
üngelaagen, ungezogen, will, wild, üttlêt, ausgelassen, fortägen,
verzogen, ünaardig, unartig.


72. Bārsh, barsch, string, strenge. wriess, böse, unwillig.

73. Boll, stumpf an der Schneide; stump oder stumpet be-
zeichnet den Mangel der Spitze an einem Dinge. Das Gegentheil
von boll ist shárp, von stumpet und butt, spáss, spitz.


74. Grōf, grob, butt, grob und bärbeissig; he swāret āltidd
so butt, ás to butt; butt, ist auch kurz und dick.


75. Glāi, froh, dän. und engl. glad; fräulick, fröhlich, hād-
der heiter, fornäigd, vergnügt, áprömd, aufgeräumt, ápläid,
tufgelegt, tófrêse, zufrieden, lócklick, glücklich.


76. Rien, rein, rienlick, reinlich, lihssig, von Wissen, leiden
mögen. Rien und rienlick kann überall angewendet werden, wo
es im Deutschen steht; lihssig wird aber vorzugsweise nur von
Menschen (bisweilen von Hausthieren) gebraucht. Wer sich rein
und sauber, und von Ungeziefer frei hält, der ist lihssig; das
Gegentheil ist ünlihssig.


77. Aien, eigen, wálsh, quer, wunnerlick, wunderlich.

78. Wäir, wahr, wáss, gewiss, säker, sicher, tóforläjttig , zu-

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verlässig, üntwiwelbaar , unzweifelhaft. Von wáss ist de Wasse,
die Gewissheit.


79. Plünnig, lumpig, forràwen, zerrissen, slörrig äujn e Kluhse,
nachlässig in den Kleidern.


80. Āgnig, spreuig, stingig, grannig, shàwig, schäbig.
81. Räjddig, räthig, wer sich immer zu rathen und zu helfen


weiss; äujnshlägig , anschlägig.

82. Swār, schwer, pünnig, pfündig, wágtig, gewichtig.

83. Plágtig, verpflichtet, forbünnen, verbunden, shüllig, shäjl
lig, schuldig.


84. Strippelt, gestreift, rüttet, gewürfelt, gerautet, rauset,
geblümt, von Geweben.


85. Bāllstjürrig, üntierig, ungebehrdig, ünbandig , unbändig.

86. Slámm, äirig ' hijnn, sljógt, schlimm, arg und schlecht.

87. Slámm, klaück, snáll, wiss. Slamm ist hier so viel als
verständig, he as slámme nōg, er ist gescheidt genug; en Blm.
men mhe, kann daher heissen ein schlimmer und auch ein
gescheidter Mensch, nach der jedesmaligen Geltung des Wortes;
klauck, klug; snáll, dän. snild, pfiffig; wiss, 1. weise, 2. bei
Verstande, he ásài fāllig wiss, er ist nicht recht klug; for ständig,
verständig, fornuftig und fornünftig, vernünftig, klöftig, snàsig,
schlau, verschmitzt.


88. Seeft, sanft, liehs, gelinde, leise, sāhgt, sachte.

89. Forslāien, verschlagen, d. i. schaal, von Bier und Wein,
u. s. w.; fláw, flau, matt, von gleichen Getränken.


90. Fláw, flau, trāt, müde, ütthālet, wörtlich: ausgeholt, d.i.
ganz erschöpft.


91. flick, höflich, äujnstándig , anständig , aardig , artig.
wäjlápdrägen ' wohlerzogen.


92. Hitsig, hitzig, iwrig, eifrig, hāppig, forhāppet àw, erpieht
auf, glöbsh êfter; hāppig, von hāppen, gierig mit dem Munde
oder Maule nach etwas schnappen, daher erwerbgierig, an sieb
raffend, verwandt mit närig.


93. Jtprigtig, aufrichtig, ämenhártig, offenherzig, trauhártig,
treuherzig, licktó, gerade zu' aane A'mstande, ohne Umstände.
94. Ihrlick, chrlich, rádlick, redlich, trau, treu.


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197

95- JSáll, bald, strāgs, stracks, gelick, gleich, stäujnnen Fäjtts,
stehendes Fusses, ám en làiet, über ein Kleines.


96- Dristig, dreist, ünforsāgt, unverzagt, ünforfjárdet , uner-
schrocken.


97. Durig, wārig, driech. Durig und wārig sind beide dauer-
haft, wobei durig zugleich auf die Stärke und Festigkeit des
Dinges Bezug hat; driech, ist verschlagsam, dän. dröi, was lange
vorhält, ohne Rücksicht auf die Masse; das Gegentheil von dröi
ist slöi, also un verschlagsam , fries. ündriech.


98. Ajmm, neesh, spie. Ajmm, ist wund, schmerzhaft, ohne
Verletzung der Haut; neesh, zart, von der Haut; spie, zart, von
neugebornen Kindern, dän. späd (1. spähs); äimkräjm, empfindlich
gegen körperliche Berührung und Eindrücke, z. B. beim Ver-
binden einer Wunde, u. s. w.


99. Unihrlick , unehrlich , ihrlüss , ehrlos , bedrêgersh , be-
trügerisch.


100. Snaud, schnöde, hunish, höhnisch, stolt, stolz.

101. Ünrógt, unrecht, ünrigtig, unrichtig, forkierd, verkehrt,
fālsh, falsch, en fālshen Mánshe, ein falscher Mensch.


102. Sōrrigfüjllig , ist wörtlich: sorgfältig, aber der Sinn ist:
traurig, sorgenvoll, wo die Sorge oder Trauer das Angesicht in
Falten wirft; bedröwwet, betrübt, forslāien, muthlos , verzagt,
dählslāien, niedergeschlagen,


403. Mingig, njāsig, sömig, slörrig, säumig, zauderig, fahr-
lässig.


104. Wádderlick, widerlich, tówádderne, zuwider.

405. Bürgen, geborgen, säker, sicher, hülpen, geholfen.

106. Genäigd, geneigt, gunstig, günstig, Walle, zu Willen.

107. Hillig, heilig, hāllig, heilig, feier; en hillig Läwent, ein
heiliges Leben, en hilligen Mōnn, ein heiliger Mann, Gōd ás hü-
Kg, Gott ist heilig; dagegen en hālligen Däi, ein Feiertag, hāl-
lighüjllen, feiern, Hālligênne, Feierabend; aber Hālligläujnn, Hel-
goland, heisst dem Sinne nach: das Halligland, von Hāllig, de
Hāllig, wie noch alle kleinern Inseln der Westsee heissen. Da
Hāllig friesisch und vom männlichen Geschlechte ist, so muss
es auch dêr Hallig und nicht die Hallige heissen, welches der
Plural von Hallig ist.


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198

108. Tugtig, züchtig, ihrbaar, ehrbar, äujnstándig, anständig.

109. Listig, fiffig, snàsig, listig, schlau, verschlagen.
H0. Lágtsánnig , leichtsinnig, lágtfjàrdig , leichtfertig, ünbe-


tōgtsaam, unbedachtsam.

111. Wissnaasig ' naseweis, mishirrig, neugierig. Man spricht
nài-shirrig, als ob es neuschierig wäre, d. h. der sich um alles
Neue sehiert; eine Erklärung, die wirklich dem Sinne des Wortes
genau entspricht- Die richtige Abtheilung ist aber nàis-girrig,
d. h. neugierig.


112. Shōmlick, schimpflieh, shándlick, schändlich; dāt ás en
Blōged, was Besehämendes.


113. Gāhslick, von de Gāsing, was einem gerade passt, dāt
's man Gāsing oder dāt ás me gāhslick, das ist mir eben recht;
glick, von daagen, taugen; brücklick, 1. zum Gebrauche be.
quem, 2. gebräuchlieh.


114. hlig, frostig, von Menschen, von de Kólle, die Kälte;
käujl, kalt, forkäild, erkältet, forkólligt, erfroren, s. o.


115. Sörriglüss, sorglos, unhesörrigt , unbesorgt, glickgüldig,
gleichgültig.


116. Glatt, glatt, glàhserig, glitschig, schlüpferig.

117. Klàwig, kleberig, twàgig, zusammenklebend wie Hefen,
kiástrig, kleisterig, von de Kláster, der Kleister.


118. Tünnen, geschwollen, llen, bōllent oder bōllnet, ge-
schworen, von de lle, Eiterbeule, Schwäre; üttslāien, ausge-
schlagen.


119. Róbbelig, rauh, uneben, shrúbhet und shrúbbelig, kratzig,
krätzig, rauh, ünäiwen, uneben.


120. Brösig, nd. brösig, wohl eigentlich brühssig, das Gefie-
der sträubend, wàhserwállig, widerwillig, wálsh, twárr, s. o-


121. Duf, taub, von Nüssen; swōng, leer, von Aehren; duhw
Nàhse an swōng ppe, taube Nüsse und leere Aehren.


422. Widdluftig , weitläuftig , ámstándlick , umständlich , ütt-
fjàrlick, ausführlich (aber üttfäirlick, ausführbar).


12?. Ünräjddig, unschlüssig, twiwlräjddig, zweifelräthig, nicht
wissend was man thun soll, ünwáss, ungewiss.


124. Käujlbläujddig , kaltblütig, ünhjàrd, ungerührt, glickgül-
dig, s. 0,


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125. Barmhártig, barmherzig, lihssig, mitleidig, tàmen, s.0.

126. Bjàrnāgtig , kindisch, kinsh , kindisch, nur von alten
Leuten ,die wieder kindisch werden.


127. Hándtig, geschickt zu mechanischen Arbeiten; häujnnig,
händig, wie ijnhäujnnig, tuhghäujnnig , ein-, zweihändig, u. s.w.;
leefthijnnig , links . linkshändig , von hijnnen , mit den Händen
auffangen.


128. Lácker, lecker, wer immer nur Leckercien haben will;
kier, kür, kürisch, kürig, wer jeden Bissen kehrt, um sich den
besten auszuküren.


129. Behêlplick, behülflich, beforderlick , förderlich.

150. Fāhrlick, gefährlich, másslick, misslich, waaglick, waglich.

131. Unsāgt, entzweit, unijns, uneins, unihnig, uneinig.

152. Flāck, flach, plāt, platt, brijdd, breit.

153. Issgrá, eisgrau, stijnüjll, steinalt; en issgráen, stijnüjllen
Mmn.


134. Widdluftig, weitläuftig, hier verwandt mit will, wild, lie-
derlick, liederlich, üttswäwend, ausschweifend.


455. Forgáinglick ' vergänglich ' forkráinklick ' verkränklich ,
verweslich, unforgáinglick und unforkráinklick.


436. Blöch, blöde, befāngen, befangen, shügtern, schüchtern,
frügtsaam, furchtsam, forshaamet , verschämt.


437. Efterlàhsen, nachlässig, ünordentlick ' liederlick.

1 38. Billig , billig , rógtfjárdig , gerecht , rádlick , redlich , ihrlick ,
chrlich.


139. Fālsh, falsch, ünágt, unecht, forfālshet, verfalscht.

140. Mudderwitsig, mutterwitzig, slámm, snáll, klauck, s. 0.

141. Behāglick, gefallig, lief, lieb, lie flick, lieblich.

442. Njüttig , nützlich , fordielāgtig , vortheilhaf t ; to huhms Gāgen.

143. Hurtig, burtig, hāstig, hastig, gáw, geschwind, rash,.
rasch. wieker, wacker.


144. Unnatörlick, unnatürlich, auwernatörlick ' übernatürlich,
wàhsernatörlick ' widernatürlich.


145. Däik, 4. alltags, 2. schlicht im Umgange, nicht vornchm,
min däike Kluhse, meine Alltagskleider, en däiken Mánshe, ein
alltäglicher Mensch, einfach im Betragen, 3. einfältig, als: he ás
mān däik, en làiet däik, ein wenig einfältig.


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146. Wählig, stark; wählig, sagt man nur von Menschen und
Thieren, nicht von Sachen; stark, nur von den letztern, aber nie
wählig, so wie man auch nie stark von Thieren und Menschen
gebraucht, um ihre Kräfte zu bezeichnen: en wähligen Kjàrl fon
stark Knaake an Làhse, ein tüchtiger Kerl von starken Knochen
und Gliedmassen.


FÜNFTES CAPITEL

DAS ZAHLWORT (Numerale).

1. Allgemeine Zahlwörter.

§. 124. Durch die allgemeinen Zahlwörter fasst man nur eine
kleinere oder grössere Menge gleichartiger Gegenstände zusam.
men' ohne die Anzahl der Einheiten zu bestimmen. Diese all.
gemeinen oder unbestimmten Zahlwörter sind folgende:


Āll, ālle, ālles, all, aller, e, es, pl. alle; haawen, haaw, einiger)
e' es, pl. einige; sám, etlicher, e, es' pl. e; árken, árk, jeder,
e, es' pl. jede; faale, viel, vieler, e, es' pl. e; mánning, viel und
viele; làiet, wenig, er, e, es, pl. e; wānn, kein, er' e, es, pl. e,
weiblich und sächlich, wie im pl. nijnn; nint, nichts; wát, etwas;
mörr, mehr; āltemāle, allzumal, alle mit einander.


Āll, ālle, ālles. Āll steht im Singul. und Plural von Stoff-
Menge- und Gattungsnamen unverändert, immer mit dem eigent-
lichen Fürworte oder dem Geschlechtsworte unmittelbar nadl
sich, wie z. B. āll mán gauhse Winn ás spullen, all mein guter
Wein ist verschüttet, oder gespillt; all sin Fäujlk wās ütträihsd,
alle seine Leute waren ausgereist; āll hár Shäip sán drāngd,
alle ihre Schafe sind ertrunken ; āll min Böhser ás áp, alle meine
Butter ist auf; hêt āll hárren Hjàrl spünnen , sie hat allen
ihren gehechelten Flachs gesponnen. Das Geschlechtswort steht
dann, wenn von einem bestimmten, eben erwähnten oder gegen-


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201

wärtigen Gegenstande die Rede ist, z. B āll de hijnne Rōgge Mt
'r forkāft, an all de gauhse tobähg behüllen, all den schlechten
Roggen hat er verkauft, und all den guten zurückbehalten; āll
groüe Dringe shäujn ütt to tienen, alle die grossen Jungen sollten
aus zu dienen; ick däi ham twontig Daalere, an āll dāt Gijl hêt 'r
forspàlet, ich gab ihm 20 Thaler, und all das Geld hat er verspielt.


Ālk kommt allein in der Mehrheit ohne Zusatz vor, als: ālle
Mánshene üjn stäirwe, alle Menschen müssen sterben; ālle Swāl-
kene sán wágtägen, alle Schwalben sind weggezogen; älte Staurke
sán noch ài kiemen, alle Störche sind noch nicht gekommen; he
gongt ālle Dêge ütt, er geht alle Tage aus; ālle Āgene smátt'r
wag, alle Acheln (Spreu) wirft er weg. Dass hier auch Bestim-
mungswörter vor dem Hauptworte stehen können, versteht sich
von selbst , wie : ālle flijttige Dringe , alle fleissige Knaben ; de
A'llring hêt ālle junge Döwwe ähn, der Iltis hat alle junge Tauben
gefressen; alle Mánshene sêdde so, alle Menschen sagen so; aber
in dem Ausdrucke Āllemánshe säit heisst Āllemánshe so viel
wie jedermann , und steht daher auch in der Einheit.


Ālles steht allgemein, wie in folgenden Sätzen: dāt ás alles
wát ick häw, das ist alles, was ich habe; ālles untig nint, alles
óder nichts; Gōdd wijt ālles, Gott weiss alles; ick häw ālles däjn,
wit ick köhs, ich habe alles gethan, was ich konnte; he hêt ālles
förlähsen, wát 'r äujn 'e Shrock häi, er hat alles verloren, was
i er in der Tasche hatte ' nämlich im Spiele ; he hêt ālles slán ,
wát 'r äujn ,e Shrock häi , er hat alles aus der Tasche verloren ,
Was er darin hatte; ke forkāft ālles , wat 'r hêt, er verkauft
alles, was er hat; säit ālles, wát .s wijt, sie sagt alles, was
sie weiss.


Haawen, haaw. Haawen, im männlichen Geschlecht vor Stoff-
Und Mengenamen, so wie in der Einheit vor männlichen Gat-
langsnamen, für irgend einen, jemand, irgend welchen; haaw im
Weiblichen und sächlichen Geschlechte und in der Mehrheit. Bei-
spiele: A's 'r haawen Säihs , haawen Winn äujn 'e Tjaaler? Ist
einiger Käse, einiger Wein im Keller? Hähst haawen Rōgge túr-
9hen? hast du einigen Roggen gedroschen? hähst haawen Mánshe
āujn ,e Fênn säjn? hast du irgend jemand in der Fenne gesehen?
Haaw Böhser hêt 's forkāft, auhser hêt 's insläien, einige Butter


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244

202

hat sie verkauft , die andre eingeschlagen , nämlich in Fässer,
Ick häw āll haaw Lieppe säjn, ich habe schon einige Kiebitze ge-
schen; dirr sán āll kaaw Spriene kiemen, es sind schon einige
Staare gekommen; ick häw haaw Laumme slāgtigt, ich habe einige
Lämmer geschlachtet. 'Aw haaw hunnert Daalere kámt ,t hám M
äujn, auf einige hundert Thaler kommt es ihm nicht an-


Sám, dän. som, somt, pl. somme, steht durchaus unverändert
in allen Gesehlechtern, und hebt aus der Menge, so wie aus
einigen oder etlichen, noch einzelne besonders hervor, als: iêl
häw haaw Spārrige shähn, aurs sám dirrauf ujàrn noch ài düjd,
ás ick ,s ápsōmmelt, iqh habe einige Sperlinge geschossen , aber
einige davon waren noch nicht todt, als ich sie aufsammelte.
Aujn Forsōmmling wjàrn haaw, dirr nān Winn drunken, auhsere
dirr nān Säihs äjtten, án sám māhn wihsser Böhser untig Brüjd,
in der Versammlung waren einige, die keinen Wein tranken,
andre, die keinen Käse assen, und etliche mochten weder Butter
noch Brot. He hêt faale Buhmme äujn sán Tünn, haaw sán üjll,
aurs sám dirrauf drêge noch gäujd, er hat viele Bäume in seinem
Garten, einige derselben sind alt, aber etliche davon tragen noch
gut. Sám Buhmme wāgse hāstig , sám ài so báll, einige Bäume
wachsen geschwind ' einige nicht so bald. Ick häw haaw Baucht
füngen ' aurs sám dirrauf häw ick ài bestálld , ich habe einige
Bücher bekommen, aber etliche habe ich nicht davon bestellt
Sám kann auch fürwörtlich stehen. als: sám sêdde so, auhsen
so; sám häwe segs Tune àw árken Fäujt an segs Fájngre àw ini
Häujnn, einige (Menschen] haben sechs Zehen an jedem Fusse
und sechs Finger an jeder Hand; sám Winn ás ài to drünken j
einiger Wein ist nicht zu trinken.


A'rken, árk. Arken im männlichen, und árk im weiblieben
und sächlichen Geschlecht. Anwendung : ālle Mánshene häwe m
Tung, aurs árken hêt sán äiëne Smāge, alle Menschen haben eine
Zunge, aber jeder hat seinen eigenen Geschmack; auf min im
Hájnste ás árken mān fjauwer Ihr, von meinen zehn Pferden ist
jedes nur vier Jahr; he wās äujn árk Hüss, an hêt árk Fōm-
men snāket, er war in jedem Hause, und hat mit jedem Mädches W,
gesprochen; dirr ás en Ring äujn árken Ijnne, es ist ein Ringtn |^
jedem Ende; dāt Slōt hêt en Türn àw árk Hjarn, das Schloss hat


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203

einen Thurm auf jeder Ecke; dāt duhg ick árk Tōch, das thue
ich jedes Mal, Fürwörüich: A'rken säit so, jeder sagt so; dāt
wijt wrkenān, das weiss ein jeder, oder jedermann; árk ij.n, eine
jede» ein jedes ¹.


Faale, viel, aber auch vieler, e, es, pl. e, steht vor Stoff-
und Mengenamen in der Einheit und vor Gattungsnamen in der
Mehrheit» als: Lck häw faale Gijl uttdäjn, ich habe viel Geld aus-
gegeben; he drájnkt faale Winn, er trinkt viel Wein; wās'r falle
Fäujlk àw't A'pbōd? waren viel Leute auf der Versteigerung?
he röckt faale Tobāck áp , er raucht viel Taback auf; faale Winn
is ài to drájnken an faale Böhser ài to ähsen , vieler Wein ist
nicht zu trinken und viele Butter nicht zu essen ; Ae hêt faale
Kantöffle bürgen, er hat viele Kartoffeln geerntet; dê, dirr ài
faale hêt, kun eck ài faale üttdüjn, wer nicht viel hat, kann auch
nicht viel ausgeben2.


Mánning, dän. mange, engl. many, viel, viele, kommt nur in
der Mehrheit vor Gattungsnamen, so wie mit ān und ijn verbun-
den in der Bedeutung von mancher, e, vor, als: he hêt mánning
Baucke läsen, er hat viele Bücher gelesen; he hêt mánning Daa-
kre fonpàlet, er hat viele Thaler verspielt; hörr mánning Aie
hddê dirr äujn't Nêst? wie viel Eier liegen da im Neste? äujn
en Armee tan mánning Sáldaate, in einer Armee sind viele Solda-
ten; hörr mánning Bjárne hähst? wie viel Kinder hast du? wánn
«


mánning'en Ermen dāt mān häi, wát mánning 'en Ricken wágsmátt!
wenn mancher Arme das nur hätte, was mancher Reiche weg-
wirft! mánningijn mijnt Wünner wát 's ás, manche meint Wun-
der, was sie sei; mánning ,en braawen Mōnn ds dirr fêllen, man-
efaer brave Mann ist da gefallen.


A Arken hat im zweiten Falle árkens . wenn es jeder, jeder-
mann bedeutet, als: dāt häi árken däjn, das hätte jedermann
gethan; he ás árkens Gêck, er ist jedermanns Narr.


Biese, beide, kann immer nur mit dem Dualis wát und ját.
nnd mit ālle voran oder ohne dasselbe gebraucht werden; wát
wjárn'r biese; kaümmen āliebiese; ját sán biese krōnk, ihr
seid ja beide krank.


2 Hörr faale? wie viel? und so faale, so viel, werden auch zu-
sammengezogen, hörr faale in hüllwe und so faale in llwe.


26*

246

204

Làiet, wenig, ist das Gegen theil von faale und mánning, und
steht unverändert vor Stoff- und Mengenamen, so wie vor Gat-
tungsnamen in der Mehrheit, als: dirr wās mān làiet Fäujlk
Haaw, es waren nur wenig Leute zur Kirche; làiet mhene,
wenig Menschen ; ick kōn mān làiet Brānnwinn fordrêge, ich kann
nur wenig Branntwein vertragen ; hähst mān làiêt Bühmme
plōntet, wenig Bäume gepflanzt; ick häw ālte làiet Ljāgte to de
grotte Saal, ich habe zu wenig Lichte für den grossen Saal;
làiet Gijl, wenig Geld; dāt làiet , wát ick häw, ás ball fortjàrd,
das Wenige, was ich habe, ist bald verzehrt; de ihne hêt faalê,
de auhsere mān làiet, der eine hat viel, der andre nur wenig.


Nānn , nān, im männlichen Geschlechte vor Gattungs- Stoff- und
Mengenamen, im sächlichen Geschlechte und in der Mehrheit
nijnn, nijn, keiner, e, es, pl. e. Es ist aus dem bestimmten Zahl.
worte ān und ijn, durch Versetzung des Buchstabens n ent.
standen, und heisst so viel als nicht ein. Beispiele: Fōmmen
hêt noch nānn Brêdgome, das Mädchen hat noch keinen Bräuti-
gam; ick häw nānn Winn drunken, ich habe keinen Wein ge.
trunken; he häi nān üjd àw an nān Rock äujn, er hatte keinen
Hut auf und keinen Rock an; dirr wās nijn Böhser, nijn Brüjd,
nijn Mähl, nijn Spêck an Flāsh, an nijn Mōlke äujn't Hüss, es
war keine Butter, kein Brot, kein Mehl, kein Speck und Fleisch
und keine Milch im Hause; hähst nijn Ljllinge? hast du keine
Feurung? de Sáldaat häi nijn Boss an nān Saabel, der Soldat
hatte keine Büchse und keinen Sabel. Von nān oder nānn ist
nāhn, nein, zu unterscheiden, welches weit gedehnter ausgespro-
chen wird.


Wát, was, etwas, ist unabänderlich und steht unbestimmt,
als: hähst wát äujn'e Shrock? hast du etwas in der Tasche? wat
wäht hêwe? was willst du haben? hêt'r de wát säid? hat er dir
was gesagt? he hêt wát mārket, er hat etwas gemerkt; wát untig
nint! etwas oder nichts; dāt ás wäjl wát, aurs dāt ,s ài nōg, das
ist zwar etwas, aber nicht genug.


Jtförr , mehr , steht im vergleichenden Stande , und ist der
Comparativ von haaw, faale und mánning, wo der höchste Stand
māst heisst, als: ick häw haaw Baare säjn, he hêt mörr säjn, im
man Brauhser hêt māste säjn, ich habe einige Bären gesehen,


1

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208

er hat mehr u. s. w.; he hêt faale Gijl, aurs sán Näiber hêt marr,
an de ricke Jöhse hêt māst, er hat viel Geld, aber sein Nachbar
hat mehr, und der reiche Jude hat am meisten; we häwe man-
ning Shäip, jám häwe mörr, aurs häwe māste, wir haben
viele Schafe, ihr habt mehr, aber sie haben die meisten.


Auch iet, wenig, ist steigerungsfähig . und hat folgende Stu-
fenformen: làiet, mánnere, mànnst, weniger, wenigst, oder minder,
mindest.


Āltemāle, alle, allzumal, alle mit einander, alles. Beispiele:
Sán ālle Shäukre Hemmen ? Jā, san hirr āltemāle, sind alle
Schüler gekommen? Ja, sie sind alle hier; he häi.s āltemāle ütt-
jāget, er hatte sie alle mit einander hinausgejagt; wäht 's āltemāle
hêwe? willst du sie alle haben? wäht't āltemāle hêwe? willst du
6s alles haben? wirr ōs dāt Hōlt blàwen? ick häw ,t āltêmāle for-
kāft, wo ist das Holz geblieben? ich habe es alles verkauft.


Die Wörter hijl, ganz, hulew, halb, ájnkelt, einfach, döwelt,
doppelt, und tröwelt, dreifach, bestimmen zwar auch die Grösse
der Dinge, werden aber abgeändert, wie das Bestimmungswort.


Anmerkungen über die Synonymen in den allgemeinen

Zahlwörtern.

1. Ālles , altemāle. Ālles fasst auch das Verschiedenartigste
zusammen, z. B. ālles, wát ick häw, ás Gōds Gaawe; āltemāle
nimmt bei Stoff- und Mengenamen auch den kleinsten Rest, und
bei Gattungsnamen die letzte Einheit mit, als: dirr hähst't ālte-
māle, da hast du es alles mit einander; we san āltemāle Sênnere,
wir sind allzumal Sünder.


2. Haaw, sám. Haaw, einige, etliche, umfasst bloss eine un-
bestimmte Anzahl von Dingen, von denen sám wieder einzelne
aushebt, z. B. he häi haaw Shäip forkupen, aurs sám dirrauf
Mjárn shurrewt, er hatte einige Schafe zu verkaufen, aber etliche
derselben waren räudig.


3. Faale, mánning. Faa!e ist das deutsche viel, und umfasst,
wie dieses, nur die Masse und die Menge; mánning, das deut-
sche manch, dän. mange, engl. many, entspricht dem deutschen
vieler, e, es, pl. e, so wie mancher, e, es, pl. e, mit ān und
ijn verbunden, als: mánning ,en ān, mancher, mánningijn, manche,


248

206

pl. mánning. z.B. säist, hähst f aale Döwwe, hörrmánning hähst
dánn? du sagst, du habest viel Tauben, wie viele hast du denn?
Mánning Mánshene kaane nijn Böhser ähse, aurs faale kaane mát.
ijns en hiel Tānn fortêre, viele Menschen können keine Butter
essen , aber viele (Menschen) können auf einmal eine ganze Tonne
verzehren.


4. Nānn, nijn, niemmen, nānne mánshe. Niemmen und nāwe
mánshe sind gleichbedeutend, niemand, kein Mensch; nānn, kei-
ner, ist männlich; nijn weiblich und sächlich, und steht auch in
der Mehrheit.


2. Bestimmte Zahlwörter.

§. 125. Diese sind theils Grundzahlen, theils Ordnungszahlen;

jene geben genau die Anzahl, diese die Ordnung und Aufeinan-

derfolge gleichartiger Dinge an. Die Grundzahlen sind folgende:

an 1. twäier 2. trá 3. ) . .. ,. , n , , ,

_ . ^ ) im männlichen Geschlecht.
an 1. twánne 2. tránne d. j


.. . ^ , ^ . . p, ) im weiblichen und sächlichen Ge-

im 1. tuhg 2. trie 3. ] , , ,

^ ^ ) schlecht.

fjauwer, 4, fiew, 5, sêgs, 6, saawen, 7, aagt, 8, njögen, 9, tien,
10, állwen, 11, twêllew, twelwen, 12, trátäin, 13, fjauwertäin, 14,
füftäin, 15, sêgstäin, 16, saawentäin, 17, aagttäin, 18, njögentäin,
19, twontig, 20, dörtig, 30, fêrtig, fäirtig, fjàrtig, 40, füftig,50.
söstig, 60, söwentig, 70, táchentig, 80, nägentig, 90, hunnert, 100,
dusend, 1000, tiendusend, 10,000, hunnertdusend, 100,000, dusend
Tōche dusend oder en Million, 1,000,000.


Die daraus hervorgehenden Ordnungszahlen werden folgender-
massen gebildet, als: de jàrste, der erste, de lähsere oder de
ausere, der zweite, de trêdde, de fierde, de füfte, de sêgste, de
saawente, de aagte, de njögente, de tiente oder de tijnde, de állew-
te, de twêllewte, de trátäinste, de fjauwertäinste , de füftäinste, de
sêgstäinste, de saawentäinste ' de aagttäinste, de njögentäinste, twon-
tigste, dōrtigste, fêrtigste, füftigste, söstigste, söwentigste, táchentig-
ste, nägentigste, hunaertste, dusendste, u. s. w. Diese Ordnungs-
zahlen , die sich alle auf e endigen , gelten nur allein für das
männliche Geschlecht; beim weiblichen und sächlichen Geschlecht
verlieren sie das e am Ende: jö jàrst, die erste, dāt jàrst, das


249

207

erste; jö trêd, die dritte, dāt trêd, das dritte; jö fierd, dāt fierd,
füft, sêgst, saawent, aagt, njögent, u. s. w. Bloss de lähsere,
der zweite, bleibt unverändert in allen Geschlechtern, als: de
lähsere Mōnn,lähsere Wöff, dāt lähsere Bjárn, der zweite
Mann , die zweite Frau , das zweite Kind. Statt lähsere gebraucht
man auch de ausere , der andere , als : de ausere ,auser, dāt
auser. De lähsere und de ausere werden nur aus Mangel eines
andern passenden Wortes als Ordnungszahlwörter gebraucht, weil
man aus tuhg (zwei) nicht de tuhgde, wie im Deutschen (der
zweite) machen kann; auch im Dänischen muss man hier der
andre, den anden, gebrauchen, nd. detwête, altfries. the other und
the twêde. De lähsere ist der vergleichende Stand von lähs, spät,
und heisst der spätere, letztere, im Superlativ lêst, de lêste,
lêst, dāt lêst,lêste, der, die, das letzte, die letzten. De ausere ,
\ä\ von aurs, anders, ist der andre, als: dug me de ausere Häujdd,
auser Bráll, dāt auser Bauck und ausere Stäiwle, gieb mir
den andern Hut , die andre Brille , das andre Buch , und die an-
dern Stiefel 1.
Die drei ersten Zahlwörter , dän. een, to, tre , nd. en , twe ,
• 4 dre, engl. one, two, three, altfries. en, twa, thrju oder en' twene,
1.^ thré, oder ên, twa, thriá (nach Rask), haben im Nord friesischen
folgende abweichende Formen: a. im männlichen Geschlecht: āa,
twäier, trá, und ān, twánne, tránne, b. im weiblichen und säch-
lichen Geschlechte: ijn, tuhg, trie. Twánne ist im Dänischen
tvende, das ältere deutsche zween, und tránne ist trende. Zählt
man Gegenstände vom weiblichen oder sächlichen Geschlechte ,
oder in unbenannten Zahlen, so gebraucht man immer ijn, tuhg,
trie, auch mit den Zahlen von zwanzig bis neunzig, oder wo sie
nur immer vorkommen mögen. Sind aber die zu zählenden
Dinge männlich, so muss man überall, wo sie nur immer stehen,
ān, twäier, trá, gebrauchen. Beispiele, weiblich und sächlich:
ijn, tuhg, trie Gäis; ijn- tuhg- trieantwontig Hühssinge; he hêt ijn-


1 En Ausern steht auch für unser einer, unser eins, als: so wát
fäit en Ausern aller to sieën, so was bekommt unser eins ja nie
zu sehen ; dirr wijt en Ausern nint auf, davon weiss ja unser
einer nichts.


250

208

antwontig , tuhgantwontig , trieantwontig ppe faar ānantwontig,
twäierantwatUig an tráantwontig Daalere kāft, er hat 21, 22, 25
Pfeifen für 21 , 22 und 25 Thaler gckauft ; he däi me ānanfêr-
tig Alple faar ijnaafuftig Plöme, an trie Plōme faar twäier Aple;
ick wāll de tráansöstig Āple faar tuhganfüftig Plōme düjn.


Twánne und tránne wird immer nur von Personen , nie von Sachen
gebrauebt, als: hörr mánning wjárn's am ham? wjárn twánne
untig tránne am ham, wie viele waren sie um ihn ? zwei oder
drei. sán mān twánne, sie sind ja nur ihrer zwei. Dirr
wijârn mān en twánne, tránne kiemen, wát wäjn wäjl üttrógte?
was wollten die wohl ausrichten ? (Vergleiche die Anmerkung
nach §. 109).


Auch die Male werden bis drei aus den drei ersten Zahlen
gebildet, wie im Englischen, als: ijnsen, twàie, tràie, engl, once,
twiee, thriee, d. i. ein- zwei- dreimal. Ijnsen ist hier das deut-
sche eins, in der Bedeutung von einmal, und twàie, das deutsche
zwi-er, Lucas 18: v. 12; im Altdänischen: tösser, von tō, zwei.
Zwischen dem Friesischen und Englischen ist hier die Aehnlich-
keit am wenigsten zu verkennen. Tràie mag vielleicht das alt-
fries. thria sein. Was über drei hinausgeht, bekommt Tōche, Male,


I

zugesetzt, als: fjauwer Tōche, twontig Tōche, mánning Tōche.

Die deutschen .Wörter: erstens, zweitens, drittens, viertens , ,
u. s. w. , kann der Nordfriese nicht nachbilden, sondern muss sich
der Form: fürs erste, fürs zweite u. s. w. bedienen, als: ar't
jàrst, faar't lähsere, faar't auser, faar't trêd, fierd, füft, sêgst,
u. s. w.


Die Namen der Zahlzeichen sind weiblich, und nehmen im
Plural ein e an. Sie heissen: jö Ijn,Tuhg,Trie,Fjauwer ,
Fiew,Sêgs,Saawen,Aagt,Njögen,Tien,Null *.


1 Substantivisehe Zahlwörter , die als Grössen- oder Thelbe-
Stimmungen dienen, sind folgende, als: en Däujtten, 3 Schillinge;
enDausênn, 12 Stück, ein Dutzend; enSniehs, das Stieg; jöTrāw,
eine Stiege Garben, 40 Stück; en Shóck, 60 Stück; dāt Tált, 12
Stück Bretter, der Zwölfter, Tult; dāt Wáll, 80 Häringe; dāt
Hunnert, dāt Dusend; ebenso: de Drilling, der Dreiling; de Sêgs-
ling, der Sechsling; de Träsing, der dritte Theil eines Demaths;
de Fierding , ein Viertel desselben ' so wie ein Viertel überhaupt;


251

SECHSTES CAPITEL

DAS FÜRWORT (Pronomen).

§. 126. Das Fürwort vertritt die Stelle eines Hauptwortes.
Aber nur das Pronomen personale steht allemal anstatt eines Haupt-
Wortes, andere werden demselben auch vorgesetzt. Dieses per-
sönliche oder eigentliche Fürwort ist im Nordfriesischen folgendes:
Ick, dö, he, jö, hát, dāt, im Pl. we, jám,jâ, im Dualis wátundjât.


Abänderung desselben.

Einheit.
1ste Person. 2te Pers. 3te Pers. männl. weibl.
1Fall. ick 1 he


i — - min din 2 sin hár

3 n. 4 me de 5 u. 4 hám hár

Mehrheit.

1stePers. 2tePers. 3tePers. 1stePers.
i Fall. we jám wát


2 — ühs járinge járe unk

3 u. 4 üss jám jám unk

sächl.
dāt
sin
hám
Dualis.


sächl.
hát
sin
hám,


2tePers.
ját
junk
junk.


im Āgendijl, ein Achtel als Buttermass ; dá Twánnlinge , die
■ Zwillinge, Tránnlinge, Drillinge. Dahin gehören ferner die Namen
verschiedener Silbermünzen, als: en Trêdhàlwen, ein Drittehalb-
schillingsstück ; en Fjauwer- Fiew- Aagt- Tien- Twêllew- Twontig-
Fêrtigshállingstock, ein Vierschillingsstück . u. s. w.


Die deutsche Endung tel (theil) zur Bezeichnung der Bruch-
theile, als: das Drittel, Viertel, Fünftel, wird durch Dijl oder
pārt gegeben, wie: en hulwen, männlich, ein halber; weiblich
nnd sächlich en hulew, de hulewe,hulew, dāt hulew, pl. dá hulwe;
en Trêdendijl oder en Trêddepārt, en Fierdendijl, en Fierdepārt,
en Aagtendijl, en üiagtepārt. Mit Dijl (Theil) zusammengesetzt
bekommen die Ordnungszahlwörter ein n angehängt. Bêi den
Benennungen mit halb gilt die deutsche Weise, als: auserhálwen,
anderthalb, trêdhálwen, fierdhálwen, u. s. w., d. i. die nächstvor-
bejahende Zahl ganz, und von der nächstfolgenden das Halbe.
Der Däne kehrt es um und spricht: halvanden, halvtredie, halv-
fjerde, u. s' w.


27

252

210

Die Gleichheit mancher Fälle, so wie der gänzliche Mangel des
zurückkehrenden Fürwortes sich (Pron. reciprocum), kann oft Un-
bestimmtheit und Zweideutigkeiten verursachen , besonders in
nackten Sätzen. Sage ich z. B. He hêt hám stāt, so kann diess
heissen : er hat sich gestossen , und : er hat ihn gestossen ; hk
hár shjàrn, sie hat sich oder sie geschnitten; ick häw jám nóg
säjn, kann heissen: ich habe euch oder ich habe sie wohl ge-
sehen. Diess ist indessen keine wirkliche Zweideutigkeit , denn
der richtige Sinn geht immer aus dem Zusammenhange der Rede
hervor. Spreche ich zu denen, die ich gesehen habe: ick häw
jám nōg säjn, so heisst es: ich habe euch wohl gesehen; spreche
ich von andern, so heisst es: ich habe sie wohl gesehen. Wàt
shāset dāt Bjàrn? hát hêt hám't Haad äujnstöhg fêllen, was fehlt
dem Kinde? es hat sich den Kopf entzwei gefallen. Wirr auwer
gāllt dán Brauhser? he hêt hám en Faurk äujn 't Uhg stägen,
worüber weint dein Bruder? er hat sich mit einer Gabel ins Auge
gestochen. Wir wollen hier kurz bemerken , dass der dritte und
vierte Fall bei allen Personen und in den drei Zahlen das zurüek-
kehrende Fürwort sich vertreten, wie in folgenden Sätzen durch
alle Personen in der Einheit, Zweiheit und Mehrheit, als: Lck
häw me forkäjld, hähst de, he hêt hám, hêt hár,
dāt hêt ham — , hát hêt hám, wát häwe unk, ját häwe junk
-, we häwe üss — , jám häwe jám, häwe jám, ich habe
mich, du hast dich, er hat sich, sie hat sich, es hat sich, wir
zwei haben uns, ihr zwei habt euch, wir uns, ihr euch, sie fj
sich erkältet. Dasselbe gilt für den Dativ der Person, als: ick
häw me, hähst de, he hêt ham, hêt hár, hát hêt hám, wát
häwe unk, ját häwe junk, we häwe üss, jám häwe jám , htm
jám en Hüss kāft, ich habe mir, du hast dir, u. s. w. ein Haus
gekauft. Dāt forstōnt hám, das versteht sich!


§. 127. Beispiele zur richtigen Anwendung dieses Fürwortes:
Ick häw min Shäip āll slāgtigt , hähst din noch àw 't Gjàrs
gongen, ich habe meine Schafe schon geschlachtet, du hast deine
ja noch auf der Weide (dem Grase) gehen ; he hêt sin Bjàrd auf-
nummen, hêt hárr Häier brêset, án dāt Bjàrn hêt sin Häujnne
twāien, er hat seinen (eigenen) Bart abgenommen, sie hat ihre
Haare geflochten und das Kind hat seine Hände gewaschen ; iri


253

211

wáll me wat tögause düjn, ich will mir gütlich thun; letstet
de surr wurde, du lässest't dir sauer werden; he dêt hám Mäute,
er giebt (thut) sich Mühe; kōn hár sêllew hêlpe, sie kann sich
selber helfen; wirrfaar gāllt dāt Bjàrn? weshalb weint das Kind?
Swār: de Fájnger dêt hám sier, Antwort: der Finger thut ihm
weh; de Hünn hêt me äujn ,t Bijn bán, der Hund hat mich ins
Bein gebissen; Kātt hêt de kläiset, die Katze hat dich gckratzt;
de Hájnst häi hám slāien, das Pferd hatte ihn geschlagen; he be-
hōndelt hár mān hijnn, er behandelt sie nur schleeht; dāt Bjàrn
hêt hám forähn, hát mäujt hungre, wán.t hám kàme shál, das
Kind hat sich verfressen, es muss nun hungern, wenn es sich
erholen soll; dāt Swinn wáll ài dàie, hát hêt ham'e Täis üttbán,
das Schwein will nicht gedeihen, es hat sich die Zähne ausge-
bissen; we häwe ühsen Winn drunken wir haben unsern Wein
getrunken; jám häwe járringe Gijl fortjàrd, ihr habt euer Geld
verzehrt ; häwe járe Swinn dilling slāgtigt , sie haben ihre
Schweine heute gesehlachtet; we māge üss nint dirrütt, wir ma-
chen uns nichts daraus; jám häwe jám forsäjn, ihr habt euch
versehen; häwe jám sêllew äujn 'e Ljāgte stönnen, sie haben sich
selber im Lichte gestanden ; ick häw jám dāt Gijl däjn , ich habe
euch oder ihnen das Geld gegeben, je nachdem es auf die zweite
oder dritte Person in der Mehrheit sich bezichen soll; wát kaane
junk ài hêlpe , aurs ját köhn unk nōg hêlpe , wir beide können
euch beiden nicht helfen , aber ihr beide könntet uns beiden wohl
helfen; we junk Āllerne noch? leben eure Eltern noch? unk sán
āll lōngens düjd, unsre sind schon längst todt, im Dualis; ick
ll junk wát sêdde, ich will euch beiden was sagen; ját kaane
mān gonge, ihr zwei könnt nur gehen-


§. 128- Die Fürwörter der dritten Person stehen nur dann
unverändert, wenn unmittelbar nach denselben ein Zeitwort folgt,
als: Min Brauhser ás Bêdd gingen, he wort wäjl krōnk wesen,
mein Bruder ist zu Bette gegangen, er wird wohl krank sein;
Hānn kàgelt, hêt wáss en Äi läid, die Henne gackert, sie
hat gewiss ein Ei gelegt ; dāt Läujnn ds dröhg , dánn dāt hêt
āll lōngens nān Rinn füngen , das Land ist so trocken, denn es
hat schon längst keinen Regen bekommen; dd Hájnste sán so
liungrig, häwe dilling noch nint to ähsen fángen, die Pferde


27 ,

254

212

iind 80 hungrig, sie haben heute noch nichts zu fressen bekom-
men. Eben so nach einer Frage, wenn das Fürwort in der
Antwort voran steht, als: wirr ás man Häujdd? he làit àw'e
Shêw, wo ist mein Hut? er liegt auf dem Tische; wát māget din
Süster? kōget Unnerne, was macht deine Schwester? sie kocht
das Mittagessen; wirr häwe ját Fásh füngen? wát häwe's
ungelt, wo habt ihr beide die Fische her? wir haben sie
geangelt.


§. 129. Stehen aber die Fürwörter der dritten Person selbst
unmittelbar nach dem Zeitworte , so nehmen sie eine durchaus
veränderte, nicht mehr kenntliche Gestalt an, und ihre ursprüng-
liche Form geht gänzlich verloren. Dann werden die männlichen
Fürworter he und hám durch die angehängten Buchstaben r
und n, das weibliche Geschlecht durch s, das sächliche durch t,
und der Plural wieder durch 8 vertreten. Hier ein Beispiel zum
vorigen und zu diesem §. De Fögel ás ütt flāgen , he mäujt fár-
hungre, der Vogel ist ausgeflogen, er muss nun verhungeru, de
Fögel ds ütt flāgen f mäujt 'r förhungre; min Wöffás krōnk , dirr-
faar kōn's ài mákàme, meine Frau ist krank, daher kann sie
nicht mitkommen; he kōn sin Hüss ài lāngere bebōge , auwer dāt't
ähmen ás, an dirrfaar shál'r mjárne ütttijn, er kann sein
Haus nicht länger bewohnen, weil es so offen ist, und deswegen
soll er nun morgen ausziehen; min Ugene sán bähsere, ick
käw s árken Mjárn lài Wāhser twàien, meine Augen sind nun
besser, ich habe sie jeden Morgen mit lauem Wasser gewaschen;
hähst de māle Hünn säjn? jā, ick sāch ,n faar en làiet, hast
du den tollen Hund gesehen? ja, ich sah ihn so eben; wát shā-
set dm Hünn? kōn'r ài gonge ? was fehlt deinem Hunde? kann
er nicht gehen? dāt Bjàrn gāllt, hêt't hám forligt brānnd? das
Kind weint, hat es sich vielleicht gebrannt? dirr stōnt en Mōnn
faar'e Döhr, frāg hám, wát'r wáll, es steht ein Mann vor der
Thür, frage ihn, was er will; Dringe stäujnne dirr án täiwe,
wán's ài má? die Knaben stehen da und warten, wollen sie
nicht mit? "- Bisweilen stossen auf diese Weise zwei Fürworter
zusammen und werden dann so ausgesprochen, als ob sie nur
ein Wort ausmachten, als: he säit dāt 'rt (dāttert) àidüjn kōn, er
»agt, dass er ,s nicht thun kann ; sähs, dāts 't nōg kêwe wäjl,


255

213

sie sagte, dass sie 's wohl haben wollte; hähst min Bjàrne
Spaltjöck löwet, häwes't āllfüngen? du hast meinen Kindern Spiel-
zeug versprochen, haben sie 's schon bekommen? Jōngens nüm-
men mán Slàse, häwes'n āll wihsser brōgt? die Jungen nahmen
meinen Schlitten, haben sie ihn schon wiedergebracht? In der
Frage: wát wäht? was willst du? wird (du) immer ausgelassen,
wenn man jemand geradezu nach einem Begehren fragt, ohne
Befremden oder Trotz ausdrücken zu wollen; ist letzteres der
Fall, dann wird das Fürwort nicht im Zeitworte verschluckt,
sondern mitgenommen und stark betont, wie: wát wäht dö? wát
wäht me wäjl düjn? was willst du? was willst du mir wohl
anhaben? Ist eben die Rede von einem männlichen, weiblichen
oder sächlichen Gegenstande, so fragt man: wát wáll'r wát wáll's,
wát wáll't? Pl. wát wán'm (wánnem), wát wán's? und so mit allen
Zeitwörtern, die damit in Verbindung gebracht werden können,
als: dāt kön'r nōg, das kann er wohl, dāt kōn's, das kann
de, dāt kaanes , das können sie, dāt kōn't, das kann es,
dāt kaanem, das könnt ihr. Soll aber Befremden dabei ausge-
drückt werden, oder Zweifel, Erstaunen u. s. w-, so sagt man:
wát wáll he,jö,hát,jám,já? kōn he,jö,hát,
--jám, — dāt düjn? — Auf dieselbe Weise werden diese
stellvertretenden Zeichen des Fürwortes in allen ähnlichen
Fällen mit Zeit- Binde- und Umstandswörtern verbunden. So
heisst z. B. ob er, sie, es, Pl. sie, mit dem Fürworte, wirr he,
wkr jö, wirr hát, wirr dāt ball kàme shäujl, und im PI. wirr
ball kàme shäujn? bald kommen sollten; mit den Zeichen, wenn
vorher die Rede von ihnen war, aber: wirr'r (wirrer), wirr 's ,
wirr't, VI. wirr ,s ball kàme? Unpersönlich: wirr't ài gonge shäujl?
ob s nicht gehen sollte? wirr ,s wäjl wese maage, wo sie
wohl sein mögen; wirr maages wäjl wese 9 wo mögen sie wohl
sein? ickshál jám frage, wirrem hàne wán, ich soll euch fragen,
wo ihr hin wollt; ick shál jám frage, wirr 's hàne wán, ich soll
sie fragen, wo sie hin wollen. Wirrem (statt wirr jám) zeigt hier
die zweite , und wirr 's (statt wirr já) die dritte Person der
Mehrheit an.


Spreêhe ich zu einem: wäht má, kaast kàme, dann wird das
Fürwort du von den Zeitwörtern wäht und kaast (kōnst) ver-


256

2l4

schlungen. Sage ich: wäht má, so kaast kàme, dann darf das
Fürwort im Nachsatze nicht wiederholt werden; wenn ich aber
das gleichsam hindeutend gebrauche und sage: wäht má,
s0 kaäst óck kàme, dann muss es im Nachsatze wiederholt
werden. Sogar mit Fürwörtern werden diese stellvertretenden
Zeichen verbunden, wie in folgenden Sätzen: Āie wjárn ālte-
māle rōset, an dirrfaar häw ick's üttsmán, die Eier waren alle
faul, und deswegen habe ich sie ausgeworfen; he hêt sán bêste
Hájnst forkāft, er hat sein bestes Pferd verkauft; hêtern forkāft?
hat er ,s verkauft? In dem Worte hêtern, in welchem zugleich
der Aeeusativ des männlichen Geschlechts bezeichnet ist, liegen
die Wörter: hat er ihn, oder die friesischen: hêt he kám, einge-
schlossen. Ick häw hám en Dualer frähti, aurs he währen ài Aêwe,
ich habe ihm einen Thaler geboten» aber er wollte ihn nicht
haben; wäjlern ài hewe? wollte er ihn nicht haben? wirr ás rr
Dōgter? kêt's ütt tienen sānd; hêtses üttsānd? tses, hat sie
sie, oder dieselbe? hêter'n, hat er ihn? hêter's, hat er sie? im
Sing. und Plur., hêter't, hat er es? ts'en, hat sie ihn? hêts'es,
hat sie sie? Sing. und Flur., hêts't, hat sie es? kket'en, hat es ihn?
hêlet hár, hat es sie? im Sing., Mtetet, hat es es? hêtet's, hat es
sie? und so mit allen Zeitwörtern, die nur in solche Verbindun-
gen treten können.


§. 130. Die beiden sächlichen Fürwörter dāt und hát heissen
beide es; jenes steht aber nur unpersönlich und stellvertretend,
für leblose Gegenstände oder Sachen, dieses hingegen bloss für
lebende Wesen vom sächlieben Sprachgeschlechte, als: dāt fröst,
es friert, dāt tōit, es thaut, ist Thauwetter, dāt dáwet, es thaut,
es fällt Thau, dāt rippet, es reift, dāttunnert, lāidet, rinnt , snàiht
hägelt, wàit, staurmt, es donnert, blitzt, regnet, schneit, ba-
gelt, weht, stürmt; dāt hand hám, es begab sich; dāt gongt,
es geht, u. s. w. Dāt Bill ás klār, aurs dāt lickent nint, das Bild
ist fertig, aber es ist nicht ähnlich; dāt Bijn ás tünnen, aurs
dāt dêt me ài sier, das Bein ist geschwollen, aber es thut mir
nicht weh, u. s. w. Wát shāset dāt Shäip? hát ppt ālt trinn-
dm, was fehlt dem Schafe? es lauft ja immer rund um; dāt
Bjàrn hêt sán Äirem trāgen, hát mäujt de Làhsesêtter, das Kind
hat seinen Arm gebrochen, es muss nach dem Gliedsetzer (Kii-


257

218

renker); wirrauwer gāllt dāt Bjàrn? hát hêt hám àw en Spicker
wen, worüber weint das Kind ? es hat sich tn einem Nagel
gerissen.


Die Sätze: es war einst ein Mann, es wird erzählt, es brach
Feuer aus, es giebt Menschen, u. s. w., werden aber nicht diurch
dāt, sondern durch dirr (da) ausgedrückt, als: dkr wās ijnsen
tn Mōnn, dirr wórt fortêlld, dirr bräik Ijll ütt, dirr sán Mánshe-
ne, dirr nijn Böhser ähse, die keine Butter essen. Dieses dirr
entspricht dem dänischen der, z. B. der fortälles, dirr wórt fw-
iilld; der siges, dirr wórt säid; der var ingen hjemme, dirr was
memmen inne; der döer mangen ung Mand, dirr stêrrewt mánnin-
gen jungen Mánshe.


Aber in den friesischen Ausdrücken: dirr sjónge's, dirr snāke's,
dirr dānse's, dirr sluhgge.s, dirr spàle's u.s.w- ist das s am Ende
des Zeitwortes das Zeichen der Mehrheit in der dritten Person
für: já, sie, und dirr gónge's heisst: da singen sie. Diese darf
man nicht mit den dänischen Ausdrücken : der synges , der
snakkes, der dandses, u. s.w. verwechseln, so ähnlich sie einan-
der auch in den Formen zu sein scheinen- Die dänischen lassen
sich nur durch werden, die friesischen nur durch ja, sie, in
Verbindung mit dem Zeitworte auflösen. Der dandses , es wird
da getanzt, oder da wird getanzt, dirr dānse's, da tanzen sie
(nämlich die Leute). Ein paar Beispiele mögen diessklar machen,
als: wát māget dāt Fäujlk dirr? dirr riese's en Hüss, was machen
die Leute da? da richten sie ein Haus; dirr slàwe's en Stijn,
da schleppen sie einen Stein; dirr luppe's to wêdds, da laufen sie
in die Wette.


§. 151. Wenn die Fürwörter zurückkehrend gebraucht werden,
so stehen die gewöhnlichen Fälle unverändert , das Fürwort mag sich
nun auf Personen oder Sachen beziehen und in der Einheit oder
Mêbrheit vorkommen, als: ick me, de, he hám, hár, hát
hám, dāt hám, pl. we üss, jám jám, jám, im Dualis: wát unk,
ját junk, d. i. ich mich, mir, du dich, dir, er sich, sie sich, es
sich, wir uns, ihr euch, sie sich, Dual. wir (zwei) uns, ihr (zwei)
euch (Vergl. §. 126). Beispiele: De Dring hêt sin Bijn stāt, dāt dêt
hám sier, an wáll'r hám ài tofrêhse jewe, der Knabe hat sein
Bein gestossen, es thut ihm weh, und nun will er sich nicht


258

216

zufrieden geben; de Buhmm hêt hám bied, der Haum hat sich
gebogen; dāt Hüss hát hám gäujd hüllen, das Haus hat sich gut
gehalten; hêt hár forsäjn, sie hat sich versehen; Jōngens
häwe jám bāhset, die Jungen haben sich gebadet; dāt wáll hám
nōg finne , es wird sich schon Qnden ; dāt fl hám nōg , das giebt
sich wohl. — Stehen sie nicht zurückkehrend, so kommen die
Fälle nach Geschlechtern und Zahlen vor, als: hähst de
drunkne Mōnn säjn? hast du den trunknen Mann gesehen? jā,
ick sāch hám nōg, aurs ick wäjl nint hám duhggen hêwe, ja,
ich sah ihn wohl, aber ich wollte nichts mit ihm zu schaffen
haben; hähst dán nàieWāien āll füngen? Jā, ick häw'en de Smáss
sānd , am'en beslüjn läjtten, an wáner'en beslāien hêt, sháller'n
de Māler bringe, hast du deinen neuen Wagen schon bekommen?
Ja, ich habe ihn zum Schmied geschickt, um ihn beschlagen zu
lassen, und wenn er ihn beschlagen hat, soll er ihn zum Maler
bringen. Sächlich: ick häw dāt Kulew gäujd fausert, hát ás fātt,
an dirrfaar wáll ick't ock mjàrne slāgtige, ich habe das Kalb gut
gefüttert, es ist nun fett, und deswegen will ich 's auch mor-
gen schlachten; dāt Hüss ás üjll an forfêllen, an dirrfaar wáller't
lilbrêge, das Haus ist alt und verfallen, und deshalb will er 's
abbrechen. Pluralis: wirr sán din Döwwe? Mán Näiber sähs, de
Allring häi's nümmen, oder: dāt de Allring's nümmen häi, mein
Nachbar sagte, der lltis hätte sie genommen, oder: dass der
Htis sie genommen hätte.


§. 132. Der Dualis wird im Nordfriesischen nur von Personen,
seltener von Thieren und nie von Sachen gebraucht, es sei denn,
dass man sich dieselben persönlich denkt und sie redend einführt,
wie im Mährchen und in der Fabel. Sind zwei Menschen bei
einander, so nennen sie sich nicht we, wir, sondern wát, d. i.
wir zwei oder wir beide; und redet man zwei zugleich an, so
nennt man diese nicht Jám, ihr, sondern ját, d. i. ihr zwei oder
beide, wobei weder in dem einen, noch in dem andern Falle das
Gesehlecht berücksichtigt wird, als: wát sán hirr man ālliene,
wir beide; wirr häwe ját wähn? wo seid ihr gewesen? ját käme
ālliene gonge, wát wán ài má, ihr beide könnt allein gehen, wir
beide wollen nicht mit. Treibe ich zwei Lämmer, Schafe, Rinder
u. s. w. vor mir her, so kann ich sagen: wán ját gonge! ick wáll


259

217

junk nōg stjörre. So z. B. En litten Dring ks to sin twäier Pêre-
buhmme: ját hinge so full auf Pêre, ick wáll junk ijnsen shúdde,
dāt ját's fálle lqjtte, ein kleiner Knabe sagte zu seinen zwei Birn-
bäumen: ihr hanget so voll Birnen, ich will euch einmal schüt-
teln, dass ihr sie fallen lasset.


Der zweite, dritte und vierte Fall heissen immer unk und junk,
als: dähst unk Ünrogt, du thust uns Unrecht; hêt de Bádd-
monn junk bestêllen? hat der Bettler euch bestohlen? wát kaane
unk ài ijn junk stäujnne; ját kaane junk ài unk mäjtte; huhm
hêt junk wát däjn? wer hat euch was gethan? wat wán unk nōg
förtwāre (verantworten) , an junk nint êfterjêwe (nachgeben).


§. 133. Zu bemerken ist hier noch das persönliche Fürwort sêllew,
selbst oder selber , welches den bezeichneten Gegenstand in
seiner ganzen Eigenthümlichkeit darstellt, und die Verwechslung
desselben mit andern unmöglich macht, als: ick sêllew, sêlkw,
he, jö, dāt, hát, we,jám,já, wát, ját sêlkw. Es ist unabänderlich
und hat den Redeton, als: ick häw't sêllew hierd (gehört); wát
wjárn sillew tóstêse (zugegen) ; he hêt me dāt Bauck sêllew for-
ihret (geschenkt); hêt hár sêllew ambrōgt, sie hat sich selbst
umgebracht oder entleibt; he sprêgt ālt auf hám sêlew, er lobt
sich immer selbst; dirr hähst de sêllêw äujn'e Ljāgte stijnnen (im
Lichte gestanden) ; bàst 'r sêllew Shäjl äujn (Schuld daran). Mit
dem Geschlechtsworte zusammengesetzt, entspricht es den deut-
schen Fürwörtern: derselbe, dieselbe, dasselbe, dieselben, als:
männlich desêll'we, weiblich jösêllew, sächlich dātsêllew, pl. dá-
sêll'we.Dāt ás desêll'we Mōnn, jösêllew Wöff, dātsêllew Bjàrn,
dirr ick enjörsne sāch (gestern sah), dāt sán dásêll'we Mánshene.


Wo das Wort selbst im Deutschen umstandswörtlich steht,
braucht man im Nordfriesischen sögaär, sogar.


Anmerkung.

§. 134. Die Nordfriesische Sprache hat das mit der dänischen ge-
mein, dass sie auf die Frage: huhm ás dirr? wer ist da? weit öfter
den vierten, als den ersten Fall der Person setzt, und spricht:
dāt ás mé, das ist mich, statt: das bin ich; was aber nicht angeht,
wenn das Fürwort in der Antwort voran steht , wo man antwor-
ten muss: ick bdn't, ich bin 's; he às't, er ist 's, u. s. w.. Die


28

260

218

gewöhnliche Antwort durch alle Personen beider Zahlen ist daher
folgende: dāt ás me, dê, hám, hár, üss, jám, unk, junk- Doch
kann man auch sagen: dāt bán ick, dāt ás he, jö, dāt sán we,
jám, já, wát, ját. Auf die Frage: bàst dirr? ás he, jö, dirr?
antwortet man: jā, ick bán hirr, he ás dirr, u. s. w. Aber die
Ausdrücke: dāt wās hám sêllew, hár sêllew, üss,jám sêllew, sind
weit gebräuchlicher, und scheinen gewissermassen der Sprache
eigenthümlicher zu sein als: he wās't sêllew, er war es selbst;
ick wusst ài dāt't wās (dass es dich war), aber auch: dāt dō't
wjàrst, dass du es warst.


§. 135. Die deutschen Personwörter: jemand, einer , man,
niemand, keiner, werden durch huhm, jemand, einer, man, und
niemmen, niemand, keiner, vertreten, als: hähst huhm säjn? hast
du jemand gesehen? huhm mäujtet doch däjn hêwe , jemand (irgend
einer) muss es doch gethan haben; dirr ás niemmen inne, da ist
niemand zu Hause; dāt kōn niemmen lêse, das kann ja niemand
lesen; huhm säit so, man sagt so; huhm kōn ,t ài wàhse, man kann's
nicht wissen; kōn me dāt huhm sêdde, kann mir das jemand sa-
gen? kuhm köhs't nōg tānke, man konnte es wohl denken. Huhm
hat im männlichen Geschlechte des Genitivs huhmsen, im weibli-
chen, sächlichen und der Mehrheit huhms, als: dāt ás huhmsen
äiene Fordijl, wán'm flijttig ás, es is eines (unser) eigner Vortheil,
wenn man fleissig ist; de Jöhse sähs: huhm mäujt huhmsen äiene
Fordijl äujn Āgt nàme, der Jude sagte: man muss seinen eigenen
Vortheil in Acht nehmen; huhms äien Gāgen, jemands eigener
Nutzen; wán'm (huhm) ài sünig ás, so ás huhms Gijl ball fortjàrd,
wenn man nicht sparsam ist, so ist eines Geld bald verzehrt;
huhms Läwent wāret mān kaurt, eines Leben dauert nur kurz;
huhms Däsighäid mäujt 'm (1. mäujttem) ōfting jöhr betāle, seine
Thorheit muss man oft theuer bezahlen ; huhms Bjárne láddê
Jtuhm doch àw't Hárt, unsere Kinder liegen uns ja doch am
Herzen; wörtlich: eines Kinder liegen einem ja doch u. s. w.;
huhms Tōgte kōn niemmen räjdde, eines Gedanken kann ja nie-
mand errathen ; Imhm wáll huhms äien doch nōg tóhuppe hüjlk,
man will ja doch gerne das Seinige zusammenhalten.


Niemmen hat im zweiten Falle niemmens, niemands, als: he
wáll niemmens Tiener wese' er will niemands Diener sein; he is


{

261

219

niemmens Frünn, er ist niemands Freund; shäht niemmens
gauhsen Nōme krájnke, du sollst niemands guten Namen kränken
(lästern)-


Das zueignende oder besitzanzeigende Fürwort
(Pronomen possessivum)-


§. 136. Die zueignenden Fürwörter heissen im männlichen
Geschlechte: man, dán, sán, hárren, sán, ühsen, unken , junken,
járringe, járe, im weiblichen, sächlichen und in der Mehrheit:
min, din, sin, hárr, sin, ühs, unk , junk , járringe , járe. Sie stehen
sowohl vor, als hinter dem Hauptworte, sind aber sämtlich keiner
Abänderung fähig. Anwendung: MánHäujd, dánRock, sánWāien,
rrên Mōnn, deHäujd ás man, de Rock ásdán, de Wāienás sán, de
Mōnn ás hárren. Dāt Kulew hêt sán Hals fordràid; we häwe ühsen
Wijtte bürgen; unken Fidder ás stürwen; junken Wāien ás ámsmán:
járringe Fäujlk ás tófäjlle; häwe járe Kātte drangd; junken nàie
Slàhse ás Memmen, u. s. w. Ferner: Min ff, din Fōmmen, sin
Süster, hárr Dōgter, ühs Hüss, járringe Tünn, u. s. w. Dāt Bjárn
Mi sm Naas ràwen (gerissen); ühs Brüjd ás áp, unser Brot ist
auf; wát häwe unk Gijl üttdäjn (ausgegeben); ját kaane junk Krāmm
behüjlle (behalten) ; járe Fäujlk ging járringe to Fäjlle , ihre
Leute gingen mit den eurigen zu Felde; — min Hüss, man Hünn,
din Bjárn, dán Thäte, sin Bräif, sán Plaug, hárren Airem, hárr
Fäjtt, ühs Läujnn, ühsen Eker, unken Springstōck, junk Wōnräjdde,
eure Thorheiten; járringe Süss, járe Frünne. De Wāien ás man,
Swöhw ás din, an dāt Äjk ás sin, man Rock ds nài, dán ds üjll,
din Glees ds tênn, min ds tjóck, ühs Tjöch ds fātt, járringe ds mān
mager, unser Vieh ist fett, eueres ist nur mager. — Dāt Min an
din, das Mein und Dein, wie im Deutschen.


§. 137. Im zweiten Falle nimmt das Hauptwort beim zueignen-
den Fürworte das Zeichen dieses Falles, nämlich ein s an; diess
gilt für alle Geschlechter und beide Zahlen, als: Mán Brauhsers
Sàhn, min Süsters Dōgter, din Mudders Wiehdêge (Wehtage), ühs
Bjárnes Spaltjöch, unk Sösshenes Ārwepārt, unserer (zwei) Geschwister
Erbtheil; járringe Döwwes Junge kaane āll üttflijn, eurer Tauben
Junge können bereits ausfliegen; ühsen Kinnings Mádder ds näjlke
stürwen, unseres Königs Tante ist neulich gestorben.


262

220

§. 158- Die drei Fürwörter: ühs , járringe undjáre, stehen auch
substantivisch, wie im Dänischen, für Haus, Familie, z. B. n
Brauhser ás äjtt Ühs, min Süster ás äjtt Járringe, an ájtt Járe r


we's Frāmde. Wirr wās dāt? oder wirr shàid dāt? wo geschah es?

. . . .

Ajtt Uhs, äjtt Járringe, äjtt Járe, d. i. in unserm, euerem, ihrem
Hause, oder bei uns, euch, ihnen.


§. 139. Es ist ferner eine Eigenheit der Nordfriesischen Sprache,
dass man, besonders beim Bedauern, Schelten und Schimpfen,
statt des ersten Falles der zweiten Person den zweiten, nämlich
das zueignende Fürwort dein und deine setzt, je nachdem das
Geschlecht es erheischt, als: dán lájtte stākels Dring , dein kleiner,
armer Junge, statt: du kleiner, armer Junge; dán grótte Slüngel,
du grosser Schlingel; din stākels Fōmmen! du armes Mädchen;
din iájtt dasig Krāt, du kleines, albernes Ding; dán êrme Stākel,
du armer Wicht. Diess ist ebenso im Dänischen der Fall, als:
din stakkels Dreng, din elendige Karl, u. s. w.


§. 140. Es ist schon früher bemerkt worden, dass man niefat
selten dem zueignenden Fürworte das Geschlechtswort vorsetzt,
was noch häufiger geschieht, wenn das Hauptwort zugleich em
Bestimmungswort vor sich hat, als: de man Sàhn, min Dōgter,
de hárren Jōnge, hárr Fōmmen, de man üjlle Hájnst, din
jung Söhg , dāt ühs nài Āhk, Scheunen thor (Vergl. die erste
Anmerkung zu §. 120).


Das hindeutende Fürwort (Pronomen demonstralivum).

§. 141. Dies lautet im männlichen Geschlechte: de hirre,
dirre, dejânner, d. i. dieser hier, dieser da, und jener; weiblich:
hirr, dirr, jöjänner; sächlich: dāt hirr, dāt dirr, dātján-
Tier; pluralis: hirr, dirr, jánner für alle Geschlechter.
Anwendung: de hirre Buhmm ás man, de dirre dán, an dejánner
sán, dieser Baum ist mein, der da dein, und jener sein; dehirre
Mōnn kaast liewe, de dirre ài gäujd, an de jánner ás gaar ài
trauen, diesem Manne kannst du glauben, diesem da nicht so
gut, und jenem ist gar nicht zu trauen; hirr Rauhs ás smuck,
dirre ás smuckere, aurs jöjánner ás doch smuckst, diese Rose
hier, diese da, aber jene u. s. w; dāt hirr Hüss ás üjll, dāt dirre
ás āllere an dāt jánner ás ālst. Wát faar trá Fōgle hähst dirr gun-


263

221

gen? de hirre ás en Kukuk, de dirre en Algerhānn, an de jánner en
Kōrnkwānker, dieser hier ist ein Kuckuk, der da ein Rebhuhn,
und jener eine Wachtel. Plural: hirr Gäis san fātt, dirre
sán ttere , aurs jánner sán doch fāttst; hirr Häujdde sán
finere as dd dirre an jánner , diese Hüte sind feiner, als diese
da und als jene. — Wenn diese nicht als hindeutende Fürwörter
stêhen, so bedeuten sie auch: der hiesige, der dasige und dortige,
als: de hirre Prêster, der hiesige Prediger; de dirre Mêller, der
dasige Mijller; jánner Sjürk, die dortige Kirche. Statt de ján-
ner, jánner, dāt jánner, sagt man auch: de jánte, jánte, dät
jánte, dd jánte, welches sowohl die dortigen, als die jenseitigen,
bezeichnet.


§.142. Obgleich die hindeutenden Fürwörter: de hirre , de dirre,
de jánner, u. s.w., als solche, durchaus unabänderlich sind, so be-
kêmmen sie doch das Zeichen des zweiten Falles, wenn sie zu-
gleieh das Hauptwort selbst mit vertreten , z. B. huhmsen Bibel ds
dāt? dāt ás de hirrs, de dirrs, de jánner s, dd jánner s, wessen Bi-
hel ist das? dessen hier, dessen da, jenes dort, jener dort; huhms
Köwel ás dāt F dāt ásjö kirrs, dirrs, jöjánners, wessen Weiber-
rock ist diess ? deren hier , deren da, jener da ; huhms Baucke sán dāt?
dāt sán hirrs, dirrs, dájánners Baucke, es sind die Bücher
dieser hier, da, jener; wát faaren Bjárns Bālle ás dāt? dāt hirrs ,
dāt dirrs, dāt jánners; eben so im Pluralis: hirres, dd dirres,
dd jánners.


§. 143. Da die Nordfriesische Sprache sich nicht zur Schriftsprache
erhoben hat, so kommen die hindeutenden Fürwörter in den
Nachsätzen nicht so vor, wie im Deutschen, wenn man nicht die
bezeichneten Gegenstände wirklich vor Augen hat. Wenn daher
drei Dinge mit einander vergleichend zusammengestellt werden,
80 muss man sich der Wörter: de járste, de lähsere an de leste,
(der erste, der zweite oder letztere und der letzte) bedienen,
als, Dāt Reef, de Hünn an de Ulew (Ölw) häwe faale enauser
iöfálle, aurs dāt járst ds snàsig (schlau), de lähsere trau, an de
lêste glibsh (reissend). Aber hier, wo wir die Wörter im Satze
vor Augen haben, kann man die hindeutenden Fürwörter alle
drei gut und bequem anwenden, als: de Hünn, de Ölw an't Reef
häwe faale enauser to fálle, aurs dāt hirr ás listig, de dirre


.áMB^

264

222

glübsh an de jánner trau, der Hund, der Wolf und der Fuchs
haben vieles mit einander gemein, aber dieser hier ist listig,
dieser da grimmig, und jener treu.


Das vorwärtsdeutende Fürwort (Pronomen determinativum).

§. 144. Dieses Fürwort ist, der Form nach, ganz dem Ge-
schlechtsworte gleich, nur mit dem Unterschiede, dass es immer
den Redeton mit besonderm Nachdruck hat, als: Mánshe ds
locklick, dirr en rien Gewäten hêt, der (derjenige) Mensch ist
glücklich, welcher ein reines Gewissen hat; Tidd, dirr ijnsen
spüllen ás, kámt ài wihsser, die Zeit, welche einmal verloren ist,
kommt nicht wieder; dāt Swinn, dirr we efjörsne slāgtigten, käi
faale Tonte, wās tontig , das Schwein, welches wir gestern schlach-
teten, hatte viele Finnen, war finnig; dd Mānshene, dirr tiān Gōd
liewe, sán aane Trāst äujn't Unlock, die Menschen, welche keinen
Gott glauben, sind ohne Trost im Unglück; oder: dá, dirr di
äujn Gōd liewe, sán äujn't Unlock aane Trāst, diejenigen, welehe
nicht an Gott glauben, sind im Unglück ohne Trost; de, dirr ài
hiere wáll , tjt fäile , derjenige , welcher u. s. w. (Hier kann
auch huhm (wer) stehen, als: huhm ài hiere wáll, nmjt fäile,
wer nicht hören will, muss fühlen); de, dirr gäujd smjàrt, kjàrt
gäujd, wer gut schmiert, fährt gut; twäier Hünne, dirr mārüng
shähn würden, wjàrn biese iml, die zwei Hunde, welche diesen
Morgen erschossen wurden, waren beide toll; Wöff, dirr faar
Aagedêge haadigt würden ás, häi hárren Mōnn forjäwen, die Frau,
welche vor acht Tagen enthauptet worden ist, hatte ihren Mann
vergeben.


Das zurückdeutende Fürwort (Pronomen relativum).

§. 145. Die zurückdeutenden Fürwörter sind: dirr, huhm und
wát. Dirr entspricht den relativen Pronomen der, die, das, pl.
die, und welcher, e, es, pl. e, z. B. Nero wās en Mōnn, dirr dü-
send Unshüllige pienige lêt , am hám äujn járe Kwaal to högen,
Nero war ein Mann, 4er tausend Unschuldige martern liess, um
sich an ihren Qualen zu ergötzen ; dāt ás Wöff, dirr hárren
Mōnn, hárr wāgsen Dōgter an hárr Iájtt spie Bjárn forjäwen hit,
das ist die Frau, die ihren Mann, ihre erwachsene Tochter und


265

223

ihr kleines zartes Kind vergeben hat; Stäir, dirr ántênne s6
klār shind, wās'e (jö) Venus, der Stern, welcher gestern Abend
so hell schien, war die Venus; dāt Hüss, dirr he dāt fárre Ihr
bággd, ás mārüng aufbrännd, das Haus, welches er im vorigen
Jahre baute, ist diesen Morgen abgebrannt; dāt Bjárn, dirr faar
en làiet dähl äujn'e Süss fêll, häwe's noch lábben wihsser dptāgen,
das Kind, welches vor einer kleinen Weile in den Brunnen fiel,
haben sie noch lebendig wieder heraufgezogen; wille Ānerte,
dirr mádde ühs tōmme gingen , sán nāgtling wág flägen, die wilden
Enten, die unter unsern zahmen gingen, sind diese Nacht weg-
geflogen. — Huhm (vergl. §. 135), heisst wer, hat im zweiten
Falle huhmsen und huhms, wessen und dessen, deren: huhmsen
beim männlichen, und huhms beim weiblichen und sächlichen Ge-
schlechte, so wie auch in der Mehrheit. De Mōnn, huhmsen Airem
aufshähn ás, kaum hirr näilke faarbài, der Mann, dessen Arm
abgeschossen ist, kam hier neulich vorbei; Wàhs, huhms
Dōgter stürwen ds, wall hár wihsser befràie, die Wittwe, deren
Tochter gestorben ist, will sich nun wieder verheirathen ; dāt
Bjárn, huhms Āllerne stürwen sán, häw ick to me nümmen, das
Kind, dessen Eltern gestorben sind, habe ich zu mir genommen;
dd Fögle, huhms Fäjtt ähmen sán, kaane ài swumme, die Vögel,
dereii Füsse offen sind, können nicht schwimmen. Auch in all-
gemeinen Sätzen, wo ein Hauptwort die ganze Gattung vertritt,
steht huhmsen und huhms im Nachsatze, als: De Wāllfásh, huhm-
sen Töle grott, an huhms Swāllig so nār ás, km mān Häiringe
dájnke, der Wallfisch, dessen Maul so gross und dessen Schlund
(Schwaleh) so eng ist, kann nur Häringe verschlucken; Gäus,
huhms Dummhäid ōfting spōtet wort, ás üss ài faale mán-
nere to grott Gāgen härr Fähsere an hárr Flāsh , die Gans,
mit deren Dummheit so oft gespottet wird , ist uns nichtsdesto-
weniger von grossem Nutzen mit (durch) ihren Federn und
ihrem Fleische; Ricke, huhms gause Dêge huhm jám ōfting más-
gōnnt, sán sálten lócklick, ás we miene, die Reichen, deren
gute Tage man ihnen oft missgönnt, sind selten so glücklich, als
wir wähnen- — Wát, was, steht nur im sächlichen Geschlechte,
aber nie nach einem eigentlichen Hauptworte, als: dāt ás ālles,
wát ick häw, das ist alles, was ich habe; duhg, wát'r säit, thue,


266

224

was er sagt; dāt ás dāt Bêst, wát düjn kaast, das ist das Beste,
was du thun kannst; āll dāt Gäujd an Airig, wái we däjn häwe,
kámt àw ühs äien Räkning, alles Gute und Böse, was wir gethan
haben, kommt auf unsere eigene Rechnung; huhm tört ài āltidd
düjn, wát'em wáll, man darf nicht immer thun, was man will;
ālles, wát's hêt, ás Gōds Gaawe, alles, was sie hat, ist Gottes Gabe;
ālles, wát Ohme hêt, lōw ühsen Hiere! alles, was Odem hat, lobe
unsern Herrn !


Anmerkungen.

1. Huhmsen richtet sich nicht nach dem Geschlechte und der
Zahl des Grundwortes , wie im Deutschen dessen und deren,
sondern allein nach dem Worte, vor welchem es steht, als: dāt
Kameel, huhmsen Hāls so lōng ás, das Kameel, dessen Hals so
lang ist ; Láw , huhmsen Stjart en Tōle long Häier äujn 't Ijnne
hêt, der Löwe, dessen Schwanz einen Büschel Haar am Ende hat;
im weibl. und sächl. Geschlechte und im pl. immer nur huhms.


2. Dirr heisst auch da, was aber nicht leicht mit dem zu-
rückdeutenden dirr verwechselt werden kann, wie im dem Satze:
dirr ás de Mōnn, dirr me slāien hêt, da ist der Mann, der mich
geschlagen hat; dirr ás dāt Gijl, dirr ick de lōwet häw, da ist
das Geld, welches ich dir versprochen habe. Ebenso heisst wál
nicht allein was, etwas, sondern auch wir zwei, als persönliches
Fürwort der ersten Person im Dualis, als: wát häwe wát Spàltjöck
mábrōgt to Lájtte , wir (zwei) haben etwas Spielzeug mitgebracht
für die Kleinen. Beide diese wát stossen beim weiblichen Ge-
schlechte und in der Mehrheit oft mit dem Buchstaben s zusam-
men, als: läjtt's düjn, wát's wáll, lass sie thun, was sie will;
läjtt's māge, wát's wân, lass sie machen, was sie wollen; frā-
geten unk, wirr wát's hêwe wjän, sie fragten uns beide, oh. wir
sie haben wollten; dirr sán haaw Rōte äujn'e Kāmmer, wirr wát's
wäjl fānge kaane? es sind einige Ratzen in der Kammer, oh. wir
(zwei) sie wohl fangen können ? Der Satz: läjtt's düjn, wát's wáll,
heisst ohne Zusammenziehung, vollständig ausgeschrieben: läjtt
hâr düjn, wát wáll, und läjtt's düjn, wát's wán: läjttjám düjn,
wát wán. Dieser Fall tritt auch wirklich dann ein, wenn man
zwei Parteien gegen einander stellt, als: ick duhg, wát ick wáll,


267

225

lájä hár düjn, wát wáll; we dühgge, wát we wán, läjtt jám
m düjn, wát wán, wobei dann die Fürwörter allemal stark be-
tont werden.


§. 146. Noch ist hier das Fürwort: solcher , e, es, pl. e' zu
bemerken. Es heisst in allen Geschlechtern der Einheit vor Gat-
tungsnamen, so wie vor männlichen Stoff- und Mengenamen: sócken,
vor weiblichen und sächlichen Stoff- und Mengenamen und in der
Mehrheit sóck, als: sócken grotten Buhmm häw ick noch oller säjn,
einen solchen grossen Baum habe ich noch nie gesehen; sócken
üjll Mêllen kaast ài mör brücke, eine solche alte Mühle kannst
du ja nicht mehr gebrauchen ; sócken Hüss māhs ick nōg hêwe , ein
solches Haus möchte ich wohl haben ; sóck Tähle i'r hāll hiere,
solche Mährchen mag er gern hören ; sócken Winn hm he noch ol-
ler tmāget; sócken Bär, sócken Wijtte, sócken Rōgge, solche Gerste,
solcher Weizen, solcher Roggen; sócken witten Snie, solcher weis-
ser Schnee. Dagegen: sóck Tjöch, solches Vieh; sóck Fäujlk, solche
Leute, solches Volk ; sóck Gjàrs, sóck Fōdder, sóck Strài, solches Gras,
Heu, Stroh, u.s.w. Pl. sóck hijn Kluhse, solche schlechte Kleider;
sóck grott Plöme, solche grosse Pflaumen; sóck läjtt däsig Krāte,
solche kleine alberne Dinger; sóck läjttmjógsig Diele, solche schmut-
zige Dingerchen. — Statt sócken gebraucht man auch sünn für alle
Geschlechter der Einheit, aber dann in der Mehrheit wieder sóck,
als: sünn Mōnn , sünn ff, sünnBjàrn, pl. sóck Mānn, sóckWöffe,
sóck Bjarne. Ein solcher, eine solche, ein solches, pl. solche,
heisst sóckenān, sóckentjn, pl. sóck, oder sünnān, sünnijn, pl. sóck.
Söck Spêck, sóck Flāsh, sóck Brüjd, sóck Jàrd, sóck Grōt, sóck
Häier, sóck Häwer, sóck Böhser, sóck Liem, sócken Klāi, solcher
Speek, solches Fleisch, solches Brot, solche Erde, solche Grütze ,
solches Haar , solcher Hafer ' solche Butter ' solcher Lehm .,
solcher Klei.


Das Fragendê Fürwort (Pronomen interrogativum).

§. 147. Die fragenden Fürwörter sind: kuhm, wer? huhmsen,
huhms, wessen? und wát, was? Beispiele: Huhm ás dirr? wer
ist da? huhm hêt dāt säid? wer hat das gesagt? huhm hähst sprä-
gen? wen hast du gesprochen? huhm häi dāt tōgt? wer hätte das


29

268

226

gedacht? huhms Hüss ás dāt? huhmsen Hünn hêt de bán? wessen
Hund hat dieb gebissen? huhms JBjarne sán dāt? wessen Kinder
sind das? ick fünn hirr en Pung Gijl, huhmsen às't? ich
fand hier einen Beutel mit Geld, wessen ist's? Wát wird so
gebraucht: wát māgest? was machst du? ivat wäht? was willst du?
Aoàt sähs'r? was sagte er? wát ás dāt? was ist das? wát faar'en,
Fásh ds dāt? was für ein Fisch ist das? wát faar'en Tōt māgest
ilö dirr, was für einen Lärm machst du da?


Die deutschen Ausdrücke mit welcher , bei Ausrufungen und
beim Verwundern, als: welcher Glanz! welch ein Held! und der-
gleichen werden durch hócken und hóck ausgedrückt, als: hócken
Tōt! welch ein Lärm! hócken äujnncten Dring! welch ein ungezo-
gener Knabe! hóck gauhs Dêge hähst dö, welche gute Tage hast
du! hóck göhl Böhser! welche gelbe Butter! hócken Hált bást dö!
welch ein Held bist du! Wenn aber hóck, hócken nicht in Aus-
rufungen vorkommt, so wird es fragend gebraucht , wenn man
die Beschaffenheit eines Dinges wissen will, z. B- hócken Hájnst
hähst kāft? en trêdihrigen Brünnen ,fjauwer witt Fqjti, en
Staür faar.t Haad, an en witten Snápp àw'e Naahs, was für ein
Pferd hast du gckauft? einen dreijährigen Braunen , mit Tier
weissen Füssen, einem Stern an der Stirn und einem weissen
Strich auf der Nase; hóck Böhser hähst to forkupen? nài Staup-
pelböhser, neue Stoppelbutter. So wie hócken, hóck nach der fie-
schaffenheit eines Dinges fragt, so giebt sócken und sóck die
Antwort darauf, als: hócken Püpp wäht hêwe? sóckenijn, ásjödkr,
was für eine, oder welch eine Pfeife willst du haben? eine solche,
wie diese da. Man fragt auch mit hóckenān, hóckênijn, pl. hóck,
hünnān, hünnijn, pl. hóck, und die Antwort darauf ist sóckenān,
sóckenijn, sóck, sünnān, sünnijn, sóck, als: hóckenān māhst liefst
lihsse? was für einen magst du am liebsten leiden? sóckenän, ás
de hirre, solch einen, wie diesen hier; hóck ástde? ist wört-
lich: wie ist's mit dir, d. i. wie befindest du dich?


Das deutsche wie heisst hörr, als: hörr wâllt? wie wills? hörr
gongt't de, wie gehts dir? hörr hähst 'et? wie hast du's?


269

227

Anmerkung über die Zusammenziehungen in der
Nordfriesischen Sprache.


§. 148. Sie hat deren eine ungeheuere Menge, die man auf deft
ersten Anblick leicht für Zusammensetzungen halten könnte, was
sie jedoch keinesweges sind. Ohne dieselben wäre die Sprache mi
Umgange weniger fliessend, und würde, an Kürze dabei verlie-
rend , sehr abgebrochen und holperig sein, weshalb sie nothwen-
dig sind. Dahin gehören nun besonders die Geschlechtswörter
und Fürwörter in Verbindung mit Umstands- und Zeitwörtern-
Ich will hier einige dahin gehörige Beispiele auf eine dreifache
Art niederschreiben, erstens so, wie die Sätze gesprochen würden
und werden müssten, wenn man jedes Wort vollständig mitnähme;
zweitens so zusammengezogen, wie sie im täglichen Leben lauten,
und drittens mit der Andeutung der Zusammenziehungen, als:
1. wann he àiwáll, so kōn he dāt läjtte, 2.wánner ài mi wáll,
so kōnnert läjtte, 3. wänn'r ài wáll, kōn'r't läitte; 1. kōn
kàme, so mäujt dāt, 2. kōns kàme, so māujts, 3. kōn's kàme,
9ō mäujt's; 1. wann huhm ài waaget, so wánt huhm nint, 2. iwiii-
nem id waaget, so wántem nint, 3. wánn'm ài waaget, so wánt'm
nmt. Die Sätze heissen: 1. wenn er nicht mit will, so kann er's
lassen, 2. kann sie kommen, so muss sie ,s, 3. wenn man nicht
wagt, so gewinnt man nichts. — 1. Dirr he ài köhs, dirr ài
köhn, 2- dirrer ài köhs, dirrs ài köhn, 3. dirr'r ài köhs, dirr's ài
köhft, da er nicht konnte, da sie nicht konnten. 1. häwe dirr
wähn? 2. häweser wähn? 3. hāwe's'r wähn? sind sie da gewesen?
1.wirr he dāt wusst, dāt he dāt hêwe shäujl? 2. wirrert wusst,
liert hêwe shäujl? 3- wirr'r't wusst, dāt'r't hêwe shäujl? ob er's
wusste, dass er's haben sollte? 1.wirr huhm dāt waage dört? 3.
mrremi waage dört? 3. wirr'm't waage dört ?obman's wagen darf?
1- wirr slêpt he? 2. wirr slêpter, 3. wirr slêpt'r? wo schläft er?
1- wirr slêpt jö? 3. wirr slêpts? 3. wirr slêpt's? wo schläft sie?
1. wtrr slêpt hát? 3. wirr slêptet? 3. wirr slêpt ,t? wo schläft es?
1- wirr släipejâ? 3. wirrslāipes, 3. wirr slāipe's? wo schlafen sie-
Die Buchstaben r, s, und t, sind die Abkürzungszeichen für die
verschiedenen Geschlechter, r für ,s männliche, s für's weibliche
und die Mehrheit, und t für.s sächliche Geschlecht; r steht für


29 *

270

228

de und he, s für jö, und dá, t für dāt und hát, m für huhm
(vergl. §. 129).


Da s das weibliche Geschlechtszeichen bei den Zusammenziehun-
gen ist, so können die beiden Wörtchen ás, als und wie, und
ás, ist, bei weiblichen Hauptwörtern kein ferneres Geschlechts-
zeichen bekommen, und eben so wenig in der Mehrheit, z. B.
ás kaum, stöhs'e Wāien āll faar'e Döhr, als sie kam, stand der
Wagen schon vor der Thüre; ás inne? ist sie zu Hause? ás kaum-
men, läi ick awebêd, als sie kamen, lag ich im Bette; ás gonge
wäjl, als sie gehen wollte; ás smuck? ist sie hübsch? Im männ-
lichen und sächlichen Geschlechte dürfen die Zeichen nicht fehlen,
z. B. ás'r kaum, als er kam; wirr ás'r? wo ist er? In fol-
genden Fällen steht das t hinter ds beim weiblichen Geschlechte
anstatt dāt (es), als: ás't hár? ist sie es? oder auch: ist es ihr?
(gehört's ihr?) ás't hár sêllew? ist sie es selbst?


Auch bei den Verhältnisswörtern richten sich diese Zeichen
nách dem Geschlechte der Hauptwörter, als: àw't Hüss, auf dem
Hause; áp àw't Hüss, aufs Haus; àw'e Têle, auf der Diele, dem
Fussboden; àw'e Haurd, auf dem Kirchhofe; unner'e Shêw, un-
term Tische; unner't Bêdd, unterm Bette, unter ,s Bett; auwer't
Wāhser, über dem oder das Wasser; äujn'e Süss, in dem oder
den Brunnen; äjt'e Hühs, in der Heimath; auft Láss , aus dem
Gelenke; êfter't Mārked, nach dem Markte; bài'e Wäi, am Wege;
dör'e Waage, durch die Wogen; dör't Wánning, durch.s Fenster;
ijn't Uck, gegen die Wand; ijn'e Wāll, gegen den Wall; fim'e
Hühs, von der Heimath; ftm't Liff, um 's Leben; ám'e Naurde,
ám'e Sühsse, gen Norden, gen Süden; ám't Asten, ám't Wêsten;
faar'e Wāien, vor dem Wagen, u. s. w.


271

SIEBENTES CAPITEL.

DAS ZEITWORT (Verbum).

§• 149. Das Zeitwort ist theils ein Stammwort, theils ein ab-
geleitetes. Die Wörterklassen, aus denen es vorzugsweise als
derivatum gebildet wird, sind Haupt-, Bestimmungs- und Zeitwör-
ter selbst, wodurch jedoch die übrigen Wörterklassen, als Wur-
zeln desselben, keinesweges gänzlich ausgeschlossen sind. Die
einfachste und ursprüngliche Form desselben ist das Wandel wort,
das sich, wie im Deutschen, allemal auf en oder n endigt, und
auch die Endungen ein und ern mit dem deutschen Zeitworte
gemein hat, als: làwen, leben; strāwen, 1. streben, 2. streiten;
shaamen, sich schämen; sàgeln, hintaumeln, in Ohnmacht fallen;
pràgeln, stricken; ujárpeln, worfeln; grāpeln, grapsen; läwern,
liefeni; bäwern, zittern; knábbern , klappern, u. s. w.


Bildung des Zeitwortes.
a. Aus Hauptwörtern.


S.150. Da die deutschen Stammwörter sich hier leicht aus
dem Zeitworte erkennen lassen, so soll dieses, mit Uebergehung
der deutschen Substantive, bloss erklärend beigefügt werden, als:


jöAart, aarten, arten- de Bäirig, bäirigen, bergen.

dāt Āller, dillern, alten. dāt Bêdd, bêdden, betten.

de Ānker, ānkern, ankern. de Bjàrsel, bjàrseln, bürsten.

dāt üfr, āren, narben. dāt Bläujd, bläjdden, bluten.

Ārw, ārwen, erben. dāt Bjàrn, bjàrnen, kindeln.

de Āwe, āwen, nachäffen, êfter- de Bjàrn, bjàrnen, hörnen.

āwen. de Bunk, bunken, aufhäufen.

Baan, baanen, bahnen. dāt Bill, biIern, bildern.

de Bālle , bāllen, den Ball auf- dāt Bijn, bijnseln, abstiefeln.

fangen. jö Blähs, blähsen , flammen ,
jöBāik, iken, beuchen. lohen.


de Bäjttel, bäijtteln, meisseln. jö Blühs , bläisen , Blasen werfen.

272

230

dāt Blêss, blêhsen, blättern.

dāt Blōck, blōcken , blocken.

Blōssem, blossmen, blühen.

de Bōlle, bōllnen, schwären.

de Bōssel, böseln, bosseln.

dāt Buhrk, buhrken, borken.

de Brödd, brödden, stacheln.

de Dāmp, dāmpen, dampfen.

de Dâsh, dáshen, auf- oder ein-
füllen.


de Dâunve, dáwwen, thauen.

de Dick, dicken , deichen.

de Dömm, dōmmen, dämmen.

de Dröpp, drōppen, tröpfeln.

Druhg, drugen, seihen, sei-
gen.


de Druhm, driemen, träumen.

de Drüpp, drüppen, träufeln.

de Ebbe, êbben, ebben.

dāt Edder. êddern, eitern.

de Egge, êggen, anreizen.

4

de Enn, innen, Abend werden.

de Eme, emen, brödmen.

dāt Fārrew, fārwen, färben.

dāt Fáll, fállen, fillen.

dāt Fáll, fállen, nachlaufen.

de Fásh, fáshen, fischen.

Fäig, fäigen, fügen.

Fäihs, fäjdden, unterhalten.

de Fähser, fähsern, mausern.

dāt Fwijlk , befäujlken, bevölkern.

Feel, fêlen, feilen.

Fistel, fisteln, fitzen, abfitzen.

dāt Fauser, fausern, 1. futtern,

2. füttern.
dāt Fêck, fêcken, fachen.
de Flābbe, flābben, s. §. 151.


jöFlāg, flāgen, regenschauern.

de Flāgge, flāggen, flaggen.

jöFlaait, flaaiten, flöten.

Fläujdd, Fläujdden ' fluthen.

deFüjlle, füjllen, falten.
fálligen, die Hände falten.


Frāgt, frāgten, frachten.

dātForgâft, forgáften, vergiften.

Frugt, flrugten, fruchten.

Furrig, furrigen, furchen.

de Fláck, flácken, flecken, flicken.

Faurk, fäirken, aufgabeln.

deFäujtt, fäjtteln, anfüsseln.

deFájnger, fájngern, fingern.

de Frünn, befrünnen, befreun-
den (sich).


deFaurme, faurmen, formen.

Fäihsem, fäihsmen, fadmen.

de Gaawe, begaawen, begahen-

de Gäihs, ihsen., düngen-

dāt Gäujl, forgêllen, vergolden.

Gäus (Gōs), gōsen, gänsehi.

de Grünn, grünnen, gründen-

de Gjàrd, gjàrden, gürten.

dāt Graum, gräimen, ausweiden.

dāt Grüss , grühssen , griesen ,
gröhsen, knirschen.


de Gránse, gránsen, gränzen.

de Gnāhse, begnāhsigen, begna-
digen.


dāt Gjàrs, gjàrsen, 1. grasen,
2. gräsen.


Gunst, begunstigen, begünsti-
gen.


de Glâns, glánsen, glänzen-

Grauf, grauwen, graben.

de Grüppel, grüppeln, s. §.151.

273

231

de Gits, gitsen, geizen-

Hārrew, hārrewen, eggen.

de Hāmmer , hāmmern, hämmern.

Häwel, häweln, hobeln.

dāt Häier, häiren, haren.

de Haupp, hauppen, reifen.

de Hāge, hāgen, haken.

de Hägel, hägeln , hageln.

Hägel, hägeln, hecheln.

Hêsp, hêspen, haspeln.

Hüdd, hüdden, häuten.

de Hupp, huppen, häufen.

de Hōcke, hōcken, garben.

de Hunger, hungern, bungern-

dāt Haad , huadigen , köpfen ,
enthaupten.


Hähg , hägen, das Heck
schliessen.


dāt Hüss, hühssen, behausen.

Häujnn (Hōn), hōndeln, han-
deln.


Häujnn, hijnnen, auffangen,
hijnnigen, inhijnnigen, einhän-
digen.


Hijll, hijllen, helden.

Bjàrn, hjàrnen, s. §. 151.

de His, be-ihsigen, beeidigen.

dāt Lss, ihssen, eisen.

de Ijnne, ijnnen, enden.

dāt Jādder, jāddern, eutern.

dāt Jóck, gen, jochen.

de Jörder, jördern, (Hirte), hüten.

Kaar, kaaren, karren.

Kaard, kaarden, karten (spie-
len).


de Kâlk, kálken, kalken.

dāt Kánn, kánnen, kinnen.

de Kānt, kānten, kanten.

de Kägel kägeln, kegeln.

Kāwel, kāweln, koppeln.

de Kêle, kêlen, keilen.

Köhl, kölken, s. §.151.

dāt Kitt, kitten, kitten.

dāt Kláster, klástern, kleistern.

de Klāi, klāien, kleien.

Kláink, kláinken, klinken.

de Klōmp, klōmpen, klampen.

de Klump , klumpen ' klumpen.

de Klütt, klütten, flicken.

de Kohle, forkohlen, verkohlen.

de Kurde , kurden , karden ,

krämpeln.
Kluhse, kluhsen, kleiden.
de Knêpel, knêpeln, knüppeln.
Kniep, kniepen, schnallen.
de Knopp, knoppen, knöspen.
de Knōpp, knōppen, knöpfen.
de Knōte, knêten, knoten.
Kráck, krácken, krücken.
de Krāns, krānsen, kränzen.
dāt Krāmm, krāmen, kramen.
dāt Kräwel, kräweln, krüppeln.
dāt Kritt, kr.Uten, kreiden.
dātKrüss, krühssigen ,kreuzigen.
dāt Kulew, kulwen, kalben.
de Klāck, klācken, kläcksen.
dāt Kaurn, kjarneti, körnen.
Kjàrl, kjárlen, gerinnen.
Kláw, kláwern, klauern.
de Klōnke, klōnken, werfen.
de Kaumm, kiemmen, kämmen.
de Koppel, koppeln, tragen.
de Krōpp, krōppen, sich bekör-


pern, beleiben.

274

SS2

Kugel, kugeln, kugeln.

de Kunst , kunsteln, künsteln.

dāt Laager, laagern, lagern.

dāt Lāck, lācken, lacken.

Lānk, lānken, ketten.

dāt Lāth, lāthen, latten.

de Lāpe, lāpen, ausbessern.

dāt Laumm, laummen, lammen.

dāt Laujnn, läujnnen oder läujn-
nigen, landen.


dāt Lees, lêsen, laden.

dāt Lōs, lösen, losen.

dātLimm, limmen, leimen.

dāt Läjdd, lüjdden, löthen.

dāt Lüjn, lunen, lohnen.

Lāst, lāsten, leisten.

dāt Lóck, lócken, glücken.

de Löcke, löcken, löckeln.

Luft, luften, lüften.

Lüss, lühssen, lausen.

de Löper, löpern, schüssern. .

Lierk, lierken, s. §.151.

dāt Lück , lücken ' schliessen ,
belücken, einschliessen.


dāt Mālt, mālten, malzen.

de Mäister, mäistern, meistern.

Mäjdd, mäjdden, mähen, ma-
then.


de Mist, misten, nebeln.

de Mjógs, mjógsen, ausmisten.

Möhr, möhren, mauern.

Müss, mühssen, mausen.

dāt Mudder, muddern, aufschläm-
men.


dāt Münster, münstern, mustern.
Münt, münien, münzen.
Mōlke, mölken, melken.


de Näujtte, näujtten, melodieb.

dāt Nêbb, nêbben, schnäbeln-

Nill, nillen, nesseln, sich
daran brennen.


dātNêst, nêsteln, nisten, nisteln.

de Njütte, tijütten, nützen.

Nüjdd, nijddigen (nijdsāgen),
durch Zwang nöthigen-


de JVarr, narren, narren-

dāt Ōfer, 5 fern opfern.

Ōngel, ingeln, angeln.

de Ohme, ohmen, athmen.

dāt Páck, pàgen, pichen.

Pàl, ien, schelfen.

de Pāpe, pāpen, an der Brust
saugen.


Párl, párlen, perlen.

dāt Pawer, pàwern, pfeffern.

dāt Páss, passen, pissen.

Päujn, päujnnigen, pfänden.

Pênn, pennen, mit dem höl.
zernen Wirbel, der Penne,
verschliessen.


de Pick ' picken , picken , stacheln.

Pietsh, pietshen, peitschen.

dāt Pār, pāren, paren (sich).

de Plāck, plācken, flecken.

dāt Plaaster, plaastern, pflastern.

de Plaug, plaugen, pflügen.

Plōnt, plōnten, pflanzen.

Prauhs , prausen , trödeln ,
tünteln, faseln.


Pràms, prámsen, premsen.

de Plōck, plōcken, pflöcken.

de Pōjnte, jnten, würfeln,

de Pōse, pōsen, bauschen-

dePung, üttpungen, ausbeuteln,

275

2S3

ràgel, pràgeln, stricken.

tle, aufpulen , abpfählen.

imp, pumpen, pumpen.

áck, prácken, pricken.

ijnn, prijnnen, pfriemen.

^user, pusern' pudern.

Quālster ' quālstern ' qual-

•n.

nk, rānken, ranken.

auser, rausern, rudern.

äjdd, räjdden, 1. rathen,

3rrathen.

'gel, räigeln, regeln.

sp' rāspen, raspeln.

ftv, rêwen, harken, rechen.

ieck , riecken , räuchern ,

ken, rauchen.

Inn, rênen, regnen.

pp' rippen, reifen.

ik, ruken, schobern.

hmme, ruhmmen, rahmen,

ahmen.

lümm ' rümmen ' räumen ,

men, Gelass haben.

1p' rupeln, ein Tau auf-

en.

Ss' berühssen, berauschen.

fim, rimmen, reimen.

il, forsaalen, versohlen.

ibel, saabeln, säbeln.

hg, sāgen, sägen.

!l, sāllen, satteln.

ül (jetzt dāt Sähw), säilen,

ten.

ilt, sālten, salzen.

inn, besánnen, besinnen.

Igel, sägeln, segeln.

dāt Sägel, forsägeln, versiegeln.

de Sênne, sênnigen, sündigen.

dāt Siep, siepen, seifen.

dāt Sêlwer, forsêlwern, versilbern.

dāt Sháp, shàwen, schiffen.

Shaahs, shaasen, verriegeln.

de Shauch (Sho), shōien, schuhen ,
die Pferde; ihnen Hufeisen
unterlegen.


Shauwel, shauweln, schaufeln,

Shàl, shàlen, schälen.

dāt Shámmel, shámmeln, schim-
meln.


de Shānse, shānsen, schanzen.

de Shāse, beshāsigen, beschädi-
gen.


de Shàne, shànen, beschienen.

Shruw, shruwen, schrauben.

deShócke, shócken, hocken.

de Sêck, sêcken, sácken, sacken.

de Sárkel, sárkeln, zirkeln.

de Sámmer, sámmern, sommern.

Sjāll, sjāllen, s. §. 151.

dāt Shümm, shümmen, schäu-
men.


Shüll, beshülligen, beschul-
digen.


Shäjl, beshäjlligen, beschul-
digen, richtiger als beshül-
ligen-


dāt Smähr, smeren, schmieren.

dāt Slubb, slubbern, schlürfen.

de Snie, snàien, schneien.

Sling, slingen, schleudern.

Snār, stiāren, schnüren.

Sjàrn, sjárnen, buttern.

de Säihs, säihsen, käsen.

30

276

SS2

Kugel, higeln, kugeln.

de Kunst , kunsteln, künsteln.

dāt Laager, laagern, lagern.

dāt Lāck, lācken, lacken.

Lānk, Unken, ketten.

dāt Läth, lāthen, latten.

de Lāpe, lāpen, ausbessern.

dāt Laumm, laummen, lammen.

dāt Läujnn, läujnnen oder läujn-
nigen, landen.


dāt Lees, lêsen, laden.

dāt Lös, lösen, losen.

iātl Limm, limmen, leimen.

dāt Lüjdd, lüjdden, löthen.

dāt Lüjn, lunen, lohnen.

Lāst, lāsten , leisten.

dāt Lóck, lócken , glücken.

de Löcke, lōcken, löckeln.

Luft, luften, lüften.

Lüss, lühssen, lausen.

de Löper, löpern, schüssern. .

Lierk, lierken, s. §.151.

dāt Lück , lücken ' schliessen ,
belücken, einschliessen.


dāt Mālt, mālten, malzen.

de Mäister, mäistern, meistern.

Mäjdd, mäjdden, mähen, ma-
then.


de Mist, misten, nebeln.

de Mjógs, mjógsen, ausmisten.

Möhr, möhren, mauern.

Müss, mühssen, mausen.

dāt Mudder, muddern, aufschläm-
men.


dāt Münster, münstêrn, mustern.
Münt, münien, münzen.
Mōlke, mölken, melken.


de Näujtte, näujtten, melodieki.

dāt Nêbb, nêbben, schnäbeln-

Nill, nillen, nesseln, sich
daran brennen.


dātNêst, nêsteln, nisten, nisteln.

de Njütte, njütten, nützen.

Nüjdd, nijddigen (nijdsāgen),
durch Zwang nöthigen-


de Narr, narren, narren-

dāt Ōfer, ōfern, opfern.

Ōngel, óngeln, angeln.

de Ohme, ohmen, athmen.

dāt Páck, pagen, pichen.

Pàl, ien, schelfen.

de Pāpe, pāpen, an der Brust
saugen-


Párl, párlen, perlen.

dāt Pàwer, pàwern, pfeffern.

dāt Páss, passen, pissen.

Päujn, päujnnigen, pfänden.

Pênn, pennen, mit dem höl.
zernen Wirbel, der Penne,
verschliessen.


de Pick, picken, picken, stacheln.

Pietsh, pietshen, peitschen.

dāt Pār, pāren, paren (sich).

de Plāck, plācken, flecken.

dāt Plaaster , plaastern , pflastern.

de Plaug, plaugen, pflügen.

Plōnt, plōnten, pflanzen-

Prauhs , prausen , trödeln ,
tünteln, faseln.


Pràms, prámsen, premsen.

de Plōck, plōcken, pflöcken.

de Pōjnte, jnten, würfeln,

de Pōse, pōsen, bauschen.

dePung, üttpungen, ausbeuteln,

277

2S3

ràgel, pràgeln , stricken.

tle, aufpulen , abpfählen.

imp, pumpen, pumpen.

ck, prácken, pricken.

ijnn, prijnnen, pfriemen.

^user, pudern' pudern.

Quālster, quālstern, qual-

•n.

nk, rānken, ranken.

auser, rausern' rudern.

äjdd, räjdden, 1. rathen,

3rrathen.

'gel, räigeln, regeln.

sp' rāspen, raspeln.

rw, rêwen, harken, rechen.

ieck , riecken , räuchern '

ken, rauchen.

Inn, rênen, regnen.

pp' rippen, reifen.

ik, ruken, schobern.

hmme, ruhmmen, rahmen,

ahmen.

Rümm ' rümmen ' räumen '

men, Gelass haben.

ip' rupeln, ein Tau auf-

en.

Ss' berühssen, berauschen.

um, rimmen, reimen.

il, forsaalen, versohlen.

ibel, saabeln, säbeln.

hg, sāgen, sägen.

rl, sāllen, satteln.

ül (jetzt dāt Sähw), säilen,

ten.

ilt, sālten, salzen.

inn, besánnen, besinnen.

Igel, sägeln, segeln.

dāt Sägel, forsägeln, versiegeln.

de Sênne, sênnigefi, sündigen.

dāt Siep, siepen, seifen.

dāt Sêlwer, forsêlwern, versilbern.

dāt Sháp, shàwen, schiffen.

Shaahs, shaasen, verriegeln.

de Shauch (Sho), shōien, schuhen ,
die Pferde; ihnen Hufeisen
unterlegen.


Shauwel, shauweln, schaufeln.

jöShàl, shàlen, schälen.

dāt Shámmel, shámmeln, schim-
meln.


de Shānse, shānsen, schanzen.

de Shāse, beshāsigen, beschädi-
gen.


de Shàne, shànen, beschienen.

Shruw, shruwen, schrauben.

de Shócke, shócken, hocken.

deSêck, sêcken, sácken , sacken.

de Sárkel, sarkeln, zirkeln.

de Sámmer, sämmern, sommern.

Sjāll, sjāllen, s. §. 151.

dāt Shümm, shümmen, schäu-
men.


Shüll, beshülligen, beschul-
digen.


Shäjl, beshäjlligen , beschul-
digen, richtiger als beshül-
ligen.


dāt Smähr, smeren, schmieren.

dāt Slubb, slubbern, schlürfen.

de Snie, snàien, schneien.

Sling, slingen, schleudern.

Snār, stiāren, schnüren.

Sjàrn, sjárnen, buttern.

de Säihs, säihsen, käsen.

30

278

SS4

de Shimp, slumpen, schlumpen.

Spōr, spōren, spornen.

dāt Spōr, spören , spüren.

de Slimm, slimmen, schleimen.

de Sjàme, sjámmern, schimmern.

de Slàhse, slàhsen, (der Schlit-
ten).


de Spicker, spickern, nageln.

dāt Spägel, spägeln, spiegeln.

de Shuller, shüllern, schultern.

Spānn, spānnen, spannen.

dāt Stōf, stöwwen, stieben.

de String, bestringen , besaiten.

dāt Spat, spàhsen, spiessen.

de Stijn, stienigen, steinigen.

de Sträujn, sträujnnigen , stran-
den.


de Staurm, staurmen, sturmen.

de Stámm, stammen, stammen.

Stjöi, stjöien, schaukeln.

dāt Sulew, sulwen, salben.

de Stāll, stāllen, stallen.

Spung, spungen, spangen' mit
der Spange befestigen.


dāt Staal, forstaaleri, verstählen.

de Spāse, spāsen, abspaten.

de Staapel, staapeln, stapeln.

Shātt, beshātten, beschatzen.

dātSlōmm, slōmmen, aufschläm-
men.


de Sjtter, snäjttern, tischlern.

de Sötter, itern, schustern.

de Shrüjdder, shrüjddern, schnei-
dern.


dāt Swaawel, swaaweln, schwefeln.
Spirr, spirren, keimen , spros-
sen.


de Straal, straalen, strahlen.
de Stümper , stümpern, stümpern.


dātSmink, sminken, schminken.

dāt Smull, smullern, krümmeln
(to erumble).


de Stäiwel, stäiweln, stiefeln.

Spaul, spaulen, spulen.

dāt Spünn, spünnen, spunden.

dāt Spütt, spütten, spützen.

Stjörr, stjörreti, steuern.

de Swierm, swiermen, schwär.
men.


dāt Stāhk, stāken, stakzäunen.

Strādd, strādden, grätschen.

Staürk, staurken, storchen.

de Stêlte, stêlten, stelzen.

dāt Strài, stràieln, streuen.

de Suhmm, suhmmen, säumen,

Swiep, swiepen, einwindeln.

dat Swiert, swierten, schwärzen.

de Stücke, stücken, aufstauchen.

de Stippe, stippen, stülzen.

dāt Steef, stêwen, da uben.

dāt Sucker, suckern, zuckern.

de Swáck, swácken, zwicken.

dāt Swinn, swennen, schweinen.

dāt Swijtt, swatten, schwitzen.

de Tāms, tāmsen, sieben.

dāt Tánn, fortánnen, verzinnen.

dāt Tiecken, tiecknen, zeichnen.

Tiem, tiemen, diemen.

de Tögel, tögeln, zügeln.

de Tōll, tōllen, zollen.

de Tōpp, tōppen, s. §. lö1.

Trêl, trêlen, rollen.

de Tāpe, tāpen, zapfen.

de Tjāre, tjāren, theeren.

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238

jüdder, tjüddern, töddern, anhalten mit der Arbeit.

ern. de Uhrs, uhrsen, lenzen, Früh-

iwse, tjáweln, zanken. ling werden.

ntle, tonteln, klöppeln. jö Wāgg, wāggen, wiegen in der

āst, trāsten, trösten. Wiege.

āw, trāwen, stiegen. dāt Wāgs, wāgsen, wichsen.

àwel, tràweln, auftrieseln. dāt Wāhser, wāsern, wässern.

wêl, twêlen, sabbern, de Wálle ' bewálligen ' bewilligen.

_àge, twàgen, ankleben. de Wārk, wārrigen, schmerzen.

mmel, trommeln, trommeln. de Wjàrt, beivjàrten, bewirthen.

dgter , trägtigen ' trichtern. dāt Wirk , wirken , ein Wirk

'is, tritsen, tritzen. setzen.

járn ' twjárnen, quernen. jö Wöff, wöwwen, weiben.

nne' tünnen, zinken. de Wonter, wontern, wintern.

hg , ugen , äjtügen ' streben ,

erkungen über diejenigen der vorstehenden Zeitwörter,
eiche nicht genau den deutschen entsprechen oder in
der Bildung abweichend sind.


151. Bjàrnen, verb. pass., geboren werden, als: wirrbàstbjàr-
vánne bàst bjàrnet? wo, wann bist du geboren? hähst't Tjöch
t? hast du das Vieh getränkt? Bührken, ist nicht allein
ken, sondern auch gerben, als: dāt Lähser ás ài nōg bührket,
reder ist nicht gar gegerbt. Brōdden, mit kleinen scharfen
1 beschlagen, um auf dem Eise stehen zu können. Dāmpen,
vrohl dampfen , als dämpfen. Dáshen , mit einer kleinen geöhr-
chale auf-, ein- oder umfüllen ' diese heisst (le Dásh. Emen, be-
lct das Aufsteigen heisser Wasserdämpfe oder des Brodems.
;' von dāt Fáll, das Füllen, ist einem nachlaufen, wie ein
I der Mutterstute. Die Wörter fêcken, sêcken, hōcken, shócken,
n nur vom Getreide gebraucht, und heissen fachen, sacken,
i und hocken , als beim Einfahren, dāt Kaurn fêcket gäujd,
gut im Fach oder füllt die Fächer gut; dāt hōcket gäujd,
; gut; shócket gäujd, hocket gut; sêcket gäujd, träwet gäujd,
t gut in die Stiegen. De Flābbe, fläbben, die Flabbe, dän.
ab, at fläbe, das Maul herabhängen lassen. Fäjtteln, ist


30*

280

236

vorschuhen, Füsslinge an Strümpfe stricken, ápfäjtteln. Grünnen,
gründen, darf nicht mit grünnen (to grind), auf der Mühle mahlen,
verwechselt werden. Grühssen, ist 1. zu Gries malmen, 2. mit
Gries belegen, z.B. die Gänge im Garten. Gröhsen, bezeichnet den
knirschenden Laut und die damit verbundene unangenehme Em-
pfindung, den z. B. Sandkörner und kleine Steinbrocken zwischen
den Zähnen verursachen. Grauwen, ist trockne Graben reinigen
oder a uf werfen ; grüppeln, kleine Abzuchten graben. Hauppen, v. tr.,
ein Fass reifen. Hägen, das Heck zuschliessen. Hijllen, die Helde
oder Fussfessel anlegen. Hjàrnen, von jö Hjàrn, die Ecke, der
Winkel, ist Kranke besuehen, um sich nach ihrem Befinden zu er.
kundigen , wo man dann gewöhnlich zu Häupten des Bettes im
Alkoven Winkel (jö Hjàrn) sitzt. Ijnnen, ist 1- beendigen, voll.
enden, 2. enden, 3. dem Ende sich sichtlich nähern, als: wanne
káast'et ijnne? wann kannst du es vollenden? l1örr wáll dāt ijnne?
wie wird das enden? dāt üirbed ānt nint, die Arbeit schreitet
nicht vorwärts, dem Ende zu. Dāt dder , jäddern ' eutern, gegen
die Zeit des Kalbens, von Kühen: jāddert gäujd, die Kuh
eutert nun gut. Kölken, mit Schüssern oder Knickern (Löpere) in
einem Grübchen spielen. Jö Klájnk, die Klinke, klájnken, 1. die
Thürklinke in die eiserne Falze fallen lassen oder drücken , 2. etwas
zusammennieten. Klōmpen, 1. klampen, 2. die grossen Heu- und
Getreideschober aufsetzen. Kláwern, klettern, aber mittelst der
Klauen, d.i. der Hände, bei Menschen. Koppeln ' jemand huckepack
tragen. JöLierk, eine kleine, flache, krause Brannteweinflasche,
die man in der Tasche tragen kann, wovon die Liebhaber fleissig
ein Schlückeben zu nehmen pflegen, was man lierken nennt: nü
hêt'r āll üttlierket, wát dirrätijn wās. Dāt Lück, lücken, die Luke
zumachen, und überhaupt zuschliessen. Räjdden, 1. rathen ' einem,
2. errathen, 3. zu befchlen, gebieten haben. DeRup, s. oben, engl
a roop, davon ábrupeln, das Tau in einen Kranz zusammenreifeln.
Berühssen, 1 . berauschen , 2. verschüttet werden, z.B. vomGerölle,
einem Bergsturz und dergl. Sácken, ist sich mehr nach unten
ziehen. Sjāllen, nach etwas ausschen, etwas gleichen oder ähnlich
sein. Jö Shüll, ist die Geldschuld; jö Shäjl, die Schuld an einem
Uebel, Ursache, und doch heisst beschuldigen immer beshülligen
statt beshäjlligen. Snāren, ist auch in der Schlinge fangen. Sjám-


281

237

lerii, von Sjàme, wie im Deutschen schimmern, von Schemen.
Slàhsen, Schlittenfahren. Spānnen ist auch äujnspānnen, faarspāa-
nen, aufspannen, an- vor- und abspannen. Stāllen, 1. auf den
Stall setzen, 2. von Pferden: pissen. Spāsen, mit dem Spaten ab-
stechen; spàsen, dasselbe. Stäiweln, stiefeln, nösläiwelt.r auf, nun
stiefelt er ab; bijnseln, nun beinelt er ab, d.h. er läuft. Stjörren,
steuern, wehren, hemmen. Stāken, ein Stak oder Staket setzen.
Stràielnf von Strài (Stroh, Streu), ist überall streuen. Stücken, ist
Torf aufstauchen. Stêwen, ein Fass mit Dauben versehen. Tiemen,
Heu zum Diemen oder Schober zusammenschleifen, von jö Tiem,
der Fahrzaum. Tōppen, 1.das Maass häufen; 2. mit einem Büschel
auf dem Kopfe versehen. Dāt Tjüdder, tjüddern, töddern, tüdern,
d. i. an den Spannstrick mittelst eines kleinen Pfahles (de Tjüd-
derpule) aufs Gras setzen. Twàgen, zusammenkleben, und zwar
mit dickem Hêfen, oder wie mit demselben gekleistert. Tünnen,
von de Tünne (Zinke), etwas mit Zinken versehen, z.B. en Hārrew
tünnen, eine Egge bezinken; sonst ist tünnen auch als verb- pass.
anschwellen, aufschwellen. Wirken, ein Wirk, das ist, einen bret- ,
ternen Zaun aus wagreehten Brettern machen. Jö Wöff, wöwwen,
wörtlich: weiben, d. i. dem Weibe beiliegen.


Anmerkung.

Ausser den unregelmässigen Bildungen des Zeitwortes aus
dem Hauptworte, wie forgêllen von Gäujl, bläjdden von Blwujd,
kiemmen von Kaumm , u. s. w. , finden wir unter denselben nicht
wenige, die auch sogar in der Zeitabwandlung (Conjugation) un-
regelmässig sind, was bei den Zeitwörtern dieser Art im Deut-
schen und Dänischen fast nie der Fall ist. Dahin gehören z. B.
forgêllen, fäirken, bläjdden, stöwwen, kiemmen, römen, têllen, von
Tāll, die Zahl; hijnnen, nāmen, von de Nōme; knêten, bemān-
nen, von de Mōnn, pl. Mānn; gräimen, spānnen, snàien, bäirigen,
fállen (fillen), grünnen, shênen, ijnnen, kölken, kluhsen, lühssen,
renen, smeren, slingen, stjöien, swiermen, fäjdden, räjdden, drie-
men, shöien.


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dung, als: kaast'r ālliene klār worde? kannst du allein damit
fertig werden? Hörr ging't hám áw't Āmthüss? Oh, he klāret
hám tjd; ick wáll me nōg klāre, ich will mir sebon helfen; will
mich schon verantworten; he klāret hám gäujd, er half sich gut
aus der Klemme, u. s. w. Die mehr oder weniger unregelmässi-
gen Zeitwörter sind hier: wiermen, käilen, hijtten, brijdden,
wäjtten, liewen, krömen, hieën, stállen, meren, formêren, u. s. w.


Käilen, ist 1. kalten, 2. kälten, 3. kühlen; hijtten, heizen, ist
nicht mit hijtten, heissen, einen Namen haben, zu verwechseln;
rippen ist hier reif werden; das andere rippen ist aueb reifen, als
Verb, Impersonale, und ein Fass reifen ist hauppen; stiwwern
(steifern) ist gerinnen, vom Blute, als: stiwivret Bläüjdd; will ist
1.wild,2. irre, daher: forwillern, verwildern , und huhm forwilligen ,
sich verirren; lácken ist hier einen Leck haben; huhm blögen,
sich schämen, erblöden; stállen ist hier stillen, sonst auch stellen;
aus lōng oder lung wird auch: lingen, 1. langen, und 2. sich
sehnen, forlingen, dāt Forlingen, das Verlangen; shirren, ist Eier
schieren, um zu sehen, ob sie frisch oder faul sind, und zum Be-
brüten taugen oder nicht.


e. Aus andern Zeitwörtern.

§. 154. Die eigentlichen Vorsilben des nordfriesischen Zeit-
wortes sind folgende:


1. äujnt (ent), in einzelnen Fällen vor dem Zeitworte ōnt, wie
in ōnturden, antworten ' dāt Ōnlass, das Antlitz. Goth. and,
althochd. ant, int, in, angels. ant und on, dän. und, in: äujntkà-
men, entkommen, äujntgongen, entgehen, u. s. w.


2. be (be), goth. bi, althd. bi, pi, ba, pa' angels. eng. und
dän. be, wie in begrippen, begreifen, belàwen, erleben, betālen,
bezahlen.


5. er (er) , nur in einzelnen , dem Deutschen entnommenen oder
nachgebildeten Wörtern, wie in erklären, erfāren, erkünnigen,
erkundigen.


4. for (ver), althd. far, fir, fer, angels. und dän. for, wie in
forjêhsen, vergessen' forgongen, vergehen, forlingen, verlangen.


Die vorzüglichsten Umstands- und Verhältnisswörter, welche
zur Umbildung des Zeitwortes gebraucht werden, sind diese:


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239

stâll, stállen , stillen.

saalig, besaaligen, beseligen.

fiill, fêllen, füllen.

sātt, sāhsigen, sättigen.
mörr, formêren, mehren.
ewig, forewigen, verewigen.
swānger, beswāngern, schwängern.
jüng, jungen , Junge werfen.
tt, rienigen, reinigen.
bándig, bándigen, bändigen.
hing, forlájngern, verlängern.
hijl, hielen, heilen.


fägel, fägeln, fehlen.

swār, beswêren, beschweren.

säker, säkern ' sichern , forsäkern,

versichern.
stumm, forstummen, verstummen,
mánnere, mannern und formán-


nern, mindern.
ijn, ihnen, fotihnen, einen.
shirr, shirren, s. §. 153.
glátt, glátten, glätten.
mill, millern, mildern.
nōg, näigen, genügen.


Bemerkungen.

§. 153. Auch bei der Bildung des Zeitwortes aus dem Adjee-
tiv, finden wir nicht allein mehrere unregelmässige Bildungen,
sondern auch wieder irregulaire Zeitwörter vor. Die Verba: for-
grottern, mánnern, formánnern, forwillern, berickern, forlájngern,
stiwwern, sind aus dem vergleichenden Stande des Bestimmungs-
wortes (dem Comparativ) gebildet, wie auch forbäsern aus bäsere,
besser. Die Wörter hárden, bliecken, uken, surren, klāren, drögen,
hielen, hieën, können sowohl transitiv als intr. gebraucht werden,
je nachdem der jedesmalige Sinn es erheischt, als: he hárdet dāt
Stäjll, er härtet das Eisen, dāt Staal hárdet, der Stahl hartet,
bärtet sich; jö bliecket hárr Lànert, dāt Lànert bliecket, sie bleicht
ihre Leinewand, die Leinewand bleicht; ick uhk Ārte,
Arte uke, ich weiche die Erbsen, die Erbsen weichen; sürret
de Dieh, de Dieh sürret, sie säuert den Teig, dieser sauert; he
klāret Brānnwinn, er klärt Branntewein, dāt Wähser klāret, das
Wetter wird klar; ick dröhg min Kluhse, ich trockne meine Klei-
der, min Kluhse dröge (trocknen); dāt Plaaster hielet min Häujnn,
das Pflaster heilt meine Hand, Wünnen hielet nö, die Wunde
heilt jetzt; ick iváll Shêw en làiet hied hêwe, ich will den Tisch
ein wenig erhöht haben, dāt Wāhser hiet, das Wasser steigt oder
schwillt an. Shōr (steil), shōren, steil werden, steil machen.
Klär ist auch fertig, und das davon gebildete Wort klären giebt
einen ganz andern Sinn, und gestattet eine vielfachere Anwen-


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dung, als: kaast'r ālliene klār ma worde? kannst du allein damit
fertig werden? Hörr ging't hám áw't Āmthüss? Oh, he Klāret
hám gäujd; ick wáll me nōg klāre, ich will mir sebon helfen; will
mich schon verantworten; he klāret hám gäujd, er half sich gut
aus der Klemme, u. s. w. Die mehr oder weniger unregelmässi-
gen Zeitwörter sind hier: wiermen, käilen, hijtten, brijdden,
wäjtten, liewen, krömen, hieên, stállen, meren, formêren, u. s. w.


Käilen, ist 1. kalten, 2. kälten, 3. kühlen; hijtten , heizen, ist
nicht mit hijtten, heissen, einen Namen haben, zu verwechseln;
rippen ist hier reif werden; das andere rippen ist auch reifen, als
Verb. Impersonale, und ein Fass reifen ist haüppen; stiwwern
(steifern) ist gerinnen, vom Blute, als: stiwwret Bläüjdd; will ist
1.wild,2. irre, daher: forwillern, verwildern, und huhm forwilligen ,
sich verirren; lácken ist hier einen Leck haben; huhm blögen,
sich schämen, erblöden; stállen ist hier stillen, sonst auch stellen;
aus lōng oder lung wird auch: lingen, 1. langen, und 2. sieb
sehnen, forlingen, dāt Forlingen, das Verlangen; shirren, ist Eier
schieren, um zu sehen, ob sie frisch oder faul sind, und zum Be-
brüten taugen oder nicht.


e. Aus andern Zeitwörtern.

§. 154. Die eigentlichen Vorsilben des nordfriesischen Zeit-
wortes sind folgende:


1. äujnt (ent), in einzelnen Fällen vor dem Zeitworte önt, wie
in ōnturden, antworten ' dāt Ōnlass, das Antlitz. Goth. and,
althochd. ant, int, in, angels. ant und on, dän. und, in: äujntkà.
men' entkommen, äujntgongen, entgehen, u.s. w.


2. be (be), goth. bi, althd. bi, pi, ba, pa' angels. eng. und
dän. be, wie in begrippen, begreifen, belàwen, erleben, betālen,
bezahlen.


5. er (er) , nur in einzelnen , dem Deutschen entnommenen oder
nachgebildeten Wörtern, wie in erklären, erfāren, erkünnigen,
erkundigen.


4. for (ver), althd. far, fir, fer, angels. und dän. för, wie in
forjêhsen, vergessen' forgongen, vergehen, forlingen, verlangen-


Die vorzüglichsten Umstands- und Verhältnisswörter, welche
zur Umbildung des Zeitwortes gebraucht werden, sind diese:


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1- Ap (auf, herauf), mit àw verbunden , hinauf , engl. up, upon),
dän. und nd. op, als: ápstäujnnen ' aufstehen, ápgongen, aufgehen,
àptoien, aufthauen, ápslitten, aufschleissen.


3. Auf (ab), engl. off, of, dän. af, heisst sowohl ab als von,
wie in auflieen, abziehen, aufhälen, abholen, aufbrêgen, abbrechen,
aufināgen, abmachen.


5. 'Äw (auf), engl. upon, dän.paa, als: àwsluhggen, aufschla-
gen, darauf losschlagen; in einem Buche heisst es: ápsluhggen;
wwgungen, anfechten, àwsêtten, aufsetzen z. B. den Hut; ápsêtten,
1. in die Höhe richten, 2. hinaufsetzen, 3. aufschieben.


4. Bài (bei), goth. angels. dän. und nd. bi, engl. by, als: bài-
gongen, beigehen, sich etwas lassen, bàibliwwen, beibleiben, fort-
fahren.


5. Döhr oder dör (durch), angels. thurh, engl. through , nd. dör,
als: dōrgtêgen, durchstechen.


6. In (ein, hinein, herein), goth. althd. angels. und engl. in,
dän. iml, als: ingongen, eingehen, innàmen, einnehmen, infriesen,
einfrieren, insêtten, einsetzen.


7. Faar (vor und für), goth. faur, faüra, angels. fore, dän. for,
engl. fore, nd. för oder vor, als: faarmāgen, vormaeben, faarbie*
en, vorbeugen.


8. Hàne (hin), angels. hin, dän. und nd. hén, als: fiànehüjllen,
hànegongen, hingehen, hàneslàwen, hinschleppen.


9. Jurt,jurte (her, zu, herbei), angels. hider, engl. hither, zu
einem heran , als: jurtkàmen, herkommen.


10. Dähl (nieder, herab, hinab), nd. daal, engl. down, als:
dählsluhggen , erschlagen, dählfāllen, niederfallen, dählshriwwen ,
niedersehreiben K


41. Äujn (in, an), angels. on' dän. i undpaa, engl. on, als: äujn-
kàmen, ankommen, äujntieen ' anziehen sich, äüjnsluhggen, an-
achlagen, äujnsmitten, hineinwerfen.


1 Dähl steht auch in Verbindung mit äujn (hinein) , àw (auf)
and ám (um): dähil äujnt Greef, ins Grab, dähl àw'e Teele, auf
den Fussboden, dähl ámt Tōrp, unten ums Dorf. Wenn dähl
bloss den Ort des Befindens bezeichnet, so heisst es dêle, als: gong
iähl! geh hinunter! ick bán āll dêle, ieb bin schon unten.


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43. Máss (miss, fehl), in den alten verwandten Sprachen miss;
daher mássen, fehlschlagen, und másten, missen, entbehren: wie
in másslócken, misslingen, missglücken.


13. Má (mit), goth. mith, angels. mid, dän. med, als: mákàmen,
mitkommen, máspàlen, mitspielen.


14. Efter (after, nach), goth. aftra, angels. äfler, engl. after,
als: êfterlàwen, nachleben, êfter fülligen, nachfolgen.


15. Auwer (über), angels. ofer und ufer, dän. wer, engl. over,
nd. over, als: huhmauwerilen, sieb übereilen, auwerlêdden, überle-
gen.


16. Am (um), altfries. umbe, dän. om, omme, nd. ttm, als: am.
fāllen, umfallen, ámlêdden, umlegen, daher: de Amlêdder, das
Einlegemesser; ámbringen, 1. umbringen, tödten, 2. etwas zum
Nachbar bringen, es ihm umbringen, sonst auwerbringen.


17. Wág (weg),wágluppen, weglaufen, wágbliwwen, wegbleiben.

18. Wihsser (wider und wieder), wàhser (wider), goth. vithra,
althd. wider, widar, angels. vidher, dän. der, nd. wedder ' als:
wihsserlêdden , widerlegen, wihsserkàmen , wiederkommen, u. s. w.
Wáhser nur bei Hauptwörtern, als: de Wàhserwálle, wàhserwállig,
der Widerwille; wádderne, zuwider, wádderlick, widerlich.


19. tjn oder ijnn (gegen), ápijn (gegenan), äujntijn, entgegen ,
angels. gegn, geän, dän. gjén, engl. against, als: ápijngongen, ge.
genangehen; äujntijngongen , 1. entgegengehen, 2. zuwidergehen.


20. (zu), goth. du, althd. za, ze, zi, zuo, altfries. te, engl.
to, nd. to, als: tólingen, 1. zulangen, 2. hinreichen; tóstäujnnen,
de Tóständ, der Zustand.


21. Faurt (fort), angels. forth, als: faurtugen, fortarbeiten.

22. Unner (unter), goth. undar, althd. untar, altfries. dän. und
engl. under, nd. unner, als: unnergongen, untergehen ; unner-


jcken, untersuchen.

. .

23. Ajtt, engl. at, dän. ad, als: äjttdrêgen, sich gebehrden, be.
tragen, äjttmāgen, fortmachen, äjttugen, fortarbeiten.


24. Utt (aus), goth. und nd. ut, angels. ut, dän. «(l, engl. out,
als: üttsluhggen, ausschlagen, üüdden, auslegen, auch deuten.


287

U3

Beispiele zur Anwendung-

§- 155. Bággen, bauen, be- for- ájhüti- faar- auwer- ámb- und
ámbággen.


Bádden, bitten und bettehh, auf- ütt- forbádden,

Bijdden, bieten und gebieten, för- áp- ütt- in- má- aujn- auwer-
tóbijdden.


Bieên, biegen, för- faar- ámlneên.

Binnen, binden, be- for- iw- áp- bài- in- auwer- ám- unner-
tóbinnen.


Blaasen, blasen, auf- àw. áp- ütt- inblaasen.

Bliwwen, bleiben, for- auf- bài- auwer- êfter- wág- innnebliwwen.

Bringen, bringen, for- faar-auf-áp- bài- ütt- in- jurt- hàne- dähl-
äujn- má- êfter- auwer- ám- wág- wihsser- tó- faurt- unnerbringen.


Brêgen, brechen, for- auf- áp- ütt- döhr- inbrêgen.

Brānnen , brennen ' for- auf- áp- ütt- in- dählbrānnen-

Brücken, brauchen, for- auf- ápbrücken.

Daawen, toben, aufdaawen.

Dieleti, theilen, for- auf- ütt- in- má- ám- tódielen-

Drêgen, tragen, be- for- auf- àw- áp- ütt- bài- äujn- má- êfter-
annwer- ám- tó- äjtt- faardrêgen.


Drájnken, trinken, be- for- auf- áp- ütt- mádrájnken.

Bräwen, treffen, be- dujndrāwen.

Dráien, drehen, for- auf- áp- ütt- faar- in- ámdráien.

hssen, deuten, be- üttdühssen.

Drögren, trocknen, auf- áp- ütt- indrögen.

Drücken, drucken, be- for- àw- ütt- êfter- ámdrücken. — Das
deutsche drücken ist im Nordfries. krögen.


Driwwen, treiben, be- for- faar- auf- àw- áp- hàne- dähl- äujn-
má- êfter- auwer- ám- wág- faurt- tódriwwen.


Brillen, 1. drillen, 2. prellen, necken, dör- indrillen.

Ennen, Abend werden, ênnen, ganz Abend werden.

Ahsen, essen, for- auf- áp- üttähsen.

Aiwnen, ebnen, üttäiwnen.

Annern, ändern, for- auf- ámánnern,
. Äinen, eignen, āinen.


Fören, fahren, 1.einherfahren, 2. schiffen (auf dem Wagen fah-

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ren heisst käiren), be- er- fer" auf- áp- dähl- ütt- dōr- in- aujn-
má- êfter- auwer- ám- wag- tó- wihsserren.


Fäiren, führen, frr- auf- áp- Ütt- in- faar-jurt- hàne- dähl- äujn-
auwer- wag- wihsser- tófäiren.


Fairken , mit der Heugabel auflangen, ápfäirken.

Fäilen, fühlen, be- faar- äujnfäilen.

Fāllen, fallen, be- for- auf- áp- ütt- bái- dör-faar- dählfällen, i.
herunterfallen, 2. sich todtfallen; aujn- wág- tdfāllên-


Fāhsen, fassen» besonders mit dem Verstande, be- äujn- áp-
infāhsen.


Flieën, fliegen, be- for- auf. ütt- in- dör- auwer- ám- wag, tó-
flieën und flijn.


lligen, folgen, be- for- êfterfölligen.

Finnen, finden, be- auf- ápfinnen, erfinden.

Flàien, 1, aufputzen, 2. ausbessern, 5, zurichten, op- ütt- tó-
fláien, sich beschmutzen.


Fêllen, füllen, for- auf- àw- áp- ütt- äujn- fêllen.

Flijtten, fliessen, beflijtten, 1. befliessen, 2. befleissen, for- auf.
ütt- dör- in- auwer- ám- tóflijtten.


Frêsen, fressen, for- auf- áp- üttfresen.

Fausern, füttern und futtern, auf- áp- ütt- unnerfausern.

Gāwen, gaffen, be- for- auf- áp- in- ütt- ámgāwen.

Gijtten, giessen, be- for- auf- àw- áp- ütt- in- düjn- ám- tö.
wággijtten.


Gongen , gehen, be- for- auf- àw- áp- ütt- bài- dör- in- má- Sftêr.
auwer- ám- hàne- jurt- apijn- äujnt- faurt- tó- unner- äjttgongen,
anfechten.


Grêwen, graben, be- for- auf- áp- ütt- ámgrêwen,

Grippen, greifen, be- for- áp- ütt- in- faar- auwer- ám- êfter-
unner- tógrippen.


Glidden, gleiten, auf- ütt- inglidden.

§. 156. Um die Beispiele nicht ferner unnöthigerweise zu ver-
mehren, da die vorstehenden hinreichen werden, die Anwendung
der Vorsilben und der vorzusetzenden Umstands- und Verhältniss-
wörter zu zeigen, wollen wir nur die einfachen Zeitwörter her.
setzen, und bei einzelnen der bildungsfahigsten uns eine etwas
ausführlichere Behandlung erlauben, als: kn, 1. holen, 2. ein


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245

Seil oder Tau straffer anziehen; hàrken, 1.horchen, 3. gehorchen;
hieren, 1- hören, 2. gehorchen; háwwen, 1. hauen, 2. mähen; hêl-
pen, helfen; hüjllen, halten; xen, hexen; hielen , heilen; hingen ,
hängen; hieen, 1. steigen, anschwellen, vom Wasser, 2. erhöben;
hōwen, hoffen; hijnnen, 1. mit den Händen auffangen, 2. sich er-
eignen, sich begeben; Mjnnigen, händigen, mit in- einhändigen,
auf- abhändigen; ijnnen, 1. enden, beendigen, 2. gut fortschrei-
ten mit der Arbeit; jägen, jagen; bben, japipen ; jêwen, geben,
wie. z. B. Karten geben, 2. dem Vieh ein Futter geben, 3.ickjêw'r
nint am, ich gebe nichts darum, mag es nicht; dá Uttjêfte, die
Ausgaben; jüdden, gäten; jögen, jochen; jüllen, 1. gelten, 2. wim-
mern; käiren, fahren, mit dem Wagen; kàmen , kommen, de A'p-
kámst, das Emporkommen; de Aujnkámst, Ankunft; kieren, keh-
ren; künnigen, kündigen z.B. ein Kapital; kaanen, können; kiem-
men, kämmen; nten, kanten, mit ám; kāpern; kringen, drän-
gen; kaaren, karren; kaarden, kartenspielen ; kupen, kaufen;
káwwen, kauen; kägeln, kegeln; kiwwen, keifen; knippen, kneifen;
Ueken, gucken; killen, kitzeln; klàwen, kleben; klädden, kladden,
klittern; klöppen, klopfen; kluhsen, kleiden; knōppen, knüpfen;
knāsen, krachen; kriepen, kriechen; käilen, kühlen; gen, ko-
chen; kráwweln, kraueln, kriechen, besonders von ungeflügolten
Insecten; klámmern, klettern; kliwwen, klimmen, auch überstei-
gen; krāwen, mahnen; lāwern, mit áp- auftrieseln, z- B. einen
Strumpf; làwen, leben; läjtten, lassen; lāken, lachen; lācken , la-
cken; löwern, verb. neutr., schwülen, schwül werden; lāntern, 1.das
Siteigen der Beete in einem gewissen Kartenspiel, 2. so hinschlen-
dern, als: dāt lāntert so auf!; lànen, lehnen; ládden, liegen; lêd-
den, legen; laukken, lugen, sehen, gucken; läujnnen, landen;
lêsen, 1. lesen, 2. laden, beladen; liesen, lösen; lienen, leihen;
lieren, lernen und lehren; jö Lier, 1. Kenntnisse, 2. die Lehre;
lunnern, das Hullern oder Lodern des Feuers im Stubenofen; lingen,
klangen, reichen, 2. mit êfter, sich sehnen; ljägten, hellen, er-
hellen; ljógten, leuchten, deLjógter, die Leuchte, Laterne; liewen,
4- lieben, de Liewde, die Liebe, 2. glauben, de Luwe, der Glaube;
fjaagen, lügen, jö Ljägen, die Lüge, dāt Lāgeniet., der Lügner,
veräehtlich statt Lägner; luhnen, lohnen, dāt Lüjn, der Lohn;
lupen, laufen, de Lup, der Lauf, de Löper, dāt Lāpelse, das Laab


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U6

oder Rinsel beim Käsen; lören, oder lörren, lauern, jö Löhr und
Lörr, die Lauer; lücken, zuschliessen ; läivern, liefern; lájn-
ken, leicht einherhüpfen ; mögen, machen; maagen, mögen; māh-
fen, mit Farben; mārken, merken; mäjtten, 1. messen, 2. begeg-
nen; mäujtten, müssen; miesen, meiden; mienen, meinen, jö Mie-
ning; mêren, mehren; mingen, 1. mengen, 2. zaudern; mjárnen,
morgnen, Morgen werden (wie dêgen, tagen); mören, mauern, jö
Möhr; mölken, melken; mjógsen, misten; münstern, mustern; mi-
sten, nebeln; muddern, aufschlammen , baggern; fiten, nennen;
námen, nehmen; neren, nähren; nácken, nicken; ō fern, opfern;
ōhmen, athmen, de Ohme, der Odem; órdnen, ordnen; órdielen,
urtheilen; öwen, üben; pāren, sich paren, gatten; päcken, 1. pa-
cken, 2. sich packen, dāt Pāck, 4. der Pack, 2. das Pack; pāssen,
passen; págen, pichen; pálen, schelfen; päujnningen, pfanden; piet-
shen, peitschen ; piesern , albernes Zeug schwatzen; picken, 1. picken,


2. pieken z. B. den Schlitten mit der Pieke oder dem Piekstabe
vorwärts treiben; plāgen,Plāg, die Plage; plaugen, pflügen;
plirren, hlinzeln; pläsern, plätschern; plōnten, pflanzen; plōcken,
pflöcken; plucken, pflücken; plümmern, trüben; pochen, auf sei-
nen Reich thum, (pochen v. a., schlagen, klopfen, ist klōppen und
bögen); prälen, 1.sehr laut rufen, schreien, 2. mit etwas prahlen,


3. glänzen, scheinen; präjten, predigen; präiwen, prüfen, probi-
ren ; prausen, mit einer Arbeit stümpern, hümpeln; im Dochte
stochern; prihssen, preisen, rühmen, de Priss, 1. der Preis einer
Waare, S.Lob, Ruhm; pumpen, pumpen; putsen, putzen; prácken,
pricken; pràgeln, 1. prickeln, 2. stricken; räjdden, 1. rathen, 2.
errathen, 3. über etwas zu gebieten haben; rägen, 1. den Bart
scheeren, 2. hervorragen, 3. raken: tóhupperägen , dählrāgen; raasen,
rasen; rābben, rupfen ;rānen, rennen, deRänster, der Renner; rau-
en, ruhen; raaieln, taumeln; räieln, riegeln, bei den Schneidern
mit Riegelfäden heften, die wieder ausgezogen werden, davon
nun: dāt Spánnräiel, Spinnewebe; rairen, rühren; ränken, sich
ranken; räisen, reisen; rägnen, rechnen; rêken, recken, daher
dātRáck, nd. dāt Rick, als: Hānneráck, die Hühnerweime , Fāhse-
ráck, das Schüsselbrett, dāt Hájnsteráck, die Heuraufe, u. s. w;
rásten, 1. das ausgedroschene Stroh mit der hölzernen, zwieseli-
gen Gabel aufschütten, damit das Korn aus den Halmen fällt,


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3. rasten, 5. ick wáll de wát räste! ja, ich will dir was anderes!

4. auf dem Rost braten» als: Aile rasten, Aale rösten; resen, ur-
sprünglich 1. reden» daher dāt Reess, die Stimme, als: en fien, en
grōw Reess, dän. en Röst, 2. die Haare auskämmen, 3. (mitütt) sich
aus einer verwickelten Sache herausfinden oder herausreden; be-
rêsen, bereiten, tórêsen , zubereiten; rieken, räuchern; rücken,
rauchen; ridden, reiten; riesen, sich in die Höhe richten, erbe-
ben, aufstehen, en Hüss riesen, ein Haus richten, davon: de Riese,
der Riese; riwwen, reissen; rummeln, rumpeln; rósten, rusten;
ringen, läuten, de Ringster; rógten, rechten und richten, de Róg-
ter, der Richter; rudden, wild im Bette sich hin- und herwerfen,
von ungezogenen Kindern ; aus Huthwillen einen Gang über einen
Wall oder ein Schlupfloch in einen Zaun machen , Kluhse fon 't
Liff rudden; rōsen, faulen; sägen, sägen; sällen, satteln; sālten,
salzen; sájnken, sinken; sānken, senken; sátten, sitzen; sáten, set-
zen; sánnen, 1. sinnen, 2. sonnen; sāgnen, vermissen; säicknen,
auch vermissen, nicht finden können; säjcken, suchen; säujnnen,
sanden; sàgeln, 1. hintaumeln, 2. sabbern; shaamen, verb. ree, sich
schämen ; shāfen ' sebaffen ' in beiden Bedeutungen ; shānken , schen-
ken; shàlen, schäIen; shêlwen, zittern; shàwen, 1. schiffen, 2. von
Schäben reinigen ; sháwwen, den weiblichen Hausvögeln unterm
Steiss fühlen, um zu erfahren, ob sie bald ein Ei legen werden;
shácken, 1.huhm, sich schicken, 2. schicken, senden; shijtten,
schiessen ; shiesen ' scheiden ; shêren, schneiden ; shijnnen , schänden;
shênen, scheinen; shêllen, schelten; shêmpen, schimpfen; shràien,
schreien; shrāwen, schaben; shriwwen, sebreiben, jö Shráft, die
Schrift; shudden, 1. schütteln, 2. schütten, 3. schüttern; shruwen,
schrauben; sênnigen, sündigen; süppen, saufen; shöwwen, schieben,
dāt Shöff, dāt Shōf, dāt Shuf,Shàwe; slühggen, schlagen,
de Slieck, de Slāg; släipen, schlafen; släsern, plaudern, schwat-
zen; slàwen, schleppen; slieren, schmeicheln; slippen, schleifen;
sàien, nähen; slitten, 1. aus der Tasche verlieren, 2. schleissen,


5. jemand auf die rechte Art zu behandeln wissen, kōn hám
nōg slitte, forstōnt hám gäujd slitten; slingen, I. schleudern,
2. schlingen ; smöken , schmauchen ; smicheln , schmeicheln ; smeren ,
schmieren; sieen, sehen; sieen, säen; smolten, schmelzen; süngern,
gellen; sōngern, anbrennen, von Speisen, sengern; somen' 1. sich


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ziemen, 2. säumen, zaudern, 3. aufsummen, als: dāt sömet ap;
sōgen, saugen; smuren, schmoren; shridden, schreiten; shrielen,
schrillen; sillen, treiben, auf dem Wasser; sühssen, sausen; süp-
pen, saufen; sihssen, zischen; snaucken, stöbern; snàgen, schlei-
chen ; slêken , löschen ; stêgen , 1 . stechen , de Stāhg , 5L stecken ; stêllen ,
stehlen; spàien , speien; shunigen, schonen; sonnern, sondern;
snäjtten, schnäuzen, die Nase; sōren, siechen, kränkehi; Shràien,
schreien; sijnnen, senden; snáppen, schnappen; spálen, spielen;
spillen, i. spalten, 2. Mtspijllen , speilern, de Spijlk, der Speiler;
spannen, spinnen; spāren, sparen; spāilen, spühlen; slürren, schlö-
ren, schlören; stámmen , 1. stimmen, 2. berstammen; spregen, 1.
sprechen, jemand, 2. auf wát sprêgen, es herausstreichen, rüh-
men, davon de Sprāike, die Sprache; stäuinen, de Stānd; be-
stäujnnen, de Bestānd, bestándig , Bestándighāid , ünbestándig, Unr
bestándighäid; forstäujnnen ' de Forstānd, forstándig, ün forstándig ;
ápstäujnnen, de Apstānd; istäujnnen , de Bàistānd; üttstäujnnen;


faarstäujnnen , de Faarstānder; äüjnstäujnnen, de Äujnstānd, äujn-

. . . .

stándig, ünäujnstándig , Aujnstándighäid , Unäujnstándighäid ; äujnt

stäujnnen ' auwerstäujnnen ' wihsserstäujnnen , unnerstäujnnen , ii-
stäujnnen, de stānd, de A'mstānd, pl. Amstánde; forstijnmg,
ünforstijnnig , huhm forstijnigen ' sich verständigen, forstöntlick,
verständlich) ünforstōntlick ; de Stäujnner, der Leuchter; de Stön-
ner' der Ständer. Diess als Beispiel für die Behandlung der übri-
gen hier vorkommenden Zeitwörter. — Sprijdden, spreiten; spō-
ten, spotten; springen, springen; splàhsen, splissen, ein Tau ins
andre; swäwen, schweben; swiermen, schwärmen; swālken, schwal-
ken, sich herumtreiben, sowohl zu Wasser als zu Lande, u, s.w,
daher de Swālker; swátten, schwitzen; swummen, schwimmen;
swênnen, schweinen; swájngeln, schwindeln, taumeln; spānnen,
spannen; spihssen, speisen; stäirwen, sterben; stijtten, stossen;
swêgen, schweigen; sjōngen, de Sōng, singen; stōppen, stopfen;
staurken, storchen , mit ámbài, herumstorchen, wie ein Storch
auf langen Beinen; straalen, strahlen; snubbeln, stolpern; sörten ,
stürzen; stricken, streichen; stragen, die Sense streichen, um sie
zu schärfen; staurmen, stürmen; stjāwen, gaffend unherstorehen;
sträwen, 1. streben, 2. streiten; strulen, strullen; tásen, föppen;
täiwen, warten; têren, zehren; têllen, zählen; tāpen, zapfen; tiê-


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Mm, aus einander zupfen; tietieth, dienen; tie-en, ziehen; tieren,
sich gebehrden; ijögen, 1. sich anschaffen, nd. lügen, 2. zeugen,
vor Gerieht; tijnnen, zünden; trácken, am Stricke ziehen, z. B
ein Rind; twingen, zwingen; twiwweln, zweifeln; tjāsen, rappeln;
tjäddern. trampen, trampeln; trāwen, traben; trögeln, abbetteln;
tröwwen, drohen; tōppen, häufen, das Mass; waagen, i. wachen,
3. wagen ; wigen , wiegen und wägen ; wirken, wirken ; wannen, gewin-
nen; wjárpeln, worfeln; ivāllern, wälzen; wippen , wippen; wirrigen ,
erwürgen; wijnnen, wenden; wierwen, werben; wáddern, wittern
an der Luft und der Sonne; wicken, weichen; winnen, winden;
wàhsen, wissen; wállen, wollen; wàhlen, welken; wāllen, wallen;
wunnern, wundern; mhen, wünschen; njàrdigen, würdigen;
wrāseln, ringen mit einander; wringen, Wäsche ausringen; wrihs-
Mn, reiben, drehen; wrōten, wühlen, u. s. w.


§. 157. Noch ein durchgeführtes Beispiel der vorstehenden
Worthildungsweise, als: gongen, de Gōng, begongen; dāt Begáing-
niss; Bjtlgangen, anfechten; äujngongen, de Aujngōng; äujntgongen;
forgongen , forgáinglick ,Forgáinglickhäid , ünforgáinglick, jö (lft-
fifrgáinglickhäid ; de Gáinger, de Gōngster; aufgongen, de Aufgōng;
ápgongen, de Apgōng; üttgongen, lmgongen, ingongen, de Ingōng;
de Üttgöng; dörgongen, de Dörgōng, 1. Durchgang, 2. Durchfall;
faargongen, jurtgongen, hànegongen, lilgongen, de Faargōng, de
Dählgöng; ámgongen, de A'mgōng, 1. Umgang, 2. grassirende Krank-
heit; ijngongen, tógongen, de Tógöng, de Ajttgōng; faurtgongen,
de Faurtgōng; unnergongen, de Unnergōng; gāngs wesen; jngig,
gang und gebe; tógōngs, zu Gange sein; ámgáinglick , umgänglich;
tógáinglick, üntógáinglick, Tógáinglickhäid, Untogáinglickhā